Zitat des Tages

22. Mai 2016 at 22:54

 

 

 

„No matter how cleverly you sneak up on a mirror, your reflection always looks you straight in the eye.“

 

 

 

 

Zitat des Tages

20. Mai 2016 at 20:27

 

 

 

„Before you diagnose yourself with depression or low self-esteem, first make sure you are not, in fact, just surrounded by assholes.“

 

 

 

 

Zitat des Tages

10. Mai 2016 at 1:54

 

 

 

„Have you ever heard a joke so many times you’ve forgotten why it’s funny? And then you hear it again and suddenly it’s new. You remember why you loved it in the first place.“

 

 

 

 

Captain America: Civil War

5. Mai 2016 at 15:54

 

 

© Walt Disney Studios Motion Pictures

 

 

 

„Captain, while a great many people see you as a hero, there are some who prefer the word vigilante. You’ve operated with unlimited power and no supervision. That’s something the world can no longer tolerate.“

 

 

 

Zweifellos wurden durch die Einsätze der Avengers in New York und Sokovia und auch durch Captain Americas Kampf gegen HYDRA in Washington unzählige Menschenleben gerettet, aber dennoch gab es zivile Verluste. Durch die Unterwanderung und Auflösung von S.H.I.E.L.D. fehlt nun den autonom agierenden Helden jegliche Rechtsgrundlage und Legitimation, wodurch sie deutlich schärfer als zuvor in den Fokus öffentlicher und politischer Kritik rücken. Als es bei einem Einsatz zur Zerstörung versprengter Einheiten von HYDRA in Afrika zu einem tragischen Zwischenfall kommt, ist die Welt nicht länger gewillt, einfach nur zu zusehen wie ein Haufen Kostümierter mit Superkräften Recht und Gesetz nach ihren Vorstellungen durchsetzt. Entsprechend einer von 117 Nationen unterzeichneten Übereinkunft sollen die Avengers unter die Kontrolle der UN gestellt werden, die fortan entscheiden soll, wann, wo und wie sie eingesetzt werden sollen. Der schwer von Gewissensbissen geplagte Tony Stark erweist sich als starker Befürworter dieses sogenannten Sokovia-Abkommens, doch Steve Rodgers hingegen hegt vor allem nach der erst kürzlich aufgedeckten Unterwanderung der Regierung durch HYDRA begründete Zweifel. Die Ereignisse spitzen sich weiterhin zu, als Steve´s alter Freund Bucky Barnes plötzlich wieder auf der Bildfläche erscheint und für einen schweren Terrorangriff verantwortlich gemacht wird…

 

Den folgenden Vergleich bringe ich gleich zu Beginn und werde ihn auch danach nicht wieder erwähnen: Captain America: Civil War weist in Struktur, Konzept und Thematik deutliche Parallelen zu Batman v Superman: Dawn of Justice auf. Allerdings, soviel kann ich schon einmal verraten, macht der neueste Streich aus dem Hause Marvel beinahe alles richtig, was DC mit seinem jüngsten Werk in den Sand gesetzt hat. Nachdem das also nun geklärt wäre, wenden wir uns Captain America zu. Erneut führen nach dem schon mehr als gelungenem Captain America: The Winter Soldier die beiden Brüder Anthony und Joe Russo Regie und Marvel/Disney und Kevin Feige (Executive Producer des MCU) sind offenbar so sehr von den Fähigkeiten der beiden überzeugt, dass sie bereits offiziell bestätigt wurden als Regisseure für die beiden noch folgenden Filme Avengers: Infinity War I und II. Und auch ihr neuestes Werk beweist, dass die beiden vermutlich die richtigen für dieses Projekt sein werden, gelang ihnen doch bisher sehr gekonnt die Verlagerung der zuweilen recht bunten und poppigen Marvelwelt hin zu ein wenig mehr Ernsthaftigkeit und Aktualität. Lag der Fokus im Winter Soldier, einem mit Paranoia und Angst vor Regierungsüberwachung gefüllten Thriller im Superheldenfilm-Gewand, noch auf der Frage, wieviel Freiheit auf Kosten von Sicherheit verloren gehen mag, befasst sich Civil War mit grundlegenden moralischen Standpunkten wie der Verantwortung und den Konsequenzen des Handelns seiner Protagonisten und übertrifft in seiner Ambivalenz den Vorgänger nochmal deutlich. Der verantwortliche Umgang mit großer Macht ist ja meist grundsätzlich ein latentes Thema für Superhelden jeglicher Art, Civil War aber lässt darüber hinaus seine Charaktere hinterfragen, wie sie am besten mit dieser Bürde umgehen sollen und erforscht die Balance zwischen individueller Freiheit und staatlicher Kontrolle. So gelingt dem Drehbuch aus der Feder von Christopher Marcus und Stephen McFeely auch der ausgesprochen heikle Spagat, beide verhärteten Standpunkte, Tony Stark/Iron Man auf der einen Seite, Steve Rodgers/Captain America auf der anderen, plausibel aufzuzeigen und die jeweilige Motivation dahinter auch vollkommen stimmig und nachvollziehbar darzulegen. Dadurch ergibt sich ein durchaus verständlicher Konflikt und Civil War skizziert im Spannungsverhältnis von Freiheit und Sicherheit ein sogar sehr zeitgemäßes Dilemma, das nicht nur die Helden auseinandertreibt, sondern auch für den Zuschauer nicht ganz einfach zu entwirren ist. Zudem erlaubt sich der Film den Luxus, seinen Konflikt nicht final aufzulösen, bis zum Schluss bleibt er angenehm moralisch ambivalent, so dass der Zuschauer letztlich gefordert ist, selbst Stellung zu beziehen und sich seine eigene Meinung zu bilden. Auch findet sich kaum plumpe Schwarz/Weiß-Malerei und Civil War bedient sich nicht der meist üblichen und viel zu kurz greifenden Schablonen von Gut und Böse, sondern stellt vielmehr zwei Gruppen gegenüber, die beide Gutes tun wollen, aber grundlegend unterschiedliche Überzeugungen haben, wie sich dieses Ziel erreichen lässt.

