Mein Ranking der X-Men-Filme

27. September 2016 at 19:08

 

 

 

„Mutation: it is the key to our evolution. It has enabled us to evolve from a single-celled organism into the dominant species on the planet. This process is slow, and normally taking thousands and thousands of years. But every few hundred millennia, evolution leaps forward.“

 

 

 

In den letzten Tagen habe ich recht viel Zeit im filmischen Kosmos der X-Men verbracht, denn im Zuge von X-Men: Apocalypse habe ich viele der Filme erneut gesichtet. Die X-Men-Reihe ist eine meiner liebsten des Superhelden-Genres, auch weil sie lange vor Christopher Nolans Batman eine Ernsthaftigkeit an den Tag legte, welche es so vorher noch nicht gab und Themen wie Rassismus, Ausgrenzung und gesellschaftliche Isolation verhandelt. Auch mag ich sehr, dass sich die Geschichten (bis nun Apocalypse) eher im kleinen Rahmen bewegen denn im großen, und eben nicht ständig die gesamte Welt gerettet werden muss. Zudem bietet die Reihe einige sehr spannende und faszinierende Charaktere und jede Menge Konfliktpotential zwischen den Figuren. Allen voran natürlich Charles Xavier/Prof. X und Erik Lehnsherr/Magneto, die beide in ihrer jeweiligen Inkarnation grandios von James McAvoy und Patrick Stewart sowie Michael Fassbender und Ian McKellen verkörpert werden. Beide sind weit mehr als einfach nur Protagonist und Antagonist, sie verbindet mehr als das, sie haben eine lange, gemeinsame Geschichte, sind im Grunde Freunde, Weggefährten voller Respekt dem anderen gegenüber und haben beide auch das gleiche Ziel. Lediglich ihre Herangehensweise unterscheidet sich, sucht doch der eine Frieden und Koexistenz und der andere hingegen zur Not den kriegerischen Konflikt. Ich könnte an dieser Stelle noch ewig weiter machen und über Wolverine schwadronieren, über Jean Grey und Cyclops, Storm, Rogue und all die anderen, aber das führt definitiv zu weit. Deshalb jetzt mein Ranking der sechs Filme, bei dem ich die beiden Wolverine-Ableger ganz bewusst aus nur allzu offensichtliche Gründen außen vor lasse.

 

 

 

6.

X-Men: The Last Stand (2006)
X-Men: The Last Stand poster Rating: 6.8/10 (385,269 votes)
Director: Brett Ratner
Writer: Simon Kinberg, Zak Penn
Stars: Hugh Jackman, Halle Berry, Ian McKellen, Patrick Stewart
Runtime: 104 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Fantasy
Released: 26 May 2006
Plot: When a cure is found to treat mutations, lines are drawn amongst the X-Men, led by Professor Charles Xavier, and the Brotherhood, a band of powerful mutants organized under Xavier's former ally, Magneto.

 

 

 

5.

X-Men (2000)
X-Men poster Rating: 7.4/10 (456,039 votes)
Director: Bryan Singer
Writer: Tom DeSanto (story), Bryan Singer (story), David Hayter (screenplay)
Stars: Hugh Jackman, Patrick Stewart, Ian McKellen, Famke Janssen
Runtime: 104 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Released: 14 Jul 2000
Plot: Two mutants come to a private academy for their kind whose resident superhero team must oppose a terrorist organization with similar powers.

 

 

 

4.

X-Men: Apocalypse (2016)
X-Men: Apocalypse poster Rating: 7.3/10 (156,549 votes)
Director: Bryan Singer
Writer: Simon Kinberg (screenplay), Bryan Singer (story), Simon Kinberg (story), Michael Dougherty (story), Dan Harris (story)
Stars: James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence, Nicholas Hoult
Runtime: 144 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Released: 27 May 2016
Plot: After the re-emergence of the world's first mutant, world-destroyer Apocalypse, the X-Men must unite to defeat his extinction level plan.

 

 

 

3.

X-Men: Days of Future Past (2014)
X-Men: Days of Future Past poster Rating: 8.0/10 (518,276 votes)
Director: Bryan Singer
Writer: Simon Kinberg (screenplay), Jane Goldman (story), Simon Kinberg (story), Matthew Vaughn (story)
Stars: Hugh Jackman, James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence
Runtime: 132 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Released: 23 May 2014
Plot: The X-Men send Wolverine to the past in a desperate effort to change history and prevent an event that results in doom for both humans and mutants.

 

 

 

2.

