Godzilla

30. September 2014 at 12:25
Godzilla (2014)
Godzilla poster Rating: 6.8/10 (181,587 votes)
Director: Gareth Edwards
Writer: Max Borenstein (screenplay), Dave Callaham (story)
Stars: Aaron Taylor-Johnson, CJ Adams, Ken Watanabe, Bryan Cranston
Runtime: 123 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Sci-Fi, Thriller
Released: 16 May 2014
Plot: The world's most famous monster is pitted against malevolent creatures who, bolstered by humanity's scientific arrogance, threaten our very existence.

 

 

„The arrogance of men is thinking nature is in their control and not the other way around.”

 

 

Vielleicht, aber auch nur vielleicht, scheitert der Film an der Erwartungshaltung der Zuschauer. Godzilla ist sicher kein Pacific Rim (den ich mag) und schon gar kein Transformers (den ich nicht mag), will er auch überhaupt nicht sein, soviel muss gesagt werden. Der Fokus liegt auch nicht unbedingt auf den Monsterkämpfen, sondern vielmehr auf der sehr dichten und düsteren Endzeitatmosphäre. Einige von euch sehe ich jetzt förmlich aufstöhnen: „Aber in einem Monsterfilm will ich doch auch Monster sehen!“

 

Man sollte nicht vergessen, aus welchem Kontext heraus unser kleiner schuppiger Freund geboren wurde. Die Figur des Godzilla ist ein Sinnbild für Traumata, die in der japanischen Kultur fest verankert und tief verwurzelt sind. Er ist materialisierte Angst, ein zweibeiniges Mahnmal und zugleich der Versuch einer Aufarbeitung der Ereignisse von Hiroshima und Nagasaki und vielleicht auch irgendwann von Fukushima. Irgendwie ist Godzilla also allgegenwärtig, er war immer schon da, die ganze Zeit über. Das ist auch der Grund, warum Adaptionen der Geschichte außerhalb Japans immer etwas schwierig sind und warum Roland Emmerichs Version als Monsterfilm zwar durchaus funktioniert, als Godzilla-Film jedoch scheitert. Der Film ist keineswegs schlecht: die Tricktechnik war zum damaligen Zeitpunkt top, Jean Reno ist dabei, der Witz kommt nicht zu kurz und es gibt leichte Anflüge von Buddy-Humor, aber es fehlt einfach am nötigen Kontext. Ohne den Namen Godzilla hätte der Film vielleicht besser abgeschnitten in der Gunst des Publikums, auch in meiner, und wäre besser aufgenommen worden. So aber trägt er ein sehr schweres Erbe in meinen Augen.

 

Gareth Edwards hingegen gelingt es, sein Werk ganz im Sinne der frühen Godzilla-Filme mit globalen Traumata der jüngeren Geschichte aufzuladen. Erinnerungen an den 11. September, an die Tsunami-Katastrophe von 2004 und natürlich auch an Fukushima werden gewahr. So sind die beiden anderen Kreaturen im Film nicht mehr und nicht weniger als ein Produkt menschlicher Arroganz, erschaffen durch unsere grenzenlose Gier. Die Geister, die wir riefen, wenn man so will. Godzilla selbst ist auch ein hausgemachtes Problem, das vertuscht und durch als Atomtests im Pazifik getarnte Bombenangriffe getötet werden sollte, tritt aber eher als eine Art Naturgewalt auf den Plan, um das natürliche Gleichgewicht wieder herzustellen. Er ist auch nicht grundsätzlich böse, eher ein in die Ecke gedrängtes, wildes Tier, vielleicht verwirrt und verängstigt. Die Spur der Zerstörung ist eher bedingt durch Kollateralschäden und so manches ist von menschlicher Hand verursacht bei den zum Scheitern verurteilten Versuchen, die Kreaturen zu bekämpfen. Das ist auch ein ganz wichtiger Punkt im Film, vielleicht sogar die Kernaussage: die Natur lässt sich nicht bezwingen und nicht kontrollieren, und sie findet ihre eigenen Wege, Missstände zu korrigieren. Der Mensch ist machtlos.

