Zitat des Tages

17. Mai 2017 at 17:04

 

 

 

„Hemingway once wrote, „The world’s a fine place and worth fighting for.“ I agree with the second part.“

 

 

 

 

Zehn sehenswerte Filme aus dem Jahr 1987

14. Mai 2017 at 15:47

 

 

 

Beinahe vollständig in Vergessenheit geraten geht es nun weiter mit den kleinen Jahresrückblicken. Und auch 1987 hat so einiges zu bieten, wenn das Fundament des Buddy-Movies gelegt wird, junge US-Soldaten der Verzweiflung anheim fallen, sich diverse Vampire herumtreiben, Robocop Detroit vom Abschaum befreit oder Elliott Ness Al Capone festnageln will während ein jagender Außerirdischer eine Elitetruppe Stück für Stück auseinander nimmt. Hier also zehn Empfehlungen von mir, die nicht nur 1987, sondern auch heute noch ganz wunderbar funktionieren.

 

 

 

Innerspace (1987)
Innerspace poster Rating: 6.8/10 (43,606 votes)
Director: Joe Dante
Writer: Chip Proser (story), Jeffrey Boam (screenplay), Chip Proser (screenplay)
Stars: Dennis Quaid, Martin Short, Meg Ryan, Kevin McCarthy
Runtime: 120 min
Rated: PG
Genre: Action, Adventure, Comedy
Released: 01 Jul 1987
Plot: A hapless store clerk must foil criminals to save the life of the man who, miniaturized in a secret experiment, was accidentally injected into him.

 

 

 

Full Metal Jacket (1987)
Full Metal Jacket poster Rating: 8.3/10 (519,467 votes)
Director: Stanley Kubrick
Writer: Gustav Hasford (novel), Stanley Kubrick (screenplay), Michael Herr (screenplay), Gustav Hasford (screenplay)
Stars: Matthew Modine, Adam Baldwin, Vincent D'Onofrio, R. Lee Ermey
Runtime: 116 min
Rated: R
Genre: Drama, War
Released: 10 Jul 1987
Plot: A pragmatic U.S. Marine observes the dehumanizing effects the Vietnam War has on his fellow recruits from their brutal boot camp training to the bloody street fighting in Hue.

 

 

 

Lethal Weapon (1987)
Lethal Weapon poster Rating: 7.6/10 (166,367 votes)
Director: Richard Donner
Writer: Shane Black
Stars: Mel Gibson, Danny Glover, Gary Busey, Mitchell Ryan
Runtime: 110 min
Rated: R
Genre: Action, Thriller
Released: 06 Mar 1987
Plot: A veteran cop, Murtaugh, is partnered with a young suicidal cop, Riggs. Both having one thing in common; hating working in pairs. Now they must learn to work with one another to stop a gang of drug smugglers.

 

 

 

Near Dark (1987)
Near Dark poster Rating: 7.0/10 (26,767 votes)
Director: Kathryn Bigelow
Writer: Kathryn Bigelow, Eric Red
Stars: Adrian Pasdar, Jenny Wright, Lance Henriksen, Bill Paxton
Runtime: 94 min
Rated: R
Genre: Action, Crime, Drama
Released: N/A
Plot: A small-town farmer's son reluctantly joins a traveling group of vampires after he is turned by a beautiful drifter.

 

 

 

RoboCop (1987)
RoboCop poster Rating: 7.5/10 (190,480 votes)
Director: Paul Verhoeven
Writer: Edward Neumeier, Michael Miner
Stars: Peter Weller, Nancy Allen, Dan O'Herlihy, Ronny Cox
Runtime: 102 min
Rated: R
Genre: Action, Crime, Sci-Fi
Released: 17 Jul 1987
Plot: In a dystopic and crime-ridden Detroit, a terminally wounded cop returns to the force as a powerful cyborg haunted by submerged memories.

 

 

 

The Lost Boys (1987)
The Lost Boys poster Rating: 7.2/10 (97,595 votes)
Director: Joel Schumacher
Writer: Jan Fischer (story), James Jeremias (story), Jan Fischer (screenplay), James Jeremias (screenplay), Jeffrey Boam (screenplay)
Stars: Jason Patric, Corey Haim, Dianne Wiest, Barnard Hughes
Runtime: 97 min
Rated: R
Genre: Comedy, Horror
Released: 31 Jul 1987
Plot: After moving to a new town, two brothers discover that the area is a haven for vampires.

