A Most Violent Year

30. November 2015 at 21:39

 

 

 

A Most Violent Year (2014)
A Most Violent Year poster Rating: 7.0/10 (37,086 votes)
Director: J.C. Chandor
Writer: J.C. Chandor
Stars: Oscar Isaac, Elyes Gabel, Jessica Chastain, Lorna Pruce
Runtime: 125 min
Rated: R
Genre: Action, Crime, Drama
Released: 30 Jan 2015
Plot: In New York City 1981, an ambitious immigrant fights to protect his business and family during the most dangerous year in the city's history.

 

 

 

„The result is never in question for me. Just what path do you take to get there, and there is always one that is most right.“

 

 

 

New York, Winter 1981. Abel Morales ist ein ehrgeiziger und aufstrebender Unternehmer mit hohen Zielen. Doch seiner Heizölspedition wird durch Übergriffe auf seine Tanklaster immer wieder zugesetzt. Fahrer werden verletzt, Lieferungen gestohlen und die Summe der Schäden wird größer und größer, doch Morales kann nur vermuten, wer dahinter steckt, hat aber keine Beweise. Seine Fahrer zu bewaffnen lehnt er ab und auch das Drängen seiner Frau, ihren Vater, einen bekannten Gangsterboss, einzuschalten, kann er nicht gutheißen. Jedoch häufen sich die Angriffe auf seine Firma und die finanzielle Schlinge um seinen Hals wird enger und enger…

 

A Most Violent Year ist nach Margin Call und All Is Lost erst der dritte Film des Regisseurs J.C. Chandor, der mit seinen Werken zusammen mit dem Kanadier Denis Villeneuve zweifellos zu den wohl spannendsten und interessantesten Filmemachern der neueren Zeit zählt. Ein Mann, der uns sicherlich noch öfter über den Weg laufen wird. Für seinen neuesten Film also hat er den erbarmungslosen Winter 1981 als Hintergrund gewählt, um seine Geschichte zu erzählen, ein Jahr, in dem die Kriminalitätsrate in New York so hoch war wie niemals zuvor oder danach. Entsprechend trostlos und düster fallen die Bilder aus, mit denen die Geschichte des aufstrebenden Unternehmers Abel Morales unterfüttert wird, die Geschichte eines Mannes, der in einem korrupten Geschäft versucht, ehrlich und aufrichtig zu bleiben, ein anständiger Mann mit Prinzipien und Idealen, der trotz aller Widerstände nicht bereit ist nachzugeben und schwere Entscheidungen treffen muss, ein Mann, der noch an die Moral appelliert, wo schon längst keine mehr vorhanden ist. Es wäre leicht für ihn nachzugeben, auch weil seine Frau Anna die Tochter eines bekannten Gangsterbosses ist, doch auch deren angebotene Hilfe durch ihre Familie weist er zurück. Morales hält an seinem Weg unbeirrt fest und ist in dem felsenfesten Glauben, nur dieser eine könne der richtige sein. Zwar wirkt er ein bisschen wie eine Mischung aus Tony Montana und Michael Corleone und vereint unbändigen Tatendrang und würdevolle Eleganz, doch mangelt es ihm gänzlich an der kriminellen Energie der beiden, dieser Ausweg kommt für ihn nie in Frage.

 

 

 

„When it feels scary to jump, that is exactly when you jump, otherwise you end up staying in the same place your whole life, and that I can’t do.“

 

 

 

