The Nice Guys

23. Oktober 2016 at 16:47

 

 

© Warner Bros. Pictures

 

 

 

„You’re the world’s worst detective.“

 

 

 

Das Los Angeles im Jahre 1977. Vor diesem Hintergrund kreuzen sich die Wege von Jackson Healy und Holland March. Healy ist ein bezahlter Knochenbrecher und der Mann für Grobe, Holland March ein eher weniger erfolgreicher Privatdetektiv mit Alkoholproblem und alleinerziehender Vater. Der eine soll das Verschwinden einer jungen Frau aufklären, der andere ihn davon abbringen. Doch der Fall scheint größer zu sein als gedacht und schnell gerät Healy ins Visier von Killern. Letztlich tun sich die beiden zusammen um gemeinsam einer Spur zu folgen, die tief in die Porno-Industrie zu führen scheint…

 

Shane Black, die geistige Triebfeder des Buddy-Humors. Sicher, schon 1982 verfilmte Walter Hill mit 48 Hrs. ein Skript von Roger Spottiswoode, schickte Eddie Murphy und Nick Nolte auf eine witzige wie actionreiche Hatz durch San Francisco und erschuf so etwas wie den Prototypen des Buddy-Movie. Aber Shane Black schrieb die Drehbücher zu allen vier Filmen der unsterblichen Lethal Weapon-Reihe, dem grandiosen Last Boy Scout, zu  Last Action Hero und Tödliche Weihnachten, und drehte den tollen Kiss Kiss Bang Bang. Iron Man 3 mochte ich auch eben für diese Art von Humor, kann man aber auch durchaus vernachlässigen. Und nun liefert er mit The Nice Guys seine dritte Regiearbeit ab, bleibt seiner bisherigen Rezeptur treu und verlässt sich nach wie vor auf seine gewohnten Trademarks. Zum Glück, kann man da nur sagen, zum Glück. Wie schon in Kiss Kiss Bang Bang ist die Mischung aus zum Teil brutaler Action, schwarzem Humor und gelegentlichem Slapstick nahezu perfekt ausbalanciert und baut vielmehr auf unfreiwillige und spontane Komik als auf aufgesetzte Gags und Oneliner aus dem Lehrbuch. Die Chemie zwischen den beiden Protagonisten funktioniert ganz hervorragend und in diesem Aspekt muss sich The Nice Guys kein bisschen hinter so tollen Duos wie Gibson/Glover (Lethal Weapon), Downey, jr./Kilmer (Kiss Kiss Bang Bang), Willis/Wayans (Last Boy Scout), Stallone/Russell (Tango & Cash), De Niro/Grodin (Midnight Run) oder Nolte/Murphy (48 hrs.) verstecken. Russell Crowe als herrlich schmieriger Berufsschläger mit Herz erinnert an eine leicht verlotterte, in die Jahre gekommene Version seiner Figur aus L.A. Confidential, und harmoniert ganz wunderbar mit Ryan Gosling als im Grunde ständig betrunkener, abgezockter, aber eher unfähiger Privatschnüffler. In Hautfarbe, Geschlecht oder sozialer Status unterscheiden sich die beiden nicht, das für Buddy-Movies so typische Gefälle zwischen den beiden Protagonisten entsteht in The Nice Guys eher durch Kompetenz und Arbeitsethos. Die Vorgehensweise von Holland March grenzt oft beinahe schon an Betrug, er kassiert Honorare gern doppelt von ahnungslosen Rentnern und überlegt ständig, wie sich noch mehr Geld aus seinen Klienten herausholen lässt, immer auf der Suche nach dem nächsten Drink. Da muss auch schon mal seine kleine Tochter Holly das Auto fahren, weil Holland nicht mehr dazu in der Lage ist. Dagegen wirkt Jackson Healy nur oberflächlich brutal, hat sein Herz aber am rechten Fleck und versucht trotz seiner Profession als Knochenbrecher Gutes zu tun und aus diesem Zusammenspiel entwickeln sich herrliche Dialoge, pointierter Witz und absurder Slapstick. Die Story selbst ist noir-typisch verschachtelt erzählt und verknüpft extrem viele Fäden, von denen einige auch einfach ins Leere laufen und vollkommen bedeutungslos sind für den weiteren Verlauf. Überhaupt ist die eigentliche Story eher weniger von Bedeutung und in diesem übersteigerten Gestus gibt sich The Nice Guys auch als leicht parodistische Verbeugung vor dem klassischen Film Noir, dessen Inhalte auch oft weniger im Vordergrund stehen. So taumeln Holland March und Jackson Healy auch mehr oder weniger ahnungslos durch die Ereignisse, haben meist keinen Schimmer was läuft, reagieren nur statt zu agieren und oftmals ist es allein der Zufall, der ihnen hilft, denn nennenswerte Ermittlungsergebnisse erzielen die beiden eher selten. Auch optisch ist der Film ein Vergnügen mit einem herrlich bunten und abgedrehten Setdesign, welches ein authentisches 70er Jahre-Feeling aufkommen lässt. Funky und dreckig zugleich, auf der einen Seite abgedrehte Parties, exzentrisch und grell, auf der anderen Seite das L.A. der späten 70er, im Film ein schmutziger, verkommener Moloch, dessen Strassen von Korruption, Gewalt und Pornografie geprägt sind. Die Action ist kompetent und druckvoll genug inszeniert und wirkt mit all ihren Schießereien, Autostunts, Explosionen und old school-Schlägereien erfrischend bodenständig und geerdet in ihrem rohen Charme. Lediglich die eine oder andere digital bearbeitete Szene sticht ein klein wenig unangenehm hervor, aber das fällt auf die gesamte Laufzeit von rund zwei Stunden kaum ins Gewicht.

