Doomsday

24. August 2015 at 14:39

 

 

 

Doomsday (2008)
Doomsday poster Rating: 6.0/10 (59965 votes)
Director: Neil Marshall
Writer: Neil Marshall
Stars: Caryn Peterson, Adeola Ariyo, Emma Cleasby, Christine Tomlinson
Runtime: 105 min
Rated: R
Genre: Action, Sci-Fi, Thriller
Released: 14 Mar 2008
Plot: A futuristic action thriller where a team of people work to prevent a disaster threatening the future of the human race.

 

 

 

„You’re going there? If there is such a thing as hell on earth, that’s it.”

 

 

 

2008 bricht in Glasgow das hochgradig ansteckende und tödliche Reaper-Virus aus und wütet schon bald in ganz Schottland. Der Name ist hier Programm, wie der Sensenmann persönlich dezimiert das Virus unaufhaltsam die Bevölkerung. Die britische Regierung ist absolut machtlos, es gibt weder eine Heilung noch eine Impfung, und die Infektion muss um jeden Preis eingedämmt werden. Buchstäblich. Also wird ganz Schottland unter Quarantäne gestellt und vom Rest des Landes isoliert, indem eine gigantische Stahlmauer entlang des Hadrianswall errichtet wird und schwer bewaffnete Truppen fortan die Grenzen bewachen. Schottland und seine Einwohner werden einfach sich selbst überlassen und im Laufe der Jahre gerät alles in Vergessenheit. Bis 30 Jahre später ein erneuter Ausbruch des Reaper-Virus mitten in London den britischen Premierminister zum Handeln zwingt. Schon länger ist der Regierung bekannt, dass es wieder menschliches Leben in Schottland zu geben scheint, also wird eine Gruppe von Wissenschaftlern und Elitesoldaten entsandt, um auf der anderen Seite der Mauer nach einem Heilmittel zu suchen….

 

Doomsday ist nach Dog Soldiers und The Descent die dritte Regiearbeit des Briten Neil Marshall. War Dog Soldiers zwar noch nicht der ganz große Wurf, aber doch ein ansehnliches Debüt voller schwarzem Humor, dass bereits viel von der späteren Handschrift Marshalls enthielt, so war das Nachfolgewerk The Descent ein wahres Monster von Horrorfilm, das bis heute zu meinen absoluten Lieblingen des Genres zählt. Für Doomsday hat man Marshall dann ein Budget von 30 Mio Dollar und absolut freie Hand gegeben. Das Ergebnis ist ein sehr eigenwilliger, räudiger, kleiner Bastard, der sich einen feuchten Dreck um Genrekonventionen schert. Marshall ignoriert und unterwandert breit grinsend die gängige Kino-Etikette und wechselt in einem herrlichen Tempo auf angenehm respektlose und ironische Art und Weise Schauplätze und Stimmungen. Doomsday entpuppt sich recht schnell als doch sehr kompromissloser Endzeit-Actioner mit Horrorelementen, der ganz bewusst am Geschmack der Massen vorbei produziert wurde und sich selbstbewusst als regelrechte Flut von Zitaten versteht, ganz im Geiste der 80er Jahre ohne Längen oder Füllmaterial, eine handfeste Hommage mit Augenzwinkern, ohne dabei plump oder billig zu wirken. Marshall spielt ungehemmt mit der ganzen Bandbreite der Klischees der Endzeit-Action, von degenerierten und entarteten Kannibalen über die mahnenden Stahlgerippe der einstigen Zivilisation und die zurückerobernde Natur bis hin zu ins Mittelalter  zurückentwickelte Gesellschaftsstrukturen findet sich hier beinahe alles. Störende Anflüge von Anspruch oder Subtext gibt es keine, nur knallharte Action, ein hohes Tempo und jede Menge entfesselten Wahnsinn gepaart mit verrückten Einfällen und Details. Es regiert einzig und allein der Spaß am Spektakel. Die Mischung aus Geschwindigkeit und Gewalt, die Marshall dem Zuschauer serviert, lässt zwar nicht alle, aber doch viele ähnlich gestrickte Genrevertreter deutlich hinter sich, und obwohl er sich sehr zitierfreudig durch die Geschichte der Endzeit-Actioner wühlt, kommt Doomsday nie als stumpfes Plagiat daher, sondern vielmehr als gelungene Hommage an seine offensichtlichen Vorbilder. So erinnern die Grundzüge der Story an John Carpenters Klassiker Die Klapperschlange, entwickelt sich zum kleinen Bruder von Flucht aus Absolom mit leichten Einschlägen von Mad Max III: Beyond Thunderdome, driftet dann irgendwie in mittelalterliche Gefilde ab und die finale Verfolgungsjagd bezieht sich ganz eindeutig auf Mad Max II: Road Warrior. Sogar das zwei Jahre später von Neil Marshall blutig inszenierte Schlachtgemälde Centurion mit Michael Fassbender in der Hauptrolle deutet sich in Doomsday schon überdeutlich an.

