Lucy

29. April 2015 at 13:07

 

 

 

Lucy (2014)
Lucy poster Rating: 6.4/10 (229,422 votes)
Director: Luc Besson
Writer: Luc Besson
Stars: Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Min-sik Choi, Amr Waked
Runtime: 89 min
Rated: R
Genre: Action, Sci-Fi, Thriller
Released: 25 Jul 2014
Plot: A woman, accidentally caught in a dark deal, turns the tables on her captors and transforms into a merciless warrior evolved beyond human logic.

 

 

 

„We humans are more concerned with having than with being.”

 

 

 

Die amerikanische Studentin Lucy gerät in Taipeh durch eine zwielichtige Bekanntschaft in einen Drogendeal der koreanischen Mafia. Als die Dinge eskalieren wird Lucy kurzerhand als unfreiwilliger Drogenkurier missbraucht und soll ein in ihrem Bauchraum  eingesetztes Paket der neuartigen Droge CPH4 über die Grenze bringen. Alles läuft fürchterlich schief und letztlich wird die Droge in Lucy freigesetzt und gelangt in ihre Blutbahn, was ihr ungeahnte Möglichkeiten eröffnet….

 

Luc Besson war mal ein richtiger guter Regisseur, der es hervorragend verstand Action mit Anspruch zu verschmelzen und ungewöhnliche Geschichten zu erzählen. Filme wie Leon – Der Profi, Nikita, Im Rausch der Tiefe oder sogar noch Das 5.Element waren allesamt unterhaltsam, immer ein klein wenig anders und intelligent inszeniert. Irgendwann hat er sich dann mehr auf das Produzieren von Filmen und schreiben von Drehbüchern verlegt und auch seine immer weniger werdenden Regiearbeiten ließen die Qualität früherer Werke vermissen. An Lucy will er zehn Jahre gearbeitet haben, es scheint ihm also eine Herzensangelegenheit zu sein, dennoch gelingt es ihm auch dieses Mal nicht an vergangene Qualitäten anzuknüpfen.

 

Lucy sieht sich selbst als eine Art Gedankenexperiment, ein klassisches „Was wäre wenn… „- Spiel basierend auf der Idee, dass der Mensch nur zehn Prozent seiner Hirnkapazität nutzt. Dass diese These wissenschaftlich längst überholt und in der Form nicht mehr haltbar ist, wäre nur halb so schlimm und durchaus zu verschmerzen, wenn der Film tatsächlich etwas aus dieser Prämisse machen würde. Tut er nur leider nicht. Er entpuppt sich viel mehr als actionreiche Variation des Films Ohne Limit von Neil Burger mit Bradley Cooper in der Hauptrolle, der sich dem Thema aber deutlich versierter und eleganter annimmt. Zudem wildert Besson stark in seiner eigenen Vergangenheit, vermischt Elemente aus Nikita mit Versatzstücken aus Das 5. Element, garniert das Ganze zum Ende hin mit einem ordentlichen Schuss Transcendence von Wally Pfister und verquirlt alles zu einer wilden und bunten Mischung aus pseudowissenschaftlichen Erkenntnissen, esoterischer Philosophie, ein wenig Action und ein wenig Spannung. Leider bleibt all das aber doch sehr oberflächlich und es herrscht das eigenartige Gefühl vor, dass Besson zwar eine Idee hat, dass da eine Geschichte ist, die er erzählen möchte, er aber nicht so richtig weiß wie. Statt sich auf die im Grunde sehr gute und interessante Ausgangslage des Films zu konzentrieren verliert sich Besson immer wieder in Actionsequenzen und Verfolgungsjagden. Beginnt Lucy noch durchaus vielversprechend und hat viel Potential, wird dieses im weiteren Verlauf kaum genutzt und die Erzählstruktur fasert immer weiter aus, Elemente der Story werden der Inszenierung geopfert und der Film wird parallel zu Lucy´s zunehmender Hirnkapazität immer schwächer. Dann schafft Besson es noch mit Scarlett Johansson, Morgan Freeman und Min-sik Choi gleich drei herausragende Schauspieler völlig unter Wert zu verkaufen.

