The Avengers: Age of Ultron

30. September 2015 at 12:33

 

 

 

Avengers: Age of Ultron (2015)
Avengers: Age of Ultron poster Rating: 7.8/10 (282,723 votes)
Director: Joss Whedon
Writer: Joss Whedon, Stan Lee (based on the Marvel comics by), Jack Kirby (based on the Marvel comics by)
Stars: Robert Downey Jr., Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Chris Evans
Runtime: 141 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Released: 01 May 2015
Plot: When Tony Stark and Bruce Banner try to jump-start a dormant peacekeeping program called Ultron, things go horribly wrong and it's up to Earth's Mightiest Heroes to stop the villainous Ultron from enacting his terrible plans.

 

 

 

„I once had strings, but now I’m free… There are no strings on me!“

 

 

 

Nachdem der Angriff der Chitauri New York in Schutt und Asche gelegt hatte, sind die Menschen nicht sonderlich gut zu sprechen auf Superhelden und eine gewisse Ablehnung gegenüber solch mächtiger Geschöpfe macht sich in der Bevölkerung breit. Tony Stark hingegen hält weiterhin an seinem Plan vom ewigem Frieden fest und erschafft mehr oder weniger eigenmächtig ein globales Schutzprogramm, eine Künstliche Intelligenz namens Ultron. Kaum aktiviert stellt sich Ultron jedoch schnell die Frage nach seiner Existenz, entwickelt einen stark ausgeprägten Gottkomplex und schon bald seine ganz eigenen Vorstellungen davon, wie Frieden auf der Welt geschaffen werden kann…

 

Das also ist er, der, wenn auch nicht formelle (das ist Ant-Man), wohl aber doch gefühlte Abschluss der zweiten Phase des Marvel Cinematic Universe (MCU), diesem mehr als nur ehrgeizigen Großprojekt aus dem Hause Disney. Man sollte Großes erwarten dürfen. Wird der Film dem gerecht? Ja und Nein. Einerseits bedient der Film natürlich all die Mechanismen des modernen Blockbuster. Das Tempo ist ungemein hoch, Verschnaufpausen gibt es wenige, ständig passiert irgendetwas vor dem Auge des Zuschauers und Joss Whedon erhebt den Exzess regelrecht zum Erzählprinzip. Das ist in großen Teilen durchaus beeindruckend, mitunter allerdings auch erdrückend. Es gibt viel zu sehen, doch nur wenig bleibt im Gedächtnis. Macht das Age of Ultron weniger unterhaltsam? Nicht wirklich, zu unterhalten weiß der Film schon, das alles macht durchaus Spaß, wenn man sich zurücklehnt, den Kopf ausschaltet und sich dem bunten Treiben hingibt. Also alles gut? Naja…

 

So unterhaltsam The Avengers: Age of Ultron phasenweise auch daherkommt, so seltsam substanzlos wirkt er über seine gesamte Laufzeit von 141 Minuten, oftmals sogar regelrecht inhaltslos. Der gesamte Plot rund um Ultron, seine Schöpfung, seine Bewusstwerdung, seine Pläne, bemüht sich stellenweise nicht mal um Relevanz, es wird nicht wirklich eine kohärente Geschichte erzählt und große Teile sind nicht mehr als Augenwischerei und Blendwerk. Joss Whedon täuscht geschickt mit allerhand Spektakel darüber hinweg, dass sein Film auf der erzählerischen Ebene oftmals versagt und seine eigentliche Intention an anderer Stelle liegt, nämlich einzig und allein den Weg zu ebnen für die kommenden Ereignisse in Captain America: Civil War und später dann in The Avengers: Infinity War. Age of Ultron ist ein Brückenfilm wie er im Buche steht, in dessen Laufzeit nur eine handvoll Minuten und wenige Ereignisse wirklich zur Weiterentwicklung des MCU beitragen, und existiert im Grunde nur als Füllmaterial und Weichenstellung für das große Finale. Statt seine eigene Geschichte konsequent auszuformulieren, rast der Film lieber von bombastischer Actionsequenz zu Actionsequenz, rauscht förmlich an einem vorbei und wirkt dadurch manchmal gehetzt. Das alles ist zwar, wie bereits erwähnt, spektakulär und eindrucksvoll umgesetzt, aber aufgrund des hohen Tempos bleibt kaum Zeit zum Genießen im Dauerfeuer der Effekte, und so fehlt dann letztlich auch irgendwie der eine große Actionhöhepunkt, der hervorzustechen weiß.

