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Kong: Skull Island

18. März 2017 at 12:27

 

 

 

Kong: Skull Island (2017)
Kong: Skull Island poster Rating: N/A/10 (N/A votes)
Director: Jordan Vogt-Roberts
Writer: Dan Gilroy (screenplay), Dan Gilroy (screenplay), Max Borenstein (screenplay), John Gatins (story), Dan Gilroy (story)
Stars: Brie Larson, Tom Hiddleston, Toby Kebbell, Samuel L. Jackson
Runtime: N/A
Rated: N/A
Genre: Action, Adventure, Fantasy
Released: 10 Mar 2017
Plot: An action/adventure story centered on King Kong's origins.

 

 

 

„This planet doesn’t belong to us. Ancient species owned this earth long before mankind. I spent 30 years trying to prove the truth: monsters exist.“

 

 

 

Der Vietnamkrieg ist gerade vorbei, da wittert Bill Randa von der Regierungsorganisation Monarch seine Chance, die sagenumwobene Insel Skull Island einer näheren Untersuchung zu unterziehen und überzeugt einen US-Senator davon, ein Expeditionsteam zu genehmigen. So macht sich eine kleine Gruppe bestehend aus Wissenschaftlern, Militär und Zivilisten und angeführt vom Abenteurer James Conrad auf den Weg durch eine gigantische Sturmfront, die Skull Island permanent im Verborgenen hält. Kaum auf der Insel angekommen, werden sie bereits vom gigantischen Riesenaffen Kong attackiert, dezimiert und quer über die ganze Insel verteilt.

 

Wenn sich riesige Monster auf der großen Leinwand gegenseitig die Köpfe einschlagen, dann hat das Kind in mir seine helle Freude an dem dargebotenem Spektakel. Egal, ob Filme wie Godzilla, Pacific Rim oder eben jetzt die neueste Inkarnation des King Kong, da fühle ich mich beinahe immer bestens aufgehoben. Und auch Kong: Skull Island konnte mich in Aufregung versetzen, wurde mir doch so ziemlich alles geboten, was mein Herz begehrte. Ich habe fette und spektakuläre Monsteraction erwartet und fette und spektakuläre Monsteraction bekommen. Mehr braucht es in diesem Kontext für mich dann auch gar nicht mehr um mich zu unterhalten. Umso angenehmer empfand ich es, dass der mir bisher unbekannte Regisseur Jordan Vogt-Roberts gar nicht erst zu vertuschen versucht, welchen Geistes Kind sein Film ist, und von der ersten Minute an vollkommen dazu steht, nicht mehr zu sein als bloßes Effektspektakel. Das versprüht auf jeden Fall seinen ganz eigenen Charme, zeugt von der reinen Lust am Fabulieren und zelebriert einen scheinbar grenzenlosen Gigantismus, ganz unkompliziert und ohne unnötige Umwege über story telling. Die Geschichte selbst von Kong: Skull Island ist schlicht und leicht zu überschauen und auch die Charaktere sind nicht viel mehr als bloße Stereotypen und klischeehafte Abziehbilder, bei denen meist völlig egal ist, wer überlebt oder stirbt, doch das alles ist mehr oder weniger egal, wenn Kong seinen Pfad der Verwüstung schneisenartig über die Insel zieht. In dem Kontext mutet es ein wenig eigenartig an, einen solch starbesetzten Cast einfach so zu verschleudern, denn Tom Hiddleston, Brie Larson, Samuel L. Jackson, John Goodman und John C. Reilly werden zu Gunsten der Monsteraction mehr oder weniger verheizt, aber dafür gibt es viel Spektakel zu bestaunen. Das Drehbuch verzichtet sogar auf den sonst oftmals üblichen Vorlauf (welchen Peter Jackson einst ein wenig übertrieben hat in meinen Augen – ich mag seinen King Kong gern, aber die ersten anderthalb Stunden haben durchaus ihre Längen, wie ich finde) und präsentiert seinen haarigen Star dem Publikum sehr schnell und ohne größere Einführung.

