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BuyBust (2018)

16. November 2018 at 19:13

 

 

© Viva Films/Well Go USA Entertainment/Quelle: IMDb

 

 

 

Dem Drogenboss Biggie Chen soll bei einem Drogendeal endgültig das Handwerk gelegt werden, doch der Zugriff einer philippinischen Spezialeinheit geht schief und plötzlich sehen sich die Männer und Frauen einer schier endlosen Übermacht in den Slums von Manila gegenüber. Ein gnadenloser Kampf ums Überleben entbrennt.

 

Diesmal die Philippinen statt Indonesien. BuyBust von Regisseur Erik Matti ist eine Art The Raid light in den verwinkelten, unübersichtlichen und manchmal geradezu klaustrophobisch engen Slums von Manila statt einem Hochhaus in Jakarta, ohne jedoch jemals dem offensichtlichen Vorbild das Wasser reichen zu können. Zwar ist das beinahe schon urwaldartige, dreckige und kaum zu überschauende Labyrinth aus Sperrmüll, Plastikplanen und Wellblech voller potentieller Gefahren und BuyBust versteht es stellenweise immer mal wieder Spannung aufzubauen, doch der Film ist für seine Laufzeit von rund zwei Stunden mit so wenig Inhalt vor allem zu lang geraten, und auch das erzählerische Tempo gerät immer wieder ins Straucheln. Besonders zu Beginn braucht BuyBust zu lange, um richtig Fahrt aufzunehmen, bietet im Gegenzug aber auch kaum brauchbares Identifikationspotential.

 

Zwar versucht Matti den Fokus zunächst auch auf die Figuren zu legen, doch wirklich gelingen will ihm das nicht. So braucht es rund eine halbe Stunde, bis der Film seine eigentlichen Qualitäten demonstrieren kann: die Action. Die Shootouts können sich wirklich sehen lassen, sind druckvoll in Szene gesetzt und lassen es ordentlich krachen. Leider können die Kampfszenen da nicht so ganz mithalten, lassen Druck, Tempo und vor allem Können ein wenig vermissen (oder ist man da inzwischen durch Bretter wie The Raid, Headshot oder The Night Comes for Us etwas verwöhnt?) und auch der manchmal etwas unübersichtliche Schnitt macht das nur bedingt besser. Dafür ist BuyBust insgesamt erstaunlich kompromisslos und stellenweise ist es fast schon unangenehm, mit welcher Kaltblütigkeit Kollateralschäden in Kauf genommen werden. So bleibt unterm Strich ein durchaus ansehnlicher Actionreißer von den Philippinen mit Höhen und Tiefen, der zwar nie in die Oberklasse vorstoßen kann, aber dennoch in seinen besten Momenten ordentlich Gas gibt, vor allem ein nicht ganz so verbrauchtes Setting vorzuweisen hat und visuell interessante Punkte setzen kann.

 

6,5 von 10 zerfetzten Körpern im Dreck

 

 

 

Blutiger Freitag (1972)

15. November 2018 at 12:40

 

 

© Gloria Film/Quelle: IMDb

 

 

 

Berufsverbrecher Heinz Klett ist eben erst aus der Untersuchungshaft entflohen, da plant er schon mit seinem Komplizen Luigi und dessen Freundin Heidi einen spektakulären Banküberfall. Als die Situation eskaliert, verschanzen sie sich mit Geiseln in der Bank, während draußen immer mehr Polizisten aufziehen. Die Lage scheint aussichtslos, doch Klett ist nicht Willens aufzugeben.

 

Heinz Klett, der zweifellos räudigste Bankräuber des deutschen 70er Jahre Kinos, Schrecken des Spießbürgertums, Feind des Establishments und nicht einmal im Ansatz Sympathieträger. Sein Motto: Hemmungen? Null. Rücksicht? Null. Eröffnet von einem fluffigen Stück Funk aus der Feder von Francesco De Masi lässt Regisseur Rolf Olsen hier eine buchstäblich entfesselte Gewalt auf den Zuschauer los, schonungslos, dreckig, schmutzig und in höchstem Maße politisch unkorrekt, aber eben auch mit ordentlich Haaren am Sack. Blutiger Freitag hebt sich in der deutschen Kinolandschaft der frühen 70er Jahre überdeutlich von den endlosen eher zahmen Produktionen jener Zeit ab und steht in prall gefüllten Lederhosen in seiner radikalen Andersartigkeit auf Augenhöhe mit den Filmen von Roland Klick. Ähnlich wie Klett selbst aus der tauben Masse der Gesellschaft ragt und sich von moralischen Fesseln befreit hat, so macht es auch Blutiger Freitag.

