Zitat des Tages

30. Juni 2015 at 15:43

 

 

 

„I once thought that if I was like other man I would be happy, loved; the malignancy has grown, you see? From the outside in, and this shattered visage merely reflects the abomination that is my heart. Oh my creator why, why didn’t you make me of steel and stone? Why did you allow me to feel? I would rather be the corpse I was than the man I am.”

 

 

 

 

Zitat des Tages

27. Juni 2015 at 14:24

 

 

 

„Man does not live only in the empirical. We must seek the ephemeral, or why live?”

 

 

 

 

The Drop

25. Juni 2015 at 12:36

 

 

 

The Drop (2014)
The Drop poster Rating: 7.1/10 (72318 votes)
Director: Michaël R. Roskam
Writer: Dennis Lehane (screenplay), Dennis Lehane (short story "Animal Rescue")
Stars: Tom Hardy, Noomi Rapace, James Gandolfini, Matthias Schoenaerts
Runtime: 106 min
Rated: R
Genre: Crime, Drama
Released: 12 Sep 2014
Plot: Bob Saginowski finds himself at the center of a robbery gone awry and entwined in an investigation that digs deep into the neighborhood's past where friends, families, and foes all work together to make a living - no matter the cost.

 

 

„Are you doing something desperate? Something we can’t clean up this time?”

 

 

 

Der sehr in sich gekehrte, zurückhaltende und leicht minderbemittelt wirkende Bob Saginowski arbeitet hinter der Theke der Bar seines Cousins Marv. Diese Bar allerdings ist keine gewöhnliche, sie ist eine sogenannte Dropbar, Teil eines Netzwerkes, in dem Gelder vorübergehend deponiert werden können. Gelder, die niemals ein Konto sehen werden, Einnahmen aus illegalen Wetten und ähnliches. Eines Nachts wird  Marv´s Bar überfallen und schon bald rückt den beiden die tschetschenische Mafia auf den Leib, die ihr gestohlenes Geld wieder haben möchte. Als dann auch noch ein mysteriöser Fremder in Erscheinung tritt, spitzt sich die Situation mehr und mehr zu…

 

Europäische Regisseure stehen als Exportschlager momentan in Hollywood hoch im Kurs. Egal, ob Baltasar Kormákur, der immerhin sein Schmugglerdrama 101 Reykjavik als Contraband für Hollywood selbst adaptieren durfte und danach den nicht weniger gelungenen 2 Guns inszenieren konnte, der Schwede Mikael Håfström, der zuletzt den eher durchschnittlichen Escape Plan mit Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger fabriziert hat oder der Däne Niels Arden Oplev, dessen ausgesprochen gelungene Verfilmung des Romans Verblendung ihn in die große Traumfabrik brachte, wo er den mäßig bis guten Dead Man Down mit Colin Farrell realisieren durfte, den großen Wurf hatte keiner von ihnen und oftmals musste sich großes Talent den Mechanismen der Filmindustrie beugen. Jetzt ist es der Belgier Michael R. Roskam, der nach seinem in Europa vielbeachteten und mit Preisen überschütteten Regiedebüt Bullhead den vermeintlich großen Sprung geschafft hat. Ob sein amerikanisches Erstlingswerk The Drop auch kommerziell erfolgreich sein wird, das bleibt eher fraglich, aber ein geradezu herausragender Thriller ist ihm in jedem Fall gelungen.

 

The Drop ist im allerbesten Sinne altmodisches Erzählkino, melancholisch und eindringlich, ganz fein austariert und mit exzellenten Dialogen versehen. Ein dezenter Film, auf seine ganz eigene Art und Weise leise, schnörkellos und geradlinig in seiner Struktur und sehr langsam, manchmal regelrecht behäbig erzählt, aber dennoch voller Wucht und Dynamik. In seiner so reduzierten Form ist The Drop ein willkommener und angenehmer Gegenentwurf zum heutigen Kino mit seinen modernen Erzählweisen, den schnellen Schnitten und den hektischen Kamerafahrten. Roskams Film ist, wie so oft bei Verfilmungen von Geschichten des Schriftstellers Dennis Lehane, beinahe mehr Milieustudie als Thriller. Egal, ob Mystic River, Gone Baby Gone oder eben The Drop (Shutter Island mal ausgenommen), Lehane ist ein ausgezeichneter Beobachter mit Blick für die Details, dem es gelingt, die Umfelder seiner Geschichten zum Leben zu erwecken und der zudem nur abbildet, aber nicht urteilt, er richtet nicht über seine Figuren, egal, was sie sind oder was sie tun, das überlässt er lieber seinen Lesern. Genau diese Essenz seiner Geschichten weiß Roskam in Bilder zu fassen und in seinen Film zu überführen, sein Look wirkt enorm glaubwürdig, es ist ein sehr tristes Setting, grau, kalt und nass, so trostlos und einsam wie die Figuren, die diese Welt bevölkern, und man kauft sie ihm sofort ab, diese Bilder von verlassenen Hinterhöfen und leeren Seitenstraßen im Regen oder Schnee, sie spiegeln eben diese Kälte und Verzweiflung wieder, die sich auch in den Menschen eingenistet hat.