 

Ein häufiger Kritikpunkt am Film ist die geringe Leinwandzeit der namens gebenden Hauptfigur. Das kann ich zumindest nachvollziehen, wenn auch nicht nachempfinden. Wie bereits erwähnt, Godzilla ist weder Pacific Rim, noch Transformers. Vielmehr orientieren sich Dramaturgie, Erzählstruktur und Spannungsaufbau an klassischen Vertretern des Genre wie Der Weiße Hai oder Jurassic Park. Lange Zeit wird Godzillas Erscheinung nur angedeutet, eine diffuse Bedrohung, mal sieht man seinen Rückenkamm, mal die Schwanzspitze, mal seine Silhouette im Nebel, und die Spannung steigt immer weiter und weiter, die Neugier auf das Monster wird immer größer und größer. Der Film spielt mit unseren Erwartungen und wenn Godzilla dann nach geraumer Zeit das erste Mal in voller Größe in Erscheinung tritt, ausgestattet mit einem wirklich so fantastischen Sounddesign, dass sich die Nackenhaare aufstellen, dann ist das ein imposanter und atemberaubender Moment.

 

 

„You have no idea what’s coming!”

 

 

Auch die Idee, einen Monsterkampf im entscheidenden Moment auszublenden und dann einfach als Liveübertragung auf einem Fernseher zu zeigen, finde ich toll. So wird der Zuschauer auch ein ganz klein wenig zu dem kleinen Jungen, der staunend vor dem Bildschirm sitzt und das Geschehen fasziniert und unschuldig verfolgt (ein kleines Augenzwinkern in Richtung Jurassic Park: The Lost World).

 

Das alles soll aber nicht heißen, dass Godzilla keine Schwächen hätte. Ganz im Gegenteil, was das Drehbuch angeht hätte man durchaus mehr herausholen können. Gerade im Mittelteil wiederholen sich einige Szenen und die Dialoge sind auch nicht immer schlüssig und unbedingt dazu dienlich, den Handlungsverlauf voranzutreiben. Einige nächtliche Kampfszenen sind etwas zu dunkel geraten und es fällt manchmal schwer, Details zu erkennen. Ein wenig mehr Helligkeit hätte an diesen Stellen ganz gut getan. Die Familiengeschichte, der Versuch des menschlichen Protagonisten, seine Familie wieder zu vereinen, bleibt genauso eindimensional und blass wie teilweise tragende Charaktere und einige der Schauspieler, aber das ist zu verschmerzen in einem Film, in welchem Godzilla die Hauptrolle spielt. Bryan Cranston jedoch muss in diesem Punkt deutlich hervorgehoben werden, seine Leistung ist wie immer sehr gut. Die Wut, der Schmerz und die Verzweiflung seiner Figur bringt er wirklich überzeugend zum Ausdruck. Leider gibt es auch hier einen Wermutstropfen, aber das seht ihr dann schon noch selbst.

 

Godzilla ist sicher kein filmisches Meisterwerk für die Ewigkeit und ganz sicher keine Drehbuchglanzleistung, aber auf jeden Fall ist er wie geschaffen fürs Kino, für die ganz große Leinwand (ein Genuss, der mir leider verwehrt blieb). Nicht die Monsterkämpfe stehen im Mittelpunkt, sondern vielmehr die wirklich hervorragend eingefangene Endzeitatmosphäre, die ausgesprochen bildgewaltig und düster daher kommt, so dass der Film sich den Luxus erlauben kann, nicht alles sofort zu zeigen, Dinge nur anzudeuten, um so die Spannung zu steigern. Godzilla hat klare Schwächen, teils im Drehbuch, teils in der Besetzung, aber er verkommt auch zu keinem Zeitpunkt zu einer weiteren, lieb –und seelenlosen Transformers-CGI-Orgie, von denen es wahrlich mehr als genug gibt. Ich fühlte mich sehr gut unterhalten, es kam keine Langeweile auf und endlich konnte ein Film mal wieder die kindliche Neugier und Begeisterung in mir auslösen, was heutzutage leider immer seltener wird.

