Dredd

30. November 2016 at 19:26

 

 

© Lionsgate

 

 

 

„America is an irradiated wasteland. Within it lies a city. Outside the boundary walls, a desert. A cursed earth. Inside the walls, a cursed city, stretching from Boston to Washington D.C. An unbroken concrete landscape. 800 million people living in the ruin of the old world and the mega structures of the new one. Mega blocks. Mega highways. Mega City One. Convulsing. Choking. Breaking under its own weight. Citizens in fear of the street. The gun. The gang. Only one thing fighting for order in the chaos: the men and women of the Hall of Justice. Juries. Executioners. Judges.“

 

 

 

In der Zukunft sind weite Teile Amerikas zu nuklearen Wüsten verbrannt, doch gibt es noch gigantische Städte wie Mega City One, einem riesigen Moloch an der Ostküste, der sich von Boston aus bis nach Washington, D.C. ausgebreitet hat und rund 800 Millionen Einwohner zählt. Um in diesem kochenden Schmelztiegel das Gesetz aufrecht zu erhalten und Gewalt und Verbrechen Einhalt zu gebieten, gibt es die sogenannten Judges, Verbrechensbekämpfer und Jury, Richter und vollstreckende Exekutive in Personalunion. Einer dieser Judges ist der legendäre Dredd, der mit einer neuen Rekrutin einen mehrfachen Mord in dem 200 Stockwerke umfassenden Hochhaus Peach Trees aufklären soll. Scheinbar ein Routinefall, doch steht Peach Trees unter der Kontrolle von Drogenbaronin Ma-Ma, die keine Judges innerhalb ihres Einflussbereiches dulden kann, den Gebäudekomplex kurzer Hand vollständig abriegelt und die beiden Judges zum Abschuss freigibt.

 