 

Und ist Kong erst einmal auf der Bildfläche erschienen, dann geht es auch schon Schlag auf Schlag zur Sache, denn er ist bei weitem nicht das einzige Monster auf Skull Island. Visuell sieht das alles dann auch fantastisch aus und kann punktuell sogar durch die eine oder andere ausgesprochen kreative Kameraperspektive überzeugen. Der 70er Jahre Soundtrack weiß zu gefallen, auch wenn klar ist, dass es sich dabei schon auch um einen Griff in die Trickkiste handelt, doch er lädt zum dezenten Mitwippen ein und täuscht über die eine oder andere erzählerische Schwäche hinweg. Auch der Humor, überwiegend transportiert durch John C. Reilly als Hank Marlow, weiß meist zu überzeugen und bildet einen angenehmen Gegenpol zu der Ernsthaftigkeit eines Samuel L. Jackson, der in bester Apocalypse Now – Manier Colonel Kurtz nachahmt und langsam dem Wahnsinn anheim fällt, besessen von der Idee, Kong zu töten. Überhaupt taucht Apocalypse Now recht häufig als Referenz in Kong: Skull Island auf: Look und vor allem die Farbgebung erinnern an Francis Ford Coppolas Meisterwerk, das Setting ist durchaus ähnlich, es gibt eine Bootsfahrt auf einem Fluss sowie Helikopterangriffe und Napalm, und auch einige Namen der Figuren lassen sich als Anspielungen lesen. Als sonderlich tiefschürfend erweisen sich all diese Verweise nicht wirklich, aber Apocalypse Now scheint ganz offensichtlich die größte Inspirationsquelle gewesen zu sein. Sogar dem großen Klassiker des italienischen Mondo-Genre Cannibal Holocaust wird in einer kurzen Szene Tribut gezollt und wer beide Filme kennt, der weiß ganz genau, was ich meine. Übrigens lässt sich anhand von Kong: Skull Island und Peter Jacksons King Kong sehr gut begrifflich differenzieren, wo der Unterschied zwischen einem Remake und einem Reboot liegt, denn Jackson nimmt ein in sich geschlossenes Werk und passt es erzählerisch und visuell moderneren Zeiten an, Jordan Vogt-Roberts hingegen nimmt die Figur an sich samt ihrer Heimat aus ihrem ursprünglichen Kontext heraus und erzählt eine völlig neue Geschichte. Die zudem im gleichen filmischen Universum spielt wie Gareth Edwards Godzilla und in einem gemeinsamen Zusammentreffen gipfeln soll.

 

Letztlich gibt es gar nicht so wahnsinnig viel über Kong: Skull Island zu sagen: er hat meine Erwartungen an ihn erfüllt, mir jede Menge fette Monsteraction geboten und das Kind in mir glücklich gemacht. Dass Handlung und Figuren flach und austauschbar bleiben, habe ich so im Vorfeld erwartet und in meinen Augen kann und darf man das einem solchen Film auch nicht ankreiden. Kong kommt schnell zur Sache, das macht Spaß und sieht toll aus. Was will man denn mehr in einem solchen Film? Ich wurde zwei Stunden lang gut unterhalten, hatte keine Langeweile und wurde in eine fantastische Welt entführt. Dafür sind Abenteuerfilme doch eigentlich gemacht, oder nicht?

 

7 von 10 zweckentfremdeten Bäumen im Kampf gegen Hubschrauber

 

 

 

 

Logan

13. März 2017 at 12:33

 

 

 

Logan (2017)
Logan poster Rating: N/A/10 (N/A votes)
Director: James Mangold
Writer: Michael Green (screenplay), Scott Frank (screenplay), James Mangold (screenplay), David James Kelly (story by), James Mangold (story by), Roy Thomas (character), Len Wein (character), John Romita Sr. (character)
Stars: Hugh Jackman, Boyd Holbrook, Patrick Stewart, Doris Morgado
Runtime: N/A
Rated: N/A
Genre: Action, Sci-Fi
Released: 03 Mar 2017
Plot: In the near future, an aging Wolverine and Professor X must protect a young female clone of Wolverine from an evil organization led by Nathanial Essex.