 

Letztlich verhebt sich Besson an seinem eigenen Anspruch, denn Lucy wäre zweifellos ein hübsch anzusehender Actionreißer mit Science Fiction – Elementen, ausgesprochen kurzweilig und gelungen inszeniert, würde man doch auf den pseudowissenschaftlichen und philosophischen Überbau verzichten und die Geschichte geradliniger umsetzen. So bleibt Lucy letztlich ein Blender, der mit seiner gefälligen Optik vergeblich versucht darüber hinwegzutäuschen, dass seine dünne und löchrige Story einfach nicht viel zu erzählen hat. Reduziert auf seine Actionelemente durchaus passabel, als großes Ganzes aber will der Film mehr als er bedienen kann.

 

5 von 10 Prozent genutzter Hirnkapazität

 

 

 

Meine zehn liebsten Western

26. April 2015 at 15:45

 

 

Letztlich erwies sich dann doch die Sichtung von The Salvation als Geburtshelfer für diese Liste, auch wenn ich die Idee schon sehr lange mit mir herum trage, denn ich bin ein großer Fan von Western, weniger jedoch vom klassischen amerikanischen Western und vielmehr vom Italowestern. Der Western ist das vielleicht größte und am meisten definierte amerikanische Filmgenre überhaupt, ist er doch in seinen handelnden Figuren, erzählenden Elementen, Motiven, Orten und Stilmitteln stark festgelegt und folgt häufig festen Regeln. In dieser heutigen Liste geht es erst einmal nur um den klassischen amerikanischen Western, aber eine zweite mit meinen zehn liebsten Italowestern wird in Kürze folgen, vielleicht sogar auch noch eine mit dem Neo-Western als Thema. Viel Spaß mit dieser Liste voller rauchender Colts und bleihaltiger Luft…..

 

 

 

10.

3:10 to Yuma (2007)
3:10 to Yuma poster Rating: 7.8/10 (213,869 votes)
Director: James Mangold
Writer: Halsted Welles (screenplay), Michael Brandt (screenplay), Derek Haas (screenplay), Elmore Leonard (short story)
Stars: Russell Crowe, Christian Bale, Logan Lerman, Dallas Roberts
Runtime: 122 min
Rated: R
Genre: Adventure, Crime, Drama
Released: 7 Sep 2007
Plot: A small-time rancher agrees to hold a captured outlaw who's awaiting a train to go to court in Yuma. A battle of wills ensues as the outlaw tries to psych out the rancher.

 

 

 

9.

True Grit (2010)
True Grit poster Rating: 7.7/10 (207,646 votes)
Director: Ethan Coen, Joel Coen
Writer: Joel Coen (screenplay), Ethan Coen (screenplay), Charles Portis (novel)
Stars: Jeff Bridges, Hailee Steinfeld, Matt Damon, Josh Brolin
Runtime: 110 min
Rated: PG-13
Genre: Adventure, Drama, Western
Released: 22 Dec 2010
Plot: A tough U.S. Marshal helps a stubborn young woman track down her father's murderer.

 

 

 

8.

High Noon (1952)
High Noon poster Rating: 8.1/10 (69,233 votes)
Director: Fred Zinnemann
Writer: Carl Foreman (screenplay), John W. Cunningham (magazine story "The Tin Star")
Stars: Gary Cooper, Thomas Mitchell, Lloyd Bridges, Katy Jurado
Runtime: 85 min
Rated: PG
Genre: Western
Released: 30 Jul 1952
Plot: A marshall, personally compelled to face a returning deadly enemy, finds that his own town refuses to help him.

 

 

 

7.

The Searchers (1956)
The Searchers poster Rating: 8.0/10 (55,502 votes)
Director: John Ford
Writer: Frank S. Nugent (screenplay), Alan Le May (from the novel by)
Stars: John Wayne, Jeffrey Hunter, Vera Miles, Ward Bond
Runtime: 119 min
Rated: APPROVED
Genre: Adventure, Drama, Western
Released: 13 Mar 1956
Plot: A Civil War veteran embarks on a journey to rescue his niece from an Indian tribe.

 

 

 

6.

Rio Bravo (1959)
Rio Bravo poster Rating: 8.1/10 (38,152 votes)
Director: Howard Hawks
Writer: Jules Furthman (screenplay), Leigh Brackett (screenplay), B.H. McCampbell (short story)
Stars: John Wayne, Dean Martin, Ricky Nelson, Angie Dickinson
Runtime: 141 min
Rated: NOT RATED
Genre: Western
Released: 4 Apr 1959
Plot: A small-town sheriff in the American West enlists the help of a cripple, a drunk, and a young gunfighter in his efforts to hold in jail the brother of the local bad guy.