Ein häufig gemachter Fehler in der Rezeption von Dredd ist die irrige Annahme, es mit einem Remake des Filmes von 1995 zu tun zu haben, in welchem noch Sylvester Stallone die Rolle des Judge Dredd übernahm. Das ist faktisch schlicht und ergreifend falsch, denn sowohl Judge Dredd von Danny Cannon als auch jetzt Dredd von Pete Travis sind Verfilmungen eines Comics, der erstmals 1977 als Teil der britischen Anthologie 2000 A.D. in Erscheinung getreten ist. Insofern sind beide Filme als eigenständig zu betrachten und beziehen sich in keinster Weise aufeinander, sondern lediglich auf eine gemeinsame Vorlage, die sie unterschiedlich versuchen aufzuarbeiten und die auf völlig verschiedene Art und Weise funktionieren. Tatsächlich kommt Dredd dann auch seiner gezeichneten Vorlage deutlich näher als noch Judge Dredd siebzehn Jahre zuvor, bei dem seine Macher scheinbar relativ wenig Vertrauen in seinen Ursprung hatten, reicherten sie ihren Film doch mehr oder weniger wahllos mit zahlreichen Elementen an, die dem Geist der Comics geradezu widersprüchlich entgegenlaufen und deren Essenz letztlich so sehr verwässern, dass Judge Dredd meist nur noch als launiges Sylvester Stallone-Vehikel wahrgenommen wird. Dredd hingegen ist in seiner enormen Gewaltdarstellung und seinem rohen Zynismus dem faschistoiden Grundgedanken hinter den Comics deutlich näher und zeigt sehr deutlich, wie filmische Comic-Adaptionen abseits von Marvel und Co. eben auch noch aussehen können: kurz und schmerzlos auf den Punkt inszeniert ohne unnötige Spielereien, atmosphärisch sehr nah an seiner Vorlage und gänzlich verzichtend auf Origin Stories, Subplots und potentielle Fortsetzungen oder Spin Offs. Dredd ist geradlinig, schnörkellos und erzählerisch sehr einfach gehalten, hat kein Gramm Fett zuviel auf den Rippen und die Hintergrundgeschichte der Judges und ihren Mega Cities ist denkbar verknappt und auf das Allernötigste reduziert. Die Welt von Dredd bleibt eine vage, grob umrissene Skizze, Politik und Grundsatzdebatten über Ethik und Moral des faschistoiden Justiz- und Gesellschaftssystems werden anderswo geführt, jedenfalls nicht in den neunzig Minuten dieses Films, es ist eine Welt des ununterbrochenen, zur Normalität gewordenen Ausnahmezustandes, in der es für den Titelhelden nur zwei Dinge in Relation zu setzen gibt: das Verbrechen und das Gesetz, aus denen sich die Kausalitäten des Urteilsspruchs und der Vollstreckung ableiten. Nichts anderes ist von Belang. Eine Hand voll gesprochener Zeilen aus dem Off und einige Bilder einer gewaltigen Betonwüste inmitten menschenfeindlicher Ödnis zu Beginn des Filmes reichen vollkommen aus, um alle Karten auf den Tisch zu legen. Dredd beleuchtet keine ganze Welt, betreibt kein umfassendes Worldbuilding, sondern konzentriert sich vielmehr auf eine Momentaufnahme dieser Welt, ein scheinbar willkürlich ausgewähltes Einzelbild aus dieser postapokalyptischen Szenerie und macht dieses zu seinem Thema, aber gerade das ist seine große Stärke. Eben jenes gigantische Hochhaus, Peach Trees, bietet mit seinen weit in den Himmel empor ragenden Stockwerken, seinen dreckigen wie tristen Betonfassaden und dem zentralen Atrium nicht nur eine visuell reizvolle Kulisse, sondern wirkt darüberhinaus glaubwürdig genug, um der eigentlichen Geschichte einen handfesten Unterbau zu geben. Und ja, der Vergleich zu dem ganz ähnlich konzipierten The Raid drängt sich durchaus auf, aber Dredd ist dem indonesischen Action-Spektakel von 2011 dann doch nicht so sehr ähnlich, dass man die Messlatte nun unbedingt anlegen müsste, denn es ist eben kein Martial Arts-Ballet, es gibt keine Minuten langen, virtuos inszenierten Kampfsequenzen, nur gewaltige wie dreckige Schießereien und Kugeln, die in Körper einschlagen und zerfetzte Löcher hinterlassen. Gerade durch die zeitlupenartigen, durch die neuartige Droge Slo-Mo bedingten Verfremdungseffekte erhält das ganze dann auch eine vollkommen eigene Ästhetik der Gewalt, wenn Blutfontänen schlierenartig durch den Raum wabern und zerfetztes Gewebe umher fliegt. Pete Travis´ Film ist folglich sehr brutal geraten, roh und nihilistisch, aber das braucht es auch, um eben jene faschistoiden Züge des Systems hinter den Judges überhaupt erst anzudeuten. Darüber hinaus aber ist sein Dredd auch visuell sehr faszinierend geraten und hat zweifellos den einen oder anderen beeindruckenden Effekt zu bieten. Karl Urban verkörpert den scheinbar unendlichen Stoizismus und beinahe schon widerlichen Zynismus der Hauptfigur unfassbar gut und wirkt wie ein junger Clint Eastwood unter diesem Helm, welchen er dankbarer Weise und im Gegensatz zu Judge Dredd von 1995 niemals abnimmt, würde ihn das doch der grundlegenden Idee berauben, auch nur Teil einer gesichtslosen, maschinengleichen und anonymen Masse zu sein, die ihre ganz eigenen Regeln konsequent durchsetzt. Ihm gegenüber steht Lena Headey als Madeline Madrigal aka Ma-Ma, die den meisten wohl bekannt sein dürfte für ihre Rolle als Cersei Lannister in der Serie Game of Thrones. Ansonsten sticht bis auf Domhnall Gleeson in einer zu der Zeit eher winzigen Rolle noch Olivia Thirlby als Dredd´s neue Rekrutin mit übersinnlichen Fähigkeiten hervor, die, zwar als Mutantin stigmatisiert, dennoch einem Eignungstest als Judge unterzogen wird und die ihre spätere damsel in mistress-Lage nicht nur völlig ohne die Hilfe ihres männlichen Kollegen ganz allein aufzulösen weiß, sondern gleich auch noch dem verwundeten Dredd aus der Patsche hilft.