 

 

 

„There’s no living with a killing. There’s no going back from it. Right or wrong, it’s a brand, a brand that sticks. There’s no going back.“

 

 

 

2029. Mutanten gibt es nur noch sehr wenige und seit 25 Jahren wurde kein neuer mehr geboren. Die wenigen noch lebenden verstecken sich vor der Regierung und den Reaver genannten Spezialeinheiten, die unter der Führung von Donald Pearce gnadenlos Jagd auf sie machen. Auch Logan/Wolverine ist im mexikanischen Grenzland untergetaucht, schlägt sich als Limousinenfahrer durch, versorgt gleichzeitig den demenzkranken Prof. X und will sich nur noch den gemeinsamen Traum eines eigenen Bootes erfüllen, um auf dem Meer leben zu können. Als die junge Mutantin Laura eher unfreiwillig in seine Obhut gelangt, muss Logan widerwillig zu seinem abgelegten Alter Ego Wolverine zurück finden und den Kampf gegen Pearce und seine Reaver aufnehmen, die Laura unbedingt zurück haben wollen.

 

Wenn ich mir einen Lieblings-Marvelhelden aussuchen müsste, dann wäre es wohl zweifellos Wolverine. Und das nicht nur wegen seiner Kräfte, sondern vielmehr wegen der faszinierenden Geschichte, die hinter dieser Figur steht. Der neueste filmische Beitrag dazu stammt von Regisseur James Mangold, der bis auf den durchaus verzichtbaren Knight & Day unter anderem die guten bis sehr guten Filme Cop Land, Identität, Walk the Line und Todeszug nach Yuma für sich zu verzeichnen hat, bis er 2013  die Regie für Wolverine: Weg des Kriegers antrat. Mit immer noch mäßigem Ergebnis aufgrund eines recht schwachen Drehbuches, wie sich herausstellen sollte, obwohl sein Film immer noch besser ist als der vollkommen vergessenswerte Vorgänger X-Men Origins: Wolverine. Umso erfreulicher also ist es nun, dass Mangold mit Logan in die Welt des Wolverine zurückkehrt und dieses Mal sowohl die Regie führte als auch das Drehbuch schrieb und sich vollkommen selbst verwirklichen konnte. Man spürt sofort seine Liebe zu der Figur des Wolverine. Eine Liebe, die Hugh Jackman als Darsteller ebenso teilt wie Ryan Reynolds zu Deadpool. Im Übrigen ist es nicht nur eine auf das Crossover-Marketing beschränkte Verbindung beider Projekte, eröffnete der Erfolg von Deadpool trotz seines R-Ratings doch überhaupt erst die Möglichkeit, Logan so zu realisieren, wie James Mangold es bedingungslos wollte. Dabei steht das R-Rating (welches sich Logan zweifellos redlich verdient hat) gar nicht mal so sehr im Vordergrund als vielmehr die Möglichkeit, kreative Entscheidungen treffen zu können, die dann vom Studio auch genauso abgesegnet werden.

 

Und wie Regisseur James Mangold letztlich dann seinen Film inszeniert, das sucht innerhalb des Genre zweifellos seines Gleichen und hebt sich geradezu überdeutlich von den oftmals grellbunten und verhältnismäßig harmlosen Comicwelten aus dem Hause Marvel ab. Logan ist minimalistisch gehalten, staubig, dreckig, brutal und ausgesprochen grimmig in seinem Tenor und mehr Drama und Road Movie mit Western-Einschlag als Comic-Blockbuster. Erzählt wird eine eher kleine, geradezu intime Geschichte, die viel von der irgendwie postapokalyptischen Welt um sie herum einfach ausblendet und sich vielmehr sehr auf ihre Figuren und deren Konflikte konzentriert. Zudem haben Handlungen nun endlich auch direkte und sehr spürbare Konsequenzen und bereits die aller erste Szene macht sofort klar, wohin hier die Reise geht. Logan ist erstaunlich brutal geraten (die deutsche FSK 16 Freigabe darf an dieser Stelle ruhig mal hinterfragt werden, fliegen doch buchstäblich abgetrennte Köpfe und Gliedmaßen in rauen Mengen durch die Gegend), jedoch verkommt die Gewalt hier nie zum reinen Selbstzweck, ist nie bloßer Schauwert, sondern vielmehr immer handlungsgetrieben und ein wichtiges, erzählerisches Stilmittel, um sowohl diese dreckige wie raue Welt als auch Logan selbst zu charakterisieren. Er ist spürbar innerlich zerrissen zwischen seiner menschlichen und animalischen Seite. „Nature made me a freak, man made me a weapon and God made it last too long“ wird er an einer Stelle im Film sagen und das trifft den Kern sehr gut. Er trinkt zuviel und trägt Selbstmordgedanken in sich, sein Körper ist geschunden von unzähligen Kämpfen und Wunden, und seine Kräfte lassen spürbar nach. Darüber hinaus kümmert er sich zusammen mit dem Mutanten Caliban um den inzwischen über 90jährigen und an Demenz leidenden Prof. X, dessen sporadische Anfälle eine Gefahr für die Menschheit sind. Für jemanden, dem wie mir die filmischen Verkörperungen von Logan und Prof. X in den vergangenen siebzehn Jahren ans Herz gewachsen sind, ist es hart mit anzusehen, wie brutal und gnadenlos der Film mit seinen Figuren umgeht, doch gleichzeitig ist diese logische Konsequenz auch überaus faszinierend. Insgesamt verhandelt der Film viele Facetten der Themen Vergänglichkeit und Sterblichkeit, auch wird Logan in gleich zweifacher Hinsicht mit seiner eigenen Jugend konfrontiert und muss sich seine Schwächen eingestehen und sich ihnen stellen.