J.C. Chandor erzählt seine zeitlose Geschichte über diesen integeren Einwanderer in Amerika mit einer ähnlichen Eleganz wie Oscar Isaac seinen Abel Morales anlegt, ruhig und unaufgeregt, er hat als Regisseur verinnerlicht, das langsames Erzählen nicht gleichbedeutend mit langweilig sein muss. Ein leiser, aber gewaltiger Thriller, dessen Spannungskurve sich subtil, aber konstant und unterschwellig bedrohlich immer weiter zuspitzt und letztlich in eine starke Verfolgungsjagd mündet, gleichzeitig physischer wie moralischer Höhepunkt des Films. Man stellt sich unwillkürlich immer wieder die Frage, wann Morales nachgeben wird, wann er von seinen ihm so wichtigen Prinzipien ablassen muss. Nicht, ob, sondern nur wann, denn mit jeder weiteren Wendung verschärft sich seine Lage zusehends.  Eine schwelende Ruhe gibt hier meist den Grundton und man spürt permanent den inneren Konflikt von Morales, dem Oscar Issac unfassbar authentisch Ausdruck zu verleihen vermag, man sieht es ihm an, wie alles an ihm nagt, diese klaffende Schlucht zwischen seinen moralischen Ansprüchen und der harten Realität auf den Straßen, die täglich seine Fahrer heimsucht und schließlich auch seine eigene Familie in Gefahr bringt. Technisch und handwerklich ist A Most Violent Year nahezu brilliant, was J.C. Chandor in Marging Call und All Is Lost teilweise bereits andeutete, das kommt hier voll zum Tragen. Jede Szene ist bis ins kleinste Detail regelrecht komponiert, alles greift wie ein Mosaik ineinander, die Dialoge sind grandios, Oscar Issac und Jessica Chastain als seine Frau Anna liefern fantastische Leistungen, selbst die Musik von Alex Ebert passt perfekt zu den kühlen und trostlosen Bildern eines schmutzigen New York. Ein New York nicht unähnlich dem, welches Martin Scorsese bereits 1976 in Taxi Driver heraufbeschwor, wenn auch vielleicht nicht ganz so verkommen und düster. Und ähnlich wie in Andrew Dominiks Killing Them Softly zeigt J.C. Chandor dann auch die marode und heruntergekommene Umgebung sinnbildlich für den moralischen Werteverfall, das Abbild dieses korrupten und schmutzigen Molochs überträgt sich auch auf seine Figuren. In beiden Filmen wird der Versuch der Erfüllung des amerikanischen Traumes durch Gewalt thematisiert, doch A Most Violent Year fällt dann doch nicht so pessimistisch aus wie Killing Them Softly, denn da ist ja immer noch der moralisch aufrechte Abel Morales, der nicht bereit ist, von seinen Prinzipien und Wertevorstellungen abzurücken. Doch wird ihm das auch bis zum Schluss gelingen? Auch dann noch, wenn der Druck immer größer und schließlich kaum noch zu ertragen ist? Genau das ist die Frage, die A Most Violent Year so unglaublich spannend macht.

 

Der dritte Film des Regisseurs J.C. Chandor ist ein ruhig erzählter, aber dafür umso fesselnder Thriller, der ein eher ungewöhnliches, aber nicht weniger spannendes Milieu abbildet und sich mit der moralischen Standhaftigkeit seiner Hauptfigur beschäftigt. Ein bis ins kleinste Detail hervorragend inszenierter Film mit grandiosen Dialogen und fantastischen schauspielerischen Leistungen, einerseits rau und spröde, andererseits ausgesprochen elegant und packend bis zur letzten Szene. Eine durchweg starke Kombination aus Stil und Inhalt. Von J.C. Chandor dürften wir wohl noch so einiges hören (und hoffentlich auch sehen) und nach der starken Leistung von Oscar Isaac als Abel Morales bin ich nun noch mehr auf den anstehenden Star Wars-Film gespannt, als ich es ohnehin schon bin. Wobei…. geht das überhaupt? Ich bin mir nicht sicher…

 

8,5 von 10 entführten Tanklastern

 

 

Zitat des Tages

28. November 2015 at 14:57

 

 

 

„What a loss to spend that much time with someone, only to find out that she’s a stranger.“

 

 

 

 

Die digitale Revolution oder: Lösen moderne Serienformate das Kino ab?

