Hail, Caesar!

15. März 2016 at 22:39

 

 

© Universal Pictures

 

 

 

„Would that it were so simple?“

 

 

 

Eddie Mannix ist Problemlöser im Dienste der Capitol Studios im Hollywood der 50er Jahre. Ein sogenannter Fixer, der immer dann zum Einsatz kommt, wenn die Fehltritte eines der Stars des Studios vertuscht und aus der Öffentlichkeit heraus gehalten werden sollen. Uneheliche Schwangerschaften, tagelange Sauftouren, arrangierte Hochzeiten, unschöne Angewohnheiten, Schauspieler, die einen Imagewechsel wollen, alles kein Problem für Eddie Mannix. Als jedoch der große Star Baird Whitlock mitten in den Dreharbeiten zum neuesten Monumentalfilm Hail, Ceasar! entführt wird, stehen Mannix turbulente Zeiten bevor, denn jeder Tag an dem nicht weiter gedreht werden kann, kostet das Studio Unsummen….

 

Nach Inside Llewyn Davis ist Hail, Ceasar! nun der bereits siebzehnte Film der Coen-Brüder und wie sonst auch bei ihren Werken kann man sich nie völlig sicher sein, was genau sie einem auftischen. Nahm Inside Llewyn Davis noch die Folk-Szene im New York der 60er Jahre aufs Korn, ist es nun bei Hail, Ceasar! das Studiosystem im Hollywood der 50er Jahre, als Schauspieler noch bei den Studios exklusiv unter Vertrag standen und deren Karrieren bis ins aller kleinste Detail diktiert und gelenkt wurden. Rollenauswahl, Image, Ehepartner, einfach alles wurde von den großen Filmstudios gesteuert. Erstaunlicherweise fällt der Film angesichts seiner Thematik für die Verhältnisse der Coen-Brüder überraschend wenig zynisch und beinahe schon harmlos aus, ist dafür aber auf sehr angenehme Art und Weise humorvoll und unterhaltsam, nie allzu plakativ und meist eher hintergründig und subtil. Hail, Ceasar! ist nicht die Art von Komödie, die einem im Minutentakt große Lacher vorsetzt, vieles ist auch Situationskomik und speist sich überwiegend aus der manchmal schon grotesken Überspitzung der Ereignisse. Die Erzählstruktur ist deutlich weniger stringent als bei anderen ihrer Filme, für Hail, Ceasar! bedienen sich die Coen-Brüder vielmehr dem episodenhaften Erzählen. Obwohl die Entführung des Baird Whitlock die rahmengebende Handlung zu sein scheint, ist auch sie nur ein Bruchstück vieler kleiner Ereignisse, die nicht unbedingt alle auch miteinander zusammen hängen. Einen erzählerischen roten Faden im klassischen Sinne gibt es nicht, aber Eddie Mannix jedoch funktioniert als Ankerpunkt für all diese kleinen Episoden ganz hervorragend und hält irgendwie alles zusammen und auf Kurs. Und indem Hail, Ceasar! zahlreiche Bereiche des Holywoods der 50er Jahre sanft parodiert, bekommt man auch Einblicke in zahlreiche Filmgenres, die allesamt ausgesprochen stimmig von den Coen-Brüdern aufgearbeitet werden. Egal, ob Western, Monumentalfilm, Wasserballet, Tanzfilm, Drama oder Musical, sie alle finden ihre Würdigung in mehr oder weniger großen Szenen. In diesem Momenten lädt Hail, Ceasar! dann auch sehr zum Staunen ein, so präzise und voller Liebe zum Detail sind diese Szenen ausgearbeitet, voller Ehrfurcht dem Medium Film gegenüber und doch immer leicht überhöht in ihrem Kern. Es macht einfach Spaß, für vier oder fünf Minuten in diese unterschiedlichen Welten einzutauchen, die der Film mühelos und harmonisch unter einen Hut bringt. Egal, ob Alden Ehrenreich als wortkarger Cowboy mit verrückten Tricks an Pferd und Lasso, Scarlett Johansson als mürrische Wasserballett-Meerjungfrau, Channing Tatum als singender und steppender Matrose, kommunistische Drehbuchautoren, die sich unter Wert verkauft fühlen oder eben George Clooney als alles überstrahlender Filmstar Baird Whitlock im neuen Monumentalfilm Hail, Ceasar!, immer ist es äußerst unterhaltsam und nie werden das jeweils parodierte Genre und die meist mehr als nur offensichtlichen Vorbilder der Lächerlichkeit preisgegeben oder gar in den Dreck gezogen. Die Coen-Brüder kennen nicht nur diese Filme und deren Stars, sie mögen sie auch, lieben sie vielleicht sogar und sind in jedem Fall große Kenner der Materie, das ist deutlich zu spüren in dieser humorvollen Hommage. Zudem versammeln sie erneut einen bombastischen Cast rund um Josh Brolin und George Clooney, auch wenn es für viele nur zu Gastauftritten reicht, die auch vielleicht nicht immer vollends funktionieren. So verpuffen die Szenen von Jonah Hill, Clancy Brown und Christopher Lambert (genau, Connor McLeod und Kurgan wiedervereint 😀 ) ein bisschen im leeren Raum, dafür aber haben Channing Tatum, Tilda Swinton, Scarlett Johansson und vor allem und allen voran Ralph Fiennes als Regisseur Lawrence Laurentz (!) wahrlich denkwürdige Momente.