X-Men 2 (2003)
X-Men 2 poster Rating: 7.5/10 (407,921 votes)
Director: Bryan Singer
Writer: Zak Penn (story), David Hayter (story), Bryan Singer (story), Michael Dougherty (screenplay), Dan Harris (screenplay), David Hayter (screenplay)
Stars: Patrick Stewart, Hugh Jackman, Ian McKellen, Halle Berry
Runtime: 134 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Fantasy
Released: 02 May 2003
Plot: The X-Men band together to find a mutant assassin who has made an attempt on the President's life, while the Mutant Academy is attacked by military forces.

 

 

 

1.

X-Men: First Class (2011)
X-Men: First Class poster Rating: 7.8/10 (522,047 votes)
Director: Matthew Vaughn
Writer: Ashley Miller (screenplay), Zack Stentz (screenplay), Jane Goldman (screenplay), Matthew Vaughn (screenplay), Sheldon Turner (story), Bryan Singer (story)
Stars: James McAvoy, Laurence Belcher, Michael Fassbender, Bill Milner
Runtime: 132 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Released: 03 Jun 2011
Plot: In 1962, the United States government enlists the help of Mutants with superhuman abilities to stop a malicious dictator who is determined to start World War III.

 

 

 

 

 

X-Men: Apocalypse

26. September 2016 at 23:31

 

 

© 20th Century Fox

 

 

 

„You are all my children, and you’re lost because you follow blind leaders. These false gods, systems of the weak, they’ve ruined my world. No more.“

 

 

 

Im Kairo des Jahres 1983 wird der uralte und übermächtige Mutant Apocalypse aus Jahrtausende andauernder Gefangenschaft befreit und auf eine hilflose Menschheit losgelassen. Angewidert von dem, was aus seiner Welt geworden ist, beschließt er, die Welt zu zerstören um aus ihren Trümmern eine neue Ordnung nach seinem Bild zu erschaffen. Dazu versammelt er vier potentiell sehr mächtige Mutanten inklusive Magneto um sich, aber um seinen Plan vollends verwirklichen zu können, braucht er auch die Kräfte von Professor Charles Xavier. Allein dieser und seine X-Men sind die vielleicht einzigen, die Apocalypse jetzt noch aufhalten könnten und so entbrennt ein Kampf um die Existenz der Menschheit.

 

„Well, at least we can all agree the third one’s always the worst.“ Ich gebe zu, dass ich es mir ein wenig leicht mache, wenn ich diese Rezension mit jenem Zitat der jungen Jean Grey beginne, aber es ist einfach viel zu verlockend, um es nicht zu nutzen. Im Film selbst fällt dieser Satz nach einem Kinobesuch von Star Wars: Episode VI – Return of the Jedi und es bedarf nicht allzu viel Fantasie, um darin einen ironischen und augenzwinkernden Seitenhieb von Regisseur Bryan Singer gegen Brett Ratners X-Men: The Last Stand von 2006 zu erkennen, dem zweifellos bisher schlechtesten Beitrag der gesamten Reihe. Aber diesem Satz wohnt auch eine gewisse unbeabsichtigte Ironie inne, denn auch X-Men: Apocalypse vermag das Niveau seiner beiden Vorgänger First Class und Days of Future Past nicht immer zu halten. Zudem haben wir es mit einer Prequel-Trilogie zu tun, welche gerade in Bezug auf ihren Ursprung über weite Strecken gut bis sehr gut funktioniert, was im Falle von Star Wars auf Episode I-III nun mal überhaupt nicht zutrifft. First Class war ein mehr als nur gelungener, sehr guter Auftakt zur Wiederbelebung der nach The Last Stand eigentlich toten Reihe und in meinen Augen der beste Film im X-Men-Universum bisher, aber kommerziell nicht unbedingt der große Wurf, weshalb Bryan Singer nach X-Men und X-Men 2 dann für X-Men: Days of Future Past die Regie von Matthew Vaughn wieder übernahm und nun auch für Apocalypse hinter der Kamera steht. Und nach den beiden Vorgängern der Prequel-Trilogie beschließt Bryan Singer nun endgültig den mit First Class begonnenen, selbstmetaphorischen Akt der Neuordnung des X-Men-Universums, der bereits in Days of Future Past seinen Höhepunkt erreichte. Nach Apocalypse werden die Ereignisse (und teils schweren Fehler) der alten Trilogie vollkommen ausgemerzt und für das Bewusstsein der Figuren nicht mehr präsent sein. Die Uhr steht wieder auf Null.