Zitat des Tages

27. September 2014 at 16:11

„Don’t let yourself get attached to anything you are not willing to walk out on in 30 seconds flat if you feel the heat around the corner.“

   

                                                                                      

Out of the Furnace

25. September 2014 at 23:31
Out of the Furnace (2013)
Out of the Furnace poster Rating: 6.8/10 (52,307 votes)
Director: Scott Cooper
Writer: Brad Ingelsby, Scott Cooper
Stars: Woody Harrelson, Dendrie Taylor, Carl Ciarfalio, Nancy Mosser
Runtime: 116 min
Rated: R
Genre: Crime, Drama, Thriller
Released: 06 Dec 2013
Plot: When Rodney Baze mysteriously disappears and law enforcement doesn't follow through fast enough, his older brother, Russell, takes matters into his own hands to find justice.

 

„You got a problem with me? – I got a problem with everybody.“

 

 

Wieder mal ein Film, der hier zu Lande kaum Beachtung fand. Ähnlich wie Killing Them Softly zeigt Out of the Furnace in düsteren, grimmigen und von allgegenwärtiger Verzweiflung geprägten Bildern ein Amerika jenseits der üblichen Darstellung, ein zerrissenes Amerika, getroffen und gezeichnet von Armut und Elend, schwer angeschlagen durch die Wirtschaftskrise. Hoffnung keimt hier immer nur für kurze Augenblicke auf, ist spärlich gesät und die Handlungen der Figuren sprechen deutlich dafür, dass sie sich und ihre Zukunft ohnehin längst aufgegeben haben. Ein Blick hinter die Kulissen und weit weg vom üblichen Hochglanzschleier Hollywoods.

 

Der Film ist viel mehr Drama als Thriller, eher eine Milieustudie, die erst zum Ende hin die Wandlung zu einem Rachethriller vollzieht. Er ist ganz bewusst langsam erzählt und nimmt sich viel Zeit für die Einführung und den Aufbau der Charaktere. Das Erzähltempo ist dem von Crazy Heart, dem Regiedebut von Scott Cooper, nicht unähnlich. Gemächlich, aber keineswegs langweilig. Heldenfiguren finden sich hier keine, Identifikationspotential hingegen stellenweise schon. Der Großteil des Films beschäftigt sich damit, die Dynamik der Baze-Brüder zu zeichnen. Der ältere Russel (Christian Bale), eben erst aus dem Gefängnis entlassen, wo er für einen folgenschweren Fehler büßen musste, versucht so verantwortungsbewusst zu handeln wie es die Umstände seiner Umwelt zulassen und sein aus den Fugen geratenes Leben wieder auf die Reihe zu bekommen. Der jüngere Rodney (Casey Affleck), Kriegsheimkehrer aus dem Irak, traumatisiert und desillusioniert von der Wirklichkeit in seiner Heimatstadt, ist aufmüpfig, rebellisch, leichtsinnig. Durch eine dumme und unbedachte Entscheidung von Rodney werden Ereignisse los getreten, die im Grunde gar nicht gut enden können, eine Spirale der Gewalt wird ausgelöst.

 

„Working for a living? I gave my life for this country and what’s it done for me? Huh? What’s it done for me?“

 

 