 

Letztlich ist Hail, Ceasar! ein wirklich guter und unterhaltsamer Film der Coen-Brüder geworden, aber einen neuen The Big Lebowski, Fargo oder No Country for Old Men sollte man nicht erwarten. Ihr jüngstes Werk wirkt eher wie Burn After Reading: episodenhaft und eher ohne roten Faden erzählt und mit mehr oder weniger gelungene Einzelszenen versehen. Vermutlich werden in ein paar Jahren eher einige herausragende Szenen in Erinnerung bleiben als der ganze Film, nichtsdestotrotz ist auch das siebzehnte Werk der Coen-Brüder durchweg gelungen und ein gutes geworden, das ich nur empfehlen kann. Wie jeden ihrer Filme.

 

7,5 von 10 Lassos aus Spaghettti

 

 

 

 

 

Zitat des Tages

13. März 2016 at 22:45

 

 

 

„Sometimes a thing happens, splits your life. There´s a before and after.“

 

 

 

 

Zitat des Tages

8. März 2016 at 18:51

 

 

 

„I had a dream. But now I’m awake, and I hate my dream.“

 

 

 

 

Black Mass

7. März 2016 at 14:59

 

 

© Warner Bros. Pictures

 

 

 

„If nobody sees it, it didn´t happened.“

 

 

 

Black Mass beschreibt den rasanten Aufstieg des James „Whitey“ Bulger vom eher im kleinen Kreis operierenden Ganoven in South Boston hin zu einem der gefürchtetsten Verbrecher der ganzen Stadt. Als ihm das FBI in Gestalt eines alten Jugendfreundes eine Kooperation anbietet, um die italienische Mafia in Boston auszuschalten, geht er bereitwillig darauf ein, kann er so doch gezielt die lästige Komkurrenz loswerden und gleichzeitig die schützende Hand der Bundesbehörde genießen, um sein Netz aus kriminellen Machenschaften ungestört weiter ausbauen zu können…

 