 

 

 

„ Listen to me. That is life. That’s what it is. People, like me, coming along where you’re not looking.”

 

 

 

Auch das Drehbuch stammt von Lehane, der dazu seine Kurzgeschichte Animal Rescue verarbeitete, und das merkt man zu jeder Sekunde. Die Dialoge sind unglaublich klug und gut geschrieben, kraftvoll und zerbrechlich zugleich, nichts wirkt übertrieben oder gar aufgesetzt, sondern irgendwie nah und vor allem authentisch. So sind auch die Figuren in The Drop hervorragend ausgearbeitet und präzise umrissen, vielschichtig und lebensnah, sie handeln zu jeder Zeit nachvollziehbar und entwickeln sich logisch aus ihren Hintergründen heraus. Das ist dann auch die eigentliche Stärke des Films, denn ohne das viel passiert bleibt The Drop dennoch über seine gesamten 106 Minuten permanent unterschwellig spannend, manchmal sogar so sehr, dass es greifbar wird, dass man sich zwischendurch geradezu wünscht, all das möge sich doch endlich mal entladen. Diese Spannung entwickelt sich kaum durch Action, dafür hat Roskam so gut wie keine Verwendung in seinem Handlungsbogen, und die braucht es auch nicht, vielmehr entsteht sie allein durch die präzise gezeichneten Charaktere und wie sie miteinander verwoben sind in dieser Abwärtsspirale des Elends und vor allem durch die herausragenden schauspielerischen Leistungen. Tom Hardy beweist erneut, dass er momentan zu den vielseitigsten Schauspielern gehört, seine irgendwie nahezu völlig in sich selbst zurückgezogene Performance ist geradezu elektrisierend, so schlicht wie stoisch, weich, aber unnachgiebig und vermeintlich teilnahmslos. Dennoch spürt man schnell, dass da mehr ist, etwas Abgründiges und Gefährliches, etwas, das unter der Oberfläche lauert und besser nicht zum Vorschein tritt. Ganz besonders dicht wird die Spannung in seinen Szenen mit Matthias Schoenaerts, der noch ein wenig unbekannt ist, was sich aber schnell ändern wird. Der Belgier hatte in Roskams Bullhead noch die Hauptrolle und der Regisseur hat ihn für The Drop gleich mitgebracht. Ein wahrer Glücksgriff. Schoenaerts ist dem Briten Hardy nicht unähnlich, beide geben ein bulliges und massives Erscheinungsbild ab, der Belgier ist dabei aber deutlich größer. Ihre gemeinsamen Szenen sind faszinierend und beeindruckend, es knistert geradezu zwischen den beiden, und Schoenaerts ist ein fantastischer Gegenpol zu Hardy, er gibt den gestörten und völlig unberechenbaren Psychopathen erschreckend glaubwürdig. Ähnlich verhält es sich mit der zart aufkeimenden Liebesgeschichte zwischen Bob und der von Noomi Rapace verkörperten Nadia, dieses behutsame Annähern wird völlig unaufdringlich inszeniert, manchmal sogar nur angedeutet, und ist weit weg von den üblichen, klischeebeladenen Romanzen Hollywoods. Und zum Schluss thront über all dem James Gandolfini in seinem letzten Film vor seinem Tod, sein Cousin Marv ist von der alten Schule und es fällt ihm schwer, sich an neue Umstände zu gewöhnen und Veränderungen zu akzeptieren, dabei ist das überlebensnotwendig. Wie so oft wirkt er behäbig, im Grunde spielt er eine Variation seiner größten Rolle, die des Tony Soprano, das aber sehr nuanciert. Alle vier zusammen geraten in einen seltsamen Strudel der Gewalt, in dessen Mittelpunkt irgendwie auch die Pitbull Welpe Rocco steht, und es ist faszinierend mit anzusehen, wie sich die Dinge langsam, aber unaufhaltsam entwickeln und die Spannungsschraube unaufhörlich angezogen wird.