 

Dredd ist ein roher und kompromissloser Actioner, beinahe schon nihilistisch, enorm geradlinig und schnörkellos erzählt und steht somit seiner geistigen Vorlage deutlich näher als noch die Verfilmung von 1995. Wer in ihm nicht mehr als nur eine sinnlose Aneinanderreihung immer brutaler werdender Szenen sieht, glorifizierte Gewalt nur um ihrer selbst willen und vollkommen ohne Distanz, der hat entweder nicht richtig hingesehen oder erst gar nichts anderes sehen wollen, denn unter seiner zynischen Oberfläche verhandelt Dredd schon noch ein wenig mehr als man auf den ersten Blick vermuten würde. Davon ab funktioniert er einfach ganz wunderbar als Gegenentwurf zu all den zu Tode optimierten und glatt gebügelten Comicverfilmungen, die das moderne Blockbuster-Kino quasi im Alleingang für sich vereinnahmt haben. Oder um Dredd zu zitieren: „Negotiation’s over. Sentence is death.“

 

7,5 von 10 Hot Shots aus dem Lawgiver

 

 

Independence Day: Resurgence

23. November 2016 at 12:43

 

 

© 20th Century Fox

 

 

 

„That’s… definitely bigger than the last one.“

 

 

 

Zwanzig Jahre sind vergangen seit dem verheerenden Angriff der Aliens auf die Erde. Die damaligen Ereignisse einten die Menschheit in Frieden und Eintracht, bewaffnete Konflikte gab es seither keine mehr und die Technologie der Außerirdischen konnte zu immensem Fortschritt genutzt werden. Doch ausgerechnet am zwanzigsten Jahrestag der erfolgreich abgewehrten Invasion kommt es zu einem erneuten Angriff, der um ein vielfaches größer ausfällt und nach der Zerstörung großer Teile von Europa und Asien durch die Aliens scheint die Lage aussichtslos zu sein.

 

Das diesen Text einleitende Zitat trifft nicht nur den Nagel auf den Kopf, es hämmert ihn auch gleich tief ins Holz. Independence Day: Resurgence ist ein Paradebeispiel dafür, dass eines der größten Probleme Hollywoods der Mangel an neuen Ideen ist. So verfährt Roland Emmerich dann auch zwanzig Jahre nach seinem ersten Teil ganz klar nach der Devise bigger is better und macht genau das, was er am besten kann, nämlich unterkomplexes und nur auf Überwältigung ausgelegtes Event-Kino, liefert dabei aber lediglich den lauen Aufguss eines ohnehin schon lauen Filmes. Sicher, mit sechzehn, damals im Kino, da war Independence Day auch für mich das wohl Höchste der Gefühle, heute jedoch bin ich weniger leicht zu beeindrucken, habe viel mehr gesehen und weiß, was für eine Gurke das auch schon 1996 war, so voller Kitsch, Pathos und Patriotismus, nicht unähnlich Filmen wie Armageddon oder Pearl Harbor. Ich glaube nicht, dass es überhaupt einer Fortsetzung bedurft hätte und schon gar nicht einer zwanzig Jahre danach, viel zu spät und mit einem Publikum, welches den ersten Film zum Teil vielleicht gar nicht mehr kennt. Zudem handelt es sich bei Independence Day: Resurgence streng genommen nicht einmal um eine Fortsetzung, erzählt Emmerich doch im Grunde genau die gleiche Geschichte wie 1996 und variiert kaum mehr als Teile des Personals und allenfalls winzige Elemente der Story. Würde man nicht allzu genau hinsehen, sein Film würde auch problemlos als Remake durchgehen. Independence Day hatte zu seiner Zeit immerhin spektakulär neue Effekte zu bieten, verpackt in eine Zerstörungsorgie, die damals ihres Gleichen suchte und mein sechzehnjähriges Ich zu beeindrucken wusste, doch Resurgence hingegen ist letzten Endes nur noch eine weitere von vielen, beliebigen wie lieblosen CGI-Orgien und verliert dadurch genau jenes Alleinstellungsmerkmal, dass der alte Film noch für sich beanspruchen konnte. Eines muss man Emmerich jedoch lassen: Fernab vom bemühten Ernst einiger anderer Blockbuster zielt er nicht auf die realen Ängste des Publikums vor Terror, Überfremdung und Naturkatastrophen ab, sondern vielmehr auf eine kindliche Schaulust und versucht zumindest das Kino wieder zu einer Jahrmarktsattraktion zu machen. Dass dann letztlich der Funke nicht überspringen will, das liegt auch am modernen Event-Kino und dessen sensationswütigem Publikum, dessen Ansprüchen Independence Day: Resurgence gnadenlos hinterher hinkt. Was sich vor zwanzig Jahren noch für lange Zeit ins kollektive Gedächtnis der Popkultur brannte, das ist heute gleich wieder vergessen. Zu altmodisch ist der Film in seiner Inszenierung geraten und zu sehr orientiert sich Emmerich manchmal geradezu sklavisch an der Struktur des ersten Teils, um heute noch großartig punkten zu können. Immerhin ist es eine nette Idee Jeff Goldblum, Bill Pullman, Judd Hirsch, Brent Spiner und John Storey wieder mit ins Boot zu holen und so nicht nur erzählerisch an die Ereignisse von 1996 anzuknüpfen, dafür können aber vor allem Liam Hemsworth und Jessie T. Usher kaum glänzen, und unterm Strich nimmt die alte Besetzung der neuen ganz eindeutig die Butter vom Brot. Auch gefällt mir die Idee, die auf der Erde zurückgebliebene Alien-Technologie für den menschlichen Fortschritt zu nutzen, doch gebraucht Emmerich das Potential dahinter selten gehaltvoll und meist nur für den nächsten digitalen Effekt. Überhaupt werden viel zu oft Ideen aufgeworfen und Ansätze verfolgt, nur um dann genauso schnell wieder in der Versenkung zu verschwinden. Es passiert zwar viel, aber kaum etwas davon hat auch wirklich Bedeutung oder würde gar die Story weiter entwickeln.

