Meine zehn liebsten Serien

27. August 2016 at 12:30

 

 

 

Passend zu dem sommerlichen Wetter gibt es heute nur eine kleine Liste für zwischendurch, leicht und bekömmlich. Zu mehr ist mein Kopf im Moment ohnehin nicht in der Lage, von daher legen wir doch einfach gleich los mit meinen zehn liebsten Serien.

 

Achja, wer mich kennt, dem sollte es nicht allzu schwer fallen, meine Nummer 1 zu erraten 😀

 

 

 

 

10.

Farscape (1999–2003)
Farscape poster Rating: 8.3/10 (26,793 votes)
Director: N/A
Writer: Rockne S. O'Bannon
Stars: Ben Browder, Claudia Black, Anthony Simcoe, Lani John Tupu
Runtime: 50 min
Rated: TV-14
Genre: Adventure, Drama, Sci-Fi
Released: 19 Mar 1999
Plot: Thrown into a distant part of the universe, an Earth astronaut finds himself part of a fugitive alien starship crew.

 

 

 

9.

Space: Above and Beyond (1995–1996)
Space: Above and Beyond poster Rating: 7.7/10 (6,275 votes)
Director: N/A
Writer: Glen Morgan, James Wong
Stars: Morgan Weisser, Kristen Cloke, Rodney Rowland, Joel de la Fuente
Runtime: 60 min
Rated: N/A
Genre: Drama, Sci-Fi
Released: 24 Sep 1995
Plot: The Earth is embroiled in a desperate war against alien invaders, and this series focuses on one squadron of Marine pilots involved in it.

 

 

 

8.

Picket Fences (1992–1996)
Picket Fences poster Rating: 7.8/10 (2,914 votes)
Director: N/A
Writer: David E. Kelley
Stars: Tom Skerritt, Kathy Baker, Costas Mandylor, Lauren Holly
Runtime: 120 min
Rated: N/A
Genre: Drama
Released: 18 Sep 1992
Plot: An aging sheriff tries to keep the peace in a small town plagued by bizarre and violent crimes.

 

 

 

7.

True Detective (2014–)
True Detective poster Rating: 9.1/10 (305,372 votes)
Director: N/A
Writer: Nic Pizzolatto
Stars: Matthew McConaughey, Colin Farrell, Woody Harrelson, Rachel McAdams
Runtime: 55 min
Rated: TV-MA
Genre: Crime, Drama, Mystery
Released: 12 Jan 2014
Plot: An anthology series in which police investigations unearth the personal and professional secrets of those involved, both within and outside the law.

 

Das bezieht sich allerdings lediglich auf die erste Staffel 😉

 

 

 

6.

Firefly (2002–2003)
Firefly poster Rating: 9.1/10 (187,745 votes)
Director: N/A
Writer: Joss Whedon
Stars: Nathan Fillion, Gina Torres, Alan Tudyk, Morena Baccarin
Runtime: 44 min
Rated: TV-14
Genre: Adventure, Drama, Sci-Fi
Released: 20 Sep 2002
Plot: Five hundred years in the future, a renegade crew aboard a small spacecraft tries to survive as they travel the unknown parts of the galaxy and evade warring factions as well as authority agents out to get them.

 

♥  Leider gab es nur eine einzige Staffel und einen zumindest versöhnlichen Kinofilm ♥

 

 

 

5.

The Shield (2002–2008)
The Shield poster Rating: 8.7/10 (55,230 votes)
Director: N/A
Writer: Shawn Ryan
Stars: Michael Chiklis, Catherine Dent, Walton Goggins, Michael Jace
Runtime: 47 min
Rated: TV-MA
Genre: Crime, Drama, Thriller
Released: 12 Mar 2002
Plot: The story of an inner-city Los Angeles police precinct where some of the cops aren't above breaking the rules or working against their associates to both keep the streets safe and their ...

 

 

 

4.

Twin Peaks (1990–1991)
Twin Peaks poster Rating: 8.9/10 (109,848 votes)
Director: N/A
Writer: Mark Frost, David Lynch
Stars: Kyle MacLachlan, Michael Ontkean, Mädchen Amick, Dana Ashbrook
Runtime: 47 min
Rated: TV-MA
Genre: Crime, Drama, Mystery
Released: 08 Apr 1990
Plot: An idiosyncratic FBI agent investigates the murder of a young woman in the even more idiosyncratic town of Twin Peaks.