25. November 2015 at 14:35

 

 

 

Probieren wir doch einmal etwas neues aus, es müssen ja nicht immer nur Rezensionen zu Filmen sein, kann man sich doch den verschiedensten Themen auf unterschiedlichste Weise nähern. Heute möchte ich mal ein Phänomen etwas näher betrachten, dass schon seit geraumer Zeit, erst schleichend, inzwischen doch eindeutig offensiv, alltägliche Lebensumstände zu ändern beginnt. Die digitale Revolution der Fernseh – und Serienwelt, angeführt von amerikanischen Kabelsendern wie HBO und Streamingdiensten wie Netflix, nur um mal zwei Giganten des Business zu nennen. Binge watching klingt schon längst nicht mehr nach bizarrer Sexpraktik oder neumodischer Essstörung und ist inzwischen in Millionen von Haushalten Alltag. Dank moderner Technologie sind wir befreit vom engen Korsett der hiesigen Fernsehlandschaft, wir können jetzt schauen was wir wollen, wann wir wollen, wie wir wollen, wo wir wollen. Keine Gängelung und Bevormundung mehr durch Fernsehsender, die ohnehin meist nur Inhalte produzieren, die niemand wirklich sehen möchte. Im Zeitalter von Netflix und Co. lassen sich Serien so viel einfacher in unseren schnelllebigen Alltag integrieren, hier mal eine Folge Breaking Bad, dort mal eine Folge Sons of Anarchy, vielleicht eine Folge The Walking Dead in der Mittagspause oder gleich ganze Staffeln am Stück, alles kein Problem mehr. Ich für meinen Teil sehe schon lange so gut wie kein normales Fernsehen mehr, wozu auch, es gibt unzählige Alternativen zu all dem Stumpfsinn, und ganz ehrlich? Man gewinnt an Lebensqualität. Nun aber zur eigentlichen Frage: ist diese digitale Revolution die Zukunft oder nur ein Strohfeuer? Etabliert ist sie ja inzwischen, aber wird sie wirklich endgültig alte Gewohnheiten ablösen, vielleicht sogar langfristig das Kino ablösen? Oder wird beides in friedlicher Koexistenz unsere Möglichkeiten erweitern? Vielleicht können beide ja sogar von einander profitieren?

 

Der Markt ist groß, scheint täglich größer zu werden und die Gunst des Zuschauers wird hart umkämpft. Da ist HBO, amerikanischer Kabelsender-Gigant und mit am längsten im Geschäft der hochwertig produzierten Fernsehserien, dessen Portfolio Schwergewichte wie The Sopranos, The Wire, Six Feet Under, Game of Thrones, Boardwalk Empire und True Detective aufzuweisen hat. Daneben tummeln sich weitere Sender wie Fx Network mit American Horror Story, Fargo, Sons of Anarchy oder Justified, AMC mit Mad Men, Breaking Bad, The Walking Dead und dessen Ableger Fear the Walking Dead oder Showtime mit Homeland, Ray Donovan, Dexter, Penny Dreadful oder Californication. Zum ärgsten Konkurrenten jedoch entwickelte sich in den letzten Jahren der Streamingdienst Netflix mit seinen zahlreichen und meist hochwertigen Produktionen wie dem Zugpferd House of Cards, Orange is the New Black, Sense8 oder Narcos. Neuerdings unterfüttert Netflix fleißig das MCU (Marvel Cinematic Universe) mit Ablegern wie zuletzt Daredevil, aktuell Jessica Jones und in Zukunft Luke Cage und Iron Fist, die dann alle vier im Crossover The Defenders kulminieren werden. Daredevil und Jessica Jones zeichnen sich durch einen düsteren, urbanen Realismus aus, der einen angenehmen Kontrast zur sonst vergleichsweise doch eher grellbunten Marvelwelt darstellt. Nicht umsonst wurde für die zweite Staffel Daredevil kürzlich der Punisher offiziell bestätigt, eine Figur aus dem Marveluniversum, die ambivalenter und düsterer kaum sein könnte. Dazu gesellen sich die oben bereits erwähnten Eigenproduktionen ergänzt um zu Serien umfunktionierte Filme wie Scream oder From Dusk Till Dawn (übrigens ein Phänomen, dem ich mich bei Gelegenheit auch noch widmen möchte, der Trend aus bestehenden Filmen Serien zu produzieren) und zahlreichen starken Lizenzen, die eingekauft wurden. Die größte Neuerung jedoch ist Beasts of No Nation, der erste von Netflix produzierte Spielfilm, mit dem jetzt nach dem Fernsehen auch das Kino ins Visier genommen werden soll. Der Konzernriese Amazon hat den Streamingtrend zwar ein wenig verschlafen, rüstet im Moment aber ganz stark auf, um nicht den Anschluss zu verlieren, und stürzt sich mit zahlreichen Eigenproduktionen wie Bosch, Transparent, Hand of God und The Man in the High Castle ins Getümmel. Entscheidend dort ist die gelungene Interaktion mit den Usern, denn Amazon erstellt aktuell immer eine handvoll Pilotfolgen für potentielle Serien, stellt diese zur Verfügung und lässt den Kunden dann abstimmen, welche davon schließlich produziert werden soll. Ein guter Zug in puncto Kundenbindung. Sogar die britische BBC hat Hochkaräter wie Sherlock, Luther oder Ripper Street im Programm, die Franzosen von Canal+ die düstere und harte Polizeiserie Braquo, nur wir in Deutschland machen in dem Bereich kaum Fortschritte. Auch ein schwerwiegender Grund dafür, warum die traditionelle Fernsehlanschaft hier zu Lande immer mehr an Boden verliert. Kein Wunder, wenn man immerzu am Publikum vorbei produziert.

