Event Horizon

29. März 2015 at 23:38

 

 

Heute mal wieder ein neuer Beitrag in der Kategorie Lieblingsfilme von mir. Der heutige Vertreter macht es einem, hat man ihn einmal gesehen, wirklich sehr schwer, diese Bilder wieder zu vergessen. Er ist sicher kein herausragender Film oder großer Klassiker, eigentlich ist er nicht einmal besonders originell, aber er brennt sich tief ins Gedächtnis ein und hinterlässt zweifellos einen bleibenden Eindruck, ob er einem nun gefallen hat oder nicht.

 

Vorhang auf für…

 

 

 

 

Event Horizon (1997)
Event Horizon poster Rating: 6.7/10 (101,078 votes)
Director: Paul W.S. Anderson
Writer: Philip Eisner
Stars: Laurence Fishburne, Sam Neill, Kathleen Quinlan, Joely Richardson
Runtime: 96 min
Rated: R
Genre: Horror, Sci-Fi
Released: 1997-08-15
Plot: A rescue crew investigates a spaceship that disappeared into a black hole and has now returned...with someone or something new on-board.

 

 

 

„Liberate tutemet ex inferis.“

 

 

 

Sieben Jahre ist es her, seit das Raumschiff Event Horizon bei einem Testlauf für einen neuartigen Antrieb zur Überbrückung gigantischer Entfernungen einfach verschwand. Als sie plötzlich und unerwartet in der Nähe des Neptun wieder auftaucht und ein kryptischer Funkspruch aufgefangen wird, macht sich ein Rettungstrupp auf den Weg, um die Geschehnisse an Bord zu untersuchen. Niemand weiß, was passiert ist, als die Crew der Rettungsmission ihr Ziel erreicht und das scheinbar leere Schiff betritt, niemand weiß, wo die Event Horizon in den letzten sieben Jahren war und was der ursprünglichen Besatzung zugestoßen sein könnte…

 

Zugegeben, Paul W.S. Anderson ist nun wahrlich kein sonderlich begnadeter Regisseur. Seine Verfilmung des Videospielklassikers Mortal Kombat geht noch als trashige B-Movie Hommage durch und auch Soldier mit Kurt Russel in der Hauptrolle entwickelt unter trashigen Gesichtspunkten irgendwie sowas wie seinen ganz eigenen Charme, aber leider ist der Mann sonst eher für die Resident Evil – Filmreihe und Machwerke wie Alien Vs. Predator, Die drei Musketiere oder Pompeii bekannt sowie für seine Ehe mit Milla Jovovich. Event Horizon jedoch ragt aus seiner Filmografie heraus, ist es doch sein mit Abstand bester Film.

 

Im Grunde ist Event Horizon ein Flickenteppich aus Anspielungen, Zitaten und Querverweisen, er bedient sich quer durch die Filmgeschichte, nimmt sich hier ein bisschen, dort ein bisschen, und vermischt das alles zu einem ganz eigenen Gesamtwerk. Als wesentliche Referenzpunkte sind hier Sciene Fiction – Klassiker wie Alien und Solaris zu nennen, aber auch Hellraiser spielt hier eine nicht zu vernachlässigende Rolle sowie klassische Haunted House – Streifen wie The Haunting oder Shining. Natürlich könnte man das dem Film jetzt vorwerfen, was zahlreiche Kritiker auch tun, aber am Ende ist er erstaunlich homogen geraten und kommt eigenständig genug daher, um müde Plagiatsvorwürfe nicht fürchten zu müssen, denn Regisseur Anderson gelingt es, diesem auf dem Papier recht wilden Genremix seinen ganz eigenen Stempel aufzudrücken. Die Story selbst ist eigentlich relativ dünn und simpel gehalten, handelt es sich doch im tiefsten Kern des Films um eine ganz klassische Spukgeschichte, ein Geisterhaus im Weltall, wenn man so will, Robert Wise´s The Haunting in den eisigen Weiten, in denen dich niemand schreien hört. Hauptsächlich besticht Event Horizon durch seine unfassbar dichte, oft sehr befremdliche und zuweilen furchterregende Atmosphäre von der ersten bis zur letzten Sekunde und einen kontinuierlich ansteigenden Spannungsbogen, der gelegentlich auch mal an den Nerven zerren kann. Je mehr dieses furchteinflößende Schiff seine Geheimnisse Stück für Stück preisgibt, umso unruhiger wird der Zuschauer.