 

 

 

„I tried your way, Charles. I tried to be like them, live like them. But it always ends the same way. They took everything away from me. Now, we’ll take everything from them.“

 

 

 

Apocalypse setzt an einem Punkt zehn Jahre nach den Ereignissen von Days of Future Past ein und durch diesen Zeitsprung holt der Film sowohl die neuen wie auch die alten, bereits bekannten Figuren an unterschiedlich nachvollziehbaren und mit ausreichend Hintergrund versehenen Punkten ab. Die Gefahr durch die Sentinels mag zwar gebannt sein, aber die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber der Mutanten hat sich kaum geändert und an ein harmonisches Miteinander ist nicht zu denken. Zu sehr herrschen nach wie vor Ausgrenzung und Ablehnung vor. Charles Xavier leitet weiterhin seine Schule und unterrichtet Mutanten, Erik Lehnsherr jedoch zog es in die Abgeschiedenheit des ländlichen Polens, um dort ein ruhiges und friedliches Leben führen zu können. So bedarf es auch abermals eines tragischen Zwischenfalls, um ihn nur noch näher an den Abgrund zu stoßen und Mitglied von Apocalypses Gefolgschaft werden zu lassen. Überhaupt wird dem Charakter des Magneto ja in den drei Filmen der Prequel-Reihe der größte und stärkste Entwicklungsbogen spendiert. So darf Michael Fassbender dankenswerter Weise nun nur noch tiefer in die innere Zerrissenheit der Figur eintauchen und er lässt all diesen Schmerz und all diese Wut so überzeugend spürbar werden, hadert so sehr mit seiner Existenz, dass er über die dramaturgischen Schwächen in der Entwicklung seiner Figur, die sich erzählerisch seit First Class immer noch im Kreis dreht, hinweg sehen lässt. So mischen sich auch die immer gleichen Variationen von Momenten des schwermütigen Dialoges zwischen Charles und Erik in den Film, bei denen die Hoffnung und der Optimismus des einen der Desillusion und der Verbitterung des anderen diametral gegenüber stehen. Überhaupt kommt einem vieles bekannt vor und hinterlässt ein leises Déjà-vu-Gefühl, Nightcrawlers Käfigkampf zum Beispiel, die Nuklearwaffen oder die Dark Phoenix-Szene und noch so manch anderes Bild mehr bedient sich bei bekannten Motiven des ganzen Zyklus, aber das stört, wenn überhaupt, nur am Rande und löst eher willkommenes Anerkennen aus.

 

 

 

„Elohim, Pushan, Ra – I’ve been called many names over many lifetimes. I am born of death. I was there to spark and fan the flame of man’s awakening, to spin the wheel of civilization. And when the forest would grow rank and needed clearing for new growth, I was there to set it ablaze.“

 

 

 

Auf den ersten Blick folgt Apocalypse der aktuell so beliebten Hollywood-Maxime der ständigen Steigerung. Ging es noch in Days of Future Past „nur“ um das Überleben der Mutanten, steht nun nicht weniger als das Schicksal der gesamten Welt auf dem Spiel. Und tatsächlich ist mit Apocalypse dieses mal der Bösewicht um ein vielfaches mächtiger als zuvor, die Action größer und bombastischer und die Anzahl der für die Handlung relevanten (oder manchmal auch nicht relevanten) Figuren kaum noch überschaubar, aber Bryan Singer überspannt den Bogen nie, zeigt Verständnis für seine Charaktere und deren Entwicklung und stattet seinen Film trotz Blockbuster-Mechanismen und Spezialeffekt-Gewitter im Finale mit Herz und Seele aus. Und trotz des üblichen CGI-Overkills, den man aus unzähligen anderen Filmen bereits kennt und in solchen finalen Konfrontationen geradezu erwarten würde, bietet Apocalypse aber auch immer wieder kleine, visuell toll umgesetzte Momente, wenn so manche Figur das wahre Potential ihrer Kräfte entdecken darf. Wenn Bryan Singer schließlich zum letzten Akt in seinem Film ansetzt, dann finden die wirklich großartigen Szenen auch nicht in den Kämpfen zwischen den vier Reitern des Apocalypse und den jungen X-Men statt, sondern vielmehr bei einem Kräftemessen auf Gedankenebene zwischen Apocalypse und Charles Xavier. Dieses Duell hätte man durchaus noch ein wenig ausgefallener inszenieren können, dennoch weiß es zu überzeugen und setzt einen angenehmen Gegenpol zu der übrigen Zerstörungsorgie. Dass diese weder spürbare Folgen noch wirkliche Konsequenzen hat, ist ja inzwischen schon so etwas wie eine moderne Blockbuster-Krankheit geworden: Kairo wird im Finale effektvoll und bildgewaltig in Schutt und Asche gelegt, aber der Schrecken und die Bedrohung, die von Apocalypse ausgehen, werden für den Zuschauer nie ernsthaft greifbar und bleiben allenfalls abstrakt. Keine zivilen Opfer, kein einrückendes Militär, nichts dergleichen bietet der Film auf, um seinem Finale auch wirklich merkliches Gewicht zu verleihen. Zugegebenermaßen machen das in diesem Punkt inzwischen einige Filme aus dem MCU und sogar Batman v Superman: Dawn of Justice deutlich besser.

