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One Cut of the Dead (Kamera o tomeru na!, 2019)

14. Juli 2019 at 14:41

 

 

© Enbu Seminar/Quelle: IMDb

 

 

 

Was macht man als aufstrebender Regisseur eines Zombie-Filmes, wenn die Crew am Set tatsächlich von Zombies angegriffen wird? Richtig, man hält die Kamera voll drauf, denn schließlich ist Authentizität alles.

 

Manchmal zahlen sich Warten und etwas Geduld aus, auch wenn die Nerven vielleicht arg strapaziert werden. Das Regiedebüt von Shin’ichirô Ueda macht es einem etwa 37 Minuten lang nicht gerade leicht, bis ein plötzlicher Wechsel der Perspektive eintritt und einen völlig anderen Blickwinkel zulässt. Was zuvor noch wie ein billig produzierter Amateur-Zombie-Streifen anmutet, das wird dann zu einem Film im Film, der sein eigenes Making Of quasi gleich mitbringt, und sich als wirklich smart geschriebene Mediensatire entpuppt. Sicherlich ist dieses Film im Film-Konzept nun nicht sonderlich neu, aber One Cut of the Dead kann dem inhaltlich durchaus noch so manche kluge Idee abgewinnen. Überhaupt ist das alles ungemein liebevoll aufgezogen, sehr pointiert geschrieben und herrlich unaufgeregt in Szene gesetzt, wenn das Zombie-Genre selbst allenfalls als Projektionsfläche dient und all dem eher wenig Bedeutung beigemessen wird.

 

Für ein Erstlingswerk legt Ueda erstaunlich viel Fingerspitzengefühl an den Tag und so funktioniert sein Film nicht nur als körperlich betonte Komödie, sondern eben auch als Mediensatire, als Blick hinter die Kulissen und kluge Meta-Reflexion über das Filmemachen selbst und vor allem als Liebeserklärung an Hingabe und Leidenschaft und das Kino selbst. One Cut of the Dead mag vielleicht nicht sonderlich bedeutend oder herausragend sein, aber er ist clever, kreativ und vor allem zutiefst sympathisch in seiner ganzen Machart. Ueda beweist nachdrücklich, dass man für einen guten Film kein großes Budget oder aufwändige Technik braucht, sondern manchmal einfach nur eine gute Idee und eine große Portion Enthusiasmus. Der Rest ist dann kreatives Chaos aus dem Moment heraus und nur noch bedingt planbar.

 

8 von 10 abgeschlagenen Köpfen

 

 

Xtro (1982)

9. Juli 2019 at 12:14

 

 

© New Line Cinema/Quelle: IMDb

 

 

 

Some extra-terrestrials aren´t friendly.“

 

 

 

Sam und sein Sohn Tony spielen im Garten, als sich plötzlich die Sonne verdunkelt und ein geheimnisvolles Licht auftaucht. Wenig später ist der Vater verschwunden, Tony bleibt schwer traumatisiert zurück und Mutter Rachel muss ihn künftig ohne Ehemann großziehen. Drei Jahre später lebt Rachel mittlerweile mit dem Fotografen Joe und dem Au-Pair-Mädchen Analise zusammen, als Sam plötzlich wieder vor der Tür steht und seinen Platz als Vater und Ehemann zurück will. Doch irgendetwas stimmt nicht und schnell häufen sich unheimliche Vorfälle.

 

Welche Filme dem britischen Regisseur Harry Bromley Davenport als Inspiration gedient haben dürften ist relativ offensichtlich, wenn sich sein Xtro irgendwo zwischen Alien (1979), Invasion of the Body Snatchers (1978) und E.T. (1982) bewegt, zu welchem er sich dann auch eher als garstiger Gegenentwurf positioniert. Handwerklich ist hier vielleicht nicht immer alles ganz gelungen, doch Xtro punktet in jedem Fall mit seiner unterschwellig bedrohlichen Atmosphäre und vor allem mit einer wirklich unangenehmen Effektarbeit. Was Tom Harris und Francis Coates da mit viel Schmodder und reichlich Glibber zum Teil kreiert haben, das ist schon wirkungsvoll und nicht immer schön anzusehen. Auch das Creature-Design ist gelungen und vor allem ausgefallen, aber leider viel zu selten in voller Pracht zu bewundern. Das alles ist mit all den glitschigen Tentakeln, der angedeuteten Penetration und dem Saugen an Haut unverkennbar sexuell konnotierter Bodyhorror, driftet aber im weiteren Lauf in beinahe schon surreale Gefilde ab. Xtro will manchmal einfach zu viel und das Drehbuch gerät nicht selten arg konstruiert, doch wirklich anstrengend und schnell nervraubend ist der von Regisseur Davenport selbst komponierte Score, der schwer nach einem billigen Casio Keyboard klingt. Letztlich endet Xtro kaum anders als E.T., nur das dieses Mal am Ende alle tot sind. Sicherlich kein wirklich guter Film, aber zumindest einer, der anders ist. Manchmal reicht das.

 

6 von 10 verstörenden Hausgeburten

 

 

Coldblooded (1995)

7. Juli 2019 at 14:09

 

 

© IRS Media/Quelle: IMDb

 

 

 

Remember, guns don’t kill people, WE kill people.“

 

 

 

Der zurückhaltende, etwas einfältige Cosmo Reif arbeitet als treuer Buchmacher für ein Gangstersyndikat. Als der Boss Max verstirbt und nun mit Gordon ein neuer Mann das Sagen hat, wird Cosmo eher unfreiwillig und gegen seinen Willen zum Killer befördert. Fortan geht er bei dem erfahrenen Steve in die Ausbildung und erweist sich als Naturtalent. Schon bald winkt der erste Auftrag.