 

Independence Day: Resurgence tut nicht weh und weiß auch nicht zu verärgern, ist im Grunde nicht einmal ein besonders schlechter Film und hat auch die eine oder andere nette Idee zu bieten, aber er ist vor allem in seiner geradezu absoluten Belanglosigkeit einfach nur schrecklich egal, und das ist das Schlimmste, was ein Film überhaupt nur sein kann: egal. Das macht ihn letztlich überflüssig und verzichtbar, auch wenn Roland Emmerich schon schwächere Filme abgeliefert hat. Resurgence kommt mindestens fünfzehn Jahre zu spät und kann einer Generation, die Independence Day vermutlich gar nicht mehr kennt, nichts bieten, was andere aktuelle Blockbuster nicht auch leisten können und geht somit im Mittelmaß der sommerlichen Flut der Effekt-Spektakel unter.

 

5 von 10 außerirdischen Raumschiffen mit einem Durchmesser von 3.000 Meilen

 

 

 

 

Octalus – Der Tod aus der Tiefe (Deep Rising)

20. November 2016 at 17:02

 

 

© Buena Vista Pictures

 

 

 

„I once saw a guy put a fish in a bottle. He corked it, sealed it tight, and threw it to a baby octopus inside a fish tank. The octopus… he felt his way all around that bottle. In less than two minutes, he got the cork off, slid inside, and ate the fish… and we’re the fish.“

 

 

 

John Finnegan verdingt sich mit seinem Schiff und einer kleinen Crew als eine Art Schmuggler auf den Weltmeeren. Als sie von einer zwielichtigen Gruppe schwer bewaffneter Söldner dafür angeheuert werden, das Luxusschiff Argonautica anzusteuern, damit sie dieses geentert und ausgeraubt werden kann, ahnen sie noch nicht, in welche Gefahr sie sich begeben. Denn als sie die Argonautica erreichen, treibt diese still und dunkel im Wasser und entpuppt sich schnell als verlassen und nahezu menschenleer. Zwar treffen sie an Bord noch auf eine Hand voll Überlebende, aber auch auf ein sehr gefräßiges Tiefseeungeheuer, welches ihnen schnell nach dem Leben trachtet.

