Meine zehn liebsten Heist-Movies

22. Februar 2016 at 20:07

 

 

 

 

 

 

„I have run out of time. I have lost it all. So I can’t work fast enough to catch up. I can’t run fast enough to catch up. And the only thing that catches me up is doing my magic act.“

 

 

 

Irgendwie hab ich ein leichtes Faible für Heist-Movies. Ich mag all diese gerissenen Gentleman-Gauner und ihre bis ins letzte Detail ausgetüftelten Pläne für Überfälle auf Banken, Juweliere, Casinos, Museen oder Ausstellungen, die in den aller wenigsten Fällen auf physische Gewalt zurückgreifen müssen. Idealerweise soll niemand ernsthaft zu Schaden kommen und wesentliche Bestandteile solcher Filme sind neben dem eigentlichen Verbrechen auch die präzise Planung und Vorbereitung des Ganzen sowie die Zusammenstellung des Teams aus Ganoven. Oft vertauschen Heist-Movies konventionelle Rollenverteilungen, indem sie die vermeintlichen Verbrecher zu Sympathieträgern stilisieren und die Opfer ihrer Pläne zu Verbrechern noch skrupelloserer Art, die ihr Schicksal auch verdient haben. Nun also euch viel Spaß mit der Liste meiner zehn liebsten Heist-Movies, einer Liste voller Schlitzohren, gerissener Ganoven und komplizierten Plänen…

 

 

 

10.

Thunderbolt and Lightfoot (1974)
Thunderbolt and Lightfoot poster Rating: 7.1/10 (15,138 votes)
Director: Michael Cimino
Writer: Michael Cimino
Stars: Clint Eastwood, Jeff Bridges, George Kennedy, Geoffrey Lewis
Runtime: 115 min
Rated: R
Genre: Comedy, Crime, Drama
Released: 24 May 1974
Plot: With the help of an irreverent young sidekick, a bank robber gets his old gang back together to organize a daring new heist.

 

 

 

9.

Ocean's Eleven (2001)
Ocean's Eleven poster Rating: 7.8/10 (385,248 votes)
Director: Steven Soderbergh
Writer: George Clayton Johnson, Jack Golden Russell, Harry Brown, Charles Lederer, Ted Griffin (screenplay)
Stars: George Clooney, Cecelia Ann Birt, Paul L. Nolan, Carol Florence
Runtime: 116 min
Rated: PG-13
Genre: Crime, Thriller
Released: 07 Dec 2001
Plot: Danny Ocean and his eleven accomplices plan to rob three Las Vegas casinos simultaneously.

 

 

 

8.

Inside Man (2006)
Inside Man poster Rating: 7.6/10 (263,749 votes)
Director: Spike Lee
Writer: Russell Gewirtz
Stars: Denzel Washington, Clive Owen, Jodie Foster, Christopher Plummer
Runtime: 129 min
Rated: R
Genre: Crime, Drama, Mystery
Released: 24 Mar 2006
Plot: A police detective, a bank robber, and a high-power broker enter high-stakes negotiations after the criminal's brilliant heist spirals into a hostage situation.

 

 

 

7.

Sneakers (1992)
Sneakers poster Rating: 7.1/10 (43,016 votes)
Director: Phil Alden Robinson
Writer: Phil Alden Robinson, Lawrence Lasker, Walter F. Parkes
Stars: Jo Marr, Gary Hershberger, Robert Redford, Sidney Poitier
Runtime: 126 min
Rated: PG-13
Genre: Comedy, Crime, Drama
Released: 11 Sep 1992
Plot: A security pro finds his past coming back to haunt him, when he and his unique team are tasked with retrieving a particularly important item.

 

 

 

6.

Ronin (1998)
Ronin poster Rating: 7.3/10 (135134 votes)
Director: John Frankenheimer
Writer: J.D. Zeik (story), J.D. Zeik (screenplay), David Mamet (screenplay)
Stars: Robert De Niro, Jean Reno, Natascha McElhone, Stellan Skarsgård
Runtime: 122 min
Rated: R
Genre: Action, Adventure, Crime
Released: 25 Sep 1998
Plot: A freelancing former US intelligence agent tries to track down a mysterious package that is wanted by both the Irish and the Russians.