 

Mit The Nice Guys bleibt Shane Black seiner über die Jahre hinweg immer mehr verfeinerten Rezeptur für Buddy-Movies treu und kennt man seine Drehbücher oder seinen Film Kiss Kiss Bang Bang, dann weiß man, was man kriegt mit seinem neuesten Streich. Abermals ist die Balance aus Action, Gewalt, schwarzem Humor, Slapstick und pointierten Wortgefechten annähernd perfekt und die beiden Protagonisten harmonieren ganz hervorragend miteinander. The Nice Guys ist wunderbares, leicht schmieriges und irre unterhaltsames Genre-Kino und bildet den idealen Gegenpart zu Kiss Kiss Bang Bang für ein abendfüllendes Double Feature.

 

8 von 10 Typen namens Chet

 

 

Lost River

20. Oktober 2016 at 19:58

 

 

© Warner Bros. Pictures

 

 

 

„You know, in my country, in my place, when you heard about America, everybody say, ‚There’s so much money there,‘ and, ‚You’re gonna have a big car, big house, and a swimming pool,‘ and… and, ‚You’re gonna catch the money on the floor, and just have to take it and pick it up.‘ And finally it’s different. But you realize when you arrive here, it’s different. So, everybody’s looking for a better life somewhere. It’s like that. And maybe we’ll find some… one day.“

 

 

 

Der junge Bones lebt mit seinem kleinen Bruder Franky und seiner Mutter Billy in einem heruntergekommenen Viertel einer namenlosen Stadt, welches immer mehr seiner Bewohner verlassen und das dem Verfall zusehends zum Opfer fällt. Während Billy verzweifelt versucht irgendwie die Hypothek des Hauses abzuzahlen und auf das zwielichtige Jobangebot des Bankmanagers Dave eingeht, muss sich Bones mit dem fiesen Bully auseinander setzen, der das Viertel unter seiner Kontrolle hat und jeden dort terrorisiert.

 