 

The Drop ist erfrischend altmodisches Erzählkino, mehr Milieustudie als Thriller, leise und dennoch wuchtig, eine kleine Perle im Zeitalter der Blockbuster. Ich persönlich würde mir mehr solcher Filme wünschen, auch wenn zu befürchten ist, dass diese immer weiter aussterben werden. Roskams Film fasziniert durch sein gelungenes und fesselndes Drehbuch, seine klugen und pointierten Dialoge, die hervorragend ausgearbeiteten Charaktere und ein absolut glaubwürdiges Setting. Effekthascherei hat The Drop zu keiner Sekunde nötig, denn die Story steht mühelos für sich allein und die schauspielerischen Leistungen sind durchgängig auf ganz hohem Niveau.

 

9 von 10 Hundewelpen in Mülltonnen

 

 

 

 

 

John Wick

20. Juni 2015 at 18:01

 

 

 

John Wick (2014)
John Wick poster Rating: 7.2/10 (164080 votes)
Director: Chad Stahelski, David Leitch
Writer: Derek Kolstad (screenplay)
Stars: Keanu Reeves, Michael Nyqvist, Alfie Allen, Willem Dafoe
Runtime: 101 min
Rated: R
Genre: Action, Thriller
Released: 24 Oct 2014
Plot: An ex-hitman comes out of retirement to track down the gangsters that took everything from him.

 

 

 

„John wasn’t exactly the boogeyman. He’s the one you sent to kill the fucking boogeyman.”

 

 

 

Als russische Gangster in das Haus von John Wick einbrechen, ihn zusammenschlagen, seinen Hund töten und sein Auto stehlen, da haben sie nicht den Hauch einer Ahnung, wen sie da gerade überfallen haben. John Wick ist Profikiller, einer der besten seines Fachs, und hat bis vor ein paar Jahren ungemein effektiv Aufträge für die Russenmafia ausgeführt, bis er sich aus dem Geschäft zurückgezogen hat. Zu allem Überfluss war der Hund das letzte Geschenk seiner verstorbenen Frau und sollte ihm helfen, die Trauer zu bewältigen. John sinnt auf Rache, will die Täter unbedingt zur Rechenschaft ziehen und mordet sich Stück für Stück in der Hierarchie der Russenmafia nach oben, denn sein erklärtes Ziel ist Iosef Tarasov, der Sohn des Anführers des Syndikats. Ein mörderischer Strudel der Gewalt entbrennt….

 