 

Olsen beweist eindrucksvoll, wozu das deutsche Genre-Kino schon damals fähig war und macht im Vorbeigehen einen zwar eher oberflächlichen, aber dennoch eindeutig vorhandenen gesellschaftspolitischen Diskurs aus dem eigentlich eher flachen Stoff und liefert zudem ein gelungenes filmisches Bild jener Zeit voller Lokalkolorit. Blutiger Freitag besticht durch eine enorm zynische, geradezu nihilistische wie konsequent garstige Atmosphäre und ein ausgesprochen düsteres Menschenbild. Klett, dieses fleischgewordene Fuck You, ist der zerstörerische Mittelpunkt eines der wohl tollsten und schönsten deutschen Actionfilme, voller unbändiger Energie und schmierigem Charme, ungehobelt, schmutzig, anstößig und voller Ecken und Kanten, wie man sie heute kaum noch finden kann. Krautploitation par excellence. Blutiger Freitag kommt aus dem Bauch, ignoriert den Kopf und zielt voll auf den Sack. Ziemlich toll, das alles.

 

8 von 10 Zigarillos im Mundwinkel

 

 

 

You Were Never Really Here (2018)

13. November 2018 at 15:14

 

 

© Amazon Studios/Quelle: IMDb

 

 

 

I want you to hurt them.“

 

 

 

Joe ist eine Art Problemlöser. Ihn engagiert man, wenn ein entführtes Kind befreit werden muss. Joe ist zielstrebig, effektiv und brutal in einem Vorgehen, lebt aber auch zurückgezogen zusammen mit seiner Mutter, die er liebevoll pflegt. Die Tochter eines Abgeordneten soll nun befreit werden. Kaum mehr als nur ein weiterer Auftrag für Joe, doch dann geht alles schrecklich schief.

 

Hammertime! Für ihre Verfilmung des gleichnamigen Buches von Jonathan Ames hat die schottische Regisseurin Lynne Ramsay die ohnehin schon recht überschaubare Handlung geradezu radikal auf das absolut Nötigste heruntergebrochen und lässt kaum mehr als ein skelettartiges Handlungsgerüst bestehen. Irgendwo zwischen hartem Thriller und düsterem Drama irrlichtert You Were Never Really Here immerzu hin und her, lediglich unterbrochen durch fragmentarisch aufblitzende Erinnerungsfetzen aus Joes kaputtem Geist und dessen ganz eigenem Wahnsinn. Auf der erzählerischen Ebene ist ihre vierte Regiearbeit stark elliptisch angelegt und arbeitet sehr viel mit Auslassungen, doch auf der visuellen Ebene entwickelt ihr Film eine schier unglaubliche, manchmal geradezu poetische Strahlkraft. Filme wie Drive oder Taxi Driver hallen durch die Bilder, manchmal auch die neon grelle Stilistik eines Michael Mann, doch Ramsay entwickelt mühelos ihre ganz eigene Bildsprache.

 

Der herrlich elektronisch schwebende, immer wieder in sich kollabierende Score aus der Feder des Radiohead-Gitarristen Jonny Greenwood vermag die Bilderflut brillant zu unterstreichen und geht Hand in Hand mit einem schneidenden, sägenden Sounddesign, während das alles von einem rhythmisch herausragenden Schnitt und einer pointierten Kamera zusammen gehalten wird. Die rohe Gewalt, meist ausgehend von Joe und seinem Hammer, wird jedoch nie explizit ausgestellt und ergeht sich oft nur in Andeutungen, geschieht am Bildrand oder zeigt lieber gleich vollendete Tatsachen. Reißerisch oder gar voyeuristisch wird You Were Never Really Here nie, zu sehr achtet Ramsay darauf, nicht in exploitative Genre-Gefilde abzudriften und die Gewalt zu exponieren.