 

 

 

3.

Six Feet Under (2001–2005)
Six Feet Under poster Rating: 8.8/10 (89,022 votes)
Director: N/A
Writer: Alan Ball
Stars: Peter Krause, Michael C. Hall, Frances Conroy, Lauren Ambrose
Runtime: 55 min
Rated: TV-MA
Genre: Drama
Released: 03 Jun 2001
Plot: A drama series that takes a darkly comical look at members of a dysfunctional California family that runs an independent funeral home.

 

 

 

2.

The Wire (2002–2008)
The Wire poster Rating: 9.4/10 (190,278 votes)
Director: N/A
Writer: David Simon
Stars: Dominic West, John Doman, Deirdre Lovejoy, Wendell Pierce
Runtime: 59 min
Rated: TV-MA
Genre: Crime, Drama, Thriller
Released: 02 Jun 2002
Plot: Baltimore drug scene, seen through the eyes of drug dealers and law enforcement.

 

 

 

1.

The Sopranos (1999–2007)
The Sopranos poster Rating: 9.2/10 (190,061 votes)
Director: N/A
Writer: David Chase
Stars: James Gandolfini, Lorraine Bracco, Edie Falco, Michael Imperioli
Runtime: 55 min
Rated: TV-MA
Genre: Crime, Drama
Released: 10 Jan 1999
Plot: New Jersey mob boss, Tony Soprano, deals with personal and professional issues in his home and business life.

 

 

 

 

The Island of Dr. Moreau

21. August 2016 at 18:06

 

 

© New Line Cinema

 

 

 

„I have seen the devil in my microscope, and I have chained him.“

 

 

 

Edward Douglas wird nach einem Flugzeugabsturz von dem freundlichen wie merkwürdigen Montgomery mit seinem kleinen Boot aus dem Meer gefischt, so vor dem Tode bewahrt und auf eine abgelegene, kleine Insel gebracht. Dort lebt zurückgezogen der Nobelpreisträger Dr. Moreau und geht ungestört seinen Experimenten nach. Gemeinsam mit Montgomery, die sich als ehemaliger Neurochirurg mit brillanter Zukunft entpuppt, hat der verrückte, aber geniale Wissenschaftler eine Rasse aus genetisch manipulierten Wesen erschaffen, die halb Tier und halb Mensch sind. Seiner Schöpfung gegenüber tritt Dr. Moreau ausgesprochen arrogant auf, inszeniert sich als gottgleich und unterwirft sie seinem Willen. Douglas wird zwar zuvorkommend aufgenommen und anständig behandelt, ist aber gleichzeitig auch Gefangener und darf die Insel nicht verlassen, damit die Experimente nicht der Öffentlichkeit zugetragen werden können. Doch gerade, als er sich mit der Situation abzufinden beginnt, rebellieren die Tier-Mensch-Wesen und proben den  Aufstand, um endlich ihren freien Willen ausleben zu können. Ehe sich Douglas versieht, gerät er zwischen die Fronten und muss um sein Leben kämpfen.

 