 

Natürlich hat X-Men: Apocalypse auch seine Probleme: die bereits erwähnte Folgenlosigkeit der Ereignisse, der von den Allmachts- und Weltherrschaftsfantasien seines Bösewichts angetriebene Plot ist dünn, nicht immer sind Entscheidungen nachvollziehbar (so wirken die Rekrutierungsmaßnahmen von Apocalypse bis auf Magneto doch eher willkürlich), nicht jede Idee funktioniert auch immer (wie die vollkommen sinnfreien elektromagnetischen Käfige, um Mutanten im Zaun zu halten), die Besetzung und auch der Umgang mit so manchem Charakter ist fragwürdig (Psylocke, Storm und Angel vor allem) und erzählerisch dreht man sich immer noch sowohl im kleinen wie im großen im Kreis. Aber Bryan Singer hat viele gelungene Ideen dagegen anzubringen, die immer wieder verhindern, dass der Film in Avengers-Reflexe verfällt und in Hirn und Herz befreites Blockbuster-Kino abzurutschen droht. Zudem geht X-Men: Apocalypse gekonnt genug mit seinem Arsenal an Figuren um, um ein emotional glaubwürdiges Zentrum zu erschaffen, welches den Film ein wenig erdet, und die aufgeworfenen, durchaus existenzialistischen Fragen über den Glauben an alleinige Macht, die Verführung zielloser, verwirrter Außenseiter und Gesellschaftsstrukturen voller Ressentiments bestehen problemlos neben den reinen Unterhaltungswerten und verschwinden nicht unter all dem Bombast, all der Action und all den Spezialeffekten. Letztlich nimmt Bryan Singer noch ein paar lose Fäden wieder auf, bringt sie zu Ende und rebootet sein Universum nun vollständig. Theoretisch bräuchte es keinen weiteren Film mehr, denn der Zyklus fügt sich zusammen, die Geschichte ist erzählt und man steht wieder am Anfang. Dass das aber so nicht kommen wird ist nur allzu offensichtlich.

 

7 von 10 Szenen mit Quicksilver, die hoffentlich nicht bald überhand nehmen

 

 

 

Pumpkinhead

23. September 2016 at 17:29

 

 

© UA/MGM

 

 

 

„I’m afraid raising the dead ain’t within my power.“

 

 

 

Ed Harley ist ein fürsorglicher und liebender Vater, der sich so gut er kann durch sein hartes Leben schlägt. Als sein kleiner Sohn Billy bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt, den betrunkene Jugendliche nicht nur verursacht haben, sondern auch vertuschen wollen, weiß er vor Schmerz und Trauer weder ein noch aus. In seiner Verzweiflung wendet er sich an eine alte Hexe tief im Wald, die zwar Billy nicht wieder zum Leben erwecken, wohl aber den Durst nach Rache und Wiedergutmachung stillen kann, indem sie eine uralte Kreatur heraufbeschwört, der fortan als Ed´s Instrument der Vergeltung dienen soll. Doch alles hat seinen Preis und dieser ist besonders hoch.

 

