Criminal (Das Jerico-Projekt: Im Kopf des Killers)

3. Januar 2017 at 12:28

 

 

© Summit Entertainment

 

 

 

„You hurt me… I hurt you worse.“

 

 

 

Als der CIA-Agent Bill Pope von dem Terroristen Xavier Heimdahl in London gefangen genommen, gefoltert und letztlich getötet wird, sieht der Wissenschaftler Dr. Franks nur eine einzige Möglichkeit, um an die enorm wichtigen Informationen in dessen Kopf zu gelangen. Popes Erinnerungen sollen in den Häftling Jerico Stewart implantiert werden, damit dieser dann die Informationen abrufen kann. Doch Jerico gelingt die Flucht und nun streift der gefährliche Soziopath unkontrolliert durch die Stadt, verfolgt sowohl von der CIA als auch von Heimdahl und seinen Leuten.

 

Criminal vom israelischen Regisseur Ariel Vromen ist im amerikanischen Kino trotz eines beeindruckenden Cast gnadenlos gefloppt, wurde von den Kritikern erbarmungslos verrissen und strandete schlussendlich unter dem Schwachfug-Titel Das Jerico-Projekt: Im Kopf des Killers hierzulande im DTV-Regal. Solch illustre Namen wie Kevin Costner, Gary Oldman, Tommy Lee Jones, Ryan Reynolds, Gal Godot, Michael Pitt und Scott Adkins tummeln sich zu Hauf in Criminal und dazu gesellt sich noch das eine oder andere durchaus bekannte Gesicht aus der zweiten Reihe wie Amaury Nolasco, Antje Traue oder Jordi Mòlla. Mehr als ansehnlich für einen Regisseur, der bisher mit Visions – Die dunkle Gabe und The Iceman zwei höchstens mittelmäßige Filme vorzuweisen hat. Da der Plot allerdings nicht mal ansatzweise mit dem zumindest auf dem Papier großartigen Cast mithalten kann, entpuppt sich Criminal letztlich als ein solider B-Actioner, der mit eben jenem Cast und einem recht hohen Budget zu einer A-Produktion aufgeblasen wurde. Allerdings muss ich einräumen, dass die zum Teil vernichtenden Kritiken dem Film einfach nicht gerecht werden. Ja, zweifellos sind die grundlegende Prämisse des Filmes und auch sein Drehbuch in weiten Teilen absolut haarsträubender Mumpitz aller erster Güte, aber um Criminal derart zu verdammen und in Grund und Boden zu kritisieren, wie manch einer es tut, muss man doch schon einen ausgeprägten Logikfetisch an den Tag legen. Aber will man ernsthaft einen solchen Streifen, durch und durch Genrefilm, wie es Criminal ist, auf Logiklöcher und Kohärenz hin abklopfen? Wer würde solch ein Spielverderber sein wollen, wo es doch durchaus Spaß machen kann, sich einfach mal auf den Schwachsinn einzulassen, der dort knappe zwei Stunden lang kredenzt wird? Sicher, der Plot ist hirnrissig und oft unlogisch (übrigens auch nicht unbedingt unlogischer als der gern mal gefeierte und verehrte Face/Off von John Woo), der Film hat seine Längen, der emotionale Schlenker passt nur bedingt zur restlichen Stimmung und das Ende ist eine Spur zu gefühlsduselig geraten, die Charaktere sind überwiegend dünne Abziehbilder und der eine oder andere Darsteller agiert ziemlich lustlos, aber dennoch macht der Film einfach verdammt Spaß. Allein der Auftakt in London rund um die von Ryan Reynolds verkörperte Figur des CIA-Agenten Bill Pope ist schon mal gelungen und wenn Jerico erst einmal entfesselt loslegt, dann geht der Spaß erst richtig los. Die Action ist gekonnt inszeniert, hart und dreckig und auf digitale Effekte wird weitestgehend verzichtet. Wirklich zusammengehalten aber wird all das von einer ausgesprochen beeindruckenden und unterhaltsamen Performance von Kevin Costner, der hier bedingt durch einen Unfall in seiner Kindheit als buchstäblich gefühlloser Soziopath ohne Gefühl für Recht und Ordnung oder soziales Zusammenleben durch London wütet als gäbe es kein Morgen. Allein seine Auftritte in einem Dönerladen und kurz darauf in einem Cafe sind Highlights und man spürt, wieviel Spaß Costner diese Rolle auf seine alten Tage bereitet hat. Er scheint es regelrecht zu genießen, einfach mal ungestraft die Sau raus lassen zu können. 3 Days to Kill ging bereits in eine ähnliche Richtung, aber in Criminal legt Costner echt noch mal eine Schippe drauf und gibt alles.

 

Man sollte den Unkenrufen nicht zu sehr glauben schenken. Sicherlich hat Criminal seine Schwächen, aber solche überzogen negativen Kritiken hat der Film einfach nicht verdient. Man sollte ihn auch innerhalb des Kontextes seines Genre beurteilen und in diesem Zusammenhang einem Science Fiction-getriebenem B-Actioner Logiklöcher anzukreiden zeugt vielleicht nicht unbedingt von Kenntnis der Materie. Letztlich macht Criminal trotz all seiner Schwächen immer noch Spaß und das liegt vor allem auch an der famosen Leistung von Kevin Costner, der hier nochmal alles auffährt und ganz offensichtlich viel Spaß daran hat. Allein das darf auch einfach mal gewürdigt werden.