 

Wieder einmal begebe ich mich in die Untiefen der B-Movies und Genre-Filme mit einem Streifen, der mir sehr am Herzen liegt und den ich tatsächlich immer wieder gucken kann. Die Rede ist von Deep Rising, auch hierzulande bekannt als Octalus – Der Tod aus der Tiefe von Stephen Sommers. Nach Leviathan zwar keine Tiefsee, aber immerhin doch die manchmal unendlichen und nicht weniger ausweglosen Weiten der hohen See. Ich kann es nicht genau erklären warum, aber aus irgendeinem Grund faszinieren mich Filme beinahe jeglicher Art, die irgendwie auf oder unter dem Wasser spielen, irgendwoher habe ich ein tiefsitzendes Faible für Unterwasserstationen, die von Monstern attackiert werden oder menschenleere, unentdeckt durch die Meere treibende Geisterschiffe mit dunklen Geheimnissen an Bord. The Abyss, Deep Star Six, Leviathan, Virus, Ghostship (sowohl das Original von 1980 als auch das Remake von 2009) oder eben Deep Rising und noch einige andere mehr… irgendetwas wohnt diesen Filmen inne, das mich geradezu magisch anzieht. Und Deep Rising ist überaus faszinierend, ein Kuriosum, eine Art Unfall von Film, den es so im Grunde gar nicht geben dürfte, denn scheinbar war in diesem besonderen Fall im Jahre 1998 die Qualitätskontrolle in Hollywood besonders unaufmerksam. Anders lässt sich kaum erklären wie ein durch und durch und von der ersten bis zur letzten Sekunde reinrassiges B-Movie aller erster Güte mit einem 45 Millionen Dollar Budget versehen werden und im glanzlosen Mainstream-Kino der damaligen Zeit mit Filmen wie Armageddon, Deep Impact, Godzilla, Sphere, Rush Hour oder Saving Private Ryan einfach mehr oder weniger unbemerkt mitschwimmen konnte. Eine Videopremiere, die durch eine Verkettung unglücklicher (oder glücklicher, wie man es auch immer sehen möchte) Umstände und Missverständnisse mit einem Multimillionenbudget ausgestattet und auf die große Leinwand gehievt worden war. Regisseur Stephen Summers ist für allerhand Quatsch bekannt und hat unter anderem The Mummy und The Mummy Returns mit Brendan Fraser und Rachel Weisz sowie Van Helsing (ein Film, über dessen Qualitäten oder eben Nicht-Qualitäten sich vortrefflich streiten lässt) mit Hugh Jackman und Kate Beckinsale, G.I. Joe: Rise of the Cobra und zuletzt 2013 den eher unbekannten, aber durchaus gelungenen und charmanten Odd Thomas mit Anton Yelchin gedreht, Deep Rising allerdings stellt seinen bisher einzigen Ausflug in die Untiefen der klassischen Creature-Horrorfilme dar. Und was für einer das ist: es ist eine pure Freude sich diese knapp 100 Minuten Monster-Action zu Gemüte zu führen und macht irrsinnig Spaß, einen solchen geradezu klassischen B-Movie-Stoff im Gewand eines Blockbusters zu sehen! Stephen Sommers geht von Beginn an ein hohes Tempo, die Story ist auf eine Art und Weise schnörkellos und kompakt erzählt, wie es sich das moderne Eventkino heute viel zu selten erlaubt, und bietet nahezu keinen Leerlauf. Die Effekte sind zwar weder bahnbrechend noch revolutionär, aber wenigstens wurden sie doch sichtbar von Menschen gemacht, die eindeutig ihr Handwerk verstehen. Natürlich ist über die Jahre hinweg auch nicht alles an Deep Rising unbedingt gut gealtert und wirkt gemessen an heutigen Sehgewohnheiten vielleicht ein wenig angestaubt, aber es macht nichts, dass der Zahn der Zeit naturgemäß seine Spuren hinterlassen hat. Das ist schließlich Teil des Spiels, wenn man seine mit einem selbst verwachsenen Lieblinge vergangener Tage aus der Versenkung hebt wie einen längst vergessen Schatz. Und mit den aktuellen Genrevertretern vorm geistigen Auge, die viel zu oft den offensichtlichen Mangel an Vision und Einfallsreichtum  durch vordergründige Perfektion ersetzen, dann macht Stephen Sommers Monster-Spektakel gleich noch mehr Spaß. Das ist dann auch schon ein Großteil dessen, was den Charme von Deep Rising ausmacht und es ist sicherlich kein Film, über den sich seitenlange Abhandlungen verfassen lassen, entspringt sein Wert doch vor dem allem dem Moment, eben jener guten Laune, die er bei geneigten Fans zu erzeugen weiß und dem Lächeln, welches er ihnen ins Gesicht zu zaubern vermag. Der Cast rund um den von mir immer gern und viel zu selten gesehenen Treat Williams und Famke Janssen ist nicht herausragend, aber dafür mit zahlreichen B-Movie-Haudegen wie Wes Studi, Jason Flemyng, Cliff Curtis, Kevin J. O´Connor oder Trevor Goddard solide besetzt, deren Gesichter allesamt bekannt vor kommen. Dazu gesellen sich coole Sprüche, spritzige Dialoge und markige Oneliner, vermischen sich mit zum Teil absurd komischen Situationen und geben den knappen 100 Minuten Laufzeit den letzten Schliff für ein rund um gelungenes B-Movie-Spektakel, welches sich 1998 irgendwie ins Kino verirrt hat.