 

Eine besonders große Stärke von Logan ist der Umstand, dass es sich dabei um einen stark Charakter getriebenen Film handelt und eben nicht um einen Action getriebenen Film, wie es sonst bei Comicverfilmungen der Fall ist. Phasenweise vergaß ich im Kino sogar, es eigentlich mit Superhelden zu tun zu haben. Es ist vielmehr ein Film über Charaktere mit einem Hauch von Superkräften und eben kein Film über Superkräfte mit einem Hauch von Charakter. In diesen Kontext passen dann auch die wirklich starken schauspielerischen Leistungen von Hugh Jackman, Patrick Stewart und vor allem auch von der elf jährige Dafne Keen als Laura. Jackman spielt seinen Logan unfassbar glaubwürdig als schwer gebrochenen Mann, verbittert und zerfressen von Schuldgefühlen, angeschlagen, traumatisiert von all seinen Erlebnissen und an den Grenzen seiner Kräfte angelangt. Ebenso ist Patrick Stewart großartig, ständig pendelnd zwischen völlig klaren Momenten und totaler Senilität, geplagt von seinen Anfällen, die ihn so unglaublich gefährlich machen für alle anderen Lebewesen, und der auch eine unglaublich erdrückende Schuld auf seinen gebrechlichen Schultern tragen muss. Die große Entdeckung aber ist zweifellos Dafne Keen, denn wie sie gerade zu Beginn des Filmes ihre rohe, geradezu animalische, gar nicht bis kaum sozialisierte Seite zum Ausdruck bringt, ist schlicht beeindruckend. Über weite Strecken im Film sagt sie nicht ein Wort, aber Körpersprache und Mimik reichen völlig aus und sprechen für sich, wenn sie sich mit geradezu unbegreiflicher Selbstverständlichkeit innerhalb dieses teils sehr brutalen Settings bewegt. Auf keinen Fall vergessen sollte man dabei, dass dieses kleine, elfjährige Mädchen annähernd keine Erfahrung vor der Kamera und schon gar keine in einer solch großen Produktion hat, aber eine verdammt gute Performance abliefert.

 