 

 

 

5.

The Sting (1973)
The Sting poster Rating: 8.3/10 (166,890 votes)
Director: George Roy Hill
Writer: David S. Ward
Stars: Paul Newman, Robert Redford, Robert Shaw, Charles Durning
Runtime: 129 min
Rated: PG
Genre: Comedy, Crime, Drama
Released: 26 Dec 1973
Plot: In Chicago in September 1936, a young con man seeking revenge for his murdered partner teams up with a master of the big con to win a fortune from a criminal banker.

 

 

 

4.

The Killing (1956)
The Killing poster Rating: 8.1/10 (60,229 votes)
Director: Stanley Kubrick
Writer: Stanley Kubrick (screenplay), Jim Thompson (dialogue), Lionel White (novel)
Stars: Sterling Hayden, Coleen Gray, Vince Edwards, Jay C. Flippen
Runtime: 85 min
Rated: APPROVED
Genre: Crime, Drama, Film-Noir
Released: 06 Jun 1956
Plot: Crooks plan and execute a daring race-track robbery.

 

 

 

3.

Heat (1995)
Heat poster Rating: 8.3/10 (348,757 votes)
Director: Michael Mann
Writer: Michael Mann
Stars: Al Pacino, Robert De Niro, Val Kilmer, Jon Voight
Runtime: 170 min
Rated: R
Genre: Action, Crime, Drama
Released: 15 Dec 1995
Plot: A group of professional bank robbers start to feel the heat from police when they unknowingly leave a clue at their latest heist.

 

 

 

2.

Rififi (1955)
Rififi poster Rating: 8.2/10 (17,870 votes)
Director: Jules Dassin
Writer: Auguste Le Breton (novel), Jules Dassin (adaptation), René Wheeler (collaboration), Auguste Le Breton (collaboration), Auguste Le Breton (dialogue)
Stars: Jean Servais, Carl Möhner, Robert Manuel, Janine Darcey
Runtime: 122 min
Rated: NOT RATED
Genre: Crime, Thriller
Released: 05 Jun 1956
Plot: Four men plan a technically perfect crime, but the human element intervenes...

 

 

 

1.

Thief (1981)
Thief poster Rating: 7.4/10 (14,754 votes)
Director: Michael Mann
Writer: Frank Hohimer (novel), Michael Mann (screen story), Michael Mann (screenplay)
Stars: James Caan, Tuesday Weld, Willie Nelson, James Belushi
Runtime: 122 min
Rated: R
Genre: Action, Crime, Drama
Released: 27 Mar 1981
Plot: Becoming closer to his dream of leading a normal life, a professional safecracker agrees to do a job for the mafia, who have other plans for him.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zitat des Tages

20. Februar 2016 at 0:17

 

 

 

„You know you´re only one bad day away from being me.“

 

 

 

 

Inside Out (Alles steht Kopf)

14. Februar 2016 at 19:22

 

 

© Walt Disney Studios Motion Pictures

 

 

 

„Do you ever look at someone and wonder, „What is going on inside their head?“ Well, I know.“

 

 

 

Riley ist eine ganz normale Elfjährige. Sie liebt es, Eishockey zu spielen und hasst Broccoli. Doch als ihre Eltern mit ihr das beschauliche Minnesota verlassen und nach San Francisco ziehen, weil ihr Vater dort einen neuen Job antritt, regiert in der Gefühlswelt des kleinen Mädchens das Chaos und nichts ist mehr so, wie es mal war…

 