 

Deep Rising ist eine kleine Perle im schon damals stagnierenden Genre des Monster-Horrors, ein B-Movie-Kracher aller erster Güte, Exploitation par excellence, und mit einem für 1998 erstaunlich hohen Budget versehen. Eine Kuriosität, die so oder ähnlich heute niemals im Kino landen, sondern direkt in den Videotheken verstauben würde. Stephen Sommers bietet hier alles, was das B-Movie-Herz begehrt: kernige Figuren, coole Sprüche, ein fies schleimiges Monster, reichlich gut gemachte Ekeleffekte und eine von jeglichem unnötigen Ballast befreite, überaus geradlinige erzählte Story mit hohem Tempo und ohne Längen. Ein Film, den ich mir immer wieder ansehen kann ohne dass er für mich an Qualität einbüßt und auf dessen Fortsetzung ich bis heute warte, welche die drollige Pointe zum Schluss – aus einer Zeit in der solche Enden noch nicht ganz der öde Standard von heute waren – andeutet.

 

7 von 10 schleimigen Tiefsee-Monstern auf Beutezug (10 von 10 in meinem B-Movie-Herzen)

 

 

Zehn sehenswerte Filme aus dem Jahr 1986

16. November 2016 at 19:26

 

 

 

„It happens sometimes. Friends come in and out of our lives, like busboys in a restaurant.“

 

 

 

Es ist Zeit für eine weitere Liste in der Chronologie meiner Lebensjahre. 1986 ist an der Reihe und dieses Jahr hat unter anderem den einen oder anderen Eintrag in dem erweiterten Kreis meiner Lieblingsfilme zu bieten. Also los, betrachten wir auszugsweise ein Jahr, in welchem uralte, fernöstliche Magie San Francisco heimsuchte, Kinder ihre Kindheit verloren, abgeschnittene Ohren auf Rasenflächen lagen, bizarre genetische Mutationen auftraten und Serienmörder gejagt wurden oder Fotoreporter um ihr Leben kämpfen mussten und garstige Aliens einigen Marines nach dem Leben trachteten. Und nun geht es auch schon los:

 

 

 

10.

From Beyond (1986)
From Beyond poster Rating: 6.8/10 (15,080 votes)
Director: Stuart Gordon
Writer: H.P. Lovecraft (short story), Brian Yuzna (adaptation), Dennis Paoli (adaptation), Stuart Gordon (adaptation), Dennis Paoli (screenplay)
Stars: Jeffrey Combs, Barbara Crampton, Ted Sorel, Ken Foree
Runtime: 86 min
Rated: R
Genre: Horror, Sci-Fi
Released: 24 Oct 1986
Plot: A group of scientists have developed the Resonator, a machine which allows whoever is within range to see beyond normal perceptible reality. But when the experiment succeeds, they are immediately attacked by terrible life forms.

 

 

 

9.

Blue Velvet (1986)
Blue Velvet poster Rating: 7.8/10 (110,356 votes)
Director: David Lynch
Writer: David Lynch (screenplay)
Stars: Isabella Rossellini, Kyle MacLachlan, Dennis Hopper, Laura Dern
Runtime: 120 min
Rated: R
Genre: Crime, Drama, Mystery
Released: 30 Oct 1986
Plot: The discovery of a severed human ear found in a field leads a young man on an investigation related to a beautiful, mysterious nightclub singer and a group of criminals who have kidnapped her child.

 

 

 

8.