Boah! Was die beiden Regisseure Chad Stahelski und David Leitch hier mit Keanu Reeves in der Hauptrolle abliefern, das ist ein absolutes Brett von Actionfilm, anders kann man es gar nicht formulieren. Ein Konzentrat aus den besten Zutaten für einen guten Actioner, komprimiert in 100 Minuten Laufzeit ohne sich groß mit so Unnützem wie einer Handlung aufzuhalten. Kein Wunder, sind die beiden doch eigentlich Stunt-Koordinatoren und beweisen hier mit John Wick als ihr Regiedebut, dass sie ganz genau wissen, was sie da tun. Nach einer recht überschaubaren und gemächlichen Einleitung zieht der Film rasch und enorm das Tempo an und lässt von da an nicht mehr nach, Verschaufpausen sucht man hier vergeblich. Im Grunde ist John Wick angelehnt an die ganz klassischen Actionreißer der 80er Jahre, schnörkellos und direkt auf den Punkt inszeniert und ohne großes Beiwerk, aber umgesetzt mit modernen Mitteln und  gibt sich erstaunlich hart und kompromisslos für eine Hollywood-Produktion. Manche Situationen sind so grotesk und hemmungslos überzeichnet, dass man unwillkürlich lachen möchte, aber die Härte der Inszenierung sorgt dafür, dass das Lachen dann doch im Halse stecken bleibt. Lächerlich hingegen wirkt es nie, dafür ist der Grundton einfach zu düster, und die wenigen eingestreuten Spritzer schwarzen Humors sind dann auch wirklich sehr böse. John Wick bietet grandios ausgearbeitete Kampfszenen und Shootouts, die zum Teil fließend ineinander übergehen, Grenzen gibt es da kaum welche, und durchweg fantastisch choreografiert sind. All die Action mit ihren oftmals wirklich kreativen Einfällen gipfelt in einer rund 10 minütigen Sequenz in einer Disco, der vermeintliche Höhepunkt des Films, überwiegend im Neonlicht inszeniert und unglaublich dynamisch geraten, ein Ballett aus Blei und Blut, getaucht in unterkühltes Rot und Blau. Wer jetzt aber glaubt, danach würde der Film nachlassen, der irrt sich gewaltig, es geht auf sehr hohem Niveau einfach weiter und es werden Actionszene an Actionszene geradezu nahtlos aneinander gereiht. Aber John Wick besteht nicht nur aus Action nonstop, keineswegs, er hat schon noch ein wenig mehr zu bieten. Neben einigen herrlich skurrilen Figuren entwirft der Film vor allem seine ganz eigene Welt, eine Art Unterwelt, völlig abgekoppelt von der Realität und mit ganz eigenen Gesetzen und Regeln, ja sogar mit einer eigenen Währung. Das ist faszinierend mit anzuschauen, aber gleichzeitig auch ein Schwachpunkt des Films, denn hier hätte ich mir gewünscht, dass man dieser obskuren Halbwelt noch mehr Raum zur Entfaltung gegeben hätte. Aber dafür ist ja dann in einer etwaigen Fortsetzung noch genug Platz.

 

 

 

„ When Helen died, I lost everything. Until that dog arrived on my doorstep… A final gift from my wife… That moment I received some semblance of hope, an opportunity to grieve unalone… Your son took that from me, your son stole that from me… YOUR SON KILLED THAT FROM ME!”

 

 

 

Bei John Wick steht ganz eindeutig Haltung über Inhalt, style over substance, aber der Film ist kein Blender, er macht sehr früh deutlich, was er sein will ohne irgendetwas vorzugeben, was er nicht sein kann, und suhlt sich fortan sogar regelrecht darin. Der Look ist sehr artifiziell und extrem stilisiert mit seinen vielen kühlen Blautönen, die manchmal schon ins metallische abdriften und Keanu Reeves mit seinem stoischen Mienenspiel passt einfach perfekt in dieses Setting. Er ist ja eher für ein etwas begrenztes Schauspieltalent bekannt, aber in John Wick funktioniert das ganz hervorragend, er wirkt kalt und berechnend und gänzlich ohne Skrupel und tatsächlich würde der Film ohne ihn wohl nur halb so gut funktionieren. Reeves spielt John Wick nicht, man hat das Gefühl, er IST John Wick. Auch Michael Nyqvist als Mafiaboss Viggo Tarasov gibt eine wunderbare Figur ab, völlig überzeichnet spielt er ihn, fast wie das Abziehbild eines Klischees, und man sieht ihm regelrecht an, dass er mit viel Freude bei der Arbeit ist. Der Rest des Cast ist im Grunde zu vernachlässigen, bildet er doch überwiegend ohnehin nur willkommenes Kanonenfutter für John Wick.

 

John Wick ist ein rundum gelungener, geradliniger und sehr kompromisslos inszenierter Actionreißer, den man so eher selten in Hollywood findet. Das enorm hohe Tempo und die zahlreichen kreativen und mitunter skurrilen Ideen und Einfälle sind regelrecht mitreißend und der rabenschwarze Humor runden diesen Kracher ab. Die beiden Regisseure liefern hier zitierfreudiges Genrekino im besten Sinne, bedient sich der Film doch oft beim Hong Kong-Actionkino eines John Woo oder der Bildkomposition einiger Italowestern. Nur das ständige CGI-Blut hinterlässt einen leicht bitteren Beigeschmack, klassische Effekte wären da doch effektiver gewesen, aber das ist tatsächlich jammern auf hohem Niveau angesichts dieses hammerharten Brett von Actionfilm und dem Feuerwerk, das er abbrennt.

 

9 von 10 Tischreservierungen