 

 

 

5.

The Wild Bunch (1969)
The Wild Bunch poster Rating: 8.1/10 (57,793 votes)
Director: Sam Peckinpah
Writer: Walon Green (screenplay), Sam Peckinpah (screenplay), Walon Green (story), Roy N. Sickner (story)
Stars: William Holden, Ernest Borgnine, Robert Ryan, Edmond O'Brien
Runtime: 145 min
Rated: R
Genre: Action, Adventure, Western
Released: 18 Jun 1969
Plot: An aging group of outlaws look for one last big score as the "traditional" American West is disappearing around them.

 

 

 

4.

Open Range (2003)
Open Range poster Rating: 7.5/10 (49,457 votes)
Director: Kevin Costner
Writer: Lauran Paine (novel), Craig Storper (screenplay)
Stars: Robert Duvall, Kevin Costner, Annette Bening, Michael Gambon
Runtime: 139 min
Rated: R
Genre: Action, Romance, Western
Released: 15 Aug 2003
Plot: A former gunslinger is forced to take up arms again when he and his cattle crew are threatened by a corrupt lawman.

 

 

 

3.

The Magnificent Seven (1960)
The Magnificent Seven poster Rating: 7.8/10 (57,224 votes)
Director: John Sturges
Writer: William Roberts (screenplay)
Stars: Yul Brynner, Eli Wallach, Steve McQueen, Charles Bronson
Runtime: 128 min
Rated: NOT RATED
Genre: Action, Adventure, Western
Released: 23 Oct 1960
Plot: An oppressed Mexican peasant village assembles seven gunfighters to help defend their homes.

 

 

 

2.

Pat Garrett & Billy the Kid (1973)
Pat Garrett & Billy the Kid poster Rating: 7.4/10 (11,817 votes)
Director: Sam Peckinpah
Writer: Rudy Wurlitzer
Stars: James Coburn, Kris Kristofferson, Richard Jaeckel, Katy Jurado
Runtime: 122 min
Rated: R
Genre: Drama, History, Western
Released: 1973-08-31
Plot: An aging Pat Garrett is hired as a lawman on behalf of a group of wealthy New Mexico cattle barons--his sole purpose being to bring down his old friend Billy the Kid.

 

 

 

1.

Unforgiven (1992)
Unforgiven poster Rating: 8.3/10 (238,392 votes)
Director: Clint Eastwood
Writer: David Webb Peoples
Stars: Clint Eastwood, Gene Hackman, Morgan Freeman, Richard Harris
Runtime: 131 min
Rated: R
Genre: Western
Released: 7 Aug 1992
Plot: Retired Old West gunslinger William Munny reluctantly takes on one last job, with the help of his old partner and a young man.

 

 

 

 

The Rover

25. April 2015 at 15:08

 

 

The Rover (2014)
The Rover poster Rating: 6.4/10 (25,563 votes)
Director: David Michôd
Writer: Joel Edgerton (based on a story by), David Michôd (based on a story by), David Michôd
Stars: Guy Pearce, Chan Kien, Tek Kong Lim, Tawanda Manyimo
Runtime: 103 min
Rated: N/A
Genre: Crime, Drama
Released: 20 Jun 2014
Plot: 10 years after a global economic collapse, a hardened loner pursues the men who stole his only possession, his car. Along the way, he captures one of the thieves' brother, and the duo form an uneasy bond during the dangerous journey.

 

 

 

„I’ll tell you what God’s given you. He’s put a bullet in you and he’s abandoned you out here to me. He feels nothing for you. He couldn’t give a fuck if you died tomorrow.”

 

 

 

Australien in naher Zukunft, zehn Jahre nach dem Zusammenbruch der Gesellschaft. Eric streift durch das Outback, inzwischen ein gesetzloses Ödland, in dem sich jeder selbst der Nächste ist und um das nackte Überleben kämpft, als eine sich nach einem schiefgegangen Überfall auf der Flucht befindliche Gruppe von Räubern seinen Wagen gewaltsam entwendet, um so ihren Weg fortsetzen zu können. Doch Eric ist ganz und gar nicht daran gelegen, sie mit seinem Rover einfach so davonkommen zu lassen und nimmt stur und zielstrebig die Verfolgung auf. Schnell trifft er dabei auf Rey, den etwas minderbemittelten Bruder eines der Räuber, die ihn schwer verletzt und blutend einfach am Straßenrand zurückgelassen haben. Rey kennt zwar den Zielort der Flüchtlinge, ist aber nicht gewillt ihn Eric einfach so preiszugeben und es entsteht ein unfreiwilliges und mehr als nur brüchiges Bündnis zwischen den beiden Männern, der eine auf der Suche nach seinem Bruder und der Antwort auf die Frage, warum dieser ihn einfach zurückließ, der andere nach seinem gestohlenem Auto….