In nächster Zeit möchte ich mich immer mal wieder auch sehr kleinen Genrefilmen widmen, denn auch diese wollen geliebt werden. Und man kann durchaus so manche vergessene Perle in den Untiefen dieser Gefilde entdecken, die es verdient, wieder zu Tage gefördert zu werden. In diesem Kontext gibt es ein Zitat des deutschen Regisseurs Dominik Graf, welches ich sehr schön und bezeichnend finde: „… erscheinen immer wieder unentdeckte Perlen im endlos öden Sand der offiziell gefeierten Filmgeschichte, und diese Perlen funkeln dann heimlich und vielversprechend im Dunkeln, nachts, wenn das rastlose und destruktive Getriebe der Branche mal für ein paar Minuten schläft.“ Und Pumpkinhead ist zweifellos eine solche Perle und eine Seltenheit innerhalb seines Genre. Er ist sicherlich kein „guter“ Film (was auch immer das eigentlich genau bedeuten soll), kein Teil irgendeines Kanons, kein Klassiker, aber er ist auf seine eigenwillige und ganz besondere Art ein sehr faszinierender und irgendwie auch schöner Film, der unbedingt gewürdigt gehört. Es handelt sich um das Regiedebüt der Special Effects-Legende Stan Winston, der unter anderem für seine essentiellen wie prägenden Effektarbeiten in Filmen wie Terminator, Aliens oder Predator, deren Fortsetzungen und noch vielen, vielen anderen große Bekanntheit erringen konnte. Zweifellos ein Meister seines Fachs, der hier nun erstmalig für ihn eher fremdes Terrain betritt und innerhalb des Genres Horror wirklich sehr gute Arbeit leistet und einen Film erschafft, der mehr zu leisten vermag als viele andere Vertreter dieses Jahrzehnts. Mit relativ wenig Mitteln erschafft er eine erstaunlich dichte und düstere, geradezu bedrückende, manchmal morbide Atmosphäre und versieht seine im Grunde zutiefst tragische Geschichte mit zahlreichen surrealen und entrückten, ja, geradezu märchenhaften Elementen und verzichtet auf jeglichen überflüssigen Firlefanz. In seiner Erzählweise ist Winstons Film geradezu altmodisch geraten, auf das nötigste verschlankt und vermischt seine moralischen Untertöne mit traditioneller Folklore und klassischen Horrormythen. Pumpkinhead ist mit einer Laufzeit von 83 Minuten durchaus überschaubar geraten, doch das kommt dem Film sehr zu gute, ensteht so doch ein wunderbar geschwungener und ausgewogener Handlungsbogen nahezu ohne Leerlauf oder Lücken und das Erzähltempo ist vom noch eher langsam vorgetragenen Anfang bis zum rasanten wie tragischen Finale nahezu perfekt. Grundzüge der Story erinnern durchaus auch an die moralischen Keulen, die so gern in unzähligen Episoden  der Tales from the Crypt-Reihe geschwungen wurden, aber dankenswerter Weise verzichtet Winston letztlich auf deren meist drastisches Gerechtigkeitsempfinden. Rache ist hier keine Wiedergutmachung, sie beinhaltet nur Schmerz und Leid. Zudem gelingt es ihm in sehr kurzer Zeit mit nur wenigen Szenen die Grundlage für eine emotionale Durchschlagskraft zu entwickeln und eine nicht zu unterschätzende Dramatik und Ernsthaftigkeit aufzubauen, die in solcher Form im 80er Horrorfilm nur sehr selten zu finden sind. Das ist eindeutig auch Lance Henriksens Verdienst, der hier so gut spielt wie selten sonst, ganz so, als wäre Pumpkinhead nicht einfach nur eine von vielen weiteren Durchgangsstationen seiner Karriere, welche die Miete zahlen und den Kühlschrank füllen. Den liebenden, von Trauer übermannten, verzweifelten, wütenden und auf Rache sinnenden Vater kauft man ihm zu jeder Zeit ab, genauso sehr jedoch seine später folgende Erkenntnis und Wandlung. Und dann ist da ja noch das Monster selber, der Pumpkinhead, bei dem Stan Winston höchst selbst Hand angelegt hat, ein tolles Design kreierte und dieses ausgesprochen effektiv einzusetzen versteht. Und als wäre das alles nicht genug, entwirft uns er hier mit wenigen Pinselstrichen ein mystisch entrücktes Setting, gleichzeitig Teil unserer Welt und dann auch wieder nicht, seltsam verklärt und irgendwie unbestimmt nostalgisch, in dessen Nebelwänden eine ganze, düstere Mythologie lauert, bei der es Pumpkinhead nicht für nötig erachtet, sie näher auszuformulieren und sie viel lieber nur andeutet. Zum Glück, kann man da nur sagen, entsteht so doch ein Mysterium rund um diese eigenartig fremde und doch vertraute Welt, wie man es wirklich nur selten finden kann.

