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Come True (2020)

7. Mai 2022 at 18:47

 

 

© Copperheart Entertainment/Angel Entertainment

 

 

Wie wenig wissen wir doch über Schlaf. Von Träumen ganz zu schweigen. Unzählige Theorien, kaum wissenschaftlicher Konsens. An diesem Punkt setzt Regisseur Andrew Scott Burns mit seinem Film Come True an und schöpft mit vollen Händen aus dem zahllosen Material unserer Albträume, immerzu taumelnd an der Grenze zwischen Wachzustand und Schlaf. Hypnagoge Zuckungen. Düstere Echos aus der REM-Phase, projiziert tief aus dem Unterbewusstsein auf flackernde Bildschirme. Lange als eher vage und vor allem sehr assoziative Aneinanderreihung einzelner surreal gestalteter Traumsequenzen erzählt, wird Come True erst im letzen Akt zunehmend konkreter in seiner Handlungsstruktur.

 

Und das ist ein Problem, sind doch gerade Einstieg und Mittelteil die eigentlichen Stärken des Filmes und atmosphärisch eine Wucht. Diese diffuse, ätherische, irgendwie kaum zu greifende und dennoch furchterregende Anspannung, diese seltsam melancholische, geradezu betörende und gleichermaßen befremdliche Bildsprache innerhalb der Traumszenen, da lässt Come True seine Muskeln spielen. Alles ist in extrem entsättigte Farben getaucht und kalte, sterile Weiß-, Blau– und Grautöne dominieren das Bild. Dazu passt ganz hervorragend der retro-futuristische Look der Schlafklinik und all der Apparaturen dort, der auch in einen Film von David Cronenberg passen könnte.

 

Das alles ist Autorenkino par excellence, übernimmt Burns doch neben der Regie sowohl das Drehbuch, als auch die Kamera, den Schnitt und am fiebrig wabernden Synthie-Score ist er auch beteiligt. Idee und Exposition von Come True sind wahrlich grandios und Burns weiß seine Traumwelten düster und unheimlich zu gestalteten, doch spätesten im letzten Akt wird deutlich, dass das Drehbuch über diese Prämisse hinaus damit eher wenig anfangen kann. Und die finale Auflösung macht es sich dann leider zu einfach und lässt mit fadem Beigeschmack unbefriedigt zurück.

 

7/10

 

 

Universal Soldier: Day of Reckoning (2012)

9. April 2022 at 19:23

 

 

© Foresight Unlimited/Magnet Releasing

 

 

Daddy… there´s monsters in the house…

 

Allein der Einstieg… verstörender könnte man kaum starten. Noch schlaftrunken, geweckt vom Weinen der kleinen Tochter, stolpert der Zuschauer gezwungen durch die maximal subjektive Kamera von Yaron Levy (El Gringo, Falcon Rising) in kürzester Zeit vom Halbdunkel direkt in die ganz persönliche Hölle einer grell erleuchteten Küche. Day of Reckoning macht sofort vollkommen und unmissverständlich klar, dass hier absolut nichts heilig ist. Nicht einmal der innerste Kreis der eigenen Familie, denn dort, wo man sich am geborgensten fühlt, da ist man auch am verwundbarsten.

 

Wo Regisseur John Hyams noch mit dem schon starken Vorgänger Regeneration die Universal Soldier-Filme erfolgreich wiederbeleben konnte, da transzendiert er die Reihe nun mit Day of Reckoning in gänzlich andere Sphären und das moderne Actionkino gleich mit dazu. Hyams inszeniert diese albtraumhafte Reise auf der Suche nach Erkenntnis und Rache als psychedelisch surrealen Fiebertraum irgendwo zwischen Delirium und Blutrausch. Day of Reckoning und seine Bilder brennen sich auf die Netzhaut und ins Gehirn. Wer ihm mit offenem Geiste begegnet, der wird diesen hässlichen Bastard aus ultra brutaler Action, philosophischer Meditation und künstlerischem Anspruch nicht so schnell wieder aus seinem Kopf verbannen können.

 

Hyams hat hier bloß noch die Hälfte des Budgets von Regeneration zur Verfügung und dennoch sieht Day of Reckoning in jeglicher Hinsicht und zu jeder Sekunde deutlich besser aus. Die Actionsequenzen sind allesamt fantastisch inszeniert und gefilmt und der extrem hohe Grad der Gewalt sucht zumindest im westlichen Kino für einen Actionfilm auch heute noch seinesgleichen. Hyams spielt all seine bereits bewiesenen Stärken nur noch besser und effektiver aus. Höhepunkt ist zweifellos eine Kampfszene zwischen Hauptdarsteller Scott Adkins und dem schon aus Regeneration bekannten Andrei Arlovski in einem Sportgeschäft, während der auch zahlreiche Sportgeräte zum knochenbrechenden Einsatz kommen. Vom sich stetig steigernden letzten Akt ganz zu schweigen.

 

Im Grunde ist Day of Reckoning eine rund zweistündige Lektion in filmischer Gewalt, physisch wie psychisch nur schwer zu ertragen und gleichermaßen schmerzhaft. Ein Film, der nicht genossen werden will, sondern ausgehalten. Abstoßend und wunderschön zugleich, brachial und zärtlich. Eine Herausforderung. Eben jenes Monster in der Küche, von welchem man sich wünscht ihm niemals begegnen zu müssen. Ein mutiges Experiment, welches Genre-Konventionen gnadenlos pulverisiert und zugleich aufzeigt, dass die Grenzen des Nischenkinos noch lange nicht ausgelotet sind.