 

 

 

The Untouchables (1987)
The Untouchables poster Rating: 8.0/10 (188,193 votes)
Director: Brian De Palma
Writer: Oscar Fraley (suggested by book), Eliot Ness (suggested by book), David Mamet
Stars: Kevin Costner, Sean Connery, Charles Martin Smith, Andy Garcia
Runtime: 119 min
Rated: R
Genre: Crime, Drama, History
Released: 03 Jun 1987
Plot: Federal Agent Eliot Ness sets out to stop Al Capone; because of rampant corruption, he assembles a small, hand-picked team.

 

 

 

Predator (1987)
Predator poster Rating: 7.8/10 (303,612 votes)
Director: John McTiernan
Writer: Jim Thomas, John Thomas
Stars: Arnold Schwarzenegger, Carl Weathers, Elpidia Carrillo, Bill Duke
Runtime: 107 min
Rated: R
Genre: Action, Sci-Fi, Thriller
Released: 12 Jun 1987
Plot: A team of commandos on a mission in a Central American jungle find themselves hunted by an extraterrestrial warrior.

 

 

 

Planes, Trains & Automobiles (1987)
Planes, Trains & Automobiles poster Rating: 7.6/10 (86,912 votes)
Director: John Hughes
Writer: John Hughes
Stars: Steve Martin, John Candy, Laila Robins, Michael McKean
Runtime: 93 min
Rated: R
Genre: Comedy
Released: 25 Nov 1987
Plot: A man must struggle to travel home for Thanksgiving with an obnoxious slob of a shower curtain ring salesman as his only companion.

 

 

 

Raising Arizona (1987)
Raising Arizona poster Rating: 7.4/10 (105,408 votes)
Director: Joel Coen, Ethan Coen
Writer: Ethan Coen, Joel Coen
Stars: Nicolas Cage, Holly Hunter, Trey Wilson, John Goodman
Runtime: 94 min
Rated: PG-13
Genre: Comedy, Crime
Released: 17 Apr 1987
Plot: When a childless couple of an ex-con and an ex-cop decide to help themselves to one of another family's quintuplets, their lives become more complicated than they anticipated.

 

 

 

Guardians of the Galaxy Vol. 2

8. Mai 2017 at 12:54

 

  © Marvel Studios

 

 

 

„Trash Panda!“

 

 

 

Die Guardians sollen für das Volk der Sovereign ein gigantisches Weltraum-Monster bekämpfen, welches ihre Existenz bedroht. Als Austausch dafür winkt ihnen die Herausgabe von Nebula, deren Schwester Gamora nichts lieber will als sie den Behörden ausliefern und das Kopfgeld kassieren. Der Kampf ist siegreich, aber da Rocket die Sovereign bestiehlt, sinnen diese auf Rache und schicken den Guardians eine ganze Flotte von Kampfschiffen auf den Hals. Diesen Kampf jedoch überleben sie nur ganz knapp durch die Hilfe eines mysteriösen Fremden, der sich schon bald als Starlords Vater Ego entpuppen soll. Der will endlich der Vater sein, der er nie war, nachdem er Starlords Mutter vor seiner Geburt verlassen hat. Doch nicht alle Mitglieder der Guardians sind auch wirklich überzeugt von Egos Absichten.

 

Mit Guardians of the Galaxy gelang James Gunn 2014 einer der besten und unterhaltsamsten Filme des Marvel Cinematic Universe. Ohne Druck schuf der Regisseur ein unterhaltsames Weltraumabenteuer, das einfach Spaß machte und obendrein noch mit einem sympathischen Heldenteam punkten konnte. Er platzte unvermittelt zu einem Zeitpunkt mehr oder weniger aus dem Nichts, als sich langsam leise Abnutzungserscheinungen an der MCU-Formel zeigten und Filme wie Thor: The Dark World auf die Fans losgelassen wurden. Er schenkte uns so verschrobene wie liebenswerte Außenseiter als Charaktere, die im Sturm unser Herz zu erobern wussten. Und vor allem: sie sind eben gerade keine Superhelden. Gerade Guardians of the Galaxy war ein Film, der durch seine Eigenständigkeit innerhalb des Marvel-Universums auch von vielen Nicht-Fans genossen werden konnte, die mit den bisherigen Adaptionen der Comics eher wenig anfangen konnten. Die Fortsetzung entstand allerdings unter anderen Voraussetzungen. Nun ist er da, der zweite Teil, und nach dem Erfolg des ersten Teils musste Guardians of the Galaxy Vol. 2 nun mindestens ebenso gut werden. Der Erwartungsdruck war groß, und nicht nur MCU-Filme wie der zweite Iron Man oder der zweite Thor haben bewiesen, wie schnell solche Projekte nach hinten losgehen können.