 

 

 

„This job… we try to save as many people as we can. Sometimes that doesn’t mean everybody, but you don’t give up.“

 

 

 

Betrachtet man die Geschichte der einzelnen Charaktere durch ihre Filme hindurch und innerhalb des MCU, dann fällt in Civil War auf, dass sich Iron Man und Captain America geradezu diametral zu ihren Wurzeln entwickelt haben, so dass letztlich die Fronten vertauscht sind. Eigentlich sollte man annehmen, dass eher Captain America derjenige ist, der sich auf die Seite der staatlichen Kontrolle schlägt und Iron Man den rebellischen Gegenpart einnimmt. Captain America ist zu allererst das Produkt einer Nation im Krieg, ein militärisches Experiment, eine Waffe, die daran glaubt, wofür sie einsteht, ein Symbol für Freiheit, Stärke und Zuversicht (nicht ohne Grund ist Steve Rodgers nicht der einzige, der das Kostüm tragen wird). Aber gerade die Ereignisse im Winter Soldier, allen voran S.H.I.E.L.D. unterwandert von HYDRA und enttarnt als von innen heraus gelenkte Schattenarmee des ureigenen Feindes, lassen ihn in eine tiefe Glaubenskrise fallen. Für Rodgers bricht dadurch seine Welt zusammen und alles, woran er bisher glaubte, zerfällt zu Staub. Ihm werden die Fundamente all seiner Überzeugung entrissen und folglich wächst sein Misstrauen gegenüber staatlicher Autorität immer weiter. Eine seiner größten Ängste ist es, erneut als Marionette zu enden, manipuliert von einer staatlichen Obrigkeit in bequemen Ledersesseln mit undurchschaubarer Agenda. Zudem ist Rodgers letztlich ein Produkt des Krieges, erschaffen als Lösung für einen unmenschlichen Konflikt, aber in Friedenszeiten ist er ein Held ohne Legitimation und ohne Krieg hat seine Existenz keinen Sinn. Zu seiner Glaubenskrise gesellt sich also zusätzlich noch eine umfassende Sinnkrise. Keine Frage, Civil War verliert nie den Fokus auf seine Titelfigur, deren Desillusion über die Regierung im scharfen Kontrast zu seinem Ruf als Amerikas strahlender Held steht. Tony Stark hingegen ist auch nicht mehr der smarte Milliardär von einst und von seinen flotten Sprüchen und seiner charmant-arroganten Überheblichkeit ist nur noch wenig zu spüren. Vielmehr wird er nun mit den Folgen seiner eigenen Hybris konfrontiert, dem Auslöser der katastrophalen Ereignisse in Age of Ultron, und fühlt sich alles andere als heldenhaft. Folglich tritt er ein für die staatliche Legitimation und Regulierung  der Avengers, ist bereit, Verantwortung in fremde Hände zu geben, auch wenn das letztlich bedeutet, Freiheit aufzugeben. Zu sehr ist er geplagt von Gewissensbissen und den zahllosen zivilen Verlusten auch durch sein Eingreifen in den letzten Jahren.