Zudem besticht Logan durch eine Intertextualität, die weit über das sonst für das Genre der Superheldenfilme so übliche, selbstreferenzielle Gebaren hinaus geht. Mangold geht mit seinem Film über den eigenen Kosmos hinaus und bezieht auch zahlreiche Verweise außerhalb der Comicwelt stark mit ein, wenn beispielsweise der Western Shane (1953) von George Stevens eine nicht gerade unbedeutende Rolle spielt, indem nicht nur zentrale Themen und Motive übernommen werden, sondern sich auch dramaturgische Elemente in Logan wiederfinden und spiegeln. Im gleichen Kontext stehen die sehr geschickt platzierten X-Men-Comics im Film, wodurch plötzlich eine Metaebene aufgemacht wird, die sogar Deadpool in den Schatten stellt, denn anhand dieser Comics verhandelt der Film die Frage, wie Superhelden grundsätzlich dargestellt werden. An diesem Punkt zieht Logan ganz klar eine Trennung zwischen der bunten Welt dieser Comics und der düsteren Realität und hinterfragt die Glorifizierung von Heldentum. Menschen sterben und das ist endgültig. Töten ist und bleibt Töten, Mord ist und bleibt Mord, auch wenn die Opfer vermeintlich böse Menschen sind. Eine bittere Erkenntnis, welche ich mir so immer wieder mal innerhalb des Genre gewünscht, aber nie bekommen habe. Zudem erinnert nicht nur Logans Look oftmals stark an das Videospiel Last of Us, auch das postapokalyptische Setting – wenn auch bei weitem nicht so ausgeprägt – wie vor allem die Vater-Tochter-Dynamik und das treibende Handlungselement der langen Reise unter widrigen Umständen mit konkretem Endpunkt lassen sich wiederfinden. Und das ist nur ein Teil all der Verweise und Bezüge, die auch einen Reiz des Filmes ausüben, und es lässt sich noch viel mehr entdecken.

 

Lange Rede, kurzer Sinn, denn ich könnte noch ewig so weitermachen: Logan ist ein grandioses Stück Film geworden, das nicht nur meine ohnehin schon hohen Erwartungen zu übertreffen vermochte, sondern darüber hinaus sein enges Genrekorsett gekonnt aufbricht und uns die wohl erste, wirklich erwachsene Comicverfilmung beschert. Die teils brutale Konsequenz des Filmes hat mich tatsächlich getroffen, berührt und mitgenommen. Vermutlich wird mich Logan in meinem Kopf noch eine ganze Weile begleiten. Ein wahrlich gelungener und würdevoller Schlussstrich unter siebzehn gemeinsame Jahre. Danke dafür.

 

10 von 10 Kugeln aus Adamantium

 

 

Ghostbusters (2016)

5. März 2017 at 17:14

 

 

 

Ghostbusters (2016)
Ghostbusters poster Rating: 5.4/10 (134,428 votes)
Director: Paul Feig
Writer: Katie Dippold, Paul Feig, Ivan Reitman (based on the 1984 film "Ghostbusters" directed by), Dan Aykroyd (based on the 1984 film "Ghostbusters" written by), Harold Ramis (based on the 1984 film "Ghostbusters" written by)
Stars: Zach Woods, Kristen Wiig, Ed Begley Jr., Charles Dance
Runtime: 116 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Comedy, Fantasy
Released: 15 Jul 2016
Plot: Following a ghost invasion of Manhattan, paranormal enthusiasts Erin Gilbert and Abby Yates, nuclear engineer Jillian Holtzmann, and subway worker Patty Tolan band together to stop the otherworldly threat.

 

 

 

„Who you gonna call?“

 

 

 

Erin Gilbert steht kurz vor ihrer Promotion an der Columbia University und einer Festanstellung im Bereich der Teilchenphysik. Doch es taucht unliebsamer Ballast aus ihrer Vergangenheit in Form eines Buches über Geisterphänomene auf, einst gemeinsam mit ihrer Jugendfreundin Abby Yates geschrieben. Die steckt derweil zusammen mit der Ingenieurin Jillian Holtzman nach wie vor mitten in ihrer Erforschung des Übernatürlichem. Doch plötzlich wird die zunächst noch eher unfreiwillige Gruppe, später dann noch ergänzt durch die Mitarbeiterin der New Yorker U-Bahn Patty Tolan, mit einem tatsächlichen Geist konfrontiert. Als sich ähnliche Ereignisse immer öfter wiederholen, beginnen die vier ihren Kampf gegen allerhand Ausgeburten der Geisterwelt.