 

Wie gesagt, in Doomsday regieren eindeutig Action, Gewalt, Tempo und Spaß, Logik, inhaltliche Konsistenz und erwähnenswerte schauspielerische Leistungen hingegen sucht man hier vergeblich. Vielmehr inszeniert Marshall ein unterhaltsames Flickwerk aus Anspielungen und Zitaten, ein B-Movie mit zwar für seine Verhältnisse durchaus ansehnlichem Budget, aber eben doch in seinem tiefsten Herzen durch und durch ein B-Movie, das zwar manchmal etwas zuviel des Guten offeriert, zwischendurch auch mal ein wenig unübersichtlich wird und leider zu oft eine gewisse Homogenität vermissen lässt, aber niemals zur bloßen Parodie verkommt. Ernst gemeint ist hier nun wirklich nichts, das schwarzhumorige Augenzwinkern ist kaum zu übersehen, und so entsteht eine kurzweilige und unterhaltsame Hommage an ein Genre, dass man schon mögen sollte, um Doomsday etwas abgewinnen zu können. Ist dies jedoch der Fall und gelingt es einem, für rund 108 Minuten den Kopf auszuschalten, dann kann man durchaus Spass haben mit dem Film. Stumpf wie ein zur Axt umfunktioniertes Verkehrsschild, aber dafür auch ebenso unterhaltsam.

 

7 von 10 zelebrierten Enthauptungen

 

 

Zitat des Tages

19. August 2015 at 12:11

 

 

 

„Words are living things. They have personality, point of view, agenda.“

 

 

 

 

American Sniper

18. August 2015 at 0:36

 

 

 

American Sniper (2014)
American Sniper poster Rating: 7.4/10 (237128 votes)
Director: Clint Eastwood
Writer: Jason Hall, Chris Kyle (book), Scott McEwen (book), Jim DeFelice (book)
Stars: Bradley Cooper, Kyle Gallner, Cole Konis, Ben Reed
Runtime: 133 min
Rated: R
Genre: Action, Biography, Drama
Released: 16 Jan 2015
Plot: Navy SEAL sniper Chris Kyle's pinpoint accuracy saves countless lives on the battlefield and turns him into a legend. Back home to his wife and kids after four tours of duty, however, Chris finds that it is the war he can't leave behind.

 

 

 

„I’m willing to meet my creator and answer for every shot that I took…”

 

 

 

Über den Inhalt von American Sniper ist nicht viel zu sagen. Chris Kyle ist nach Angaben des Verteidigungsministeriums mit rund 160 bestätigten Abschüssen der effektivste und tödlichste Scharfschütze der US-Militärhistorie. Clint Eastwood versucht nun mit seinem Film das Seelenleben dieses Menschen zu beleuchten, seine Beweggründe und Motivationen zu erforschen und der Frage auf die Spur zu kommen, wie sehr die Erlebnisse und Erfahrungen im Krieg einen Menschen belasten und verändern. Man muss Eastwood auf jeden Fall zu gute halten, dass er zumindest bemüht ist, einen kritischen Ansatz zu verfolgen. American Sniper ist bei weitem nicht der verachtenswerte, reaktionäre Propagandafilm voller Patriotismus geworden, den seine vielen Kritiker in ihm sehen wollen, aber er ist genauso wenig das emotional tiefgründige Meisterwerk, das andere dort erkennen wollen. Die Wahrheit liegt, wie so oft, irgendwo dazwischen. Eines ist American Sniper aber in jedem Fall, er ist kontrovers. Kontrovers wie kaum ein anderer Film der letzten Jahre und er spaltet die Lager in vehemente Verfechter und glühende Verehrer, Stimmen dazwischen sind da eher die Seltenheit.

 