Endlich meldet sich Pixar nach all den Fortsetzungen der letzten Jahre wieder mit einer eigenständigen Idee zurück, wusste die Produktionsschmiede doch immer dann vollends zu überzeugen, wenn sie erzählerisches Neuland betraten. Das mit Peter Docter der Regisseur von Die Monster AG und Up bei Inside Out erneut mit an Bord ist, spricht für sich. Die Rückkehr von risikofrei kalkulierten Einspielergebnissen durch Sequels hin zu wieder mehr Mut und Kreativität zahlt sich aus, denn tatsächlich besitzt sein neuestes Werk so ziemlich alles, was ein gelungener Animations-Blockbuster braucht: Wärme, Witz und Charme, geradezu überbordenden Ideenreichtum, originelle Figuren, eine fantastische Optik und ein überraschend kluges Drehbuch. Allein der Mut von Pixar gehört belohnt, etwas zu visualisieren, das sich eigentlich gar nicht visualisieren lässt, nämlich der menschliche Verstand mit all seinen Ausprägungen, Mechanismen und Funktionsweisen. So entspinnt sich aus der eigentlich recht simpel gehaltenen und dennoch genialen Ausgangslage der Story eine irrwitzige, abenteuerliche und ungemein faszinierende Odyssee durch den menschlichen Verstand, vom Kontrollzentrum der Emotionen hin zum Langzeitgedächtnis, über das abstrakte Denken zum Fantasieland und imaginären Freunden, von den Traumstudios ins Unterbewusstsein und zum Friedhof der vergessenen Erinnerungen. Was sich die Macher von Inside Out alles haben einfallen lassen, um all diese Prozesse unseres Verstandes visuell auf die Leinwand zu bringen, ist einfach atemberaubend und selten war Pixar so kreativ wie hier. Vor allem wandeln sie enorm komplexe und zum Teil bis heute unerforschte, für Laien kaum verständliche Vorgänge in schlicht gehaltene und einfache Bilder und Motive, die einfach fantastisch funktionieren. Und so, wie Inside Out das Innenleben und die Emotionen der kleinen Riley als Thema hat, so bedient er sich auch geschickt der ganzen Palette an Gefühlsregungen, ist nicht immer nur witzig und temporeich, sondern eben auch traurig und melancholisch erzählt, ebenso komisch wie dramatisch, aber vor allem immer sehr warmherzig, nie kitschig und ganz nah am Leben und unseren eigenen Gefühlswelten, wodurch der Film für uns zu jeder Sekunde vollkommen nachvollziehbar wird. Zudem funktioniert Inside Out wie beinahe alle Filme von Pixar auf zwei verschiedenen Ebenen: zum einen werden auch hier die kindlichen Bedürfnisse bedient, der Film ist kurzweilig, spaßig, bunt und toll anzuschauen, aber für Erwachsene hält dieser visuelle Abenteuerspielplatz noch ganz andere Dinge bereit, ist enorm klug erzählt, weiß auch den Intellekt anzusprechen und regt zum Nachdenken an. Letztlich ist dann auch die vielleicht wichtigste Erkenntnis am Ende von Inside Out nämlich die, dass es vollkommen okay ist, nicht immer nur fröhlich zu sein, denn keine unserer Emotionen kann nur für sich allein stehen. Und es ist auch völlig in Ordnung, unsere Emotionen zu zulassen und ihnen Raum zu geben, statt sie zu unterdrücken. Louis CK sagte einmal sinngemäß, dass die Menschen viel zu oft versuchen, ihre Emotionen durch Ablenkung zu unterdrücken, was schade ist, sind sie doch das ehrlichste, was wir zu bieten haben. Wir haben ohnehin keine Kontrolle über unsere Gefühlswelt, aber wir können entscheiden, wie wir mit ihr umgehen wollen.

 

Mit Inside Out ist Pixar nach langer Durststrecke endlich wieder ein kleines Meisterwerk gelungen, das nicht nur sehr gut unterhält, sondern auch einen intelektuellen wie emotionalen Mehrwert bietet und sich angenehm von der Masse der lieb – und ideenlos zusammengestückelten Animationsfilme abhebt. Pete Docter fackelt hier ein visuelles wie kreatives Feuerwerk ab, das mühelos an die besten Filme von Pixar erinnert und sich wahrlich nicht hinter Toy Story, Finding Nemo, Wall-E oder Up verstecken muss. Inside Out ist humorvoll und tiefgründig, lehrreich und auf seine Art weise, warmherzig und charmant, clever geschrieben und entfesselt ein wahres Panoptikum der inhaltlichen und visuellen Ideen. Ein kluger Film mit gehaltvoller Botschaft, dessen Anschauen sich unbedingt lohnt und der bei weitem nicht nur für Kinder geeignet ist.