 

 

 

„I have such wonderful, wonderful things… to show you…”

 

 

 

Ein weiterer ungemein wichtiger und vor allem ausgesprochen stimmiger Aspekt bei Event Horizon ist das atemberaubend gute Setdesign. Die Kulissen sind einfach wahnsinnig detailliert und tragen viel zu Stimmung und Atmosphäre bei, alles ist voller Symbolik und religiöser Bezüge. Das ist vielleicht seine größte Stärke und hier hebt sich der Film deutlich von ähnlichen Vertretern des Genre ab, denn Vergleichbares findet sich schlicht und ergreifend nicht. Allein das Design der Event Horizon selbst ist einzigartig mit all seinen gotischen Einflüssen, düster und befremdlich, eigentlich viel zu groß für seinen Zweck, aber dadurch nur noch beeindruckender. Tatsächlich stand die Pariser Kathedrale Notre – Dame Pate für das architektonische Gerüst des Schiffs, es gibt zahlreiche Strukturen, die an Kirchen erinnern, verschiedene fensterartige Gebilde lehnen sich dort an und die Brücke der Event Horizon wirkt wie ein gigantisches Kirchenschiff. Auch das äußere Design weist deutliche Bezüge zur Gotik auf und ist inspiriert durch die eindrucksvolle Bauweise von Notre – Dame. Wie gesagt, diese Art des Setdesigns ist buchstäblich einzigartig.

 

Nicht weniger beeindruckend ist Andersons Inszenierung. Im Verlaufe des Films werden die einzelnen Crewmitglieder teils auf sehr bizarre Art und Weise mit ihren ganz eigenen Urängsten konfrontiert, mit den dunklen und vielleicht auch bösen Teilen unseres Unterbewusstseins, die wir als vermeintlich zivilisierte Wesen mehr oder weniger erfolgreich verbannt haben aus unseren Köpfen. Die Idee ist, dass die Event Horizon an einem Ort war weit außerhalb der menschlichen Vorstellungskraft, jenseits all unserer Erfahrungswerte und fernab aller kartographierten Zivilisation. Der Film bezeichnet diesen Ort als Hölle, wobei das nicht im religiösen Sinne wörtlich zu nehmen ist, vielmehr ist es dem Mangel an Beschreibungen zu schulden, dass dieses Konzept herhalten muss, es ist eher eine Art Sammelbecken für unsere schlimmsten und ureigensten Ängste in all ihren Ausprägungen. Diese Form der Bedrohung ist weit weniger spezifisch als eine schon dutzende Male wiederholte Geschichte über Aliens und das macht sie so viel befremdlicher, unheimlicher und beängstigender, der Terror ist nicht physischer Natur, er entspringt unseren Köpfen. Hier arbeitet Anderson ungemein effektiv mit winzigen, nur wenige Sekunden langen, fragmentarisch eingeworfenen Bildschnipseln, die zum Teil extrem verstörend wirken. Bilder von unvorstellbarer Gewalt und Grausamkeit, allesamt Ausprägungen eben dieser „Hölle“, ungemein einprägsame Szenen, die man so schnell nicht wieder los wird, fast schon malerisch umgesetzt wie bei Gemälden von Hieronysmus Bosch oder Pieter Breughel. Diese Szenen sind sehr detalliert ausgearbeitet, obwohl sie nur für Sekundenbruchteile aufflackern, und genau das macht sie so unfassbar einprägsam, sie brennen sich regelrecht in die Netzhaut. Sind sie einmal im Kopf des Zuschauers, dann wollen sie so schnell auch nicht wieder gehen.

