Zitat des Tages

29. Mai 2015 at 0:07

 

 

 

„More tears are shed over answered prayers than unanswered ones.”

 

 

 

 

The Purge: Anarchy

25. Mai 2015 at 16:16

 

 

 

The Purge: Anarchy (2014)
The Purge: Anarchy poster Rating: 6.5/10 (63283 votes)
Director: James DeMonaco
Writer: James DeMonaco, James DeMonaco (characters)
Stars: Frank Grillo, Carmen Ejogo, Zach Gilford, Kiele Sanchez
Runtime: 103 min
Rated: R
Genre: Action, Horror, Thriller
Released: 18 Jul 2014
Plot: Three groups of people are trying to survive Purge Night, when their stories intertwine and are left stranded in The Purge trying to survive the chaos and violence that occurs.

 

 

 

„We can’t have heroes… oh no sir… no heroes. I hope you feel cleansed. Blessed be America, a nation reborn.“

 

 

 

Dank des Vorgängers The Purge ist die Story zwar mehr oder weniger bekannt, ich gehe aber trotzdem nochmal kurz darauf ein. Amerika im Jahr 2023. Die neue Regierung, auch bekannt als Die Neuen Gründungsväter, hat aufgrund von hohen Kriminalitätsraten, überfüllten Gefängnissen und wachsender Armut die sogenannte Purge-Night eingeführt. Einmal im Jahr ist für zwölf Stunden alles erlaubt, kein Verbrechen wird bestraft werden und sämtliche Polizeikräfte sind ebenso wenig im Dienst wie die Feuerwehr und auch die Krankenhäuser sind geschlossen. Mord, Raub, Vergewaltigung, völlig egal, der Täter bleibt straffrei und das System scheint zu funktionieren, denn außerhalb der Purge-Night ist jegliches Verbrechen nahezu gänzlich verschwunden und kaum jemand lebt noch unter der Armutsgrenze. In einer dieser Purge-Nights kreuzen sich die Wege einer Kellnerin und deren Tochter mit einem jungen Paar mit Autopanne und der geheimnisvolle Sergeant ist auch auf den Straßen unterwegs….

 

Wie schon bei dem ein Jahr zuvor erschienenen The Purge ist die Ausgangssituation bei The Purge: Anarchy genau die gleiche. Die Grundidee beider Filme hat durchaus Potential und ist reizvoll, sofern man nicht allzu genau hinsieht und anfängt, die Dinge auf Logik hin abzuklopfen, denn dann stürzt alles in sich zusammen wie ein Kartenhaus auf wackeligem Boden. The Purge hatte das grundlegende Problem, dass ein gutes und vielversprechendes Konzept zu schwach und zahm umgesetzt wurde, statt die provokante Prämisse konsequent auszuleuchten, präsentierte Autor und Regisseur James DeMonaco nach einem durchaus brauchbarem Auftakt dann doch nur einen allenfalls mäßigen und nach den üblichen Mustern des Genres gestrickten Home-Invasion-Thriller, der zudem mit nicht unerheblichen handwerklichen Mängeln zu kämpfen hatte.

 

The Purge: Anarchy geht nun einen Schritt weiter und projiziert seine gesellschaftskritische Botschaft in einem deutlich größeren Radius, weg von einer einzigen Familie, die in der Purge-Night in ihrem Haus von einer marodierenden Bande terrorisiert wird hin zu den Straßen von L.A. ein Jahr später in eben dieser Nacht mit zahlreichen umherstreifenden Gruppierungen jeglicher Art, die nur eines im Sinn haben, nämlich all das hemmungslos auszuleben, was die moderne Gesellschaft mit ihrem Rechtssystem sonst nicht zulässt: Anarchie auf ganzer Linie. The Purge: Anarchy lehnt sich also stilistisch deutlich weniger bis gar nicht mehr am klassischen Home-Invasion-Thriller a la Panic Room, The Last House on the Left oder Straw Dogs an, sondern zitiert vielmehr Filme wie Die Klapperschlange oder Assault-Anschlag bei Nacht von John Carpenter sowie The Wanderers von Philip Kaufman, Filme also, die den Terror auf offene und verlassene Straßen ausdehnen, auf unbekanntes Terrain, der Heimvorteil für die Opfer ist dahin.