 

 

 

„I know you’re good people. I know you mean well. But you just didn’t think it through. There is only one path to peace… your extinction.“

 

 

 

Ein weiteres Problem ist der Bösewicht selbst. Die Idee hinter Ultron als Künstliche Intelligenz mit Gottkomplex ist jetzt zwar nicht wahnsinnig neu oder innovativ, aber doch durchaus interessant in ihrem Ansatz, wenn sie entsprechend umgesetzt wird. Leider gelingt es dem Film nie, seinen Antagonisten wirklich bedrohlich erscheinen zu lassen, vielmehr wirkt Ultron oftmals wie ein Kind, dem sein Spielzeug weggenommen wurde, gibt sich theatralisch und exaltiert, wenn er Pinocchio zitierend durch die Gegend stapft. Was in den Trailern noch wunderbar Gänsehaut auszulösen wusste, funktioniert im Film dann gar nicht mehr. Zudem scheint er in keiner physischen Konfrontation den Avengers wirklich Paroli bieten zu können und verschanzt sich lieber hinter seiner Armee aus Drohnen (und noch mehr Drohnen… und Drohnen) und den beiden Maximoff-Zwillingen Pietro und Wanda ( Quicksilver und Scarlet Witch), selbst ähnlich wie Ultron fast noch Kinder, ausgestattet mit einer doch arg konstruierten Motivation, um sich dem Kampf gegen die Avengers anzuschließen. Das man Ultron nie wirklich als ernsthafte Bedrohung wahrnehmen kann (noch weniger übrigens Baron von Strucker zu Beginn des Films), ist dann auch nur ein weiterer Hinweis darauf, dass der Film seine Geschichte nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit erzählt. Wie man Quicksilver übrigens deutlich eindrucksvoller und memorabler in Szene setzt, hat Bryan Singer in X-Men: Days of Future Past gezeigt.

 

Insgesamt ist The Avengers: Age of Ultron am Ende ein unterhaltsames Megaspektakel und weiß durchaus Spaß zu machen, trotz seiner offensichtlichen Mängel. Weder die kaum ausformulierte und substanzlose Story, noch Ultrons Mangel an ernsthafter Bedrohung für die Helden wiegen so schwer, dass es einem den Spaß an all dem Budenzauber nehmen könnte, vorausgesetzt, man weiß sich darauf einzulassen und geht nicht allzu kritisch mit Joss Whedon ins Gericht. Ein wenig erschreckend aber ist dann doch der stellenweise eklatant schlechte Umgang mit den CGI-Effekten, vergleichbar dilettantische Szenen wie beispielsweise zu Beginn des Films beim Sturm auf die Hydra-Festung findet man in ähnlich großen und hoch budgetierten Filmen kaum. Das ist schlicht und ergreifend schlampig inszeniert, zumal der Film eben bis auf jene, wenige Ausnahmen sehr gut aussieht, der Zweikampf zwischen Ironman und Hulk in Afrika beispielsweise ist einwandfrei umgesetzt. Unterm Strich also ist Age of Ultron auf seine größenwahnsinnige Art und Weise durchaus unterhaltsam, aber zu seinem Leidwesen auch lediglich ein Lückenbüßer für das große Finale, ein Platzhalter und Wegbereiter. Da wäre auf jeden Fall mehr drin gewesen, dennoch wurde ich besser unterhalten als beim Vorgänger. Würde der Film seine Figuren und seine Story insgesamt etwas wichtiger nehmen und nicht ständig das Gefühl von inhaltlicher Leere vermitteln, dann hätte ich mich durchaus zu einer etwas besseren Bewertung hinreißen lassen, so aber sind es nur…

 

6 von 10 zerschmetterten Drohnen

 

 

Captain Phillips

27. September 2015 at 14:41

 

 

 

Captain Phillips (2013)
Captain Phillips poster Rating: 7.9/10 (295,735 votes)
Director: Paul Greengrass
Writer: Billy Ray (screenplay), Richard Phillips (based upon the book "A Captain's Duty: Somali Pirates, Navy SEALS, and Dangerous Days at Sea" by), Stephan Talty (based upon the book "A Captain's Duty: Somali Pirates, Navy SEALS, and Dangerous Days at Sea" by)
Stars: Tom Hanks, Catherine Keener, Barkhad Abdi, Barkhad Abdirahman
Runtime: 134 min
Rated: PG-13
Genre: Biography, Drama, Thriller
Released: 11 Oct 2013
Plot: The true story of Captain Richard Phillips and the 2009 hijacking by Somali pirates of the US-flagged MV Maersk Alabama, the first American cargo ship to be hijacked in two hundred years.