 

Das australische Kino überrascht seit einigen Jahren immer mal wieder mit regelrechten Genreperlen, die sich oft nicht nur nicht hinter ihren amerikanischen Verwandten verstecken müssen, sie stecken sie auch gerne mal locker in die Tasche. Der Gangsterthriller Lawless und der Western The Proposition, beide gedreht von John Hillcoat, ausgestattet mit einem Drehbuch von Nick Cave (ja, DER Nick Cave!) und mit Guy Pearce in einer tragenden Rolle, das erdrückend deprimierende Endzeitdrama The Road nach dem Roman von Cormack McCarthy, das ebenfalls von John Hillcoat realisiert wurde, der verschachtelte Crimethriller The Square, der NeoWestern Red Hill, das ernüchternde Gangsterdrama Animal Kingdom von David Michôd und jetzt eben dessen nächste Regiearbeit The Rover, dieser filmische Schlag in die Magengrube mit Guy Pearce und Robert Pattinson in den Hauptrollen, sie alle sind überdurchschnittlich gute bis herausragende Vertreter ihrer Zunft und bleiben dennoch jenseits ihrer australischen Heimat gerne mal nahezu unbemerkt, auch, weil sie oft eingefahrene Sehgewohnheiten einfach unterlaufen.

 

 

 

 

„ You should never stop thinking about a life you’ve taken. That’s the price you pay for taking it.”

 

 

 

 

 

The Rover ist auf erschreckend beiläufige Art und Weise unbarmherzig und erbarmungslos. Die Welt, die hier skizziert wird, ist rau und grimmig, sie wird beherrscht von einer fatalistischen, ja geradezu apathischen Grundstimmung, immer irgendwie drückend und unterschwellig bedrohlich. Nichts Gutes scheint es mehr zu geben, nur noch nackte Instinkte, der Wille zu überleben hat alle anderen menschlichen Werte ausgelöscht. Der von Guy Pearce gespielte Eric scheint dann auch genau in diese Welt zu passen, in der jede Spur von Mitgefühl oder Empathie verloren gegangen ist, nahtlos fügt er sich dort ein, als hätte es nie ein anderes Leben davor gegeben, und agiert kaltblütig und skrupellos, da ist wenig sympathisches an ihm und als Identifikationsfigur taugt er kaum. Er wirkt vielmehr ausgebrannt und desillusioniert, brutal und gleichgültig, mehr gefühlstot als einfach nur gefühlskalt. Zusätzlich wird die Bindung des Zuschauers zum Protagonisten dadurch unterwandert und die Distanz aufrecht erhalten, dass einfach nicht klar wird, wo dessen Motivation denn nun eigentlich liegt. Man beginnt sich zu fragen: warum das Ganze? Was genau treibt Eric an, warum nimmt er so hartnäckig wie unerbittlich die Verfolgung auf? Tatsächlich offenbart sich erst in der allerletzten Szene auf schmerzliche und zugleich seltsam berührend schöne Art und Weise der eigentliche Grund für Eric´s Handeln, banal und dennoch universell, und plötzlich hat man das Gefühl, einen gänzlich anderen Film gesehen zu haben als bisher geglaubt. So ist es auch Eric, der irgendwann im Verlaufe des Films das eigentliche Dilemma auf den Punkt bringt: nicht die furchtbaren Taten ihrer Bewohner sind das Grauen dieser Welt, sondern der Umstand, dass diese Taten schlichtweg niemanden mehr interessieren, dass sie geschehen können, weil es einfach keine Bedeutung mehr hat, sie werden allenfalls noch wahrgenommen, aber schon längst nicht mehr bewertet, so weit ist die Lethargie bereits fortgeschritten. Diese Gleichgültigkeit ist das wahre Ende der Menschheit, der moralische, ethische und soziale Verfall, das Verschwinden zwischenmenschlicher Beziehungen und emotionale Isolation.

 

 

 

„ Not everything has to be about something.”