 

Ich beschäftige mich nun schon seit vielen Jahren recht intensiv mit dem Medium Film, aber einen solchen Hass wie bei Ghostbusters habe wohl noch nie erlebt. Was die Internet-Fangemeinde da schon sehr früh absonderte, war überwiegend kaum zu ertragen. Da hat der gemeine Nerd seine hässlichste Seite gezeigt, wenn schon von einer „Vergewaltigung“ des Originals fabuliert wurde, ohne dass es auch nur ein einziges Fitzelchen Film zu sehen gab, bloß weil die vier männlichen Protagonisten nun von Frauen verkörpert werden sollten. Unvoreingenommen scheint kaum jemand an das Reboot herangehen zu können. Ich muss gestehen, dass Ghostbusters nicht unbedingt zu meinen Lieblingsfilmen gehört, wodurch ich nicht zum harten Kern der zahlreichen Fanboys gehöre. Ich mag den ersten Teil immer noch sehr und schaue ihn auch immer mal wieder gerne, aber da gibt es andere Filme dieser Zeit, welche mir dann doch mehr am Herzen liegen und prägender für meine filmische Sozialisation waren. Und schon den zweiten Teil fand ich in vielerlei Hinsicht schwächer und letzten Endes sogar verzichtbar, denn sein Vorgänger hätte mühelos für sich allein stehen können. Allein der Erfolg von Ghostbusters legitimierte die Fortsetzung und ich finde auch, dass man das dem zweiten Teil anmerkt. Nun kommt also nach erheblichen, sich über Jahre hinweg ziehenden, Schwierigkeiten seitens der Produktion unterschiedlichster Art und einem Sturm massenhafter Fanproteste, doch noch ein Reboot. Immerhin ließ man schnell von der Idee einer Fortsetzung in Originalbesetzung ab (nach dem Tod von Harold Ramis wäre das ohnehin nicht mehr möglich gewesen), die in meinen Augen nicht funktioniert hätte. Ist also die teils harsche Kritik an Ghostbusters vollkommen überzogen oder vielleicht doch gerechtfertigt?

 

Gleich vorweg: die eventuell zu erwartende Vollkatastrophe blieb letztlich in meinen Augen aus. Ja, der Film ist nicht besonders gut, aber einen solchen Shitstorm ist er keineswegs wert. Eher ist Ghostbusters erschreckend belang -wie harmlos und würde ohne die geradezu hysterischen Proteste im Vorfeld vermutlich schnell in Vergessenheit geraten. Risiken jedenfalls geht hier niemand ein und ein Fanal für den Feminismus sollte man auch nicht erwarten. Insofern kann ich all das Gezeter nun nach dem Ansehen des Filmes von Paul Feig nur noch weniger nachvollziehen, geschweige denn verstehen, so egal wirkt er auf mich. Das große, beinahe alle Aspekte des Filmes überschattende Hauptproblem von Ghostbusters ist dann auch keineswegs die im Vorfeld so hart verurteilte Besetzung, sondern vielmehr das in nahezu allen Punkten unglaublich schwache Drehbuch. Das Tempo stimmt selten, das Timing von Action und Gags funktioniert oft nicht, die Balance zwischen erzählerischen und visuellen Momenten findet keinen guten Mittelweg und vor allem fällt der Humor insgesamt erschreckend flach und banal aus. Kaum ein Witz zündet wirklich, kaum eine Pointe geht auf. Zudem übertreibt es Regisseur Paul Feig mit all den Querverweisen und Zitaten in Bezug auf Ivan Reitmans Film von 1984 so sehr, dass sich die neue Truppe kaum wirklich entfalten kann und unter dieser Masse an augenzwinkernden Anspielungen einfach untergeht. In diesen Kontext passen dann auch all die sehr merkwürdigen, teils lustlos und sehr gezwungen anmutenden Gastauftritte alter Bekannter. Egal ob Bill Murray (der scheinbar sowas von keine Lust hatte), Dan Aykroyd, Sigourney Weaver, Ernie Hudson oder Annie Potts, nie fühlt sich der jeweilige Auftritt passend an oder würde sich homogen in den Film einfügen. Aber nicht alles war auch nur schlecht in Ghostbusters. Melissa McCarthy beispielsweise spielt für ihre Verhältnisse geradezu angenehm zurückgenommen und zeigt sich deutlich weniger laut und schrill als gewohnt. Ein kleines Highlight war für mich auch die wunderbar grimassierende Kate McKinnon, deren exaltiertes Schauspiel mir durchaus Spaß machte. Und Chris Hemsworth als tumber Sekretär Kevin kann in einer Szene meinen einzigen wirklichen Lacher für sich verbuchen, wenn er auf seine Brille angesprochen wird. Auch visuell ist Ghostbusters sehr gelungen und hübsch anzusehen, auch wenn das Finale es in gewohnter Blockbuster-Manier vollkommen übertreibt und zu Gunsten einer gigantischen CGI-Orgie die ohnehin schon wenigen erzählerischen Elemente vollends aufgibt.