 

8 von 10 unfreiwilligen Ohrwürmern

 

 

Deadpool

12. Februar 2016 at 19:50

 

 

© 20th Century Fox

 

 

 

„You’re probably thinking „This is a superhero movie, but that guy in the suit just turned that other guy into a fucking kebab.“ Surprise, this is a different kind of superhero story.“

 

 

 

Als bei dem Söldner Wade Wilson unheilbarer Krebs im Endstadium diagnostiziert wird, kommt ihm ein mysteriöses Angebot sehr gelegen, das ihm verspricht, nicht nur den Krebs zu heilen, sondern auch einen Superhelden mit übermenschlichen Kräften aus ihm zu machen. Letztlich willigt er ein und verlässt die Liebe seines Lebens, nicht ahnend, welch furchtbare Prozedur voller Folter und Demütigung er durch den sadistischen Ajax erleiden muss. Wilson überlebt, kann nach der Zerstörung des geheimen Labors entkommen und befindet sich fortan voller Rachedurst auf der Suche nach seinem einstigen Peiniger….

 

Und schon wieder einer dieser unzähligen Superheldenfilme….. Halt, Stop! Nein, ganz sicher kein gewöhnlicher Superheldenfilm. Nicht Deadpool. Deadpool ist anders. Deadpool ist…. nun ja, Deadpool eben. Der Söldner im hautengen, roten Lederdress will auch überhaupt kein Held sein und genau das hebt ihn auf so erfrischende Art und Weise vom vergleichsweise langweiligen Rest ab. Da passt es ganz wunderbar in das Konzept des Filmes von Regieneuling Tim Miller, dass sich Deadpool von der allerersten bis zur allerletzten Sekunde nie wirklich ernst nimmt. Das beginnt schon mit dem in dieser Form wohl noch nie dagewesenem Vorspann und endet noch lange nicht mit den sogar noch abgedrehteren Credits (den Abspann bis ganz zum Ende anzuschauen lohnt sich übrigens unbedingt! 😉 ), immer und überall ist diese augenzwinkernde Lust an rabenschwarzem Humor und derben Späßen zu spüren. Und ich meine wirklich derbe Späße, denn politisch korrekt ist in diesem Film einfach mal gar nichts und die Spannbreite reicht von Fäkalhumor über plumpen Sexismus bis hin zu wirklich cleveren Wortspielen und unzähligen Referenzen an alle nur erdenklich möglichen Phänomene der Popkultur. Gerade ersteres kann man geschmacklos finden, aber eben auch wahnsinnig unterhaltsam. Gut, nicht jeder Witz zündet, manches ist zu infantil um wirklich witzig zu sein, manches will einfach nur provozieren, manches geht durch die Synchronisation verloren, obwohl man sich sichtlich bemüht hat, und einiges benötigt eine Gewisse Vorkenntnis diverser Comicwelten, um entschlüsselt werden zu können. Deadpool ist voller solcher Momente, scheinbar unzähligen sogar, er knallt einem in seinen 108 Minuten Laufzeit gefühlt mehr Anspielungen, Referenzen und Zitate auf alles mögliche um die Ohren als alle Filme von Quentin Tarantino zusammen. Der reinste Overkill, könnte man glauben, aber tatsächlich wird es nie langweilig oder gar nervend. Allerdings muss ein Teil davon beinahe zwangsläufig untergehen, denn es lässt sich kaum alles beim ersten Mal rezipieren, wodurch eine Zweit – und Drittsichtung sicherlich noch einige Überraschungen bereithalten werden. Zudem spielt Deadpool immer wieder mit einer Metaebene, die man so in einer Comicverfilmung erstmal nicht unbedingt vermuten würde, wenn man die Figur nicht kennt, um die es hier geht. Ständig durchbricht Deadpool die Vierte Wand und wendet sich an den Zuschauer selbst, manchmal sogar mitten in Actionszenen. Darüber hinaus ist sich Deadpool seiner Existenz als Superheld in einem Film durchaus bewusst und viele seiner Sprüche und Witze beziehen sich ganz konkret auf den Film selbst oder sogar auf Ryan Reynolds als Schauspieler, wodurch sich immer wieder herrlich skurrile Spielereien ergeben.