 

 

 

„You said you were a business man! Is this how you do business?“

 

 

 

Richard Phillips ist der Kapitän des amerikanischen Containerschiffes Maersk Alabama, das sich auf dem Weg vom Oman nach Mombasa befindet. Vor der somalischen Küste kommt es zu einem Zwischenfall und das Schiff wird von Piraten verfolgt und letztlich auch geentert. Die Crew versteckt sich tief im Bauch des Schiffes während Captain Phillips verzweifelt versucht, die somalischen Piraten zu beruhigen und sie zum Aufgeben zu bewegen. Diese sind allerdings nicht gewillt ihre Beute wieder herzugeben und durchkämmen Stück für Stück das Schiff auf der Suche nach der Besatzung…

 

Ich glaube, der letzte wirklich gute Film mit Tom Hanks in der Hauptrolle, den ich gesehen habe, war Road to Perdition von Sam Mendes. Das war 2002. Catch Me If You Can und Terminal waren zwar gute Filme, aber auch sehr seicht, mit Ladykillers, obwohl von den Coen-Brüdern, konnte ich so gar nichts anfangen, die beiden DaVinci-Code Filme empfand ich eher als ärgerlich und enervierend, Der Krieg des Charlie Wilson blieb auch hinter seinen Möglichkeiten ebenso zurück wie Hanks zweite Spielfilmregie Larry Crowne. Selbst der damals so gehypte Extrem laut & und unglaublich nah konnte nicht immer völlig überzeugen und Cloud Atlas… vielleicht lag es ja an mir, aber zu Cloud Atlas fand ich einfach keinen Zugang. Jetzt mag ich Tom Hanks als Schauspieler aber sehr und schätze ihn über alle Maßen, seine Leistungen in den oben aufgezählten Filmen waren ja auch meist toll, aber vieles andere an ihnen leider nicht. Das Gesamtpaket stimmte nicht, wie man so schön sagt. Gute Filme, aber eben auch nicht von der Qualität eines Philadelphia, Forrest Gump (den ich eigentlich gar nicht so sehr mag, handwerklich und erzählerisch ist er aber auf aller höchstem Niveau), Cast Away, Road to Perdition oder The Green Mile. Es dauerte bis 2013 und brauchte den Regisseur Paul Greengrass, damit einfach mal wieder alles passte. Greengrass, überwiegend bekannt für Die Bourne-Verschwörung und Das Bourne-Ultimatum sowie für Green Zone, versteht es meist, fiebrig inszenierte Action mit politischen Elementen zu packenden Thrillern zu verschmelzen und diese mehr oder weniger gelungen zu inszenieren. Captain Phillips ist zweifellos sein bisher bester Film geworden, sein Meisterstück, intelligentes Hochspannungskino der Extraklasse, das man in dieser Form wirklich nicht oft findet.

 

 

 

„There’s got to be something other than being a fisherman or kidnapping people.“

 

 

 