 

Leider krankt The Purge: Anarchy an ähnlichen Problemen wie sein Vorgänger, die Umsetzung und Inszenierung sind zwar etwas besser geraten, aber das Potential der Grundidee wird immer noch nicht annähernd ausgeschöpft. Die Charaktere sind extrem stereotyp aufgebaut und kommen direkt vom Reißbrett, sie sind flach, eindimensional und voller Klischees und ermöglichen wenig bis gar keine Identifikation, es wird dem Zuschauer kein Grund geboten an ihrem Schicksal zu antizipieren, sie bleiben einfach belanglos und egal. Schauspielerisch hat der Film auch nicht viel zu bieten, nur Frank Grillo als der mysteriöse Sergeant sticht ein wenig hervor, ist aber dennoch auch nur ein Klischee auf zwei Beinen. Würde aber Grillo nicht schon Brock Rumlow/Crossbones im Marvel-Universum spielen, er gäbe einen wunderbaren Punisher ab. The Purge: Anarchy ist immer noch zu zahm inszeniert, der Härtegrad hat zwar im Vergleich zum Vorgänger ein wenig angezogen, erreicht aber bei weitem noch nicht das Level, das die Story eigentlich verdient hätte. Auch ist der Film schmutziger und gemeiner, aber auch hier ist noch deutlich Luft nach oben. Als besonders unangenehm fällt der massive Gebrauch von CGI-Blut und Blutspritzern auf, das raubt viel an Atmosphäre, handgemachte Spezialeffekte hätten auch im Kontext des Films sehr viel mehr Sinn ergeben.

 

Letztlich sind sowohl die Ausarbeitung der Story, die Inszenierung und die Zeichnung der Charakter einfach viel zu schwach, um einen wirklich guten Film aus The Purge: Anarchy zu machen, obwohl die Grundidee durchaus interessant ist und Potential hat. Außerdem will der Film Hypersatire und relevante Gesellschaftskritik sein, Amerika wohl möglich einen Spiegel vorhalten, doch dafür kommen seine Kernaussagen viel zu flach und stumpf und vor allem mit dem Holzhammer dosiert daher, über die Schlagwort-Problematiken Kriminalitätsrate, Arbeitslosigkeit, Armut und Waffenbesitz kommt das Drehbuch zu keiner Sekunde hinaus und sämtliche aufkeimenden kritischen Ansätze verpuffen in der plumpen und ungelenken Umsetzung. Dennoch ist eine Steigerung im Vergleich zum Vorgänger erkennbar und vielleicht wird ein dritter Teil noch mehr in die richtige Richtung gehen können, aber es ist auch zu befürchten, dass man jetzt aufgrund der gegebenen Erfolgsformel niedrige Produktionskosten und starke Einspielergebnisse einfach nur ein weiteres billig produziertes und zahlreiche Ableger nach sich ziehendes The Purge-Franchise aufziehen wird.

 

5 von 10 Schüssen in einer gesetzlosen Nacht

 

 

 

 

Meine zehn liebsten Filme von Tim Burton

24. Mai 2015 at 14:53

 

 