Was soll man zu diesem filmischen Machwerk nur sagen? The Island of Dr. Moreau ist sowohl vor der Kamera als auch hinter den Kulissen ein absolutes Debakel, ein Zelluloid gewordenes Fiasko in jeglicher Hinsicht. Und ich liebe diesen Film. Tief in meinem Filmherzen gibt es einen Platz, reserviert nur für diese nicht ganz 100 Minuten Wahnsinn, Chaos und fehlgeleitete Eitelkeiten, und ich kann nicht einmal genau bestimmen, warum. Es gibt im Grunde keine gemeinsame Geschichte zwischen dem Film und mir, der 1996 ins Kino kam. Da ist keine jugendliche Erinnerung an ihn, die eine heute verklärte Sicht vielleicht erklären könnte, und der Film kam mir vermutlich eher als Randnotiz Ende der 90er Jahre irgendwann im TV unter. Dennoch liebe ich heute The Island of Dr. Moreau, auch wenn ich ihn keinesfalls als einen meiner Lieblingsfilme betrachten würde. Das ist eine ganz merkwürdige, ausgesprochen irrationale Liebe und dieser Text der Versuch einer Aufarbeitung. Es ist beinahe unmöglich, den Film losgelöst von seiner chaotischen Entstehungsgeschichte zu betrachten, ist sie doch ein wichtiger Bestandteil des Ergebnisses der Dreharbeiten, allgegenwärtig und zu jeder Sekunde spürbar. Alles beginnt mit dem jungen und talentierten Regisseur Richard Stanley, dem es nach seinen beiden kleinen, aber sehr gelungenen Filmen Hardware (1990) und Dust Devil (1992) endlich gelingen sollte, sein Wunschprojekt von New Line Cinema finanziert zu bekommen. Insgesamt vier Jahre hatte Stanley an seiner Vision des Romanes von H.G. Wells gearbeitet und nun sollte er sie mit großem Budget und gespickt mit Stars wie Marlon Brando und Val Kilmer endlich umsetzen dürfen. Dummerweise und zu seinem Leidwesen wurde er nach nur drei Drehtagen entlassen. Gründe dafür gab es einige, die meisten davon waren ziemlich offensichtlich und nicht alle, vielmehr die wenigsten, seine eigene Schuld. Der schlecht gewählte Drehort, weit abgelegen von jeglicher Zivilisation und ein logistischer Albtraum, war da nur der Anfang und wurde gefolgt von einem Hurricane, der das Set verwüstete. Val Kilmer beschloss plötzlich, doch keine Lust auf den Film zu haben, sabotierte das Projekt an allen Ecken und Enden und benahm sich wie ein Grundschüler, wohl wissend, dass er mit seiner Starpower am deutlich längeren Hebel saß als der junge und unerfahrene Regisseur und ihn das Studio sowieso nicht würde gehen lassen. Der ohnehin schon berüchtigte und als schwierig geltende Marlon Brando tauchte zunächst tagelang gar nicht auf und lieferte sich dann einen regelrechten Kleinkrieg mit Kilmer. Da prallten zwei enorm aufgeblasene Egos aufeinander, die manchmal für ganze Tage die Dreharbeiten lahm legten mit ihren kindischen Spielereien. Zudem begann Brando willkürlich zu improvisieren, warf ganze Szenen um, steigerte sich zusehends in immer mehr exzentrische Marotten oder vergab gleich ganze Dialoge an andere Darsteller und degradierte Marco Hofschneider von einer Nebenrolle zum Statisten, um stattdessen den kleinwüchsigen Nelson de la Rosa zu protegieren. Der Moment im Film, als er einen mit Eis gefüllten Blecheimer auf dem Kopf trägt, der entsprang nichts anderem als dem Umstand, dass er sich langweilte. Die zahlreichen Nebendarsteller, unter anderem Ron Perlman und Marc Dacascos, fügten sich in das Chaos am Set, feierten ausschweifende Partys und versuchten, das beste daraus zu machen, dass aus einigen Wochen Drehzeit in der Wildnis annähernd ein halbes Jahr wurde. Nachdem Richard Stanley das Vertrauen in sein Wunschprojekt vom Studio entzogen und er entlassen wurde, sollte John Frankenheimer den Film machen, der sich seine Rettungsaktion zwar fürstlich bezahlen ließ, aber gleichzeitig keinen Hehl daraus machte, absolut kein Interesse weder an dem Stoff, noch am Drehbuch und schon gar nicht an Visionen und Befindlichkeiten anderer zu haben. Mit Kilmer hatte auch er so seine Probleme, wusste ihn aber anders anzugehen. Nachdem die letzte Szene mit Kilmer abgedreht war, ließ er ihn mit den Worten „Cut. Now get that bastard off my set.“ vom Drehort entfernen. Später sollte er über Kilmer sagen: „I don’t like Val Kilmer, I don’t like his work ethic, and I don’t want to be associated with him ever again.“

 