 

Zur Zeit lässt sich eine gewisse, leicht kulturpessimistische These beobachten, die davon ausgeht, das Format der Serie im heutigen Gewand wäre das neue Kino. Dass das so nicht stimmt, das sehen wir noch im Verlauf dieses Textes. Zunächst einmal muss man feststellen, dass das Phänomen Serie so, wie wir es heute wahrnehmen, gar nicht so neu ist wie manch einer vielleicht denken könnte, denn bereits 1999 gab HBO mit der grandiosen Mafiaserie The Sopranos den Startschuss zu dem bis heute andauernden Wetteifern zwischen Fernseh – und Kabelsendern und neuerdings eben auch Streamingdiensten. Dem Gedanken, das Kino würde abgelöst werden, liegt die Annahme zu Grunde, dass der Kinofilm als Erzählform analog zur Kurzgeschichte funktioniert und das Format der Serie im Umkehrschluss analog zum epischen Roman. Tatsache ist, dass das Erfolgsrezept der Serie das literarische Erzählen ist, und bedingt durch die längere Laufzeit haben die Schreiber natürlich ganz andere dramaturgische Möglichkeiten und es lassen sich deutlich größere Handlungsbögen entwerfen als im Medium Film. Aber genau das ist auch der große Unterschied zwischen beiden Kunstformen: bedingt durch die Möglichkeiten und auch durch die unterschiedlichen Arbeitsweisen bei Serien haben die Autoren meist deutlich mehr Einfluss auf tragende Elemente wie Dramaturgie, Entwicklung der Charaktere, Schnitt und sogar Besetzung als die Regisseure, die so vielmehr einfache Erfüllungsgehilfen sind als im Film. Dadurch wird letztlich aber nur das dramaturgische Erzählen kultiviert und weiterentwickelt, wohingegen das Kino Erzählen mit Bildern ist. Das war es schon immer, seit seinem Beginn in den frühen 20er Jahren, das ist es heute und das wird es auch in Zukunft sein. Kino ist Abenteuer, Geschichten in großen Bildern und ein Gesamterlebnis, es gibt eine Sehnsucht danach in uns, die dafür Sorge tragen wird, dass dieses Medium nicht aussterben oder abgelöst werden wird.