 

Pumpkinhead ist einer dieser seltenen Genrefilme, der deutlich aus den für gewöhnlich Unmengen an Mittelmaß, die gerade die Welt des Horrorfilms bevölkern, und ein wahrer Glücksgriff. Sicher ist der Film bei weitem nicht perfekt, aber er holt alles aus sich heraus und weiß darüber hinaus mit einer tollen, ganz eigenen, drückenden und tristen Atmosphäre zu punkten. Geradezu märchenhaft erzählt Stan Winston seine düstere Anekdote über Rache, spendiert ihr den nötigen emotionalen Unterbau sowie ein tolles Monsterdesign und nimmt vor allem seine Figuren ernst. Ein sehr unterschätzter und oft übersehener Film, dem man zwar seine Zeit ansieht, der aber einfach ganz wunderbar ist und dringend mal eine entsprechend würdevolle Veröffentlichung verdient hätte. Mein Herz hat er jedenfalls im Sturm erobert.

 

8 von 10 entfesselten Rachegefühlen

 

 

Suicide Squad

14. September 2016 at 11:51

 

 

© Warner Bros. Pictures

 

 

 

„In a world of flying men and monsters this is the only way to protect our country.“

 

 

 

Der Tod von Superman liegt noch nicht lange zurück und die Menschheit lebt weiterhin in Angst vor dem nächsten Außerirdischen oder Metawesen, welches ihr vielleicht nicht so wohlgesonnen sein könnte wie der Mann aus Stahl. Aus diesem Grund stellt die Regierungsbeamtin Amanda Waller eine Spezialeinheit aus Superschurken zusammen, um im Ernstfall gewappnet zu sein. Als die uralte Hexe Enchantress aus ihrer Gefangenschaft entkommen kann, haben Deadshot, Harley Quinn, Captain Boomerang, Diablo, Killer Croc, Slipknot und Katana unter der Aufsicht von Elitesoldat Rick Flagg ihren ersten Einsatz früher als ihnen lieb sein kann.

 

Suicide Squad ist nach Man of Steel und Batman vs. Superman: Dawn of Justice der neueste und nun mehr dritte Film im DC Extended Universe und fand vielerorts nicht sonderlich viel Zuspruch. Endlich kam nun auch ich dazu, mir eine Meinung über David Ayers Film zu bilden und muss sagen: viele der Kritikpunkte sind durchaus berechtigt. Ein eigenartig schizophrener Film ist Suicide Squad geworden, in dessen Brust scheinbar gleich zwei Herzen schlagen, keines davon allerdings sonderlich fest. Seltsam zerrissen fühlt sich die endgültige Kinofassung an und beinahe nie organisch in ihrer Dramaturgie, was sich eindeutig auf die Existenz zwei unterschiedlicher Schnittfassungen zurückführen lässt. Zum einen gibt es die ursprüngliche Fassung von Regisseur David Ayer, die schon erkennen lässt, welche Vision er hatte, wohin er mit seiner Idee von Suicide Squad wollte, stilistisch eine ganz andere Richtung als das wilde und hektische Schnittfeuerwerk voller Popkulturzitate, knallbunt und aufgesetzt witzig, mundgerecht zubereitet für die Generation YouTube, welches der Film letztlich in weiten Teilen wurde. Vor allem wird das deutlich, wenn man andere Filme wie beispielsweise Sabotage oder Herz aus Stahl von ihm kennt, düstere und grimmige, beinahe schon nihilistische Werke, wegen denen er ja vermutlich auch von Warner angestellt wurde, schließlich ist der Mann kein unerfahrener Neuling im Geschäft, den man als Marionette auf den Regiestuhl setzen kann. Dann wurde jedoch der berühmt-berüchtigte Bohemian Rhapsody-Trailer im Internet veröffentlicht und entpuppte sich als enorm erfolgreich. So erfolgreich, dass Warner mitten in der Produktion kalte Füße bekam und eine zweite Schnittfassung bei genau den Leuten in Auftrag gab, die auch für den Trailer verantwortlich waren. Im fertigen Film wurden dann letzten Endes beide Schnittfassungen miteinander vermischt, weshalb Suicide Squad als einheitliches Erzählkonstrukt schlicht und ergreifend nicht funktioniert. Ein Grund für das zwiespältige Agieren von Warner könnte bei seinem  aktuellen CEO Kevin Tsujihara liegen, der ausnahmsweise nicht aus dem kreativen Bereich, sondern vielmehr aus dem Marketing kommt. Das legt den Gedanken nahe, dass die Distanz zum eigentlichen Produkt Film deutlich größer ist als die Nähe dazu, eben jenes Produkt zu verkaufen, was zumindest einige doch zweifelhafte Entscheidungen der letzten Jahre in Bezug auf künstlerische Aspekte erklären würde.