 

Wie gesagt: das Reboot von Ghostbusters ist beileibe kein guter Film geworden, hat seine Probleme aber gewiss an ganz anderen Stellen, als zuvor erwartet. Und diese offenbaren dann auch gleich entlarvend die Probleme der Fankultur, welche immer wieder den kreativen Stillstand in Hollywood bemängelt, sich gleichzeitig aber furchtbar aufregt und zum Gralshüter aufschwingt, wenn dann doch mal Leute Dinge anders machen möchten. Folglich werden dann natürlich überwiegend Stoffe produziert, die mehr auf Nummer sicher gehen und dem geneigten Fanboy geben, was ihm am besten schmeckt. Eine reichlich fragwürdige Spirale der Entwicklung, die nun mit dem Reboot von Ghostbusters vorerst einen sehr unrühmlichen Höhepunkt findet und mich durchaus nachdenklich stimmt.

 

4 von 10 Pfützen aus glibbrigem Ektoplasma

 

 

Die Glorreichen Sieben

2. März 2017 at 12:52

 

 

 

The Magnificent Seven (2016)
The Magnificent Seven poster Rating: 7.0/10 (101,653 votes)
Director: Antoine Fuqua
Writer: Akira Kurosawa (based on the screenplay by), Shinobu Hashimoto (based on the screenplay by), Hideo Oguni (based on the screenplay by), Richard Wenk (screenplay), Nic Pizzolatto (screenplay)
Stars: Denzel Washington, Chris Pratt, Ethan Hawke, Vincent D'Onofrio
Runtime: 133 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Western
Released: 23 Sep 2016
Plot: Seven gunmen in the old west gradually come together to help a poor village against savage thieves.

 

 

 

„What we lost in the fire, we found in the ashes.“

 

 

 

Der brutale wie rücksichtslose Grundbesitzer Bartholomew Bogue vergrößert sein Land mit eiserner Faust. Sein neuestes Objekt sind die Grundstücke der Bewohner von Rose Creek und um die anliegende Goldmine ausbeuten zu können, bietet er den Leuten zunächst einen Spottpreis weit unter Wert für ihr Land. Als das nicht funktioniert, braucht es Gewalt, um die Siedler zu vertreiben. In ihrer Not wendet sich die Witwe Emma Cullen an den erfahrenen Kopfgeldjäger Sam Chisolm, der eine schlagkräftige Truppe zusammen stellt, um den gemeinsamen Kampf gegen Bogue und seine Männer aufzunehmen.

 

Überall nur noch Remakes, Reboots, Sequels oder Prequels. Hollywood generiert keine eigenen Ideen mehr, erschafft nichts eigenständiges mehr. Ein schöner Satz, der leicht in den Wortschatz der Kulturpessimisten aufgenommen werden kann. Allerdings geht selbst mir – der dem hollywood´schen Remake-Wahn sonst eigentlich auch eher kritisch gegenüber eingestellt ist  – inzwischen diese Diskussion auf die Nerven, denn es gibt sie durchaus, die Ideen, auch in Hollywood, man muss sich nur als Film interessierter Mensch manchmal einfach auch auf die Suche nach ihnen begeben und sich mit dem Medium auch auseinander setzen. Auf dem Silbertablett neben der heimischen Couch jedenfalls werden sie sicher nicht serviert werden. Insofern soll es an dieser Stelle auch gar nicht darum gehen, zumal man das dem neuen Film von Antoine Fuqua auch gar nicht zum Vorwurf machen kann, ist doch bereits der 1960 von John Sturges gedrehte Die Glorreichen Sieben mit Yul Brunner und Steve McQueen in den Hauptrollen auch nur ein Remake von Akira Kurosawas Die Sieben Samurai aus dem Jahre 1954. Auch würde ich Fuquas Version der sieben Samurai nur bedingt als Western wahrgenommen sehen. Sicher bedient er sich dem Setting und dem Look dieses Genre mit seiner oftmals sehr einfach gehaltenen Struktur, weist ansonsten aber höchstens oberflächliche und eher kaum typische Merkmale auf und wirkt auf mich vielmehr wie ein Actionfilm im Gewand eines Western. Spätestens im überaus bleihaltigen Finale offenbart sie dann Die Glorreichen Sieben als reinrassiger Actioner voller leicht ironischem Augenzwinkern und angenehm dosiertem Humor. Das liegt meist vor allem an der wunderbar funktionierenden Kombination aus Denzel Washington und Chris Pratt, denn die Chemie zwischen den beiden stimmt einfach, ähnlich wie damals bei Yul Bunner und Steve McQueen – von denen wir ja heute wissen, dass sie sich so gar nicht leiden konnten, wenn die Kamera aus war, und Brunner den jungen und frechen McQueen als Bedrohung für seinen eigenen Status betrachtete.