 

Wie bereits erwähnt, Event Horizon ist bei weitem kein herausragender Film, den Anspruch hat er auch gar nicht, er ist aber vor allem eines, er ist ungemein effektiv. Drehbuch, Handlung und die Dialoge fallen eher schwach aus, aber die guten schauspielerischen Leistungen, allen voran die von Laurence Fishburne und Sam Neill, die ungemein dichte und hervorragend bebilderte Atmosphäre, so furchteinflößend wie befremdlich, und das atemberaubende Setdesign machen das mehr als wett. Da fällt selbst das zum Rest des Films vergleichsweise schwache Ende kaum noch ins Gewicht. Kein Meilenstein der Filmgeschichte, aber definitiv ein Meilenstein seines Genre und einer, den ich immer wieder gerne sehe, der mich nach all den Jahren immer noch nicht langweilt und der mir immer wieder feuchte Hände beschert.

 

7 von 10 herausgerissenen Augäpfeln

 

 

 

 

 

Meine zehn liebsten Filme mit der Musik von Ennio Morricone

27. März 2015 at 12:37

 

 

Gestern Abend hatte ich das Vergnügen, Ennio Morricone mitsamt großem Orchester und Chor live auf seiner My Life In Music – Tour erleben zu dürfen. Ein Querschnitt aus seinem Schaffen, das immerhin über 500 von ihm komponierte Filmmusiken umfasst. Ihr könnt mir glauben, das war ein wunderschöner, beeindruckender und unvergesslicher Abend. Anlässlich dieser Erfahrung nun also meine zehn Lieblingsfilme mit vom Meister geschriebener Musik.

 

 

 

10.

The Big Gundown (1966)
The Big Gundown poster Rating: 7.4/10 (3,206 votes)
Director: Sergio Sollima
Writer: Franco Solinas (story), Fernando Morandi (story), Sergio Donati (screenplay), Sergio Sollima (screenplay)
Stars: Lee Van Cleef, Tomas Milian, Walter Barnes, Nieves Navarro
Runtime: 110 min
Rated: Approved
Genre: Western
Released: 1966-11-29
Plot: Unofficial lawman John Corbett hunts down Cuchillo Sanchez, a Mexican peasant accused of raping and killing a 12-year-old girl.

 

 

 

9.

U Turn (1997)
U Turn poster Rating: 6.8/10 (39,009 votes)
Director: Oliver Stone
Writer: John Ridley (screenplay), John Ridley (book)
Stars: Sean Penn, Billy Bob Thornton, Abraham Benrubi, Richard Rutowski
Runtime: 125 min
Rated: R
Genre: Crime, Drama, Thriller
Released: 1997-10-03
Plot: A young punk drifter heading to Vegas to pay off his gambling debt before the Russian mafia kills him, is forced to stop in a Arizona town where everything that can go wrong, does go wrong for him.

 

 

 

8.

Casualties of War (1989)
Casualties of War poster Rating: 7.0/10 (30,135 votes)
Director: Brian De Palma
Writer: Daniel Lang (book), David Rabe (screenplay)
Stars: Michael J. Fox, Sean Penn, Don Harvey, John C. Reilly
Runtime: 113 min
Rated: R
Genre: Drama, History, War
Released: 1989-08-18
Plot: During the Vietnam War, a soldier finds himself the outsider of his own squad when they unnecessarily kidnap a female villager.

 

 

 

7.

The Thing (1982)
The Thing poster Rating: 8.2/10 (215,812 votes)
Director: John Carpenter
Writer: Bill Lancaster (screenplay), John W. Campbell Jr. (story)
Stars: Kurt Russell, Wilford Brimley, T.K. Carter, David Clennon
Runtime: 109 min
Rated: R
Genre: Horror, Mystery, Sci-Fi
Released: 1982-06-25
Plot: Scientists in the Antarctic are confronted by a shape-shifting alien that assumes the appearance of the people that it kills.

 

 

 

6.