Tim Burton, ein Meister des Bizarren. Die Idee dieser Liste entstand durch ein Gespräch mit einer sehr guten Freundin. Ihre Nummer Eins schafft es nämlich bei mir so gerade eben noch in die Liste, das kann durchaus zu munteren Diskussionen führen. Tim Burtons Filme faszinieren meist durch ihre düsteren Szenarien, ihren skurrilen und oftmals schwarzen Humor und schrille, manchmal grellbunte Elemente als Kontrast zu seinem sonst doch eher gotisch gehaltenen Stil der Visualisierung. Die Bühnenbilder in seinen Filmen sind meist extrem detailverliebt und nahezu immer mit einer leicht surrealen Note versehen, oft greift er Elemente aus dem deutschen Expressionismus auf. Besonders ins Auge sticht hier der von Christopher Walken gespielte Bösewicht Max Shreck in Batman Returns, angelehnt an den deutschen Schauspieler Max Schreck, der 1922 als Nosferatu in Friedrich Wilhelm Murnaus gleichnamigen Stummfilmklassiker brillierte. Zudem verbeugt er sich gerne vor den Filmen und Schauspielern seiner Kindheit indem er entweder Rollen mit Schauspielern wie Vincent Price (Edward mit den Scherenhänden) besetzt oder Martin Landau in Ed Wood Bela Lugosi spielen lässt. Kernthemen seiner Filme sind meist Eskapismus, die kindliche Begeisterung und die Kraft der Imagination, sie wirken häufig seltsam entrückt, irgendwie nicht so ganz von dieser Welt, was sie so unglaublich anziehend und faszinierend macht. Viel Spaß also mit dieser etwas düsteren und manchmal auch morbiden Liste…. 🙂

 

 

 

10.

Alice in Wonderland (2010)
Alice in Wonderland poster Rating: 6.5/10 (265621 votes)
Director: Tim Burton
Writer: Linda Woolverton (screenplay), Lewis Carroll (books)
Stars: Johnny Depp, Mia Wasikowska, Helena Bonham Carter, Anne Hathaway
Runtime: 108 min
Rated: PG
Genre: Adventure, Family, Fantasy
Released: 5 Mar 2010
Plot: Nineteen-year-old Alice returns to the magical world from her childhood adventure, where she reunites with her old friends and learns of her true destiny: to end the Red Queen's reign of terror.

 

 

 

9.

Sleepy Hollow (1999)
Sleepy Hollow poster Rating: 7.4/10 (238615 votes)
Director: Tim Burton
Writer: Washington Irving (story), Kevin Yagher (screen story), Andrew Kevin Walker (screen story), Andrew Kevin Walker (screenplay)
Stars: Johnny Depp, Christina Ricci, Miranda Richardson, Michael Gambon
Runtime: 105 min
Rated: R
Genre: Drama, Horror, Mystery
Released: 19 Nov 1999
Plot: Ichabod Crane is sent to Sleepy Hollow to investigate the decapitations of 3 people with the culprit being the legendary apparition, the Headless Horseman.

 

 

 

8.

Corpse Bride (2005)
Corpse Bride poster Rating: 7.4/10 (163029 votes)
Director: Tim Burton, Mike Johnson
Writer: Tim Burton (characters), Carlos Grangel (characters), John August (screenplay), Caroline Thompson (screenplay), Pamela Pettler (screenplay)
Stars: Johnny Depp, Helena Bonham Carter, Emily Watson, Tracey Ullman
Runtime: 77 min
Rated: PG
Genre: Animation, Fantasy, Musical
Released: 23 Sep 2005
Plot: When a shy groom practices his wedding vows in the inadvertent presence of a deceased young woman, she rises from the grave assuming he has married her.

 

 

 

7.

Edward Scissorhands (1990)
Edward Scissorhands poster Rating: 8.0/10 (316288 votes)
Director: Tim Burton
Writer: Tim Burton (story), Caroline Thompson (story), Caroline Thompson (screenplay)
Stars: Johnny Depp, Winona Ryder, Dianne Wiest, Anthony Michael Hall
Runtime: 105 min
Rated: PG-13
Genre: Drama, Fantasy, Romance
Released: 14 Dec 1990
Plot: An uncommonly gentle young man, who happens to have scissors for hands, falls in love with a beautiful girl.

 

 

 

6.