Aber die zweifellos bekannteste und am meisten kolportierte Anekdote über die chaotischen Dreharbeiten ist wohl die von Richard Stanley, der nach seiner Entlassung statt den Drehort zu verlassen deprimiert durch die Wildnis irrte und bei einem dort lebenden Abenteurer unterkam, nur um später unerkannt auf das Set zurückzukehren und sich als Hundewesen in das Finale des Filmes schmuggeln konnte. „I decided to come back as a melting bulldog,“ sollte er sich später in der Dokumentation Lost Soul: The Doomed Journey of Richard Stanley´s Island of Dr. Moreau (2014) erinnern. „I didn’t know Frankenheimer or the assistant directors, so they didn’t recognize me.“ Schaut man sich diese Dokumentation an, wird schnell deutlich, was für ein Meisterwerk der Film hätte werden können, denn wenn Richard Stanley zu Wort kommt, die interessanten Verbindungen zu Joseph Conrads Heart of Darkness aufzeigt und alte Konzeptzeichnungen ausgräbt, dann lässt sich erahnen, was für ein ambitioniertes und visionäres Projekt er eigentlich hatte realisieren wollen. Wie anfangs bereits erwähnt, es ist schwierig, den Film The Island of Dr. Moreau losgelöst von seiner Entstehungsgeschichte zu betrachten. Denn all dieses Chaos, all dieser Wahnsinn, das annähernd psychotische Verhalten seiner beiden Stars Brando und Kilmer, Richard Stanley´s Entlassung und heimliche Rückkehr ans Set, die Widrigkeiten der Natur, die Neubesetzung der Regie mit John Frankenheimer, die zahllosen neuen Fassungen des Drehbuches, all das fängt der Film letztlich perfekt ein und spiegelt es wieder. Und das ist dann auch letztlich die Ironie des Ganzen, denn The Island of Dr. Moreau ist ein Film geworden, der in dieser Form dem ursprünglichen Thema Wahnsinn viel näher kommt, als es den Beteiligten vermutlich lieb sein dürfte und ist insofern, wenn auch eher unfreiwillig, die vermutlich beste filmische Adaption von H.G. Wells Roman. Eine gelungenere Version des Filmes hätte das wohl kaum so erreichen können. Mehr als in den vorangegangenen Verfilmungen von Wells‘ Roman hat man den Eindruck, dass die beiden Wissenschaftler über ihrer Arbeit komplett den Verstand verloren haben. Jede Moral, jede Orientierung ist auf der Strecke geblieben. Im letztlich vollkommen überbordenden Finale, wenn Dr. Moreau seinen eigenen Schöpfungen zum Opfer fällt, wenn Montgomery sich halbnackt im Drogenrausch als dessen Nachfolger inszeniert, wenn die Tiermenschen mit Maschinengewehren bewaffnet in Jeeps durch die Settings rauschen und die Anarchie und das Chaos den die ganze Zeit über volltrunken am Abgrund entlang taumelnden Film endgültig gefangen nehmen und nicht mehr loslassen werden, genau dann hat man das Gefühl, dass The Island of Dr. Moreau ganz bei sich ist. Und dafür liebe ich diesen Film.

 

The Island of Dr. Moreau ist weit davon entfernt ein guter oder gelungener Film zu sein und formal betrachtet in beinahe allen Aspekten eine Katastrophe, aber er ist eben auch ein perfekter Spiegel seiner Entstehung und somit ein wahrlich untrügerisches Abbild eben jenes Wahnsinns. Das ist es, was den Film dann letztlich auch ganz nah an den Kern von H.G. Wells Geschichte dringen lässt, unfreiwillig natürlich, aber zutiefst wahrhaftig. Ich bin mir vollkommen sicher, dass eine weniger chaotische Produktion einfach nur einen schlechten Film zum Ergebnis gehabt hätte. So aber ist The Island of Dr. Moreau das Film gewordene Zeugnis seines ganz eigenen Wahnsinns. Ein Film, der sich herkömmlichen Bewertungen entzieht. Ein Film, den man gesehen haben muss, um seine vollständige Tragweite zu begreifen.