Duck, You Sucker (1971)
Duck, You Sucker poster Rating: 7.7/10 (19,355 votes)
Director: Sergio Leone
Writer: Sergio Leone (story), Sergio Donati (story), Luciano Vincenzoni (screenplay), Sergio Donati (screenplay), Sergio Leone (screenplay), Roberto De Leonardis (dialogue adaptation), Carlo Tritto (dialogue adaptation)
Stars: Rod Steiger, James Coburn, Romolo Valli, Maria Monti
Runtime: 138 min
Rated: PG
Genre: Western
Released: 1971-10-20
Plot: An I.R.A. explosives expert on the run in Mexico meets an amoral Mexican bandit; together they are drawn into the Mexican revolution.

 

 

 

5.

State of Grace (1990)
State of Grace poster Rating: 7.3/10 (13,766 votes)
Director: Phil Joanou
Writer: Dennis McIntyre
Stars: Sean Penn, Ed Harris, Gary Oldman, Robin Wright
Runtime: 134 min
Rated: R
Genre: Crime, Drama, Thriller
Released: 14 Sep 1990
Plot: Terry Noonan returns home to New York's Hells Kitchen after a ten year absence. He soon hooks up with childhood pal Jackie who is involved in the Irish mob run by his brother Frankie. Terry...

 

 

 

4.

The Untouchables (1987)
The Untouchables poster Rating: 8.0/10 (188,193 votes)
Director: Brian De Palma
Writer: Oscar Fraley (suggested by book), Eliot Ness (suggested by book), David Mamet
Stars: Kevin Costner, Sean Connery, Charles Martin Smith, Andy Garcia
Runtime: 119 min
Rated: R
Genre: Crime, Drama, History
Released: 03 Jun 1987
Plot: Federal Agent Eliot Ness sets out to stop Al Capone; because of rampant corruption, he assembles a small, hand-picked team.

 

 

 

3.

Once Upon a Time in the West (1968)
Once Upon a Time in the West poster Rating: 8.6/10 (179,968 votes)
Director: Sergio Leone
Writer: Sergio Leone (screenplay), Sergio Donati (screenplay), Dario Argento (from a story by), Bernardo Bertolucci (from a story by), Sergio Leone (from a story by), Mickey Knox (dialogue: English version)
Stars: Claudia Cardinale, Henry Fonda, Jason Robards, Charles Bronson
Runtime: 175 min
Rated: PG-13
Genre: Western
Released: 1968-12-21
Plot: Epic story of a mysterious stranger with a harmonica who joins forces with a notorious desperado to protect a beautiful widow from a ruthless assassin working for the railroad.

 

 

 

2.

Once Upon a Time in America (1984)
Once Upon a Time in America poster Rating: 8.4/10 (172,634 votes)
Director: Sergio Leone
Writer: Harry Grey (novel), Leonardo Benvenuti, Piero De Bernardi, Enrico Medioli, Franco Arcalli, Franco Ferrini, Sergio Leone, Stuart Kaminsky (additional dialogue)
Stars: Robert De Niro, James Woods, Elizabeth McGovern, Joe Pesci
Runtime: 229 min
Rated: R
Genre: Crime, Drama
Released: 28 Sep 1984
Plot: A former Prohibition-era Jewish gangster returns to the Lower East Side of Manhattan over thirty years later, where he once again must confront the ghosts and regrets of his old life.

 

 

 

1.

The Good, the Bad and the Ugly (1966)
The Good, the Bad and the Ugly poster Rating: 8.9/10 (421,579 votes)
Director: Sergio Leone
Writer: Luciano Vincenzoni (story), Sergio Leone (story), Agenore Incrocci (screenplay), Furio Scarpelli (screenplay), Luciano Vincenzoni (screenplay), Sergio Leone (screenplay), Mickey Knox (English version by)
Stars: Eli Wallach, Clint Eastwood, Lee Van Cleef, Aldo Giuffrè
Runtime: 161 min
Rated: Not Rated
Genre: Western
Released: 1966-12-23
Plot: A bounty hunting scam joins two men in an uneasy alliance against a third in a race to find a fortune in gold buried in a remote cemetery.