Batman Returns (1992)
Batman Returns poster Rating: 7.0/10 (189423 votes)
Director: Tim Burton
Writer: Bob Kane (Batman characters), Daniel Waters (story), Sam Hamm (story), Daniel Waters (screenplay)
Stars: Michael Keaton, Danny DeVito, Michelle Pfeiffer, Christopher Walken
Runtime: 126 min
Rated: PG-13
Genre: Action
Released: 19 Jun 1992
Plot: When a corrupt businessman and the grotesque Penguin plot to take control of Gotham City, only Batman can stop them, while the Catwoman has her own agenda.

 

 

 

5.

Beetlejuice (1988)
Beetlejuice poster Rating: 7.4/10 (161946 votes)
Director: Tim Burton
Writer: Michael McDowell (story), Larry Wilson (story), Michael McDowell (screenplay), Warren Skaaren (screenplay)
Stars: Alec Baldwin, Geena Davis, Annie McEnroe, Maurice Page
Runtime: 92 min
Rated: PG
Genre: Comedy
Released: 30 Mar 1988
Plot: A couple of recently deceased ghosts contract the services of a "bio-exorcist" in order to remove the obnoxious new owners of their house.

 

 

 

4.

Charlie and the Chocolate Factory (2005)
Charlie and the Chocolate Factory poster Rating: 6.7/10 (275341 votes)
Director: Tim Burton
Writer: Roald Dahl (book), John August (screenplay)
Stars: Johnny Depp, Freddie Highmore, David Kelly, Helena Bonham Carter
Runtime: 115 min
Rated: PG
Genre: Adventure, Comedy, Family
Released: 15 Jul 2005
Plot: A young boy wins a tour through the most magnificent chocolate factory in the world, led by the world's most unusual candy maker.

 

 

 

3.

Frankenweenie (2012)
Frankenweenie poster Rating: 7.0/10 (64205 votes)
Director: Tim Burton
Writer: Leonard Ripps, Tim Burton (original idea), John August (screenplay)
Stars: Catherine O'Hara, Martin Short, Martin Landau, Charlie Tahan
Runtime: 87 min
Rated: PG
Genre: Animation, Comedy, Family
Released: 5 Oct 2012
Plot: Young Victor conducts a science experiment to bring his beloved dog Sparky back to life, only to face unintended, sometimes monstrous, consequences.

 

 

 

2.

Ed Wood (1994)
Ed Wood poster Rating: 7.9/10 (133077 votes)
Director: Tim Burton
Writer: Rudolph Grey (book), Scott Alexander, Larry Karaszewski
Stars: Johnny Depp, Martin Landau, Sarah Jessica Parker, Patricia Arquette
Runtime: 127 min
Rated: R
Genre: Biography, Comedy, Drama
Released: 28 Sep 1994
Plot: An ambitious but troubled movie director tries his best to fulfill his dream, despite his lack of support.

 

 

 

1.

Big Fish (2003)
Big Fish poster Rating: 8.0/10 (310,145 votes)
Director: Tim Burton
Writer: Daniel Wallace (novel), John August (screenplay)
Stars: Ewan McGregor, Albert Finney, Billy Crudup, Jessica Lange
Runtime: 125 min
Rated: PG-13
Genre: Adventure, Drama, Fantasy
Released: 09 Jan 2004
Plot: A son tries to learn more about his dying father by reliving stories and myths he told about his life.

 

 

 

A Most Wanted Man

22. Mai 2015 at 20:02

 

 

 

A Most Wanted Man (2014)
A Most Wanted Man poster Rating: 6.9/10 (43163 votes)
Director: Anton Corbijn
Writer: Andrew Bovell (screenplay), John le Carré (novel), Stephen Cornwell (additional writing)
Stars: Grigoriy Dobrygin, Philip Seymour Hoffman, Homayoun Ershadi, Mehdi Dehbi
Runtime: 122 min
Rated: R
Genre: Thriller
Released: 1 Aug 2014
Plot: A Chechen Muslim illegally immigrates to Hamburg, where he gets caught in the international war on terror.