 

Aber beide Welten, Kino und Serie, können voneinander lernen. Was passiert, wenn sich die erzählerischen Mechanismen der Serie mit den großen Bildern des Kinos verbinden, das konnte man zuletzt erleben als True Detective auf der Bildfläche erschien. Hier werden beide Welten perfekt miteinander verwoben und führen zu einem wahrlich grandiosen Erlebnis, zehn zusammenhängende Episoden, geschrieben von Nic Pizzolatto als einzigem Autor und gedreht von Cary Fukunaga als einzigem Regisseur. True Detective ist unter anderem auch genau deswegen so spannend, weil die Macher das Erzählen durch Bilder ebenso gekonnt nutzen wie die literarische Dramaturgie, beides existiert gleichberechtigt und geht Hand in Hand. Eine völlig neue Spielart des Fernsehens und möglicherweise ein Konzept mit großer Zukunft, das sicherlich Nachahmer finden wird und beide Welten miteinander versöhnen könnte. Am Ende aber lohnt alles Spekulieren nichts, wir werden sehen, was die Zukunft bringt, aber ich für meinen Teil bin mir ziemlich sicher, dass das Kino nicht abgelöst werden wird. Die Sehgewohnheiten haben sich durch den technischen Fortschritt gewandelt und werden das vermutlich auch weiterhin tun, aber beide Erzählformen werden parallel zueinander friedlich koexistieren, und wenn sie sich gar vermischen und voneinander lernen, dann kann Großartiges entstehen. Das schöne ist: wir Zuschauer profitieren in jedem Fall davon, denn egal, ob True Detective, Breaking Bad, The Walking Dead, True Blood, Vampire Diaries, Orange is the New Black, Downton Abbey, The Wire, Sherlock, Gossip Girl, American Horror Story, Homeland oder Game of Thrones, in der weiten und bunten Welt der Serien ist für beinahe jeden Geschmack etwas dabei und die Vielfalt kann nur größer werden. Konkurrenz belebt das Geschäft. Und ich schaue jetzt mal Sons of Anarchy weiter… 😉

 

 

 

 

Terminator Genisys

23. November 2015 at 3:13

 

 

 

Terminator Genisys (2015)
Terminator Genisys poster Rating: 6.7/10 (136,706 votes)
Director: Alan Taylor
Writer: Laeta Kalogridis, Patrick Lussier, James Cameron (characters), Gale Anne Hurd (characters)
Stars: Arnold Schwarzenegger, Jason Clarke, Emilia Clarke, Jai Courtney
Runtime: 126 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Released: 01 Jul 2015
Plot: When John Connor, leader of the human resistance, sends Sgt. Kyle Reese back to 1984 to protect Sarah Connor and safeguard the future, an unexpected turn of events creates a fractured timeline.

 

 

 

„Goddamn time traveling robots! Covering up their goddamn tracks! I hate them!“

 

 

 

2029 gelingt den letzten noch verbliebenen menschlichen Rebellen ein entscheidender Schlag gegen Skynet und seine Armee der Maschinen. Jetzt haben John Connor und seine Männer Zugriff auf die Zeitmaschine, mit deren Hilfe Skynet einen Terminator ins Jahr 1984 schickt, um die Mutter des Anführers der Rebellen zu töten und so seine Geburt zu verhindern. Conners Freund und rechte Hand Kyle Reese meldet sich freiwillig, um ebenfalls nach 1984 zu reisen und dort Sarah Connor vor dem Terminator zu beschützen. Dort angekommen, muss er allerdings feststellen, dass die Zeitlinie verändert wurde, denn Sarah Connor ist längst nicht so hilf – und ahnungslos bezüglich ihres Schicksals wie sie es eigentlich hätte sein sollen und auch einen mächtigen Beschützer in Gestalt des T-800 hat sie nun an ihrer Seite…

 