 

 

 

 

Zitat des Tages

25. März 2015 at 22:09

 

 

 

„Progress depends on our changing the world to fit us. Not the other way around.”

 

 

 

 

Cruising

21. März 2015 at 16:27

 

 

Cruising (1980)
Cruising poster Rating: 6.3/10 (11,235 votes)
Director: William Friedkin
Writer: William Friedkin, Gerald Walker (novel)
Stars: Al Pacino, Paul Sorvino, Karen Allen, Richard Cox
Runtime: 102 min
Rated: R
Genre: Crime, Drama, Mystery
Released: 1980-02-15
Plot: A police detective goes undercover in the underground S&M gay subculture of New York City to catch a serial killer who is preying on gay men.

 

 

 

„What I’m doing is affecting me.”

 

 

 

Ein Serienmörder geht in der Homosexuellenszene des New York der 80er Jahre um, immer wieder werden Leichen oder Leichenteile gefunden. Der Polizist Steve Burns wird als Undercover – Cop in die Szene eingeschleust, weil er äußerlich in das offensichtliche Beuteschema des Killers passt und den Opfern sehr ähnlich sieht. Einmal tief genug in diese ihm so fremde Welt vorgedrungen, verliert er sich mehr und mehr in ihr und wird letztlich mit seinen ganz eigenen Dämonen konfrontiert, während seine Beziehung daran zu zerbrechen droht…

 

William Friedkin war noch nie ein Regisseur, der auf Nummer sicher ging, Filme wie French Connection, Der Exorzist, Leben und Sterben in L.A. oder zuletzt Killer Joe sind provokant und innovativ, sie polarisieren und verstören zum Teil sogar. Cruising bildet da absolut keine Ausnahme, ist er doch vielleicht sogar sein gewagtester Film. Sowohl die Dreharbeiten selbst, die sogar sabotiert werden sollten und auch wurden, als auch die Veröffentlichung von Cruising wurden überschattet von Protesten aus allen möglichen Lagern, von der homosexuellen Community, die sich falsch dargestellt sah und dem Film Homophobie unterstellte, von der Politik, von den Kritikern und vom Publikum, die sich vor den Kopf gestoßen fühlten, von rückwärts gewandten Hardlinern. Zudem musste Friedkin seinen fertigen Film mehrfach umschneiden und nicht gerade wenige Minuten des Materials fielen der Schere zum Opfer, anderenfalls wäre Cruising nicht veröffentlicht worden. Was auch erklärt, warum der Film stellenweise oft so fragmentarisch und zerrissen wirkt und die Deutungsebenen zahlreich sind.

 

Cruising hinterlässt sehr ambivalente Gefühle bei mir, denn das Drehbuch pendelt zwischen Thriller und Milieustudie hin und her. Als Thriller ist der Film jedoch erstaunlich konventionell und mittelmäßig geraten, die Story vom Undercover – Cop, der sich zusehends mehr und mehr in der von ihm infiltrierten Welt verliert, ist auch 1980 keine neue Idee und schon vielfach in den unterschiedlichsten Facetten da gewesen. Diese Story dann einzubetten in eine sehr spezielle Szene, die damals sicherlich fremd und schockierend, möglicherweise gar verstörend wirkte, macht das Ganze auch nicht innovativer. Zudem gerät die eigentliche Jagd nach dem Killer immer mehr in den Hintergrund, ab ungefähr der Hälfte der Laufzeit spielt sie kaum noch eine Rolle und der Film konzentriert sich mehr auf Pacino und das Milieu, in welchem er sich bewegt, wie es beginnt, ihn immer stärker anzuziehen, ihn zu verändern. Zum Ende hin wirkt Cruising zunehmend wirr und konfus und verliert immer mehr seinen roten Faden. Hier merkt man dann doch sehr stark, dass der Film mehrfach umgeschnitten werden musste, um eine Freigabe zu bekommen, und in seiner ursprünglichen Fassung deutlich länger war. Als Milieustudie und Abbild einer pulsierenden und schillernden Szene jedoch ist Cruising seltsam faszinierend und ausgesprochen gelungen. Friedkins Blick auf diese Subkultur ist auffällig düster und fatalistisch, dennoch wirkt der Vorwurf der Homophobie heute fehl am Platze. Seine Inszenierung ist oft sehr explizit, detailgetreu und angenehm differenziert und dadurch alles andere als homophob. Der Film zeigt eine verschworene Gemeinde mit all ihren Codes und Ausprägungen, eine Welt für Hartgesottene, voller Leder und SM, er schert sich wenig um bürgerlich lebende Homosexuelle, sondern wirft vielmehr ein Licht auf ein ausschweifendes Nachtleben abseits biederer Fassaden. Gerade in diesen Szenen, wenn die Kamera durch die New Yorker Nacht mit all ihren Clubs und Parties streift wie Pacinos Undercover – Cop durch diese ihm so fremde Welt, ist Cruising atmosphärisch ungemein dicht.