 

 

 

„And all that damage we leave behind….all those lives….all those empty rooms… what would they have been for? You ever asked yourself that question? Why we do what we do?”

 

 

 

Ein rätselhafter Flüchtling wandert illegal in Hamburg ein und innerhalb kürzester Zeit läuten sowohl beim deutschen als auch beim amerikanischen Geheimdienst die Alarmglocken. Issa Karpov, halb Russe und halb Tschetschene, wirkt verwahrlost und ist schwer gezeichnet von Haft und Folter in russischen und türkischen Gefängnissen. Als er Kontakt zur islamischen Gemeinde in Hamburg aufnimmt und unterzutauchen droht, wird jeder seiner Schritte fortan von Günther Bachmann und seinem kleinen Team, einer geheimen Abteilung innerhalb des deutschen Geheimdienstes, überwacht. Wer ist dieser Mann? Was will er in Hamburg? Woher kommt er? Ist er Opfer? Täter? Betrüger? Oder gar Extremist? Geht von ihm ein Terrorverdacht aus? Bachmann und seinen Leuten bleibt nicht viel Zeit dieses Rätsel zu lösen, denn der amerikanische Geheimdienst und der Verfassungsschutz üben Druck aus, um Karpov möglichst schnell aus dem Verkehr ziehen zu können….

 

Das ist also der letzte Film des großartigen Philip Seymour Hoffman, einem der wohl besten Schauspieler unserer Zeit, vielleicht sogar aller Zeiten, dessen tragischer Tod im Februar 2014 auch heute noch eine enorme und nicht zu füllende Lücke in der Filmwelt hinterlässt. Ein Charakterkopf mit einer unglaublichen Präsenz auf der Leinwand, extrem wandlungsfähig und mit dem geradezu magischen Talent gesegnet den Zuschauer nahezu völlig zu vereinnahmen mit seinen differenzierten Darbietungen, und seien es nur Nebenrollen. Ein Mann, der buchstäblich alles spielen konnte, ein Meister seines Fachs. Leider ist A Most Wanted Man nicht ganz der würdige letzte Akt, den man sich vielleicht für sein Abtreten gewünscht hätte, ein solider Film, ja, sogar ein guter in seinem Genre, und Hoffman ist auch hier herausragend, aber es ist sicher nicht seine beste Arbeit, es ist kein Capote, kein The Master, kein Magnolia, kein Synecdoche, New York, kein 25th Hour.

 

 

 

„Have you ever seen blood on the street?”

 

 

 

Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von John le Carré durch den niederländischen Regisseur Anton Corbijn ist bestimmt von sprödem Realismus anstatt von dramatischem Effektkino. Die Geschichte wird extrem reduziert und bedächtig erzählt, beinahe schon schwerfällig, und über subtile Spannung kommt der Film selten hinaus. Die Inszenierung ist nicht allzu dynamisch geraten, dafür aber sehr präzise. A Most Wanted Man ist keine actionreiche Agentenhatz der Marke Hollywood, er ist mehr Dame, König, Ass, Spion als Mission: Impossible, mehr Der ewige Gärtner als die Jason Bourne-Reihe, mehr Der Ghostwriter als James Bond. Die Spionage wird hier als Alltag und wenig abenteuerlich und schon gar nicht romantisch geschildert, sie ist langweilig und mühsam, kostet viel Zeit und Geduld, ist zermürbend, vereinnahmt die Privatleben aller Beteiligten und ist nicht selten einfach nur von Glück und Zufall bestimmt. Entsprechend angelegt ist dann auch die von Philip Seymour Hoffman verkörperte Figur des Günther Bachmann als Mann an der Schwelle vom enttäuschten, aber noch aufrechten Idealisten hin zum resignierten Zyniker, ein Gewohnheitstrinker, der zuviel raucht und nahezu völlig isoliert und nur für den Job lebt, soziale Kontakte außerhalb seiner Arbeit gibt es keine.