Clint Eastwood ging es definitiv nicht darum, einen Krieg zu rechtfertigen oder zu verurteilen, denn vielmehr konzentriert er sich auf den emotionalen Tribut, welchen Chris Kyle zahlen muss und auf die Konsequenzen seiner Handlungen. Im Grunde ein durchaus interessanter Ansatz, die Perspektive einzig und allein auf diese eine Person und deren Wahrnehmung zu beschränken, den Blickwinkel zu verengen, denn dadurch erscheint das enorm eindimensionale Gut/Böse-Schema des Films nur konsequent, aber es greift dann eben leider doch viel zu oft viel zu kurz. Natürlich ist jeder Einheimische („Wilde“ wie Kyle sie immer wieder nennt) zunächst als potentielle Bedrohung einzustufen, das ist nur logisch angesichts Kyle´s Ausbildung und Denkweise. Aber wenn der Film Figuren wie den „Schlächter“ einführt, die mutmaßlich rechte Hand des hohen Al-Qaida-Mitglieds Abu Mussab al-Sarkawi, der auch nicht davor zurückschreckt, Kinder mit Bohrmaschinen zu töten, um ein Exempel zu statuieren, oder den syrischen Olympioniken Mustafa, seines Zeichens der beste Scharfschütze der irakischen Aufständischen, zu einem direkten Kontrahenten von Kyle aufbaut und eine Art von Duell heraufbeschwört, dann sind das sehr plumpe und tiefe Griffe in die Klischee-Kiste. In diesen Momenten versucht American Sniper dem Zuschauer zu diktieren, was er empfinden soll, versucht, Sympathie für Chris Kyle und stellvertretend auch für seine Kameraden einzufordern, indem er ein allzu einfach gestricktes Feindbild heraufbeschwört. Auch der Iraker, der bereitwillig gegen eine Zahlung von 100.000 Dollar terroristische Mittelsmänner preisgibt und zu verrät, schlägt in eine ähnliche Kerbe. Es ist ein wenig schade, dass Eastwood sich solch simpler Reizpunkte bedienen muss, hat er doch beispielsweise sowohl in Flags of Our Fathers als auch in dessen Gegenstück Letters from Iwo Jima mehr als eindrucksvoll bewiesen, dass er auch ohne diese Taschenspielertricks auskommen kann.

 

 

 

„I’m better when it’s breathing.”

 

 

 

Aber das sind Dinge, die sich verschmerzen lassen, denn solch undifferenzierte Sichtweisen sind in American Sniper zum Glück nicht an der Tagesordnung. Mich persönlich hat ein ganz anderes Problem des Films vielmehr gestört: er erreicht mich einfach nicht. Er berührt mich in keinster Weise, weder löst er Sympathie für die Hauptfigur aus noch Ablehnung, er erzeugt keine Abscheu und kein Mitleid und als besonders spannend empfand ich ihn auch nicht. Irgendwie war mir der Film seltsam egal. Die Szenen, wenn Kyle zu Hause bei seiner Familie ist, wissen nicht zu überzeugen, sie wirken bemüht und aufgesetzt, eigenartig alibimäßig und oberflächlich, fast so, als hätte Eastwood sie anhand einer Liste nacheinander abgehakt. Die Auswirkungen seiner Taten auf sein Leben und seine Psyche erscheinen mir zu skizzenhaft, nur umrissen, aber nicht wirklich ausgearbeitet. Es ist nicht so, dass Bradley Cooper das nicht überzeugend spielen würde, überhaupt ist American Sniper ein erneuter Beweis für seine schauspielerischen Qualitäten, es ist vielmehr so, dass diese Szenen nicht genügend Raum bekommen, um ihre Wirkung auch wirklich entfalten zu können. So sehr Cooper sich auch bemüht, der posttraumatische Stress seiner Figur kommt nicht ausreichend zur Geltung. Spannend fand ich American Sniper auch kaum. Der Konflikt mit dem syrischen Scharfschützen Mustafa auf der Gegenseite ist zwar einer der Höhepunkte des Films, aber wie er letztlich in einer Art Mann gegen Mann-Duell mündet, wirkt seltsam deplatziert und geradezu westernartig. Zu allem Überfluss ist der finale Schuss in Zeitlupe gefilmt, die stilisiert dargestellte Flugbahn der tödlichen Kugel der Gipfel der Glorifizierung, eine Form der Inszenierung, die so gar nicht zu Eastwoods Versuch der kritischen Aufarbeitung passen will.

 

Insgesamt ist American Sniper handwerklich routiniert und solide umgesetzt, aber oft auch formelhaft und überraschungsarm inszeniert. Vieles hat man bereits an anderer Stelle besser gesehen. The Deerhunter oder The Hurt Locker beispielsweise gelingt es deutlich intensiver den posttraumatischen Stress zu zeigen, die Veränderungen, die mit der Heimkehr aus dem Krieg einhergehen, sowohl für die Betroffenen als auch deren Umwelt. Duell-Enemy at the Gates wiederum bietet den deutlich besser inszenierten Zweikampf Scharfschütze gegen Scharfschütze und auch die übrigen Actionszenen in American Sniper haben andere Filme schon besser gestalten können. Es ist Eastwood allerdings anzurechnen, dass er zumindest um einen kritischen Ansatz in seiner Erzählweise bemüht ist, auch wenn dieser immer wieder in Klischees und ideologischen Allgemeinplätzen versandet. American Sniper ist bei weitem nicht sein bester Film, aber er ist auch kein schlechter und schon gar kein Propagandamonster für die amerikanische Regierung. Vielmehr ist er in beinahe jeglicher Hinsicht einfach nur Mittelmaß.

 

6 von 10 tödlichen Schüssen

 

 

Zitat des Tages

12. August 2015 at 18:05

 

 

 

„You still don’t understand what you’re dealing with, do you? Perfect organism. Its structural perfection is matched only by its hostility. I admire its purity. A survivor… unclouded by conscience, remorse, or delusions of morality.”