Aliens (1986)
Aliens poster Rating: 8.4/10 (496,655 votes)
Director: James Cameron
Writer: James Cameron (story), David Giler (story), Walter Hill (story), Dan O'Bannon (characters), Ronald Shusett (characters), James Cameron (screenplay)
Stars: Sigourney Weaver, Carrie Henn, Michael Biehn, Paul Reiser
Runtime: 137 min
Rated: R
Genre: Action, Adventure, Sci-Fi
Released: 18 Jul 1986
Plot: The moon from Alien (1979) has been colonized, but contact is lost. This time, the rescue team has impressive firepower, but will it be enough?

 

 

 

7.

Cobra (1986)
Cobra poster Rating: 5.7/10 (50,900 votes)
Director: George P. Cosmatos
Writer: Paula Gosling (novel), Sylvester Stallone (screenplay)
Stars: Sylvester Stallone, Brigitte Nielsen, Reni Santoni, Andrew Robinson
Runtime: 87 min
Rated: R
Genre: Action, Crime, Thriller
Released: 23 May 1986
Plot: A tough-on-crime street cop must protect the only surviving witness to a strange murderous cult with far reaching plans.

 

 

 

6.

Night of the Creeps (1986)
Night of the Creeps poster Rating: 6.8/10 (14,863 votes)
Director: Fred Dekker
Writer: Fred Dekker
Stars: Jason Lively, Steve Marshall, Jill Whitlow, Tom Atkins
Runtime: 88 min
Rated: R
Genre: Comedy, Horror, Sci-Fi
Released: 22 Aug 1986
Plot: Alien brain parasites, entering humans through the mouth, turn their host into a killing zombie. Some teenagers start to fight against them.

 

 

 

5.

The Fly (1986)
The Fly poster Rating: 7.5/10 (101,757 votes)
Director: David Cronenberg
Writer: George Langelaan (short story), Charles Edward Pogue (screenplay), David Cronenberg (screenplay)
Stars: Jeff Goldblum, Geena Davis, John Getz, Joy Boushel
Runtime: 96 min
Rated: R
Genre: Horror, Sci-Fi
Released: 15 Aug 1986
Plot: A brilliant but eccentric scientist begins to transform into a giant man/fly hybrid after one of his experiments goes horribly wrong.

 

 

 

4.

Stand by Me (1986)
Stand by Me poster Rating: 8.1/10 (222,025 votes)
Director: Rob Reiner
Writer: Stephen King (novel), Raynold Gideon (screenplay), Bruce A. Evans (screenplay)
Stars: Wil Wheaton, River Phoenix, Corey Feldman, Jerry O'Connell
Runtime: 89 min
Rated: R
Genre: Adventure, Drama
Released: 22 Aug 1986
Plot: After the death of a friend, a writer recounts a boyhood journey to find the body of a missing boy.

 

 

 

3.

Salvador (1986)
Salvador poster Rating: 7.5/10 (14,917 votes)
Director: Oliver Stone
Writer: Oliver Stone, Rick Boyle
Stars: James Woods, James Belushi, Michael Murphy, John Savage
Runtime: 122 min
Rated: R
Genre: Drama, History, Thriller
Released: 23 Apr 1986
Plot: An American photojournalist gets caught in a political struggle at El Salvador in 1980.

 

 

 

2.

Manhunter (1986)
Manhunter poster Rating: 7.2/10 (50,779 votes)
Director: Michael Mann
Writer: Thomas Harris (based on the book "Red Dragon" by), Michael Mann (screenplay)
Stars: William Petersen, Kim Greist, Joan Allen, Brian Cox
Runtime: 119 min
Rated: R
Genre: Crime, Horror, Mystery
Released: 15 Aug 1986
Plot: Former FBI profiler Will Graham returns to service to pursue a deranged serial murderer named "the Tooth Fairy" by the media.

 

 

 

1.

Big Trouble in Little China (1986)
Big Trouble in Little China poster Rating: 7.3/10 (84,742 votes)
Director: John Carpenter
Writer: Gary Goldman, David Z. Weinstein, W.D. Richter (adaptation)
Stars: Kurt Russell, Kim Cattrall, Dennis Dun, James Hong
Runtime: 99 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Comedy
Released: 02 Jul 1986
Plot: An All-American trucker gets dragged into a centuries-old mystical battle in Chinatown.