 

A Most Wanted Man wurde in Hamburg gedreht, teilweise auch in Deutschland produziert und finanziert und mit zahlreichen deutschen Schauspielern wie Daniel Brühl, Nina Hoss, Kostja Ullmann, Martin Wuttke oder Rainer Bock besetzt. Corbijn fängt Hamburg in tristen und kühlen Bildern ein, was ganz wunderbar zur restlichen Atmosphäre des Films passt und das Geschehen auf der Leinwand eine realitätsnahe Wirkung haben lässt. Zudem achtet Corbijn sehr akribisch auf Details, verliert sich manchmal vielleicht sogar etwas zu viel in ihnen und der Bedeutung, die er ihnen beimisst. Allerdings lässt er Philip Seymour Hoffman genügend Raum, damit dieser sich entfalten kann, gerade in den Szenen mit Bachmann verweilt die Kamera oft auf ihm, und letztlich ist es auch allein Hoffman, der den Film trägt. Im Übrigen kann ich das häufig herangezogene Argument, die Schauspieler würden lustlos agieren, nicht teilen. Vieles ist einfach dem Umfeld geschuldet in dem der Film spielt, seine Figuren sind ausgebrannt, desillusioniert, leer und ausgelaugt von ihrer Arbeit, sie haben keine anderen sozialen Kontakte als den Job, kein eigenes Leben mehr, wirken also auch matt und verbraucht. Gerade Willem Dafoe und Rachel McAdams allerdings bleiben dann doch hinter den Erwartungen zurück, da wäre mehr drin gewesen, aber Robin Wright gibt als intrigante Beobachterin der CIA eine gute Figur ab. Nina Hoss hat auch einen starken Part und Daniel Brühl vielleicht etwas zu wenig Screetime um glänzen zu können. Der von Herbert Grönemeyer, der auch eine kleine Rolle im Film hat, beigesteuerte Soundtrack ist stimmungsvoll und nicht zu aufdringlich. Also eigentlich alles gut. Am Ende stolpert A Most Wanted Man dann aber doch über seinen Regisseur. Corbijn kommt ursprünglich aus dem Bereich der Fotografie und später dann dem der Musikvideos und seine vorigen Regiearbeiten Control und The American tragen deutlich seine Handschrift. Das Visuelle ist ganz eindeutig seine Kernkompetenz und auch sein neuester Film ist seiner ganz eigenen Ästhetik unterworfen, gerade als Fotograf ist ihm die Bildkomposition deutlich wichtiger als die Inhalte und das Erzählen einer Geschichte. Allerdings kann ein Spionagefilm so nur bedingt funktionieren, liegt doch in dem Genre der Schwerpunkt eher auf der Story und dem Drehbuch, nur über Bilder ist es schwierig, einen solchen Stoff umzusetzen. Eine Verlagerung von Ästhetik hin zu mehr Inhalt hätte dem Film sehr gut getan.

 

Am Ende ist A Most Wanted Man ein solider Film, innerhalb seines Genre sogar ein guter, mit handwerklichen Schwächen in der Inszenierung, zurückhaltend und subtil erzählt und einem guten Gespür für Details. Einen actionreichen Reißer a la James Bond und seinen zahlreichen Epigonen sollte man daher nicht erwarten. Die Leistung von Philip Seymour Hoffman gehört sicher nicht zu seinen besten, ist aber immer noch um Längen besser als die der meisten anderen Schauspieler da draußen und kann am Ende den Film nochmal in der Wertung ordentlich nach oben drücken und einige Schwächen vergessen lassen. Besonders erwähnenswert ist die allerletzte Szene, sie ist die vielleicht stärkste im ganzen Film und setzt einen unglaublich guten Schlusspunkt, letztlich auch irgendwie unter das Leben und den Tod von Philip Seymour Hoffman und zurück bleibt ein ganz eigenartiges Gefühl, eine seltsame Stimmung, die noch eine Weile nach klingt.

 

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