 

 

 

Zwar weht in The Rover auch ein Hauch von Mad Max durch die karge Landschaft des australischen Outbacks, aber einzig das Setting ist es, das beide Filme lose miteinander verbindet. Sie spielen vor einem ähnlichen Hintergrund, aber viel mehr Gemeinsamkeiten gibt es nicht. The Rover pendelt eher irgendwo zwischen Roadmovie und Western, ist manchmal quälend langsam erzählt, so langsam, wie diese sterbende Welt vor sich hinsiecht, aber der Spannungsbogen ist von Anfang bis Ende perfekt angelegt, langsam köchelt und siedet alles vor sich hin, nur um im Finale dann doch noch überzukochen, wenn sich die Ereignisse plötzlich überschlagen. So kommt The Rover dann auch nahezu ohne nennenswerte Actionszenen aus, hier wird nicht plakativ inszeniert, vielmehr geschehen die Dinge ganz beiläufig, was sie oftmals deutlich eindrucksvoller gestaltet als es jede Explosion oder jedes Feuergefecht könnte. Die Story ist entschlackt und auf das Nötigste reduziert, Nebenschauplätze werden gar nicht erst aufgemacht und da ist nicht ein Gramm Fett auf den Rippen des Drehbuchs. Dazu ist dieses traurige Szenario in seltsam schönen, obwohl enorm trostlosen und kargen Bildern eingefangen, diese Welt wirkt fremd, obwohl sie uns vertraut sein sollte, ein Ort jenseits der Zivilisation, weit weg von menschlichen Errungenschaften. Die Kamera ist so präzise wie effektiv, man glaubt gelegentlich, die Hitze spüren, den Staub schmecken und den Schweiß riechen zu können. Sie fängt das Geschehen erstaunlich ungekünstelt ein, phasenweise glaubt man gar nicht einen Endzeitfilm zu sehen, alles wirkt irgendwie authentisch, eine Szenerie, die man sich durchaus genau so vorstellen kann.

 

Das wahre Highlight aber sind die schauspielerischen Darbietungen der beiden Hauptdarsteller. Guy Pearce halte ich ohnehin für sträflich unterbewertet, der Mann gehört zu meinen absoluten Lieblingsschauspielern, denn er ist enorm wandlungsfähig und schafft es selbst dann noch einem Film seinen Stempel aufzudrücken und ihn sich eigen zu machen, wenn seine Rolle verhältnismäßig klein ausfällt. Unvergessen seine Rollen in Filmen wie L.A. Confidential, Memento oder The Hurt Locker, aber auch in kleineren Produktionen wie Lawless, Ravenous oder The Proposition konnte er immer überzeugen. Nicht zu vergessen der zwar enorm stumpfsinnige, dafür aber auch unfassbar unterhaltsame Science-Fiction/Actionkracher Lockout, in dem Pearce kaum wieder zuerkennen ist, aber selbst einer solch flachen Figur kann er noch Facetten abgewinnen. Seine Figur des Eric in The Rover ist erschreckend unbarmherzig und zielstrebig und geht rücksichtslos zu Werke bei der Suche nach seinem Auto und dessen Dieben, gerade zu emotionslos, und man kauft ihm das zu jeder Sekunde ab. Er spielt subtil und ruhig, gesprochen wird ohnehin nicht viel, es gibt kaum noch was zu sagen, und man hat immer das Gefühl, da ist noch etwas anderes unter seiner Oberfläche, etwas gefährliches, das dort vor sich hin brodelt und auf den Ausbruch wartet. Und dann ist da noch Robert Pattinson als Rey. Ich muss ganz ehrlich zugeben, der Mann hat mich umgehauen in diesem Film. Eine solch starke schauspielerische Leistung hätte ich ihm niemals zugetraut, so weit weg wie nur möglich von diesem kitschigen Erfüllungsgehilfen für Teenagerträume namens Twilight. Rey ist sehr naiv, ein wenig minderbemittelt, vielleicht zurückgeblieben und auf alle Fälle hoffnungslos überfordert von dieser Welt um ihn herum. Wie Pattinson das spielt, seine Mimik, Körperhaltung, seine Sprache, das ist sehr beeindruckend und erinnert ein wenig an Leonardo DiCaprio in Gilbert Grape. Pearce und Pattinson tragen den ganzen Film, diese zweckmäßige, zarte und brüchige Verbindung zweier Männer, die beide etwas ihnen wichtiges verloren haben, das ist sehr spannend inszeniert. Eric als der kaltblütige und emotionslose Typ, Rey dagegen als der naive, ja sogar gläubige Gegenpart, und wie sie sich langsam aneinander annähern, obwohl sie doch Welten trennen, das hat etwas unglaublich intensives.