All das ist eingebettet in düstere Bilder, der Look und die Inszenierung sind trostlos, karg und deprimierend, alles wirkt sehr dreckig und schmutzig, viele Blaufilter werden verwendet und die Szenerie ist durchwoben von einer wirklich tollen Bildsprache. Ich fühlte mich oft an The Deer Hunter von Michael Cimino erinnert. Das Setting ist das gleiche, im rust belt der USA, eine ähnlich fürsorgliche Beziehung zwischen den männlichen Hauptfiguren, ja sogar die Landschaft mit Hirsch, durch welche Russell einmal mit dem Gewehr streift, das Jagdmotiv… die Ähnlichkeiten lassen sich kaum leugnen.
Endlich darf Christian Bale mal wieder zeigen, was er wirklich kann, ganz ohne blendende Accessoires, ohne Gimmicks oder Effekte, ohne Maske mit Fledermausohren oder ohne Schmerbauch wie zuletzt in American Hustle. Allein durch seine Mimik und sein hervorragendes Schauspiel bringt er Wut und Verzweiflung sehr überzeugend zum Ausdruck, facettenreich und voller Nuancen. Woody Harrelson ist, wieder einmal, fantastisch. Er spielt seine Figur beängstigend glaubwürdig und entwickelt eine enorm bedrohliche Präsenz, ohne körperlich groß in Erscheinung zu treten. Das hat er auch gar nicht nötig, muss er doch nur einen Raum betreten und verächtlich ausspucken, schon wirkt er furchteinflößend. Auch die Nebenrollen sind mit Casey Affleck, Willem Dafoe, Forest Whitaker und Sam Shepard toll besetzt. Casey Affleck gefällt mir hier sogar etwas besser als in Gone Baby Gone, und da war er schon sehr gut und eindrucksvoll. Willem Dafoe ist so gut wie immer eine Bank und meiner Meinung nach ein sträflich unterschätzter Schauspieler, der viel zu oft nur Nebenrollen hat, dann aber auch gerne mal alle anderen an die Wand spielt. Seine Figur hier ist nicht ganz ohne Bedeutung, auch oder gerade weil sie irgendwie zwischen den Stühlen steht und beide Seiten nachvollziehen kann und kennt und auch zumindest eine Mitschuld am Verlauf der Geschichte mit sich trägt. Forest Whitaker gehört auch zu denjenigen, die ich eigentlich immer gerne in Filmen sehe und auch in Out of the Furnace macht er seine Sache gut, wenn auch seine Rolle wirklich nur sehr klein ausfällt. Schade, ein paar Minuten mehr screen time hätten sicher nicht geschadet. Und Sam Shepard, naja, Sam Shepard ist….fucking Sam Shepard. Der Mann wertet einfach jeden Film durch seine bloße Anwesenheit auf.

 

In der Inszenierung von Out of the Furnace drückt sich eine tiefe Enttäuschung aus, die Enttäuschung darüber, dass es einfach nicht mehr vorangehen will, auch in den Jahren der Obama-Regierung nicht vorangegangen ist und vielleicht auch nicht mehr vorangehen wird. Der Krieg draußen hat nie wirklich aufgehört, und er ist sogar nach Hause gekommen – als Kampf gegen den sozialen Abstieg. Ein wirkliches Kleinod von Film, welches leider so gut wie völlig unterging an den heimischen Kinokassen. Mir stellt sich abschließend nur die Frage (leider immer wieder und viel zu oft) wer um alles in der Welt auf diesen dämlichen deutschen Titel gekommen ist und warum…

Mud

24. September 2014 at 11:31
Mud (2012)
Mud poster Rating: 7.5/10 (93,735 votes)
Director: Jeff Nichols
Writer: Jeff Nichols
Stars: Matthew McConaughey, Reese Witherspoon, Tye Sheridan, Jacob Lofland
Runtime: 130 min
Rated: PG-13
Genre: Drama
Released: 10 May 2013
Plot: Two young boys encounter a fugitive and form a pact to help him evade the vigilantes that are on his trail and to reunite him with his true love.

 

 

„There are things you can get away with in this world and there are things you can´t.”

 

 

Bis vor einiger Zeit war ich nicht unbedingt das, was man als Mitglied des Matthew McConaughey-Fanclubs hätte bezeichnen können. Ich mochte seine Filme nicht, ich mochte ihn nicht. Zu glatt, zu schmierig, zu viel Müll, zu viele uninspirierte, seichte und seelenlose Komödien. Erst Killer Joe, den ich für maßlos unterschätzt halte, ließ mich aufhorchen. Seinen Auftritt in The Wolf of Wall Street fand ich, so kurz er war, grandios, spielt er hier doch DiCapario mühelos an die Wand. Mein Erweckungserlebnis hatte ich dann mit True Detective, einer Serie, die so herausragend in jeglicher Hinsicht ist,  dass sich sämtliche Diskussionen erübrigen angesichts der Größe dieses Meilensteins der Fernsehgeschichte. Danach folgte Der Mandant und auch hier konnte McConaughey auf der ganzen Linie überzeugen. Jetzt also Mud, ein Film, der hier zu Lande kaum Beachtung fand und auch mir beinahe durchgerutscht wäre, hätte mich nicht ein guter Freund auf ihn aufmerksam gemacht.