 

6 von 10 ruppigen Besuchen im Dönerladen

 

 

Kickboxer: Vengeance

1. Januar 2017 at 18:51

 

 

© RLJ Entertainment

 

 

 

Bei einem illegalen Muay Thai-Kampf in Thailand wird der amtierende Karate-Weltmeister Eric Sloane von seinem Gegner Tong Po im Ring getötet. Sein jüngerer Bruder Kurt sinnt auf Rache und fliegt nach Thailand, um sich Tong Po zu stellen. Doch bevor das soweit ist, muss er erst einmal durch das brutale Training des legendären Master Durand, der auch schon Kurts Bruder trainiert hat.

 

Kickboxer: Vengeance von Regisseur John Stockwell ist im Grunde ein 1:1 Remake von Kickboxer (Karate Tiger 3, 1989), damals noch entstanden unter der Regie von Mark Disalle und David Worth und mit Jean Claude Van Damme als Protagonist. Sogar die Namen der Figuren wurden weitestgehend einfach übernommen, nur der damals noch lediglich querschnittsgelähmte Eric wird im Remake für immer auf die Matte geschickt. Der Film kann nicht ganz billig gewesen sein, denn die exotischen Settings in Thailand können sich durchaus sehen lassen, ganz abseits des sonst eher vorherrschenden Osteuropa- und Lagerhausflairs so vieler Direct-to-Video-Produktionen heutiger Tage. Ich muss allerdings zugeben, dass mir der anfängliche Zugang zum Film eher schwer fiel, denn gerade der Einstieg wirkt irgendwie etwas lieblos und unspektakulär. Gepaart mit der nüchternen Schlichtheit eines modernen DTV-Actioners wirkte das doch etwas irritierend auf mich, aber das ändert sich spätestens mit dem Auftauchen von Jean Claude Van Damme als Master Durand, der mit seinem Sonnenbrillen/Hut/offenes Hemd-Look den nicht gerade dezenten Charme eines abgehalfterten Jazz- oder Bluesmusikers verströmt und überraschender Weise nicht nur körperlich sehr gut aufgelegt ist, sondern auch schauspielerisch. Voller Enthusiasmus wirft sich JCVD so sehr in die platten Klischees seiner Figur, dass es eine wahre Freude ist, ihn so aufspielen zu sehen. Wunderbar! Schön auch, dass die Macher von Kickboxer: Vengeance gar nicht erst versuchen, mehr aus der simplen Kampf-Orgie zu machen als das Original hergeben könnte. Nein, man besinnt sich lieber auf das, was der Film zu bieten hatte, nämlich ein schmales und wackeliges Story-Gerüst und knochentrockene Kampfszenen. Und das fast ausschließlich erfahrene Kampfsport-Profis an dem Film beteiligt waren, die ihr Handwerk verstehen, sieht man an den zum Teil spektakulär in Szene gesetzten Fights. Besonders der Hauptdarsteller Alain Moussi, seines Zeichens langjähriger Kampfsportler und Stuntman, zaubert da so manchen Kick aus der Hüfte, dass man an der Schwerkraft zweifeln möchte. Die Action ist vielleicht nicht so virtuos inszeniert wie in Filmen von Isaac Florentine, aber dennoch sehr dynamisch und vor allem immer übersichtlich. Dass Moussi leider abseits seiner Fighting-Skills eher mäßig talentiert ist und noch weniger Charisma an dem Tag legt als einst JCVD, ist bedauerlich, wird aber auch durch den einen oder anderen charmanten Witz und kleine Anspielungen auf das Original überspielt. Ansonsten bietet Kickboxer: Vengeance alles, was den klassischen Kampfsport-Film der 80er Jahre ausmachte: vor allem die obligatorische und auf keinen Fall fehlen dürfende Trainings-Montage-Sequenz inklusive motivierendem Soundtrack weiß hier zu unterhalten. Sogar die herrlich bekloppte Tanzszene darf hier nicht fehlen und wird schön mit dem Original parallel geschnitten. Auch der Ur-Tong Po in Gestalt von Michel Qissi darf kurz auftauchen und für eine kleine humorige Anspielung herhalten. Als Schwachpunkt jedoch empfand ich den finalen Kampf und die Konfrontation mit Tong Po, ist er doch zu langatmig geraten und eher schwach inszeniert. Trotz des Zitierens der berühmten Glasscherben-Szene ist der letzte Fight einfach nicht spektakulär genug, um als abschließender Höhepunkt glänzen zu können, aber das relativiert sich ein wenig, denn Kickboxer: Vengeance hat davor schon einige hervorragende Kampfszenen zu bieten.

 

Alles in allem ist Kickboxer: Vengeance ein zugegeben überraschend gelungener DTV-Streifen geworden, der zumindest Fans des Genre und vor allem des Originals zu unterhalten weiß. Der Film bewegt sich nicht in der Größenordnung eines Ninja: Shadow of a Tear von Isaac Florentine, kann aber trotzdem überwiegend überzeugen. Wenn ich so darüber nachdenke… Scott Adkins in der Hauptrolle hätte mir sehr gut gefallen können.

 

6,5 von 10 Kampfszenen auf den Rücken von Elefanten