 

The Rover ist ein minimalistisches Kleinod seines Genre, extrem reduziert auf das absolut Wesentliche und beschreibt eine archaische Welt ohne Hoffnung oder Menschlichkeit, brutal und grausam, in der nur noch das Gesetz des Stärkeren Bestand hat. Sympathieträger findet man hier keine. Das Wenige an Story ist langsam erzählt, der Spannungsaufbau aber kontinuierlich und die Ereignisse entladen sich in einem zynischen Finale. All das ist festgehalten in spröden Bildern des flirrenden Outbacks, staubtrocken, dreckig und lebensfeindlich, und unterlegt mit einem Soundtrack, der an den Nerven zerrt und die Spannungsschraube nur noch weiter anzieht. Das fantastische Zusammenspiel von Guy Pearce und Robert Pattinson ist beeindruckend und wunderbar anzusehen. All das macht The Rover zu einem kleinen Ausnahmefilm, den man zumindest dann unbedingt mal gesehen haben sollte, wenn man sich für das Genre Endzeit ähnlich begeistern kann wie ich und nicht gleich einen Mad Max-Verschnitt erwartet. Aber auch allen anderen, die mal einen etwas außergewöhnlichen Film sehen wollen und nicht allzu zart besaitet sind, sollten hier einen Blick riskieren.

 

8 von 10 US-Dollar

 

 

The Salvation

21. April 2015 at 15:45

 

 

The Salvation (2014)
The Salvation poster Rating: 6.8/10 (12,177 votes)
Director: Kristian Levring
Writer: Anders Thomas Jensen, Kristian Levring
Stars: Mads Mikkelsen, Eva Green, Jeffrey Dean Morgan, Eric Cantona
Runtime: 92 min
Rated: R
Genre: Drama, Western
Released: 27 Feb 2015
Plot: In 1870s America, a peaceful American settler kills his family's murderer which unleashes the fury of a notorious gang leader. His cowardly fellow townspeople then betray him, forcing him to hunt down the outlaws alone.

 

 

 

„I was a soldier once and it told me a lesson: Don´t get into a fight you know you gonna lose.”

 

 

 

Amerika 1871, zur Zeit der Erschließung des Wilden Westens, als der american dream noch einer war, als ein Mann sich mit seinen bloßen Händen noch etwas aufbauen konnte in einer rauen Welt. Die beiden Dänen Jon und dessen Bruder Peter sind solche Männer, haben sie doch sieben Jahre zuvor ihre Heimat und den deutsch-dänischen Krieg hinter sich gelassen, um nicht mehr als Söldner dienen zu müssen, um für ihre Familien etwas Dauerhaftes aufbauen zu können. Sieben Jahre hat Jon seine in Dänemark verbliebene Frau jetzt nicht mehr gesehen und seinen kleinen Sohn noch nie, als er endlich soweit ist, beide in die neue Heimat und ihr neues Leben zu holen. Die Freude des Wiedersehens ist leider nur von kurzer Dauer, werden die drei noch auf dem Weg zum neuen Heim von zwei kürzlich aus dem Gefängnis entlassenen Männern überfallen. Jon wird überwältigt und zurückgelassen, seine Frau vergewaltigt und schließlich zusammen mit ihrem Sohn ermordet. Jon gelingt es zwar letztlich, die beiden Männer zu erschießen, doch damit tritt er nur eine weitere Spirale der Gewalt los, ist einer der beiden Toten der Bruder des finsteren Delarue, dem Anführer einer Bande von skrupellosen Verbrechern, der nichts mehr will als Rache für seinen toten Bruder….