Was musste sich Ryan Gosling nicht alles anhören für sein Regiedebüt? Verlacht und verspottet bei seiner Premiere während der Internationalen Filmfestspiele von Cannes 2014, verrissen und in Grund und Boden geschrieben von den Kritikern. Scheinbar niemand wollte oder konnte ein gutes Haar an Lost River lassen, zu uninspiriert sei der Film, Gosling zu selbstverliebt in seiner Inszenierung und zu sehr würde er sich offensichtlich und plump bei Regisseuren wie Nicolas Winding Refn, David Lynch, Terrence Malick und Gaspar Noé bedienen, ja, diese sogar schamlos kopieren. Überhaupt habe ich immer auch ein wenig das Gefühl, dass Ryan Gosling gerne mal etwas vorschnell in eine Schublade gesteckt wird, die ihm nun wirklich nicht passt. Betrachtet man seine Filmografie ein wenig näher, dann wird schnell klar, dass Gosling mit The Notebook, Blue Valentine und Crazy, Stupid, Love nur drei Abstecher in den Bereich romantischer Filme unternommen hat und dennoch oft genau damit verbunden wird. Dabei hat der Mann zum Teil grandiose Filme wie Drive, Half Nelson, The Ides of March, Lars and the Real Girl oder The Place Beyond the Pines gemacht, was zweifelsfrei belegt, dass er deutlich kreativer und facettenreicher ist als er oft wahrgenommen wird. Zudem ist er noch Teil der schaurig-schönen, herrlich makaber-schrägen Indierock-Band Dead Man´s Bones, die sich irgendwo zwischen Tom Waits, Nick Cave und der Gotik eines Tim Burton bewegt. Aber genug davon, wenden wir uns nun seinem Regiedebüt Lost River zu, einem Film, der seine Geschichte sehr viel mehr über Bilder, Stimmung, Impressionen und Atmosphäre erzählt als klassisch narrativ über Inhalte, und diffusen Gefühlen gegenüber klaren Worten eindeutig den Vorzug gibt. Sicherlich sind Refn, Lynch, Malick und Noé als deutliche Bezugspunkte in Goslings filmischen Koordinatensystem auszumachen, aber aus seinen Inspirationsquellen formt er lieber seine ganz eigene Vorstellung einer fieberhaft-surrealen wie märchenhaft-entrückten Welt. Von schamlosen Kopieren und dem Mangel an eigenen Ideen ist in Lost River nun wirklich nichts zu spüren.

 

 

 

„Well, it’s a place for people to get wild for the night. Fuck being polite.“

 

 

 

Stattdessen inszeniert Gosling eine ebenso bildgewaltige wie abstrakte Parabel über den Kapitalismus und rückt den Zusammenbruch des American Dream noch sehr viel deutlicher in den Vordergrund als Killing Them Softly von Andrew Dominik. All die Hypotheken, vergeben von Banken an Menschen, die sich dieses nur augenscheinlich billige Geld eigentlich nie leisten konnten, und letztlich die geplatzte Blase, der große Zusammenbruch, haben nicht nur in Detroit, dem großen Sinnbild der Finanzkrise, ganze Stadtteile in Geisterstädte verwandelt. Und so ist der kalkulierte Wahnsinn dieses perfiden Geschäfts mit menschlichen Existenzen nicht nur der ideale Ausgangspunkt für Goslings höllische Version des American Dream, sondern auch dessen Triebfeder. Detroit dient Lost River als Kulisse, doch statt sich windend im Elend zu wälzen, nutzt der Film lieber sehr geschickt die surreale Atmosphäre, um ein schlichtes wie bedrückendes Drama von Verfall und Zusammenbruch zu zeichnen und entwirft eine Welt, die in ihrer Form zwar nicht existiert, uns aber dennoch sehr viel über unsere Gegenwart zu erzählen vermag wie ein düsteres Märchen voller comichaft übersättigter Farben und grotesker Auswüchse mit zweifelhafter Moral. So ist Lost River auch Teil einer noch recht jungen Art von Film, welche die Kehrseite des American Dream beleuchtet und in seinem Mutterland nicht sonderlich beliebt ist, steht Seite an Seite mit Filmen wie dem bereits erwähnten Killing Them Softly, Mud, Out of the Furnace, Killer Joe, Winter´s Bone und noch einigen mehr, die sich dem White Trash annehmen, verleiht dem ganzen aber darüber hinaus einen enorm surrealen Anstrich. Bilder, Farben und Musik verschmelzen hier zu einer Art Rauschkino, welches einen nicht wieder loslassen wird, so fern man sich von etablierten Erzählstrukturen lösen kann, denn Gosling erzählt mehr nur über Impressionen und Momentaufnahmen als jedes Wort im Drehbuch es könnte.

 

Für das Regie- und Drehbuchdebüt eines Schauspielers, der ohnehin schon viel zu oft falsch wahrgenommen wird, ist Ryan Goslings Lost River doch sehr beeindruckend, konsequent und selbstbewusst ausgefallen. Von all den Vorwürfen und Kritiken im Vorfeld kann zumindest ich nichts bestätigen. Der Film bedient sich einer geradezu aufreizend schönen wie nicht weniger fieberhaften und surrealen Bildsprache, ist visuell unglaublich kraftvoll und entführt in eine seltsam entrückte Märchenwelt, welche zudem noch die Schattenseiten des American Dream aufarbeitet. Das ist mutiger als so manch etablierter Regisseur in seinem Schaffen.