 

Ich kann mir regelrecht vorstellen, wie Disney nach dem Erfolg des ersten Teils auf James Gunn zugegangen sein muss, frei nach dem Motto: tu, was du willst, tob dich so richtig aus, Geld spielt keine Rolle, aber dreh die Regler volles Rohr auf 12. Und ziemlich genau das tut James Gunn dann auch, justiert aber Kleinigkeiten so sehr nach, dass das alles dann auch ganz hervorragend funktioniert. Eine ziemliche Reizüberflutung ist das phasenweise, aber es wird nie langweilig oder ermüdend. Vor allem auch, weil sich nun ein emotionaler Unterbau quer durch den Film zieht, der auch den Figuren etwas mehr Raum und Tiefe gibt. Herkunft, Abstammung, Freundschaft und Familie sind große Themen, die weite Teile von Vol.2 bestimmen, aber nie aufdringlich verhandelt werden. Man sucht sich seine Familie nicht aus, doch manchmal findet sie einen selbst, wenn man es am wenigsten erwartet. Es fehlt zwar ein wenig die Frische des Vorgängers, aber die neu dazu gekommene Emotionalität gleicht das wieder aus. Beinahe jede Figur bekommt ihren eigenen, besonderen emotionalen Moment und darf ihre Backstory offenbaren oder ausbauen, auch wenn nicht jede davon aufgrund ihrer Inszenierung immer richtig funktioniert. Vor allem Drax hat einen starken Moment, der durch eine geschickte Spiegelung besonders überzeugen kann. Gerade gegen Ende nehmen Kitsch und Pathos zwar ordentlich zu, aber die ironische Brechung ist nie weit entfernt, so dass der Film nicht droht in Gefühlsduselei zu versinken. Und es ist einfach ein Riesenspaß und wahnsinnig komisch, Vater und Sohn bei nach allen Regeln der Kunst schwülstig inszenierten Ballspielen inklusive Zeitlupe zu zusehen. Wo wir schon mal bei den Figuren sind, sprechen wir doch kurz über Baby Groot. Ich für meinen Teil hatte auch wegen der Trailer im Vorfeld ein wenig Angst davor, dass man dieses – zugegeben ausgesprochen niedliche – Gimmick zu sehr ausreizen und den süßen Kleinen inflationär im Film platzieren könnte. Zum Glück erliegt James Gunn dieser Falle gerade nicht und auch, wenn Disney sicherlich die Dollarzeichen bei all dem Merchandisepotential in den Augen haben dürfte, setzt er den kleinen Publikumsliebling wohl dosiert ein, spendiert ihm zwei oder drei größere Szenen, gönnt ihm seine Auftritte, überreizt es aber auch nicht damit. Besonders die erste Szene im Film (gemeint ist nicht die anfängliche Rückblende) ist dahingehend fantastisch umgesetzt, wenn James Gunn den Kampf der Guardians für die Sovereign gegen das Weltraum-Monster mehr oder weniger in den Hintergrund rückt und lieber Baby Groot zu den Klängen von ELOs Mr. Blue Sky in den Fokus stellt, der da munter durch die Szenerie tappst und tanzt, zum Kampf nichts beizutragen hat, allerlei Unsinn anstellt und für reichlich Ablenkung sorgt. Dadurch gelingt eine sehr schöne wie clevere Verlagerung der Perspektive, wenn im Hintergrund das Chaos tobt.

 

Und Chaos tobt oft auf der Leinwand, so viel ist sicher, denn James Gunn taktet den Rhythmus seines Filmes enorm hoch und reiht Actionszene an Actionszene. Das Tempo ist wahnsinnig schnell und lediglich im Mittelteil geht der Film vom Gas. Da kommt es dann auch zu kleineren Längen und die Entscheidung, die Guardians in zwei Gruppen aufzuteilen, ist dramaturgisch ein wenig fragwürdig, geht dadurch doch etwas der erzählerische Schwung verloren. Sind sie aber erst wieder vereint, ist das schnell vergessen. Zudem ist die Frequenz, mit der James Gunn mit Unmengen an popkulturellen Referenzen und Anspielungen auf die 80er nur so um sich wirft, nochmals höher als noch im ersten Teil, ohne dass es sich jemals aufgezwungen anfühlen würde. Im Gegenteil, es macht wahnsinnig viel Spaß, all diese kleinen Verweise zu entdecken und zu entschlüsseln, was den Wiederschauwert stark erhöht, denn da steckt noch viel zu viel im Film, als dass man all das beim ersten Mal wahrnehmen könnte. Auch die Gagdichte ist wieder irre hoch und auch, wenn nicht jeder Witz funktioniert und jede Pointe zündet, manches vielleicht doch zu infantil daherkommt oder unter die Gürtellinie zieht, ist die Trefferquote beachtlich und es darf mehr als einmal laut gelacht werden. Und auch über den Soundtrack müssen wir kurz sprechen, war der des ersten Filmes doch schon allein ein Phänomen nur für sich, der einen riesigen Hype lostrat. In Vol.2 funktioniert das Konzept auch wieder ganz vorzüglich, obwohl es leicht abgewandelt ist und die Songs bei weitem nicht mehr so offensichtlich plakativ eingesetzt, sondern deutlich subtiler eingestreut werden, meist ruhiger gehalten sind und viel atmosphärischer wirken. Ein kleiner Kniff, der stumpfe Wiederholung vermeidet und zudem den emotionalen Anstrich hervorragend ausbauen und sanft unterstreichen kann. Und wenn ich ganz ehrlich sein soll, dann hat mich der Film am Ende, wenn Father and Son von Cat Stevens erklingt, auf einer ganz persönlichen Ebene tief berührt.