 

The Salvation ist ein ganz klassischer Rachewestern, geradlinig und völlig schnörkellos inszeniert, angereichert mit zahlreichen archetypischen Figuren und reduziert auf eine nur das absolut Wesentliche skizzierende Handlung, gänzlich frei von Überraschungen. Innovation sucht man hier vergeblich, aber das ist völlig in Ordnung so, ist das Genre in der Regel doch relativ robust gegenüber Einflüssen von außen. Umso einfacher die Story gehalten ist, so grimmiger wird sie erzählt, getränkt von beinahe schon alttestamentarischer Wucht, Auge um Auge, Zahn um Zahn, buchstäblich. Zudem bedient sich Regisseur Kristian Levring vieler Referenzen sowohl an den klassischen amerikanischen Western als auch am deutlich düstereren Genre des Italo-Western, eine Spielart, die mir besonders am Herzen liegt, sind ihre Vertreter doch oft moralisch viel ambivalenter, dreckiger und zynischer als der klassische Western. Levring zitiert gleichermaßen große Klassiker wie High Noon oder The Searchers wie Spiel mir das Lied vom Tod oder Leichen pflastern seinen Weg, der Film muss aber nie um seine Eigenständigkeit fürchten.

 

Das verdankt The Salvation hauptsächlich seinen Schauspielern, die durchgängig wirklich hervorragende Darbietungen präsentieren. Mads Mikkelsen als Jon wirkt episch, in geradezu biblischer Art und Weise monumental, rau, stoisch und wortkarg wie die Welt um ihn herum. Viel sprechen muss er auch gar nicht, gelingt es ihm doch immer wieder, alles von Bedeutung nur durch seine Mimik auszudrücken, reduziert auf das Allernötigste. Gleiches gilt für Mikael Persbrandt, der seinen Bruder Peter spielt, die beiden zusammen auf der Leinwand, das hat irgendwie was ganz besonderes, wenig Dialog, viel passiert zwischen den Zeilen und bleibt ungesagt zwischen ihnen, oftmals reichen kurze Blicke zur Verständigung. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang auch die Figur von Eva Green, spielt sie doch die Verlobte des getöteten Bruders von Delarue, Madelaine. Hier treibt Levring das Konzept des wortkargen Helden auf die Spitze wie einst Sergio Corbucci mit Leichen pflastern seinen Weg, ist der dortige Held doch genauso stumm wie Madelaine. Eva Green ist so gut, man kann alle Facetten ihrer Wut, Angst und Abscheu deutlich an ihrem Gesicht ablesen, das ist auf jeden Fall beeindruckend genug, um ihre doch eher schwache Performance in 300: Rise of an Empire vergessen zu machen. Einzig Jeffrey Dean Morgan in der Rolle des rachedürstigen und sadistischen Bandenchefs Delarue ist deutlich redseliger als die meisten Figuren im Film, er gibt einen wirklich fiesen Bösewicht ab, einerseits charmant, wenn er will oder muss, im nächsten Moment aber auch eiskalt und vor allem immer absolut berechnend und nur auf seinen Vorteil bedacht.

 

The Salvation ist ein Film, der, wie so oft im Genre des Western und ganz besonders bei den Italowestern, vor allem durch seine Bildersprache lebt, und diese ist erstaunlich stark ausgefallen, das hätte ich so vorher nicht unbedingt vermutet. Gerade die Landschaft ist oft exzellent in Szene gesetzt, so dass der Drehort Südafrika wirklich glänzen darf, Dreck, Staub und flimmernde Hitze glaubt man oft auf der Haut zu spüren, so präzise ist die Kamera. Leider fallen eine handvoll CGI-Effekte sehr schwach aus, vornehmlich einige wenige Außenszenen im Regen und ganz besonders das lodernde Flammenmeer im Finale sehen alles andere als überzeugend aus. Hier merkt man doch das mit gut 10 Millionen Euro recht knapp bemessene Budget und es geht dadurch einiges an Atmosphäre verloren.

 

Unterm Strich ist The Salvation kein herausragender, aber doch ein überdurchschnittlicher Vertreter seines Genre, der sich eher am Italowestern orientiert als an den klassischen amerikanischen Western, hauptsächlich durch seine präzise Bildersprache und seine starken Schauspieler zu überzeugen weiß und mit angemessener Härte verhältnismäßig schonungslos zur Sache geht. Durch die unterschwellig noch angedeutete Thematik der langsam aufkeimenden Ölförderung findet sogar ein Hauch von Gesellschaftskritik Einzug in den Film, was gerade beim Italowestern nicht unüblich ist. Wer Western gegenüber nicht abgeneigt ist, der sollte hier durchaus mal einen Blick riskieren, wer dem Genre jedoch so gar nichts abgewinnen kann, der kann auch getrost einen Bogen um The Salvation machen ohne etwas zu verpassen.

 

7 von 10 Einschüssen zwischen die Augen