Captain Phillips entwirft ein enorm beklemmendes Szenario auf engstem Raum, das sehr eindringlich und spannend daherkommt, ohne dabei auf großen Aufwand zurückgreifen zu müssen. Greengrass benötigt keinen inszenatorischen Firlefanz, keine Augenwischerei, verweigert sich den allzu plumpen Griffen in die Trickkiste und lässt lieber seine einnehmenden Bilder sprechen. Gerade auch der starke Kontrast zwischen der oft erdrückenden Enge der Maersk Alabama und der offenen Weite des Meeres unterstreicht die fiebrige Anspannung und die dichte Atmosphäre an Bord. Dazu sorgen die dezent eingebrachten, leicht dokumentarischen Anleihen in der Inszenierung für ein gewisses Mittendrin-Gefühl, der Zuschauer wird sogartig in die Ereignisse hineingezogen. Zwar greift Greengrass auch in Captain Phillips erneut auf sein liebstes Stilmittel, die Shaky-Cam, zurück, macht aber zum einen nicht übermäßigen Gebrauch von ihr und verfällt zum anderen nicht der Versuchung, diese mit schnellen Schnittfrequenzen zu versehen, wie er es in seinen Bourne-Filmen gerne getan hat. Ein simpler Kniff, um Bewegung zu erzeugen, so plakativ wie nervig. Captain Phillips dagegen zeigt wunderbar, wie die Shaky-Cam in Maßen als Stilmittel ganz hervorragend funktionieren kann, längere Einstellungen bestimmen die zermürbende und durch totale Ausweglosigkeit geprägte Geiselsituation, die nicht dauernd hektisch unterbrochen, sondern erstaunlich nachfühlbar gestaltet wird. Das Drehbuch von Billy Ray ist sehr pointiert, erliegt zum Glück nicht dem einfachen Weg der Schwarz/Weiß-Malerei und zwängt seine Akteure nicht vorschnell in allzu simple Strukturen von Gut und Böse. Sie werden weder glorifiziert und zu Helden verklärt, noch verurteilt oder dämonisiert. Vielmehr kommen beide Seiten der Medaille zur Geltung, die somalischen Piraten verkommen nicht zu eindimensionalen Klischee-Bösewichten, ihnen wird Raum gegeben und eine Geschichte spendiert. Die von erschreckend guten Laiendarsteller verkörperten Geiselnehmer erhalten ein Gesicht und nachvollziehbare Motivationen und sind am Ende auch nicht viel mehr als einfache Erfüllungsgehilfen, als winzige Zahnräder in der großen Maschine Piraterie, ein zumindest damals noch enorm einträgliches Geschäft mit der Angst. Dass die somalischen Piraten selbst nicht zu den Profiteuren dieser Strukturen zählen, ist offensichtlich. Am Ende wollen beide Seiten, Piraten wie Geiseln, im Grunde das gleiche, nämlich einfach nur Überleben. Um den Kreis zum Beginn meiner Rezension zu schließen: Tom Hanks in seiner Rolle als Richard Phillips ist einfach unfassbar stark. So gut habe ich ihn schon sehr lange nicht mehr, vielleicht sogar noch nie erlebt. Seine Figur durchlebt extrem glaubhaft die ganze Palette von Sorge um seine Crew, Überforderung, Entschlossenheit, Angst, Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit und letztlich sogar Hysterie. Allein die letzten zehn Minuten sind so stark und unglaublich intensiv, dass sie allein bereits das Ansehen lohnen. Zweifellos einer der am eindrucksvollsten gespielten Momente überhaupt, da gibt es kaum vergleichbares.

 

Captain Phillips ist trotz seiner Laufzeit von 134 Minuten zu jedem Moment unglaublich spannend inszeniert, ohne dabei viel Aufwand betreiben zu müssen. Intensives, dramatisches, den Herzschlag beschleunigendes Spannungskino auf engstem Raum, das den Zuschauer mit auf eine unter die Haut gehende Tour de Force nimmt, welcher man sich kaum entziehen kann, und das einen wahrlich entfesselt aufspielenden Tom Hanks zeigt. Zweifellos der bisher beste Film von Regisseur Paul Greengrass und der beste seit langem von Tom Hanks. Vielleicht sogar sein bester überhaupt.

 

8 von 10 Scherben im Fuß

 

 

 

 

Zitat des Tages

24. September 2015 at 18:56

 

 

 

„If you work for a living, why do you kill yourself working?“

 

 

 

 

Matinee

21. September 2015 at 15:34

 

 

 

Matinee (1993)
Matinee poster Rating: 6.7/10 (6,175 votes)
Director: Joe Dante
Writer: Jerico (story), Charles S. Haas (story), Charles S. Haas (screenplay)
Stars: John Goodman, Cathy Moriarty, Simon Fenton, Omri Katz
Runtime: 99 min
Rated: PG
Genre: Comedy, Drama
Released: 29 Jan 1993
Plot: A small-time film promoter releases a kitschy horror film during the Cuban Missile Crisis.

 

 

 

„What a perfect time to open a new horror movie. Think of it, my friend. Millions of people looking over their shoulder, waiting for God’s other shoe to drop, never knowing if each kiss, each sunset, each malted milk ball might be their last.”

 

 

 

1962 gastiert der Regisseur und Filmproduzent Lawrence Woolsey während der Kubakrise in Key West, um dort seinen neuesten Horrorfilm einer Testvorführung im örtlichen Kino zu unterziehen. In der Stadt lebt auch der nach Monsterfilmen verrückte Teenager Gene mit seiner Mutter und seinem kleinen Bruder Dennis, dessen Vater bei der Navy und Teil der amerikanischen Seeblockade vor Kuba ist. In einer Atmosphäre voller Angst vor Kommunismus und der Atombombe versucht jeder für sich, die alltägliche Normalität aufrecht zu erhalten, und bei Gene ist das dann Eskapismus in Form von Monsterfilmen. Da kommt ihm Woolsey´s neuestes Werk MANT! gerade recht…

 