 

Ist Guardians of the Galaxy Vol. 2 nun ein wichtiger Film, der dem Kino vielleicht neue Möglichkeiten eröffnet? Nein. Aber mit seinem beinahe schon größenwahnsinnigen Unterhaltungswert erinnert er uns auch daran, dass wir Entertainment nicht immer mit dem Hirntod bezahlen müssen und dass Spaß im Kino nicht mit dem Mangel an Anspruch erkauft werden muss. James Gunns Fortsetzung ist letztlich ein turbulentes, wildes, grellbuntes Weltraum-Action-Abenteur-Spektakel voller 80er Jahre Referenzen, jeder Menge Witz, Charme und Herz sowie der genau richtigen Menge an Kitsch und Pathos. Leichte Abzüge in der B-Note gibt es für den etwas ausfasernden Mittelteil mit kleineren Längen, aber das stört das Gesamtpaket in seiner Wirkung kaum. Zudem versteckt James Gunn sehr geschickt immer wieder kleine Spitzen gegen Disney in seinem Film, die auch einen gewissen Unterhaltungswert haben. Allein der Satz über Baby Groot „It’s too adorable to kill“ spricht da Bände in Bezug auf Marketing und Merchandise. Und auch die sage und schreibe 5 (!) After-Credit-Scenes sind ein wunderbar leicht ironischer Seitenhieb auf eine zweifellos standardisierte Formelhaftigkeit des MCU. Abschließend lässt sich zusammenfassend sagen: wer den ersten Teil mochte, wird auch mit Vol.2 seinen Spaß haben.

 

9 von 10 Meutereien auf der Space-Bounty

 

 

Charley Varrick – Der große Coup (The Last of the Independents)

6. Mai 2017 at 16:31

 

 

  © Universal Pictures

 

 

 

„The difference is the Mafia kills you, no trial, no judge. They never stop looking for you, not ‚til you’re dead. I’d rather have ten F.B.I.s after me.“

 

 

 

Charley Varrick überfällt zusammen mit seiner Frau Nadine und ihrem Komplizen Harman Sullivan eine kleine Bank irgendwo im texanischen Grenzland, doch der bis in letzte Detail geplante Raub geht trotzdem schief. Drei Menschen sterben und im Verlaufe der Flucht muss auch Nadine ihr Leben lassen. Doch die eigentliche Dimension ihrer Tat offenbart sich erst später im Wohnwagen von Charley, wenn die beiden ungleichen Männer feststellen müssen, dass sie statt der geplanten 20.000 bis 30.000 Dollar sage und schreibe rund 750.000 Dollar erbeutet haben. Für Charley ist schnell klar, dass das in der Bank zur Zwischenlagerung deponiertes Geld der Mafia sein muss und versucht fortan, irgendwie halbwegs unbeschadet aus dieser Situation wieder herauszukommen, denn die Mafia will ihr Geld zurück und schickt den beiden den Killer Molly hinterher.

 