 

8 von 10 brennenden Fahrrädern

 

 

Zehn sehenswerte Filme aus dem Jahr 1985

18. Oktober 2016 at 18:20

 

 

 

„God blinked, and the whole world disappeared.“

 

 

 

Es ist an der Zeit unsere kleine cinematografische Reise durch die Jahre und Jahrzehnte fortzusetzen. Auch 1985 hat allerhand zu bieten. Von durch die Zeit reisenden Autos und Kindern, die ein altes Piratenschiff entdecken, von verlassenen Städten und verrückten, turbulenten und auch abenteuerlichen Nächten, von eher unfreiwillig haarigen Teenagern und Wissenschaftlern, die das Geheimnis des Todes entdecken und überwinden, aber auch von skurril-befremdlichen Zukunftsvisionen, polnischen Cops im Drogenkrieg in Chinatown und von einsamen durch den Wilden Westen streifenden, wortkargen und einsilbigen Revolverhelden weiß dieses Jahr zum Teil wundervolle Geschichten zu erzählen. Und den einen oder anderen kleinen Lieblingsfilm von mir hält es auch parat. Verschafft euch also gemeinsam mit mir einen kleinen Überblick über das Filmjahr 1985.

 

 

 

10.

Commando (1985)
Commando poster Rating: 6.7/10 (112,990 votes)
Director: Mark L. Lester
Writer: Jeph Loeb (story), Matthew Weisman (story), Steven E. de Souza (story), Steven E. de Souza (screenplay)
Stars: Arnold Schwarzenegger, Rae Dawn Chong, Dan Hedaya, Vernon Wells
Runtime: 90 min
Rated: R
Genre: Action, Adventure, Thriller
Released: 04 Oct 1985
Plot: A retired elite Black Ops Commando launches a one man war against a group of South American criminals who have kidnapped his daughter to blackmail him into starting a revolution and getting an exiled dictator back into power.

 

 

 

9.

Pale Rider (1985)
Pale Rider poster Rating: 7.3/10 (39,872 votes)
Director: Clint Eastwood
Writer: Michael Butler, Dennis Shryack
Stars: Clint Eastwood, Michael Moriarty, Carrie Snodgress, Chris Penn
Runtime: 115 min
Rated: R
Genre: Western
Released: 28 Jun 1985
Plot: A mysterious preacher protects a humble prospector village from a greedy mining company trying to encroach on their land.

 

 

 

8.

The Quiet Earth (1985)
The Quiet Earth poster Rating: 6.8/10 (20,266 votes)
Director: Geoff Murphy
Writer: Craig Harrison (novel), Bill Baer, Bruno Lawrence, Sam Pillsbury
Stars: Bruno Lawrence, Alison Routledge, Pete Smith, Anzac Wallace
Runtime: 91 min
Rated: R
Genre: Drama, Mystery, Sci-Fi
Released: 18 Oct 1985
Plot: A man named Zac Hobson awakens to find himself alone in the world. In a desperate attempt to search for others, he finds only two who have their own agenda.

 

 

 

7.

Remo Williams: The Adventure Begins (1985)
Remo Williams: The Adventure Begins poster Rating: 6.4/10 (8,762 votes)
Director: Guy Hamilton
Writer: Richard Sapir (novel), Warren Murphy (novel), Christopher Wood
Stars: Fred Ward, Joel Grey, Wilford Brimley, J.A. Preston
Runtime: 121 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Comedy
Released: 11 Oct 1985
Plot: An officially "dead" cop is trained to become an extraordinarily unique assassin in service of the US president.

 

 

 

6.

Into the Night (1985)
Into the Night poster Rating: 6.5/10 (7,905 votes)
Director: John Landis
Writer: Ron Koslow
Stars: Jeff Goldblum, Michelle Pfeiffer, Stacey Pickren, Carmen Argenziano
Runtime: 115 min
Rated: R
Genre: Comedy, Drama, Thriller
Released: 08 Mar 1985
Plot: Ed Okin's life is somewhat out of control. He can't sleep, his wife betrays him and his job is dull. One night he starts to drive through Los Angeles and he finally ends in the parking ...

 

 

 

5.