Arnie is back! Ein Grund zur Freude? Eher nicht, obwohl seine Abwesenheit in Terminator Salvation schmerzlich vermisst wurde und der innere Nerd in mir seine Rückkehr zwar begrüßt, macht das Terminator Genisys auch nicht besser als seinen Vorgänger, eher sogar schlechter, aber das ist immerhin nicht die Schuld unseres geliebten österreichischen Muskelberges im Rentenalter. Filme mit einer Zeitreisethematik haben immer mit Logikfehlern zu kämpfen, das liegt schon grundlegend in dem Genre selbst begraben, aber wie das Drehbuch Terminator Genisys und sogar seine Vorgänger so tief in ein heilloses Chaos aus alternativen Zeitlinien stürzt, dass man sich unmöglich wieder daraus befreien kann, das sucht schon seines Gleichen. Die haarsträubenden Erklärungsansätze, die der Film ständig bemüht, führen dazu, dass man sich im undurchdringlichen Dickicht des Drehbuchs hoffnungslos verirrt und den Weg zurück nicht mehr findet, schlimmer noch, anstatt dass man sich wenigstens bemühen würde, alles irgendwie wieder auf Linie zu bringen, macht man lieber noch ein paar Abzweige in der Zeit auf und alles wird nur noch schlimmer. J.J. Abrams beispielsweise hat hingegen mit seinem Star Trek-Reboot eindrucksvoll bewiesen, wie man sich geschickt einer alternativen Zeitlinie bedienen kann, um unnötigen Ballast loszuwerden ohne sich dabei zu sehr in Unlogik zu stürzen. Dabei beginnt der Film von Regisseur Alan Taylor, einem von vielen typischen Auftragsarbeitern aus Hollywood, solide Handwerker, aber ohne Vision und erkennbare Handschrift, der zuvor Thor 2 inszenieren durfte, durchaus charmant und unterhaltsam, in dem er im Grunde genau dort ansetzt, wo die Terminator-Reihe einst ihren Lauf nahm, nämlich mit dem Zurückschicken von Kyle Reese ins Jahr 1984. Was in den nächsten vielleicht 30 bis 40 Minuten folgt, ist eine ganze Reihe von Anspielungen, Reminiszenzen und Zitaten unglaublich ikonischer Bilder und Szenen, die natürlich all die Nerds wie mich antriggern sollen. Sogar so sehr, das vereinzelte Szenen eins zu eins aus den Klassikern übernommen wurden, aber auch das ist immer noch einfacher Service am Fan der Reihe, die Nerds sollen bedient werden, dennoch schleichen sich bereits hier erste Ungereimtheiten ein. Ist dieses vielleicht etwas zu lang geratene Vorspiel erst einmal vorbei und die eigentliche Story von Terminator Genisys nimmt ihren Lauf, dann kann man sich allerdings vor teils gigantischen Logikfehlern nicht mehr retten, die ärgerlicherweise sogar zentrale Elemente der ersten beiden Filme einfach ad absurdum führen.

 

 

 

„I’m old, not obsolete.“

 

 

 