 

 

 

„There’s a lot you don’t know about me.”

 

 

 

Wie bereits erwähnt fällt Cruising als Thriller sehr konventionell und eher mittelmäßig aus, was gerade bei Friedkin doch sehr überrascht, ist man von ihm als Regisseur doch ganz andere Filme gewohnt. Die Handlung lebt größtenteils von der bizarr anmutenden Szenerie, in die sie eingebettet wurde, von den vermeintlichen Tabubrüchen, die sie 1980 sicherlich auch waren. Klammert man diese jedoch aus, und das muss man, nach 35 Jahren haben sich unsere Sehgewohnheiten deutlich verändert und in unserem heutigen Kontext schockiert die Thematik einfach nicht mehr so sehr, bleibt lediglich ein 08/15 – Thriller mit einer zu Grunde liegenden Story, die man so schon dutzend Mal gesehen hat. Immer dann, wenn Friedkin das gewohnte Thriller – Terrain verlässt, wenn die Jagd nach dem Killer in den Hintergrund und beinahe sogar in Vergessenheit gerät, wenn der Film wieder mehr in Richtung Milieustudie ausschlägt, dann wird Cruising richtig gut. Pacino ist wie beinahe immer zu der Zeit grandios, sein unterkühltes und zurückhaltendes Schauspiel passt perfekt in den Kontext des Films, die Identitätskrise seiner Figur lässt sich oft nur erahnen als offen erkennen, er wirkt sehr kontrolliert und nur ein oder zwei Mal hat man kurz das Gefühl, er könnte die Fassung verlieren, dass da doch mehr unter der Oberfläche brodelt. Interessant ist auch, dass Burns für diesen Auftrag nur aufgrund seiner Ähnlichkeiten mit den bisherigen Opfern ausgewählt wird und nicht wegen seiner Fähigkeiten als Polizist, vielleicht auch ein Fingerzeig auf eine Welt, die ausgesprochen oberflächlich ist. Die Zerrissenheit des Films lässt letztlich auch viele Deutungsebenen zu. Gibt es möglicherweise mehr als nur einen Killer? Sollte es vielleicht niemals nur ein Killer sein? Ist es sogar Burns selbst? Wenn ja, war er es schon immer, oder wurde er erst im Zuge seiner Ermittlungen dazu? Alles mögliche Lesarten des Subtexts, aber nichts davon wird konkret beantwortet.  Wer will kann sogar den scheinbar willkürlich mordenden Serienkiller innerhalb einer sexuell hemmungslos agierenden Welt als Vorboten von AIDS sehen. Friedkin schweigt sich im Nachhinein zu all den Theorien und Deutungsversuchen aus, der Zuschauer muss da schon selbst versuchen, sich ein Bild zu machen. Angeblich sollen die fehlenden Filmminuten mehr Licht ins Dunkel bringen, aber wer weiß das schon. Am Ende bleibt ein seltsam faszinierendes Filmerlebnis, das immer dann besonders stark ist, wenn die Thriller – Handlung in den Hintergrund rückt und sich die Story auf das Milieu selbst beschränkt.

 

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