Year of the Dragon (1985)
Year of the Dragon poster Rating: 6.9/10 (9,024 votes)
Director: Michael Cimino
Writer: Robert Daley (novel), Oliver Stone (screenplay), Michael Cimino (screenplay)
Stars: Mickey Rourke, John Lone, Ariane, Leonard Termo
Runtime: 134 min
Rated: R
Genre: Action, Crime, Drama
Released: 16 Aug 1985
Plot: A racist Vietnam vet becomes a New York cop and cracks down on organized crime in Chinatown.

 

 

 

4.

Re-Animator (1985)
Re-Animator poster Rating: 7.3/10 (31,089 votes)
Director: Stuart Gordon
Writer: H.P. Lovecraft (story), Dennis Paoli (screenplay), William Norris (screenplay), Stuart Gordon (screenplay)
Stars: Jeffrey Combs, Bruce Abbott, Barbara Crampton, David Gale
Runtime: 104 min
Rated: Unrated
Genre: Horror, Sci-Fi
Released: 18 Oct 1985
Plot: A medical student and his girlfriend become involved in a bizarre experiment into reanimating the dead conducted by the student's incorrigible housemate in this campy sendup of an H.P. Lovecraft story. The emphasis is on humour but once the dead walk, there is gore aplenty.

 

 

 

3.

Back to the Future (1985)
Back to the Future poster Rating: 8.5/10 (569,097 votes)
Director: Robert Zemeckis
Writer: Robert Zemeckis, Bob Gale
Stars: Michael J. Fox, Christopher Lloyd, Lea Thompson, Crispin Glover
Runtime: 116 min
Rated: PG
Genre: Adventure, Comedy, Sci-Fi
Released: 03 Jul 1985
Plot: A young man is accidentally sent 30 years into the past in a time-traveling DeLorean invented by his friend, Dr. Emmett Brown, and must make sure his high-school-age parents unite in order to save his own existence.

 

 

 

2.

Brazil (1985)
Brazil poster Rating: 8.0/10 (134,640 votes)
Director: Terry Gilliam
Writer: Terry Gilliam (screenplay), Tom Stoppard (screenplay), Charles McKeown (screenplay)
Stars: Jonathan Pryce, Robert De Niro, Katherine Helmond, Ian Holm
Runtime: 132 min
Rated: R
Genre: Sci-Fi
Released: 18 Dec 1985
Plot: A bureaucrat in a retro-future world tries to correct an administrative error and himself becomes an enemy of the state.

 

 

 

1.

The Goonies (1985)
The Goonies poster Rating: 7.8/10 (149,448 votes)
Director: Richard Donner
Writer: Steven Spielberg (story), Chris Columbus (screenplay)
Stars: Sean Astin, Josh Brolin, Jeff Cohen, Corey Feldman
Runtime: 114 min
Rated: PG
Genre: Adventure, Comedy, Family
Released: 07 Jun 1985
Plot: In order to save their home from foreclosure, a group of misfits set out to find a pirate's ancient treasure.

 

 

 

Don´t Breathe

10. Oktober 2016 at 21:46

 

 

© Screen Gems Stage Films

 

 

 

„There is nothing a man cannot do once he accepts the fact that there is no god.“

 

 

 

Die drei jugendlichen Kleinkriminellen Rocky, Alex und Money halten sich mit Einbrüchen und kleineren Diebstählen über Wasser und träumen davon, so bald wie möglich Detroit und ihre kaputten Elternhäuser hinter sich lassen zu können. Da kommt ihnen der Tipp eines Hehlers gerade recht, der von einem blinden Kriegsveteranen berichtet, welcher allein wohnt und auf einem Haufen Geld sitzen soll. Genug Geld für alle drei, um endlich abhauen zu können. nach einer kurzen Planungsphase steigen die drei also in das Haus des alten Mannes ein und ahnen noch nicht, was für eine alptraumhafte Nacht ihnen bevorstehen wird.

 