 

 

 

„I know we’re not perfect, but the safest hands are still our own.“

 

 

 

Obwohl Captain America: Civil War mit einer Vielzahl an Figuren aufwartet, altbekannte Charaktere weiterentwickelt, neue einführt, verschiedene Handlungsstränge fortführt und für eine handvoll demnächst anstehender Filme im MCU den Weg bereitet, wirkt er in seiner Struktur erstaunlich homogen und nie überladen oder überfrachtet. Das liegt zum einen daran, dass jede, aber wirklich auch jede Figur genügend Raum bekommt, um nicht zum eindimensionalen Abziehbild zu verkommen und allen ihr ganz eigener Moment zugestanden wird, um sich entfalten zu können. Kein Charakter wirkt deplatziert oder in seinen Aktionen sinnbefreit, alles hat seinen Platz und seine Bewandtnis innerhalb des Handlungsbogens und bringt immer auch die Story voran, so dass nie erzählerischer Leerlauf entstehen kann. Auch die neuen Helden im MCU wie Black Panther und nun auch Spider Man, aber auch der ja bereits eingeführte Ant Man, kommen keineswegs zu kurz und machen definitiv Lust auf ihre demnächst folgenden Soloausflüge. Zudem zeichnet sich Civil War durch einen für sein Genre etwas ungewöhnlichen Rhythmus aus, platziert der Film doch seine größte und spektakulärste Actionszene, nämlich die Konfrontation beider Lager auf dem Leipziger Flughafen, relativ mittig in seinem Verlauf und bricht so mit der sonst üblichen Erzählstruktur solcher großen Comic-Blockbuster, die sich ihre größte Schlacht doch meist für den letzten Akt aufbewahren. Das tatsächliche Finale in Civil War versteht es dann auch deutlich intimere Akzente zu setzen als man vielleicht erwarten würde und durch die geschickte Verlagerung der Höhepunkte und die sehr fokussierte Erzählweise, die immer wieder mit guten Charaktermomenten oder kleineren Actioneinlagen überzeugt und deren grundlegend ernster Ton auch mit einigen witzigen Szenen aufgelockert wird, fühlt sich Marvels mit einer Laufzeit von rund 146 Minuten längster Film an wie ihr kürzester. Zudem sind die Actionszenen durchgängig die wohl bisher besten, welche ein Marvelfilm aufzubieten hatte. Sie setzen Maßstäbe und loten das Machbare aus, halten aber gleichzeitig auch Maß. Trotz der enormen Fülle an Superhelden, die vor allem im inszenatorischen Höhepunkt am Leipziger Flughafen aufeinander treffen, ist es erfrischend, dass die Regisseure keine zerstörten Straßenzüge oder emporsteigende Landmassen brauchen, um die Gewichtigkeit des Konfliktes deutlich zu machen. Die Kampfszenen sind überraschend einfallsreich und kreativ und durch die Zusammenarbeit mit Chad Stahelski und David Leitch als Second Unit Directors deutlich intensiver und körperlicher als jemals zuvor im MCU. Kein Wunder, haben die beiden doch jahrelange Erfahrung als Stuntkoordinatoren und mit ihrem Regiebedüt John Wick einen schnörkellosen, temporeichen und spektakulär inszenierten Actionfilm in ihrem Portfolio. Natürlich erreicht die Action in Civil War nicht solche Dimensionen wie in John Wick, der einen unfassbar hohen Bodycount zu verzeichnen hat, aber sie ist deutlich spürbar direkter und druckvoller, rauer und sehr präzise auf den Punkt umgesetzt, was dem Tempo des Filmes unglaublich zu gute kommt und hervorragend mit dem eher ernsten Grundton harmoniert.

 

Zweifellos ist Captain America: Civil War der bisher gelungenste und beste, aber auch der erzählerisch stringenteste und reifste Film des MCU (Guardians of the Galaxy lasse ich da jetzt einmal bewusst außen vor, stößt der Film doch noch in völlig andere Dimensionen vor). Es ist faszinierend zu beobachten, wie die in Captain America: The Winter Soldier ausgelegte Saat nun vollkommen aufgeht und lose Handlungsstränge jetzt zusammengeführt werden. Die Russo-Brüder jonglieren mit einer geradezu verblüffenden Leichtigkeit mit der Vielzahl an Figuren und Helden, ohne je den Fokus auf ihre Geschichte zu verlieren und ohne dass jemals das Gefühl der Überfrachtung aufkommt, denn jeder Charakter bekommt seinen tragenden Moment. Zudem halten sich der ernste Grundton, die rasante und sehr präzise Action und auch humorvolle Elemente gekonnt in einer stimmigen Balance, so dass Civil War trotz seiner Laufzeit nie langweilig wird und erstaunlich kurzweilig wirkt. Was den Film letztlich aber für mich ganz besonders gelungen erscheinen lässt, ist der konsequente Mut, seinen grundlegenden Konflikt eben nicht zu Gunsten einer billigen Wendung im Drehbuch einfach aufzulösen und man dem Zuschauer zutraut, sehr wohl für sich selbst entscheiden zu können.

 

9 von 10 moralischen Zwickmühlen