Regisseur Jeff Nichols ist hier ein verdammt guter Film gelungen. Ein wunderbares Coming of Age-Drama, warm und authentisch inszeniert. Ein Film über das Erwachsenwerden, über Freundschaft, über das Leben und die Liebe, den ersten Kuss. Aber auch ein Film über Heimat und Entwurzelung. Vor einer faszinierenden Südstaaten-Kulisse, die in wunderschönen Bildern festgehalten wird, erzählt der Film die Geschichte des vierzehnjährigen Ellis und seines Freundes Neckbone, die bei einem ihrer Ausflüge zu einer kleinen verlassenen Insel mitten im Mississippi auf den mysteriösen Mud treffen, der dort angeblich auf seine Freundin Juniper wartet. Dass der faszinierende Fremdling ein Mörder auf der Flucht ist, schreckt die beiden Jungen Ellis und Neckbone dann auch kaum ab. Die Abenteuerlust ist allemal größer als die Angst vor dem Unbekannten.

 

„There are fierce powers at work in the world, boys. Good, evil, poor luck, best luck. As men, we’ve got to take advantage where we can.”

 

 

Der Film beschwört einen Hauch der guten alten Zeit, irgendwo zwischen Stand By Me und Tom Sawyer. Der zwielichtige, braungebrannt-wirrhaarige Vagabund Mud ist dabei ein moderner Huckleberry Finn, der trotz aller charakterlichen Schwächen fast mythische Dimensionen erreicht. Die Figur bleibt die ganze Zeit über geheimnisvoll und verklärt, beinahe schon märchenhaft. McConaughey spielt hier ganz groß auf. Kontrollierte Bewegungen, sparsame Gesten und einige archetypische Westernposen genügen ihm, um dem Film seinen Stempel aufzudrücken. So gut McConaughey hier aber auch agiert, der damals sechzehnjährige Tye Sheridan in der Rolle des Ellis stiehlt ihm gnadenlos die Show. Der Junge, der bereits in Terence Malicks Tree of Life mitspielte, brilliert hier erneut in der Rolle des Heranwachsenden, als Kind auf der Schwelle zum Erwachsenen, dessen Welt zu zerbrechen droht. Bei seinen langsamen Gehversuchen in Richtung Erwachsensein erkennt man bereits deutlich den Mann im Kind – eine gelungene Spiegelung mit dem flüchtigen Mud, dem fremden Mann, in dem immer noch ein Kind steckt und der nie so recht erwachsen werden wollte. In diesem Spannungsfeld der beiden Hauptcharaktere, die sich zwar sehr anziehen, aber auch gänzlich verschieden sind, überzeugt der Film auf ganzer Linie. Ellis Freund Neckbone passt ebenfalls ganz hervorragend in diese Dreiecksgeschichte um Freundschaft und Vertrauen. Gespielt wir er von Jacob Loflund, der eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem jungen River Phoenix aufweist, womit wir wieder bei Stand By Me wären. Michael Shannon hat hier eine sehr kleine, aber äußerst gelungene Rolle, hatte er doch in Take Shelter, dem letzten Film von Jeff Nichols, noch die Hauptrolle. Von Shannon halte ich sehr viel, in Premium Rush, The Iceman und vor allem der Serie Boardwalk Empire wusste er immer zu glänzen. Über Man of Steel decken wir einfach den Mantel des Schweigens. Weiterhin gibt es noch den grandiosen Sam Shepard in einer nicht allzu großen, aber doch sehr wichtigen Nebenrolle zu sehen und Reese Witherspoon als undurchdringliche Juniper. Ihre Rolle ist auch nicht ganz klar, es bleibt ein Rätsel, was genau sie eigentlich will.

In der Summe stimmt bei Mud einfach alles. Atmosphärisch dicht wird eine zarte und anrührende Geschichte erzählt, die aber stets authentisch bleibt und nie ins Kitschige abrutscht. Herausragende schauspielerische Leistungen, die dezent verklärte und leicht mystische Story, das wunderschöne Südstaaten-Setting und ein nahezu perfekter Soundtrack ergeben ein Kleinod des Kinos, ein modernes Märchen, das leise daherkommt, dessen Wirkung aber umso größer ausfällt und das im Gedächtnis bleibt.