 

 

Zitat des Tages

18. August 2016 at 22:37

 

 

 

„Imagination will often carry us to worlds that never were. But without it we go nowhere.“

 

 

 

 

10 Cloverfield Lane

17. August 2016 at 23:58

 

 

© Paramount Pictures

 

 

 

„People are strange creatures. You can’t always convince them that safety is in their best interest.“

 

 

 

Nach einem Autounfall wacht die junge Michelle verletzt und angekettet auf einer Matratze in einem kleinen Raum ohne Fenster auf. Ihr Versuch sich befreien wird unterbrochen, als ein Mann namens Howard den Raum betritt und erklärt, sie vor einem chemischen oder nuklearen Angriff gerettet zu haben. Nur in seinem unterirdischen Bunker sei sie sicher, die Außenwelt vergiftet und die Menschheit größtenteils ausgelöscht. Doch sagt Howard wirklich die Wahrheit? Michelle kommen nach und nach immer mehr Zweifel an den Aussagen des eigenartigen Mannes…

 

Wo Matt Reeves in seinem Film Cloverfield vor acht Jahren noch halb New York inklusive der Freiheitsstatue in Schutt und Asche legte, da setzt Dan Trachtenberg mehr auf eine dichte Atmosphäre der Spannung und eine sehr ausgeprägte Charakterzeichnung. Aus dem Nichts wurde Anfang des Jahres sein Film 10 Cloverfield Lane angekündigt und kam bereits kaum zwei Monate später in die Kinos. Das von den Fans erwartete Sequel oder Prequel zu Cloverfield wurde der Film dann aber doch nicht, sondern Trachtenberg geht sehr viel lieber ganz eigene Wege. Letztlich ist 10 Cloverfield Lane dann auch eher als eine Variation des Monster-Themas zu betrachten, als Teil einer Art Anthologie lose verknüpfter, thematisch aber eher unähnlicher Genrefilme zusammengefasst unter dem Stichwort Cloverfield, denen sicherlich noch weitere Einträge folgen werden. Mehr noch als in Cloverfield geht es in 10 Cloverfield Lane nicht um ein oder mehrere Monster als solche, sondern vielmehr darum, wofür diese Monster sinnbildlich stehen, denn sie treten in vielen Formen auf und in seinem Facettenreichtum ist der Verschwörungstheoretiker Howard eine klug geschriebene und geschickt weiter gedachte Betrachtung zum Zustandes eines Landes in Angst. In Anbetracht der Tatsache, dass 10 Cloverfield Lane das Regiedebüt von Trachtenberg ist, überrascht es ein wenig, wie stilsicher und selbstbewusst er sein Kammerspiel rund um Angst, Misstrauen und Paranoia langsam vor dem Zuschauer ausbreitet. Allein die ersten fünfzehn Minuten sind enorm stark inszeniert und auch der Rest (bis auf das Finale, aber dazu kommen wir noch) bewegt sich durchgängig auf sehr hohem Niveau. Das Setting ist zwar naturgemäß sehr begrenzt, aber 10 Cloverfield Lane weiß trotzdem optisch zu überzeugen, erweist sich als visuell sehr vielseitig und ist ein Musterbeispiel für visuelles Storytelling. Nicht alles muss auch ausgesprochen werden, der Zuschauer nicht immer an die Hand genommen werden, denn auch ohne sein Publikum für dumm zu halten, versteht es der Film, sehr genau auszudrücken worum es ihm geht. Obwohl wir die Geschehnisse im Bunker aus der Perspektive von Michelle erleben, ist doch John Goodman als Howard nicht nur darstellerisch, sondern vor allem auch inhaltlich ein zentrales Element der Geschichte, denn ebenso wenig wie Michelle weiß auch der Zuschauer nicht, wie er ihn einordnen soll, pendelt er doch ständig zwischen psychisch labilem Verschwörungstheoretiker und überfürsorglicher Vaterfigur, zwischen verzerrter Familienidylle und plötzlichen Wutausbrüchen. Lügt Howard oder doch nicht? Ist er seiner Paranoia erlegen oder ist die Außenwelt wirklich verseucht? Oder steckt etwas ganz anderes dahinter? Sehr geschickt streut das Drehbuch von Josh Campbell und Damien Chazelle immer wieder widersprüchliche Hinweise auf Howards Motive und auch auf dessen Vergangenheit, lange bleibt die tatsächliche Wahrheit unklar und der Zuschauer ebenso im Dunkeln wie Michelle.