 

Und dann ist da noch das Glanz- und Herzstück des Filmes: ein überragender Joaquin Phoenix, dessen Performance einer gequälten wie stoischen Naturgewalt gleicht, unerbittlich wie ein Pitbull und doch mehr geschundene Seele denn strahlende Heldenfigur. Sein Joe eine starke und zugleich gebrochene Figur mit einem seltsam kindlichen Kern, traumatisiert und müde. So müde wie eigentlich der Film selbst, würde er sich doch nur zu gern hinlegen, aber dann gleich wieder weiter müssen, nur um sich schrecklich verbraucht und träge dahin schleppen zu müssen. Selbst als Joe irgendwann gegen Ende die Tür zum vermeintlichen Showdown öffnet, da ist schon längst alles gelaufen. Alles ist bereits vorbei, bevor es überhaupt richtig beginnen konnte. Nur der Wahnsinn und der Schmerz, die bleiben. Erlösung gibt es keine und die Zukunft ist düster, aber da glimmt dennoch ein Fünkchen Hoffnung.

 

9 von 10 Schlägen auf den Hinterkopf

 

 

Overlord (2018)

12. November 2018 at 16:05

 

 

© Paramount Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

A thousand year Reich needs thousand year soldiers.“

 

 

 

Eine kleine Gruppe Soldaten soll im 2. Weltkrieg in einem von Deutschen besetzten Dorf in Frankreich einen Funkturm ausschalten, damit die Landung in der Normandie beginnen kann. Das Unternehmen droht bereits zu Beginn zu scheitern, als das Flugzeug der Fallschirmspringer über dem Zielort abgeschossen wird und nur noch eine handvoll Soldaten überleben. Und schlimmer noch: in dem Dorf angekommen müssen sie schon bald erkennen, was dort grausiges wirklich vor sich geht.

 

Mit einer eindringlichen Eröffnungssequenz wirft sich Julius Avery mit seiner zweiten Regiearbeit Overlord direkt und ohne Umschweife ins (Schlacht)Getümmel, ohne jedoch gleich zu Beginn all sein Pulver zu verschießen. Was nämlich noch als geradliniger Kriegsfilm zu beginnen scheint, dass soll schon bald andere Genrepfade betreten. Sadistische SS-Offiziere, größenwahnsinnige Nazi-Wissenschaftler, grausame Experimente und unmenschliche Kreaturen: Overlord bietet so ziemlich alles, was ein guter Exploitation-Reißer brauchen könnte und Avery erschafft daraus einen herrlich reinrassigen, kantigen und schmuddeligen Genre-Film mit äußerst ansehnlichem Budget, verzichtet im Gegenzug jedoch dankenswerter Weise auf ätzend ausgestellte, augenzwinkernde Ironie. Stattdessen nimmt sich Overlord angenehm ernst, tappt eben gerade nicht in die Funsplatter-Falle und kommt wie eine vom Spaß befreite Verfilmung der Videospiel-Reihe Wolfenstein daher.

 

Sicherlich vermag Avery mit seinem Film auf der inhaltlichen Ebene nichts grundlegend Neues zu erfinden oder könnte gar intellektuell fordern, doch das will er auch gar nicht, wenn er sich viel lieber seiner straighten B-Movie Herkunft vollkommen bewusst ist und sich gerade daran ergötzt. Overlord ist geradlinig wie kompromisslos und effektiv inszeniertes Genre-Kino, das eine dichte Atmosphäre zu erschaffen vermag und es ausgesprochen gut versteht, mit seinen Effekten zu haushalten, statt den Protagonisten Monsterwelle um Monsterwelle entgegen zu schleudern. Hier gilt Qualität statt Quantität, wodurch sich Overlord auch nie der Lächerlichkeit preisgibt. Einen solch pulpigen Film dieser Tage mal wieder auf der großen Kinoleinwand erleben zu können, mit toller Ausstattung und einem wahrlich famosen Sounddesign, welches den Saal geradezu beben lässt, und der sich dazu noch so erfrischend ernst nimmt und auf Ironie verzichtet, das hat mein Genre-Herz über alle Maßen erfreut. Am liebsten wäre ich beim Abspann aufgesprungen und hätte applaudiert.

 

8 von 10 Flammenwerfern