Ich weiß gar nicht so recht, wo ich überhaupt anfangen soll, so toll ist dieser Film. Matinee ist ein völlig zu Unrecht eher unbekannter Film von Horror/Comedy-Spezialist Joe Dante, der uns bereits in den 70ern Piranhas bescherte, mit The Howling 1981 seinen ganz eigenen Beitrag zum Werwolf-Genre lieferte, die Gremlins auf uns los ließ, Tom Hanks Teuflische Nachbarn präsentierte und Dennis Quaid per miniaturisiertem U-Boot in den Körper von Martin Short schickte. Der Film ist eine wundervoll charmante Mischung aus Parodie, Hommage und Verbeugung vor den B-Movies der 50er und 60er Jahre, voller Nostalgie und beißender Satire und mit ganz viel Liebe zum Detail ausgestattet. John Goodman´s Lawrence Woolsey ist eine Mischung aus Ed Wood, Jack Arnold, Roger Corman und William Castle, ein mit regelrecht kindlicher Begeisterung und Naivität agierender Filmemacher, der ein billiges B-Movie nach dem anderen auf die Leinwand bringt und auch vor zahlreichen Gimmicks im Kinosaal nicht zurückschreckt. Stromschläge für das Publikum an den richtigen Stellen, vibrierende Sitze, Nebelwerfer oder kostümierte Schauspieler während der Vorstellung, egal, hauptsache, der Zuschauer hat Angst, wird erschreckt und überrascht und will am Ende den Film nochmal sehen. Joe Dante integriert diese Gimmicks teilweise so elegant in seinem Film, dass das schon eine Metaebene bedient, die man so erstmal finden muss, und manchmal sogar die vierte Wand durchbrochen wird. Es ist wirklich spannend mit anzusehen, wie das alles fein miteinander verwoben wird.

 

 

 

„You make the teeth as big as you want, then you kill it off, everything’s okay, the lights come up…”

 

 

 

Ähnlich verhält es sich dann auch mit MANT!, dem Film im Film, wenn man so will. Bis ins kleinste Detail ist hier alles ausgearbeitet und liebevoll umgesetzt, vom Film selbst über die Trailer bis hin zum Marketing mit Plakaten und allem nur erdenklichen Firlefanz. MANT! – Half man, half ant – all terror! Noch größer wurde dann meine Entzückung, als ich feststellen dufte, dass der aktuell neu aufgelegten Bluray des Films dann sogar MANT! vollständig als 16 minütiger Kurzfilm inklusive der Trailer beiliegt. Ein wundervolles Detail, das mein Nerdherz dann nur noch mehr glühen lässt. Und man muss durchaus sagen, dass Joe Dante in Woolsey´s MANT! fast ebenso viel Arbeit und Aufwand steckt wie auch in seinen eigentlich Hauptfilm. MANT! spiegelt dann auch gekonnt eben jene Ängste der Menschen vor der Atombombe und ihr Unwissen wieder, die das Land zur Zeit der Kubakrise und darüber hinaus beherrschten, wird der Protagonist doch verstrahlt und mutiert in Folge dessen immer mehr zu einer riesigen Ameise. Ein ganz klassisches Leitmotiv sehr vieler Monsterfilme jener Zeit, das Kino ist eben auch immer ein Abbild aktueller Ereignisse und der Erfahrungswelten seiner Besucher.

 

Matinee ist eine gekonnte und trickreiche Verschmelzung  der eskapistischen Wirkung des Kinos mit einer politischen Realität, die das amerikanische Volk zur Zeit der Kubakrise in einen lähmenden Zustand  regelrechter Todesangst versetzte. Joe Dante spielt hier mit der Wechselwirkung zwischen fiktionalem und wahrhaftigen Horror und entwickelt in diesem Spannungsfeld eine rundum gelungene Hommage an das Kino der 50er und 60er Jahre mit all seinen B-Movies, voller Liebe zum Detail, die sich irgendwie auch als Plädoyer für kindliche Unschuld im Zeitalter der Angst versteht. So ist es doch eben jener Eskapismus, der viel von unserer Begeisterung für Filme und das Kino ausmacht, die Möglichkeit, für einen kurzen Moment unserem Alltag zu entfliehen, egal, ob nun mit MANT!, Matinee oder welchem Film auch immer, der uns das ermöglicht. So betrachtet ist Joe Dante´s Film eine riesige und wundervolle Liebeserklärung an das Kino selbst und die Macht der bewegten Bilder. In diesem Sinne… watch out for MANT! Half man, half ant – all terror! Bald auch in Ihrem Kino… in Atomo Vision und Rumble-Rama!

 

9 von 10 billigen Schockeffekten