 

 

 

„Maybe Superman was a beacon for them to crawl out of the shadows.“

 

 

 

Aber gut, zurück zum Film selbst, denn Suicide Squad hat durchaus noch mit anderen Problemen zu kämpfen. Das in meinen Augen vielleicht größte neben der inszenatorischen Zerrissenheit ist der Umstand, das David Ayer unglaublich viel Potential verschleudert, wenn er seinen Figuren ihre diabolischen Charakterzüge nimmt. Es reicht nämlich nicht aus, sie immer und immer wieder, beinahe schon ein Mantra beschwörend, sagen zu lassen, wie böse sie doch eigentlich seien, wenn es sich nicht in ihren Taten ausdrückt. Oder um die Figur Tywin Lannister aus der Serie Game of Thrones zu zitieren: „Any man who must say, „I am the king“ is no true king.“ Wirklich böse ist in dem Film nämlich niemand. Wie auch, hat doch nichts ernsthafte Konsequenzen für irgendwen, wenn sich der Trupp der vermeintlichen Superschurken videospielartig in völlig austauschbaren Settings durch Horden gesichtsloser, entmenschlichter Gegner kämpft. Letztlich werden sie zu sympathischen Antihelden degradiert, missverstandene Außenseiter, die trotzdem das Herz am rechten Fleck haben, um die Sympathie des Publikums wetteifern und zähneknirschend ihr Leben für die gerechte Sache riskieren, statt sie so zu zeigen, wie es ihren Vorlagen entspricht. Nämlich als überwiegend völlig gestörte Psychopathen, enthemmt und losgelöst von jeglicher Moral, einzig ihrem eigenen, verdrehten Kodex verpflichtet und vollkommen abseits der Gesellschaft existierend. Nein, die zähnefletschenden Hunde werden nie ernsthaft losgelassen, sondern derart brav wie ein Haustier an der langen Leine durch ein simples Story-Konstrukt geführt, dass niemand eine markante Duftnote hinterlassen kann. Die Folge ist ein an Leerlauf und Wiederholung reiches, aber an Ideen armes Panoptikum der verschenkten Möglichkeiten. Zudem erfahren lediglich Deadshot und Harley Quinn zumindest einen Hauch von Charakterisierung und erzählerischer Tiefe, der Rest der Figuren bleibt enorm eindimensional und bei einigen wenigen beschränkt sich der Film sogar nur noch auf vielleicht eine Szene oder einige Nebensätze, um ihren Hintergrund und ihre Motivation zu erklären. Natürlich bedingt schon die Prämisse von Suicide Squad, dass es viele Figuren auf wenig Raum gibt und kaum Zeit für große Erklärungen, aber Captain America: Civil War wusste ähnliche Probleme deutlich besser zu lösen. Leider gestaltet sich dann auch die Action selbst als ausgesprochen generisch und ideenlos, bietet nichts, das man nicht an anderer Stelle schon einmal besser gesehen hätte, ist oft hektisch und unübersichtlich geschnitten und kaum etwas davon bleibt letztlich hängen oder wäre gar erinnerungswürdig. Zeit für sinnstiftende Interaktion unter den einzelnen Teammitgliedern bleibt zwischen den immer gleichen und sich wiederholenden Schießereien und CGI-Sequenzen kaum und selbst die verschiedenen Kräfte und Fähigkeiten kommen beinahe nie wirklich zum Einsatz, außer das Drehbuch verlangt danach, um sich aus einer Sackgasse zu mogeln.

 

 

 

„Everyone has a weakness. And a weakness can be leveraged.“

 

 

 