Bereits 2013 konnte Fede Alvarez mit seiner Regie des Remakes von Evil Dead eindrucksvoll zeigen, dass er vermutlich mehr als nur eine Eintagsfliege im Bereich Horror sein würde. Diese Wahrnehmung seinerseits weiß er nun mit seinem Folgefilm Don´t Breathe eindeutig zu festigen und erschafft einen dreckigen wie minimalistischen und in seinem Spannungsaufbau lange sehr effektiven Beitrag zum Home Invasion-Thriller, der geschickt dessen festes und starres Regelwerk unterläuft und aus den Angeln hebt, indem er einfach die Perspektive umkehrt. In Don´t Breathe kommt die Bedrohung nämlich nicht von außen, sondern von innen und war im Grunde immer schon da. Nicht von den drei jugendlichen Einbrecher geht die Gefahr aus, ganz im Gegenteil, sind es doch sie, die schnell zum Opfer werden, wenn die Lage erst einmal eskaliert. Vielmehr ist es nämlich der vermeintlich wehrlose, blinde Veteran, der zur Bedrohung wird und seinen Heimvorteil nutzt, um die drei Einbrecher auf sein Niveau der Wahrnehmung zu ziehen. Alvarez verkehrt die Regeln des Home Invasion-Thriller und lässt mit ziemlich einfachen Kniffen und feinen Justierungen die Eindringlinge erst zum Opfer und im späteren Verlauf beinahe schon wieder klassisch dem Genre-Muster folgend zu wehrhaften  Ausbrechern werden. In knapp neunzig Minuten Laufzeit demonstriert Fede Alvarez eindrucksvoll, wie wenig Raum, Personal und Mittel es für effektiven Schrecken und unnachgiebige Intensität braucht. Dabei beschränkt sich der uruguayische Regisseur in der Exposition auf das Nötigste, gewährt einen knappen wie ausreichenden, mit wenigen Bildern auskommenden Blick in seine Protagonisten, und schickt sie dann direkt in ein Vorhaben, das sich im Verlauf als echter Höllentrip erweisen soll. Der Gewaltpegel bleibt im moderaten Bereich und ist absolut kein Vergleich zu den Hektolitern an Kunstblut, die noch in Evil Dead Verwendung fanden, die Spannungschraube aber hingegen zieht gnadenlos immer mehr an. So sehr auf das nötigste entschlackt und effektiv das Drehbuch daherkommt, so unglaublich gut und wichtig ist die Arbeit von Kameramann Pedro Luque. Schon relativ zu Beginn des Einbruchs gleitet die Kamera elegant durch die Räumlichkeiten des Hauses, erforscht das Setting, zeigt dessen Struktur und Aufbau und macht den Zuschauer damit vertraut. Die Kamera bleibt nah an den drei Einbrechern, folgt ihnen durch Räume und Gänge und entwirft eine Topologie des Hauses, macht den Grundriss greifbar, liefert auch schon kleine Verweise auf potentiell mögliche Szenarien und entfesselt unmittelbar die enorm klaustrophobische Wirkung des Settings. Und diese nutzt der Film auch wirklich lange und effektiv und Fede Alvarez verwendet geschickt verschiedenste Techniken, um das Spannungsniveau konstant hoch zu halten. Die Klaviatur des Terrors beherrscht er erstaunlich gut, wenn der Film Leisetreterei zum Überlebensprinzip erhebt und jedes noch so kleine Geräusch den Tod bedeuten kann. In so mancher Szene macht Don´t Breathe seinem Namen wirklich alle Ehre. Umso bedauerlicher ist es dann, dass der Film dieses Niveau nicht immer und vor allem im letzten Drittel kaum noch halten kann. Ab einem gewissen Punkt verlässt Alvarez sein bisher stark funktionierendes Terrain der Klaustrophobie und setzt eine Wendung, die zumindest mich aus dem Film geworfen hat, arg konstruiert wirkt und seinem Werk nicht gut bekommt. Von da an bleiben auch Logik und konsequente Inszenierung auf der Strecke und das vorher so sorgsam wie gelungen aufgebaute Szenario wird zerstört.

 

Somit bietet Don´t Breathe zwei sehr starke, effektive und enorm klaustrophobische Drittel, beschreitet aber im letzten Drittel völlig andere, nicht mehr wirklich nachvollziehbare Wege, welche die bis dahin schnörkellose und knackige Handlung ad absurdum führen. Das ist sehr, sehr schade, denn dadurch vergeudet Fede Alvarez unglaublich viel Potential und nimmt seinem Film die zuvor so schön etablierte und ausgearbeitete Spannung. Dennoch beweist er für mich immer noch, dass er enorm talentiert ist und durchaus ein Hoffnungsträger für das Genre Horror bleibt, denn Don´t Breathe ist eben auch lange Zeit erfrischend geradliniges Genre-Kino und ein wunderbar reduzierter Thriller, der seine Home Invasion-Prämisse herrlich einfach wie eindrucksvoll umkehrt und damit spielt.

 

6,5 von 10 rostigen Heckenscheren