 

Kalt erwischt, kann ich da nur sagen. Wie konnte dieser tolle Film nur jahrelang an mir vorüber gehen? Was der vornehmlich als Produzent tätige Wallace Wolodarsky hier mit seinem Regiedebüt Coldblooded erschaffen hat, das braucht sich nicht zu verstecken. Weder 1995, noch heute. Eine bitter-böse, sarkastische und zuweilen sehr zynische Thriller-Farce ist das, deren Humor die stärkste Waffe ist. Trocken und ungemein lakonisch geht es hier zur Sache und obwohl ein zarter Nachklang von Tarantino durch den Film hallt, ist Coldblooded mehr on point und nicht so geschwätzig wie manche seiner Filme. Die Dialoge sind unglaublich pointiert, treffsicher und präzise geschrieben, sind teils wirklich böse und doch voller Leichtigkeit. Überhaupt ist der ganze Film angenehm unaufgeregt in Szene gesetzt und mit einem locker entspannten Tempo versehen.

 

Und dann ist da noch Jason Priestley in der Hauptrolle des Cosmo Reif. Ich habe es kaum glauben wollen, aber Priestley ist hier gnadenlos gut als angehender Profikiller mit Inselbegabung, ein bisschen wie Forest Gump mit Waffen und ohne moralischen Kompass. Es ist ungemein faszinierend, dem Teenie-Star der 90er dabei zu zuschauen, wie sein scheuer Cosmo erst das Töten lernt, dann sein Talent dafür entdeckt und schließlich beginnt, Selbstbewusstsein zu entwickeln. Auch ist es nicht das Töten selbst, das ihm Freude bereitet, sondern viel mehr die Erkenntnis, endlich mal in etwas gut zu sein. Fast schon tragisch. Auch der Rest vom Cast rund um Peter Riegert, Kimberly Williams-Paisley, Robert Loggia und Janeane Garofalo machen ihre Sache mehr als nur gut und der hier auch als Produzent tätige Michael J. Fox bekommt eine der besten Szenen im Film spendiert. Coldblooded ist ein gnadenlos unterschätztes Juwel und vollkommen zu Unrecht derart unbekannt.

 

8 von 10 Mal ins Schwarze treffen

 

 

Two-Lane Blacktop (1971)

5. Juli 2019 at 21:22

 

 

© Universal Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Performance and image, that’s what it’s all about.“

 

 

 

Zwei namenlose Typen fahren mit ihrem schwer aufgemotzten 55er Chevy quer durchs Land und verdienen sich das nötige Geld fürs Überleben mit Straßenrennen. Als sie mehrfach dem Fahrer eines Pontiac GTO begegnen, fordern sie ihn schließlich zu einem Rennen auf: wer zuerst in Washington ist, der soll den Wagen des Verlierers gewinnen.

 

Mit Two-Lane Blacktop ist Regisseur Monte Hellman einer der vielleicht besten Filme im Fahrwasser von Easy Rider (1969) gelungen und doch hat es rund 30 Jahre gedauert, bis ihm sein Status als großer amerikanischer Klassiker auch endlich zugestanden wurde. Ein Film über Autorennen, der im Grunde nichts mit Autorennen zu tun hat, und diese lediglich als Vehikel für ein geradezu existenzialistisches Drama benutzt. Ein Roadmovie in seiner reinsten Form, ebenso entkernt auf das absolut Nötigste wie der 55er Chevy, mit dem Hellman den Hippie-Glanz eines Easy Rider demontiert und entmystifiziert und stattdessen lieber vom Zerplatzen des viel zitierten American Dream erzählt. Die grenzenlose Freiheit auf endlosen Straßen ist auch nur eine Illusion, sind der Driver und der Mechanic letztlich doch nur Typen, die feststecken: in ihren Autos wie in ihrem Leben. Getriebene, die doch nie ankommen. Two-Lane Blacktop ist ein Film der Einsicht, der Ernüchterung und der Erkenntnis, und doch schwingen da weder Bitterkeit noch Trotz mit, weder Resignation noch Bedauern.

 

Natürlich ist der Film stark geprägt von seiner Zeit und doch ist er irgendwie seltsam zeitlos, vielleicht weil diese Sehnsucht nach Freiheit universell ist, immer aber auch ihre Tücken birgt. Two-Lane Blacktop ist ganz klar ein Stimmungsfilm, ein Mood-Movie, und nur am Rande interessiert an handlungsorientiertem Erzählen. Er ist stark dialogarm und voller wortreichem Schweigen statt leerer Worthülsen, und wenn gesprochen wird, dann meist bloß über technische Details von Autos. Ich habe von Autos keinen blassen Schimmer, nicht mal einen Führerschein besitze ich, und doch übt das alles eine große, fast schon magische Faszination auf mich aus. Dazu kommt eine intuitive Schauspielleistung, denn außer dem wunderbaren Warren Oates als GTO ist keiner der Darsteller auch Schauspieler. James Taylor als Driver und Dennis Wilson als Mechanic (ja, der Drummer der Beach Boys) sind Musiker und haben nur diesen einen Film gedreht und auch Laurie Bird als The Girl hat nur in insgesamt drei Filmen mitgespielt. Auf das Nötigste reduziert ist Two-Lane Blacktop also in jeglicher Hinsicht: die Story ist extrem rudimentär und gerät später ganz aus dem Fokus, die Figuren im Film haben allesamt keinen Namen und einen klassischen Score gibt es auch nicht, sondern nur vereinzelt Songs aus dem Radio und einen Klangteppich aus röhrenden Motorengeräuschen auf der Straße und klapperndem Geschirr in namenlosen Restaurants. Und dann ist der Film zu Ende, plötzlich, einfach so.

 

8 von 10 Mal Anhalten, um den Motor zu checken