 

9/10

 

 

Universal Soldier: Regeneration (2009)

9. April 2022 at 19:13

 

 

© Sony Pictures Home Entertainment

 

 

Es kommt ausgesprochen selten vor, dass der eher lieblos veröffentlichte und zumindest rechnerisch fünfte Teil einer immer schon allenfalls mittelmäßigen Actionfilm-Reihe mehr zu beeindrucken vermag als ihr Erstling. Der Grund dafür ist in diesem Fall ganz allein Regisseur John Hyams, seines Zeichens Sohn des Regieroutiniers Peter Hyams (Outland, Narrow Margin, Sudden Death, The Relic), welcher mit Universal Soldier: Regeneration die bereits totgeglaubte Reihe schwungvoll wiederbeleben konnte. Zwar versucht man mit Regeneration, dem filmischen Konzept des künstlichen Menschen einige interessante Aspekte in Form einer Art Kommentar auf den Status quo des modernen Actionhelden abzuringen, allerdings vermag der Plot auf der inhaltlichen Ebene nicht sonderlich zu überzeugen und ist doch sehr generisch und dünn geraten.

 

Dagegen kann die handwerkliche Ebene jedoch restlos und vollkommen überzeugen. John Hyams entpuppt sich als exzellenter Regisseur mit einem starken Auge und einem ausgeprägten Gespür für Tempo, Timing und Rhythmus, der sehr genau verstanden hat, worauf es ankommt und was genau seine Filme brauchen. Vater Peter Hyams ist hier als Kameramann verantwortlich und allein die ersten fünf Minuten wissen mächtig Druck zu generieren, wenn sich eine Entführung zu einem bleihaltigen Actiongewitter auftürmt und in einer wahnsinnig gut gefilmten Verfolgungsjagd aufgeht, welche den Zuschauer ebenso orientierungslos zurücklässt wie die beiden Opfer.

 

Und das zieht sich durch den gesamten Film. Jede Actionszene ist ungemein präzise umgesetzt, wuchtig und dynamisch inszeniert. John Hyams versteht es dazu hervorragend, sowohl die Stärken als auch Schwächen seiner Darsteller zu erkennen und gekonnt zu nutzen. Andrei Arlovski ist weiß Gott kein Schauspieler, aber das muss er auch gar nicht sein und kann so all sein Talent und seine Erfahrung als langjähriges MMA-Schwergewicht ausspielen. Eine beinahe zwei Meter große und knapp 120 Kilo schwere Kampfmaschine, die ihr Handwerk versteht und ganz genau weiß, wie sie ihren Körper einzusetzen hat und sich bewegen muss. Schnell, kurz, präzise und auf Zerstörung ausgerichtet.

 

Regeneration selbst wirkt düster, trostlos und ist zu jeder Sekunde vollkommen ernsthaft. Humorvolle Brüche gibt es nicht und das beinahe schon postapokalyptisch anmutende Setting ist in kalten, blau-grauen Bildern eingefangen und mit einem elektronisch flirrenden Score unterlegt, der in den richtigen Momenten sein Tempo anzuziehen weiß. Regeneration mag inhaltlich wahrlich kein Glanzstück und eher Ware von der B-Movie-Stange sein, in seiner Kernkompetenz überzeugt der Film jedoch vollkommen und bietet stärkere Action als viele Big Budget-Streifen der letzten Jahre. Und zu dem Zeitpunkt konnte noch niemand ahnen, was John Hyams drei Jahre später abliefern sollte…

 

7/10

 

 

The Lords of Salem (2012)

9. April 2022 at 18:35

 

 

© Haunted Movies/IM Global

 

 

Rob Zombie war und ist zuallererst immer ein Meister des Pastiches. Kino der Zitate. In seiner Arbeitsweise kaum anders als Tarantino, doch aber in anderen Sphären unterwegs. Seine Filme zeichnen sich meist weniger durch Handlung oder Spannungsaufbau aus, sondern mehr dadurch, wie er sich audiovisuell durch Jahrzehnte der Popkultur des Abseitigen wühlt und Motive, Bilder und Ideen referenziell in Collagen formt. The Lords of Salem ist da kaum anders, ist aber leiser, subtiler, weniger wild, ist konzentrierter und fokussierter als seine bisherigen Werke. Zombie nimmt sich hier spürbar mehr zurück und zügelt vielleicht zum ersten Mal in seinem Schaffen seine Impulse. Er lässt dem Film und vor allem seinen Bildern Zeit zu atmen, zu wirken, sich zu entfalten. Er traut sich auch, Lücken einfach stehen zu lassen, sie nicht zu füllen, nicht jede Idee bis zum Schluss zu verfolgen, nicht alles durch zudenken.

 

Stattdessen setzt er lieber auf eine vage und mysteriös bedrohliche Stimmung als auf sich immerzu steigernde Eskalation. Die ohnehin schon schlanke Handlung verdichtet sich nicht zunehmend mit andauernder Laufzeit, nein, The Lords of Salem verflüchtigt sich in seinen letzten Minuten geradezu, beginnt sich aufzulösen, wird immer ätherischer und implodiert schließlich in einem fiebrigen Bilderrausch. Auf der handwerklichen Ebene, aber auch in puncto Haltung und Stimmung, erinnert mich The Lords of Salem immer wieder an The House of the Devil von Ti West, einem der eindringlichsten Horrorfilme der letzten Jahre, und zeigt ohne jeden Zweifel, wozu Rob Zombie fähig ist, wenn er sich zurücknimmt. Mit The House of 1000 Corpses und The Devil´s Rejects hatte ich vielleicht mehr Spaß, The Lords of Salem hingegen empfand ich als ausdrücklich unangenehm und schleichend beunruhigend. Für mich sein stärkster Film.

 

8/10