 

Auch der übrige Cast weiß zu überzeugen und besticht durch enorme ethnische Vielfalt, wenn ein Nordstaatler, ein Südstaatler, ein Mexikaner, ein Chinese, ein Indianer, ein Kanadier und ein Europäer gemeinsam Seite an Seite zu den Waffen greifen. Und die sind auch alle toll besetzt mit Ethan Hawke (den ich eigentlich immer gern sehe und sehr schätze), Vincent D´Onofrio, Byung-hun Lee (an dieser Stelle bitte nicht wieder das reflexartige „White-washing“ Gemaule, bloß weil der Chinese von einem Koreaner verkörpert wird – man kann es auch übertreiben), Manuel Garcia-Rulfo und Martin Sensmeier. Allerdings leidet auch Die Glorreichen Sieben an einem für solche Ensemble getriebenen Filme oftmals recht typischen Problem, wenn einfach nicht jeder einzelne der geradezu archetypischen Charaktere auch genügend Raum bekommt um sich entfalten zu können. Vor allem der von Martin Sensmeier verkörperte Indianer Red Harvest hat mit mangelnder Screentime und einer kaum erklärten Motivation für sein Handeln zu kämpfen. Auch die einzelnen Rekrutierungen der fünf Mitstreiter im Kampf gegen Bogue fallen mir oft zu kurz aus und wirken seltsam gehetzt. Da hätte ich mir mehr gewünscht, gerade auch, weil Sturges Film da eine deutlich besser Balance findet. Dennoch bleibt Fuqua seinem bisherigen Arbeitsethos treu und inszeniert sein jüngstes Werk abermals geradlinig, schnörkellos und ganz im Sinne des von ihm gewohnten Kino des Exzesse. Allerdings fällt Die Glorreichen Sieben für seine Verhältnisse geradezu zahm aus. Gestorben wird hier zwar viel und reichlich, gern auch spektakulär in Szene gesetzt, aber der offensichtliche Mangel an Blut fällt nicht nur schnell ins Auge, es drückt auch ein wenig die sonst eher gelungene Atmosphäre.

 

Letztlich sehe ich Antoine Fuquas neuesten Film weniger als Remake, sondern eher als eine weitere, leicht abgewandelte Adaption eines bestehenden Stoffes, die in einem ganz ähnlichen Verhältnis zu Sturges Film steht wie Walter Hills Last Man Standing zu Sergio Leones Für eine Handvoll Dollar: am Ende lässt sich in beiden Fällen alles auf Akira Kurosawa zurückführen. Fuqua jedoch legt seinen Schwerpunkt wie Walter Hill auch deutlich stärker auf die Action und die kann sich einfach sehen lassen. Dazu bietet er uns interessante Charaktere, die zwar etwas besser ausgearbeitet und in Szene gesetzt sein könnten, aber nichts desto trotz zu unterhalten wissen und sehr gut miteinander harmonieren. Das ist dann auch letzten Endes ein schönes Fazit: Die Glorreichen Sieben ist trotz seiner teils offensichtlichen Schwächen einfach unterhaltsam und macht Spaß! Nicht mehr und nicht weniger.

 

7 von 10 alles niedermähenden Gatlin Guns