 

 

 

„I didn’t ask to be super, and I’m no hero. But when you find out your worst enemy is after your best girl, the time has come to be a fucking superhero.“

 

 

 

Deadpool beginnt mit einem fantastischen Standbild in der Mitte der Handlung und erzählt dann die Vorgeschichte zu dieser Szene und auch die des unfreiwilligen Superhelden Stück für Stück in Rückblenden. Diese nicht lineare Struktur in der Erzählweise hebt den Film dann auch noch ein wenig weiter ab vom genretypischen Einheitsbrei und katapultiert den Zuschauer gleich mitten ins blutige Geschehen. Das Tempo ist hoch, aber die Action selbst spielt sich in einem deutlich kleineren Rahmen ab als bei The Avengers und Co. Deadpool fällt nicht übermäßig spektakulär oder bombastisch aus, alles ist eine Nummer kleiner, irgendwie intimer, vor allem aber auch dreckiger, grimmiger und realistischer. Den inszenatorischen Größenwahn üblicher Comicverfilmungen sucht man hier vergeblich. Was nun keineswegs bedeuten soll, es gäbe keine gut inszenierte Action in Deadpool, ganz im Gegenteil sogar, aber es müssen ja nicht immer gleich ganze Straßenzüge in Schutt und Asche gelegt werden. Allerdings merkt man dem Film zuweilen schon sein vergleichsweise niedriges Budget an, was aber der spürbare Enthusiasmus aller Beteiligten wieder ausgleicht. Also, fast aller. Ryan Reynolds jedenfalls ist mit Haut und Haaren dabei, das merkt man seinem absoluten Herzensprojekt an, hat er doch 11 Jahre darum gekämpft, Deadpool in einer seiner würdigen Version realisieren zu können und nicht wie noch 2009 in X-Men Origins: Wolverine. Zugegeben, schauspielerisch hat er nicht allzu viel zu tun, trägt Reynolds doch meist seine Maske, aber auch die Momente ohne weiß er gelungen zu gestalten, sogar die wenigen etwas ernsteren Szenen wirken glaubhaft. Zudem geben die beiden X-Men Colossus und Negasonic Teenage Warhead („Negasonic Teenage… what the shit?“) einen guten Sidekick ab. Vor allem Colossus bildet mit seiner ruhigen und kultivierten Art einen wunderbaren Gegenpol zum überdrehten, fluchenden und sich durch seine Gegnerreihen metzelnden Deadpool. Auf der Seite der Bösewichte kann der Film leider kaum bis gar nicht überzeugen. Ed Skrein als Ajax spielt furchtbar blass und uninspiriert, zudem ist seine Figur auch sehr eindimensional und klischeehaft angelegt und wirkt wie aus dem Grundlagenhandbuch für Superheldenbösewichte abgeschrieben. Wirkliche Bedrohlichkeit verströmt Ajax zu keiner Sekunde, seinen sadistischen Wahnsinn allerdings kann Skrein mit seinem limitierten Mienenspiel auch nicht glaubwürdig darbieten. Gina Carano als Angel Dust ist da kaum besser, darf aber wenigstens in ein oder zwei Actionszenen zumindest einen Hauch ihrer MMA-Fertigkeiten zeigen.

 

Tatsächlich hebt sich Deadpool ebenso wie seine Comicvorlage in vielerlei Hinsicht von den üblichen Superhelden sehr ab. Tim Miller inszeniert seinen Film temporeich und ausgesprochen dynamisch und scheut sich glücklicherweise auch nicht davor, mit dem einen oder anderen Witz auch mal die Schmerz- und Schamgrenze zu überschreiten, denn diese gelegentliche Respektlosigkeit braucht Deadpool. So ist der Film anarchisch und provokant, aber auch ungemein unterhaltsam, zu keiner Sekunde langweilig und stellenweise sogar regelrecht klug und vor allem immer enorm selbstreflexiv. Insgesamt eine sehr gut gelungene Mischung, auch wenn nicht immer jeder Witz und jedes inszenatorische Experiment funktionieren. So bleibt Deadpool ein sehr kontroverser Held wie Film, zynisch, voller schwarzem Humor und reichlich Gewalt, kompromisslos und herrlich politisch unkorrekt. Ein frischer neuer Wind im angestaubten Genre, dem aber wohl nicht jeder etwas wird abgewinnen können.

 

8,5 von 10 Chimichangas