Zugegeben, es fällt schwer, über einen Film mit Johnny Depp zu schreiben ohne auf seine bereits seit geraumer Zeit doch arg ins Trudeln geratene Karriere zu kommen. In diesem Kontext darf man getrost festhalten, dass Black Mass eine Abkehr von seinen zuletzt üblichen schauspielerischen Eskapaden und Zirkusnummern geworden ist. Ob der Film von Scott Cooper nun auch eine Trendwende für Johnny Depp bedeutet, das muss sich erst noch zeigen, aber so gut wie in Black Mass habe ich ihn schon sehr lange nicht mehr erlebt. Sehr eindringlich spielt er Whitey Bulger, der ebenso unbeherrscht wie unterschwellig bedrohlich sein kann. Allein sein durchdringender Blick kriecht immer mal wieder unter die Haut und trotz einer relativ umfangreichen Maske bleibt sein sparsames wie präzises Mienenspiel erhalten. Johnny Depp lässt sich also schon mal nicht als Schwachpunkt ausmachen im neuesten Film von Scott Cooper, der bereits mit seinen beiden Vorgängern Crazy Heart und Out of the Furnace durchaus eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte, dass er besonders gut darin ist, präzise zu beobachten und ausgefeilte Milieustudien auf die Leinwand zu bringen. Obwohl es Black Mass ein wenig an Milieu mangelt, zeigt der Film doch recht wenig von Whitey Bulgers Geschäften und Machenschaften, sein eigentlicher Wirkungskreis wird meist nur umrissen und angedeutet, nie aber auch ausformuliert. Bulger ist in South Boston geachtet und gefürchtet gleichermaßen, irgendwie auch ein Mann der kleinen Leute, einer, der sich von ganz unten nach oben gearbeitet hat. Ein Verbrecher, ja, aber eben auch einer von ihnen, des aus der gleichen Gosse stammt und seinen Weg aus ihr heraus konsequent verfolgt. Grundsätzlich betrachtet aber liegt das größte Problem von Black Mass an anderer Stelle. Scott Cooper inszeniert einen durchaus gelungenen Gangsterthriller, da ist tatsächlich nicht viel auszusetzen, aber Black Mass erschafft eben auch absolut nichts neues und orientiert sich gänzlich an den klassischen Koordinaten dieses Genre, vermengt bereits bekannte Versatzstücke miteinander und bedient Stereotypen. Nicht falsch verstehen, Black Mass ist bei weitem kein schlechter Film, aber er ist eben auch kein besonders eigenständiger Film und eifert seinen offensichtlichen Vorbildern nach ohne selbst etwas aus der Masse hervorstechendes zu kreieren. Dennoch punktet Black Mass durch seine düstere, dreckige und manchmal auch harte Atmosphäre und ein gelungen umgesetztes Setting, welches Scott Cooper angemessen einzufangen und wiederzugeben versteht. Auch ist es ein wenig schade, dass man der zweifellos spannenden und interessanten Figurenkonstellation um Whitey Bulger, seinen Bruder und Senator Billy Bulger und John Connolly, dem Jugendfreund und jetzigen FBI-Agenten, nicht mehr Raum gibt und deren Potential voll ausschöpft. Mit einer leicht anderen Gewichtung an dieser Stelle hätte sich Black Mass aus der Masse der durchschnittlichen Gangsterthriller deutlich hervorheben können. So aber bleibt ein solide inszenierter Film mit einem starken, aber stellenweise auch verschwendeten Cast, der es nur selten versteht, sich Alleinstellungsmerkmale zu erarbeiten und der Figur des Whitey Bulger nur wenig entlocken kann, um sich mit Größen wie De Niro, Pacino oder meinetwegen auch Jack Nicholson in The Departed messen zu können.

 

Scott Cooper liefert nach Crazy Heart und Out of the Furnace mit Black Mass einen gelungen inszenierten Beitrag zum Genre der Gangsterthriller, der zwar nicht herausragt und mit den großen Vertretern wie Good Fellas oder Casino mithalten kann, dafür aber mit einer düster-schmutzigen Atmosphäre unterhält und endlich wieder einen sehr gut agierenden Johnny Depp zu bieten hat. Mit einer leicht anderen Gewichtung seiner Erzählweise und einer besseren Ausleuchtung des grundsätzlich spannenden Beziehungsdreiecks zwischen Whitey Bulger, seinem Bruder Billy und John Connolly hätte man jedoch deutlich mehr Potential aus der Story kitzeln können. Am Ende bleibt ein durchaus sehenswerter Film, den sich Fans des Genre ohnehin nicht entgehen lassen dürfen und wohl kaum auch werden.

 

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