Auch wenn das bisher vielleicht nicht so klang: es gibt auch etwas positivere Tendenzen in Suicide Squad zu erkennen, kleine, hin und wieder aufblitzende Lichtblicke. Der Cast beispielsweise fällt doch besser aus als zunächst erwartet. Da wären zunächst die beiden Zugpferde Will Smith als Deadshot und Margot Robbie als Harley Quinn, die auch große Teile des Filmes auf ihren Schultern tragen. Zwar ist Smith mit seinem aufpolierten Good Guy-Image zumindest inhaltlich eine Fehlbesetzung für den unfehlbaren und eiskalten Auftragsmörder Deadshot, aber nach geraumer Zeit zeigt er sich in seinem Schauspiel endlich einmal nicht mehr so nervtötend wie zuletzt so häufig, sondern sogar durchaus charismatisch und voller Freude am Spiel. Ob er allerdings an dem kitschigen und gefühlsduseligen Teil seiner Background-Story willentlich mit Schuld trägt, vermag ich nicht zu beurteilen, vorstellen könnte ich es mir jedoch. Margot Robbie macht ihre Sache auch ziemlich gut, kaufe ich ihr doch den Wahnsinn und die Hingabe ihrer Figur stellenweise durchaus ab und sie stiehlt allen Beteiligten zweifellos die Show, aber sie wird auch zu einer hypersexualisierten Masturbationsvorlage für pubertierende Comic-Nerds hoch stilisiert, deren Art der Inszenierung schnell langweilt und sich erschreckend oft in expliziten wie simplen Kameraeinstellungen ergeht. Womit wir bei ihrem love interest wären, dem Clown Prince of Crime, Mr. J persönlich, Batmans Nemesis und vielleicht ärgstem Widersacher. Ich bin unschlüssig, was den Joker betrifft. Wie hier die Figur als eine Art verquerer Zuhälter inszeniert wird, das kann man mögen oder nicht. Schauspielerisch vermag ich Jared Leto in dieser Rolle allerdings kaum bis eher gar nicht zu beurteilen, denn er hat schlicht und ergreifend viel zu wenig screen time. Insgesamt taucht er keine zehn Minuten im Film auf und viele seiner Szenen sind kaum relevant für den Verlauf der Handlung. Aber immer, wenn ich das Gefühl hatte, jetzt könnte etwas interessantes oder gar spannendes mit der Figur des Jokers passieren, dann war meist die Szene doch plötzlich irgendwie einfach zu Ende und wirkte seltsam unfertig, ganz so, als wäre da etwas, das nun auf dem Fußboden des Schneideraums liegt. Tatsächlich sind wohl viele Szenen des Jokers aus der Kinofassung herausgeschnitten worden, was sowohl um die Figur als auch ihren Darsteller sehr schade ist. Über Adewale Akinnouye-Agbaje als Killer Croc lässt sich nicht viel sagen, verschwindet er doch nahezu vollständig unter Unmengen an Makeup und CGI. Der blasse und glanzlose Joel Kinnamon als Rick Flagg kann kaum Eindrücke hinterlassen, Jay Hernandez als Diablo ebenfalls. Immerhin spielt Jai Courtney seinen Captain Boomerang durchaus passabel und hat sogar einige gute Szenen. Für seine Verhältnisse eine klare Steigerung im Vergleich zu solch katastrophalen Leistungen wie noch in Terminator: Genisys oder A Good Day to Die Hard. Katana ist vollkommen belanglos und wie der Film mit Slipknot umgeht ist schon beinahe eine Frechheit. Bleibt noch Cara Delevingne als Enchantress. Ihr Schauspiel entspricht der Art und Weise, wie ihre Figur geschrieben ist: belanglos, beliebig, steif, ungelenk und vollkommen ohne auch nur halbwegs gravierende Motivation. Der Verdacht liegt nahe, dass Delevingnes Besetzung auch nicht mehr als ein weiterer Marketing-Trick ist, um deren vermutlich unerschöpfliche Schar an Twitter-Gefolge ins Kino zu locken.

 

Suicide Squad wurde zweifellos das Opfer eines Studios, das wieder einmal inmitten der Dreharbeiten kalte Füße bekam und scheinbar unfähig ist, klar positioniert hinter künstlerischen Entscheidungen zu stehen, geschweige denn, seinen Mitarbeitern und deren Fähigkeiten zu vertrauen. Zumindest lässt sich ansatzweise noch erkennen, welche Vision David Ayer ursprünglich hatte, davon übrig hingegen ist nicht mehr allzu viel. Das ist schade, denn sein Ansatz hätte durchaus besser funktionieren können als der fertige Film. Doch trotz all der offensichtlichen Mängel und Probleme von Suicide Squad fand ich den Film dann doch eine Spur besser als Batman vs. Superman: Dawn of Justice. Vor allem, weil er einfach kurzweiliger und unterhaltsamer ist und nicht permanent erfüllt von dieser geradezu erdrückenden Bedeutungsschwere mit all ihren Symbolen und Metaphern und diesem unsäglichen messianischen Gedanken hinter allem. Immerhin sitzt der eine oder andere Oneliner durchaus und auch einige Gags funktionieren. Allerdings fügt Suicide Squad seinem filmischen Universum letztlich nichts relevantes hinzu und offenbart sich als bloßer Brückenfilm, als Pausenclown und Lückenfüller bis zum kommenden Justice League-Film.

 

4,5 von 10 Dosen Bier für jede Gelegenheit