Dummerweise ist das Drehbuch nicht das einzige Problem, mit dem Terminator Genisys zu kämpfen hat. Schon der Cast erweist sich als ausgesprochen problematisch. Emilia Clarke, vielen vielleicht besser bekannt als Daenerys Targaryen aus der HBO-Serie Game of Thrones, kann zwar Linda Hamilton als Sarah Connor zu keiner Sekunde das Wasser reichen, schlägt sich aber dennoch tapfer und macht ihre Sache noch ganz gut. Was man von Jai Courtney als Kyle Reese nun mal so gar nicht behaupten kann. Der Mann ist einfach eine kolossale Fehlbesetzung. Überhaupt ist mir absolut schleierhaft, wie dieser vollkommen talentfreie Laiendarsteller immer wieder in großen Produktionen einen Platz finden kann, denn schon Stirb Langsam – Ein guter Tag zum Sterben wusste er durch sein Mitwirken zu ruinieren. Sein Kyle Reese ist so weit weg von der Figur wie sie Michael Biehn 1984 verkörperte, nichts ist zu sehen von diesem drahtigen, getriebenen, gehetzten und von schweren Entbehrungen gezeichneten Veteranen aus der Zukunft, der nie etwas anderes als den Krieg gegen die Maschinen und eine verwüstete Welt kennengelernt hat. Terminator Genisys macht mit Jai Courtney daraus dann eine wohlgenährte und durchtrainierte Actionfilm-Frontsau aus dem Bausatzkasten, durch und durch gewöhnlich und vollkommen blass aufgrund seiner doch sehr limitierten schauspielerischen Fähigkeiten. An Arnie ist nichts auszusetzen, auch als in die Jahre gekommener T-800 zieht er konsequent sein Ding durch und ist gewohnt kühl und emotionslos, eben maschinengleich, ganz so, wie man es gewohnt ist aus der Filmreihe. Der eine oder andere gut sitzende Oneliner ist auch dabei, so mancher Gag wird dann aber doch ein wenig zu oft bemüht und ermüded schnell. Und der von mir sehr geschätzte Koreaner Byung-hun Lee wird als T-1000 im ersten Drittel des Films ebenso gnadenlos verschwendet und verheizt wie in G.I Joe und R.E.D. 2. Eine Schande. Kommen wir zur Action. Auch die weiß meist nicht wirklich zu überzeugen, viele Szenen sind einfach viel zu übertrieben und aufgeblasen und das CGI mutet oft wirklich sehr schlecht und künstlich an, geradezu schlampig ist es umgesetzt und fühlt sich wie ein Fremdkörper im Film an. Kaum zu glauben angesichts eines Budgets von geschätzten 155.000.000 Dollar. Dennoch wirkt die Action bei all dem Größenwahn seltsam drucklos, da fehlen eindeutig die nötige Wucht und Durchschlagskraft, was vermutlich zum Teil auch der Altersfreigabe ab 12 geschuldet ist. Viel zu zahm präsentiert sich hier alles, als das es auch nur annähernd mit Terminator 1 und 2 mithalten könnte. Nicht weniger deplatziert wirkt dann auch die sehr eigenartige Vater/Tochter-Beziehung zwischen dem T-800 und Sarah Connor, die in keinster Weise funktioniert, weil es einfach am emotionalen Unterbau mangelt. Das wird einem umso bewusster, wenn man sich Terminator 2 in Erinnerung ruft, denn dort hat die eigenwillige Beziehung zwischen dem jungen John Connor und dem T-800 sehr gut funktioniert. Überhaupt ist das ja ein Problem der Reihe, dass die Geschichte am Ende von Terminator 2 schlicht und ergreifend auserzählt ist und einen schlüssigen Abschluss findet, so dass es keiner weiteren Fortsetzung mehr bedurfte. Nicht ohne Grund ist James Cameron bis heute nicht auch nur ein Stück weit für die Idee zu begeistern einen weiteren Ableger zu drehen, für ihn ist nach seinen beiden ersten Filmen einfach alles gesagt und jede Fortsetzung unnötig. Und danach ließ das Niveau der Reihe ja mitunter dramatisch nach, seinen Tiefpunkt jedenfalls hat es mit Terminator Genisys definitiv erreicht.

 

Hauptsächlich das wirre und haarsträubende Drehbuch mit all seinen alternativen Zeitlinien bricht Terminator Genisys das Genick, denn dahinter steckt nichts, das Sinn ergibt oder gehaltvoll wäre, und zudem hat es Plotlöcher gigantischen Ausmaßes, die innerhalb der hier etablierten Filmlogik sämtliche Ereignisse ausradieren müssten. Jai Courtney und die viel zu zahm inszenierte Action allein wären zu verkraften, aber dieses Drehbuch ist das mit Abstand unsinnigste, was mir seit geraumer Zeit untergekommen ist. Eine Schande für die beiden Filme von James Cameron, für die in sich schlüssige Welt, die er einst aufgebaut hat. Nach Terminator Salvation hatte ich nicht geglaubt, dass es noch schlechter werden könnte, und ich habe mich geirrt. Auf diesem Qualitätslevel wie bei Terminator Genisys sollte man vielleicht mal überlegen, das Franchise nun endgültig zu Grabe zu tragen, aber es sollen ja noch zwei weitere Filme folgen… sogar mit dem schon eingerechneten Arnie-Bonus reicht es nur für:

 

4,5 von 10 lächelnden T-800