 

 

 

„Crazy is building your ark after the flood has already come.“

 

 

 

Darüber hinaus aber hat 10 Cloverfield Lane noch einige interessante Ebenen mehr zu bieten, denn so selbstbewusst Trachtenberg seinen Erstling inszeniert, so vielschichtig verhandelt er auch seine weiteren psychologischen Aspekte. So mischt sich eine nicht unwesentliche Spur von Melancholie unter die unterschwellige Anspannung, wenn Michelle, Howard und Emmett in dem überraschend wohnlichen Gemeinschaftsraum des Bunkers gemeinsam essen, Monopoly spielen, Puzzle legen und 60er Jahre-Songs aus der Jukebox hören. Die Brettspiele, die Jukebox, VHS-Bänder, alte Zeitschriften, all das steht auch für eine rückwärts gewandte Wahrnehmung der Welt, die vornehmlich Howard zuzuschreiben ist, aber durchaus auch Michelle und Emmet anhaftet, wenn sie vom Bedauern geplagt werden, alte Fehler nicht wieder gut machen zu können. Aber Howard steht klar im Vordergrund als eine Art Bewahrer vergangener Werte und Traditionen. Früher war eben alles besser. Dass früher doch nicht alles besser, sondern vielleicht einfach nur anders war, diese Frage stellt sich für ihn gar nicht erst. Howard erfüllt aber darüber hinaus noch eine weitere Funktion in Trachtenbergs ausgefeiltem Psychogramm dreier Menschen in einer Extremsituation, denn durch seinen Kontrollzwang stellt er zugleich geschickt die Frage wie weit staatliche Überwachung zum Schutz der Bürger gehen darf und auf wieviel Freiheit das Individuum im Gegenzug für Sicherheit verzichten muss. Howard lässt Michelle buchstäblich nicht einmal allein auf die Toilette gehen und wundert sich anschließend, dass das Unverständnis und Ablehnung auslöst, will er doch nur Sicherheit gewährleisten. Obwohl Howard eine viel Raum einnehmende Figur ist, so ist doch letztlich Michelle der Dreh – und Angelpunkt in 10 Cloverfield Lane, denn über weite Strecken ist es ihre Geschichte, die erzählt wird, und es ist ihre Charakterentwicklung, die im Vordergrund steht. Knüpfend an die Erlebnisse aus ihrer Kindheit, von denen sie Emmet berichtet, entwickelt sich ihr Kampf im Bunker nicht nur in den ums Überleben, sondern steht sinnbildlich auch für die Befreiung aus einer missbräuchlichen und zerstörerischen Unterdrückung, beginnt sie doch, die Fesseln ihrer Vergangenheit abzuschütteln und reift mit dem Verlauf des Handlungsbogens zu einer Entschlossenheit und Handlungsfähigkeit, die sie noch zu Beginn des Filmes nicht ihr eigen nennen konnte. Angesichts dieser Charakterentwicklung von Michelle erscheint das Finale in seiner inszenatorischen Ausprägung im Grunde nur logisch und konsequent, schießt aber dann leider auch sehr über das Ziel hinaus und hätte dem Film in einer etwas subtileren Form deutlich besser gestanden. Mehr kann ich an dieser Stelle nicht in die Tiefe gehen, ohne zuviel zu verraten, also schaut euch den Film an und bildet euch euer eigenes Urteil.

 

Hut ab! Mit 10 Cloverfield Lane ist Regisseur Dan Trachtenberg ein beachtliches Debüt gelungen. Spannend, mit enorm dichter Atmosphäre und mit gleich mehreren psychologischen Subtexten versehen, präsentiert er sein Kammerspiel um Angst und Paranoia erstaunlich selbstbewusst und zielorientiert und versteht es, den Zuschauer lange über die Wahrheit im Unklaren zu lassen. Leider kann das Finale das hohe Niveau nicht mehr ganz aufrecht halten und hätte ruhig etwas zurückhaltender ausfallen dürfen. Letztlich aber sind das nur Abzüge in der B-Note, denn 10 Cloverfield Lane ist über weiter Strecken so gut geraten, dass es abschließend kaum noch ins Gewicht fällt.

 

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