Im Moment habe ich eine stark ausgeprägte New Hollywood-Phase – also eben jenem Zeitraum von etwa Ende der 60er Jahre bis in die ganz frühen 80er Jahre, in dem zahlreiche junge, wilde Regisseure wie Steven Spielberg, Francis Ford Coppola, Martin Scorsese, Sam Packinpah, John Carpenter, Brian De Palma, John Boorman, Sidney Lumet, Roman Polanski, George Roy Hill oder Michael Cimino und viele andere den etablierten und müde gewordenen Alteingesessenen in Hollywood deutlich spürbar aufzeigten, dass sich Filme auch auf eine völlig andere Art und Weise inszenieren lassen als bisher. Einer der für mich aus filmhistorischer Sicht spannendsten Zeiträume voller Experimente und Wagnisse. Viele der Filme dieser Zeit – vor allem die großen Klassiker – sind mir durchaus bekannt, zum Teil schon sehr lange, aber es gibt auch immer wieder Perlen für mich zu entdecken wie beispielsweise neulich The Long Goodbye von Robert Altman, The Last Picture Show von Peter Bogdanovich, Little Big Man von Arthur Penn oder eben nun Charley Varrick von Don Siegel, den man streng genommen so gar nicht zum New Hollywood zählen kann, sondern vielmehr eher zur alten Garde. Siegel aber liefert mit Charley Varrick nun nur zwei Jahre nach Dirty Harry mit Clint Eastwood einen Film, der ohne nähere Kenntnis seines Regisseurs geradezu lupenrein in diese so spannende Phase fällt und mich ziemlich überrumpelt hat. Recht lakonisch und deutlich beschwingter als der so zynische Vorgänger, macht Charley Varrick lange durchaus auch immer mal wieder Spaß, bis sich mehr und mehr die eigentlichen Ausmaße der Geschichte offenbaren und die Ereignisse immer tragischer werden. Und das Drehbuch von Howard Rodman und Dean Riesner, basierend auf dem Roman The Looters von John Reese, ist ein ganz wunderbares Beispiel für gelungenes story telling anhand von winzigen wie zunächst unauffälligen Kleinigkeiten. Sehr früh und unaufdringlich, geradezu aufreizend beiläufig, etabliert der Film Dinge, die im späteren Verlauf noch von Bedeutung sein werden – ein Ehering, ein Gespräch über einen Zahnarzt, eine Vergangenheit als Kunstflieger. Nicht weniger faszinierend und reizvoll finde ich, wie wenig man als Zuschauer anfangs über die näheren Zusammenhänge weiß, deren eigentliche Komplexität sich mit fortschreitender Handlung nach und nach immer weiter Schicht um Schicht zwiebelartig herausschält.

 

Es ist der Moment in Charleys Wohnwagen, wenn er und Harman feststellen, dass sie bei weitem mehr Geld bei dem Banküberfall erbeutet haben als ursprünglich gedacht, in dem klar wird, dass das alles wohl kaum gut wird enden können. Harman ist außer sich vor Freude, blind, vielleicht, bestimmt sogar naiv, und glaubt, das große Los gezogen zu haben, Charley hingegen ist sofort misstrauisch, ahnt Böses und ist alles andere als glücklich über die fette Beute. Eine kleine Szene, die jedoch ihre beiden Figuren auf den Punkt genau geradezu perfekt charakterisiert. Rückblickend betrachtet ist die Besetzung des Charley Varrick mit Walter Matthau absolut genial, denn zumindest in meiner Erinnerung war er abonniert auf zwar leicht schrullige, aber dennoch liebenswerte Charaktere, gern in Kombination mit Jack Lemmon wie in The Odd Couple (Ein seltsames Paar). Insofern ist die berechnende Präzision und kühle Überlegtheit seines Verrick angesichts einer solch ausweglosen wie tragischen Situation dann doch sehr überraschend. Völlig anders als Clint Eastwood, der zwei Jahre zuvor noch mit seinem Dirty Harry im Grunde nur die moderne Großstadtvariante seiner Figuren aus den Filmen von Sergio Leone gab, wortkarg und zynisch, ein Mann, der gar nicht anders kann, da tut Varrick alles, was nach dem Banküberfall geschieht aus einem bestimmten Grund, welcher sich für den Zuschauer zwar in dem Moment nicht unbedingt offenbart, später aber in jedem Fall noch von Bedeutung sein wird. Harman ist das genaue Gegenteil, jung, nicht der Hellste, ein Heißsporn, der nur das Geld und dessen Vorzüge sieht, nicht aber die Gefahren, die dessen Besitz mit sich bringt. Er würde sich am liebsten sofort absetzen und das Geld mit vollen Händen ausgeben für Frauen und Schnaps. Das Konfliktpotential zwischen den beiden ist also schnell vorhanden, doch die ruhige und überlegte Konfliktbewältigung von Charley erweist sich mittelfristig als die deutlich bessere Strategie. Denn einfach abhauen und untertauchen ist für ihn keine Option. Nicht, wenn man die Mafia auf den Fersen hat.

 

Charley Varrick ist wahrlich eine kleine Perle des New Hollywood, in Vergessenheit geraten und lange kaum beachtet, aber ihre Entdeckung ist dafür dann umso lohnenswerter. Deutlich beschwingter, lakonischer und weniger zynisch als noch in Dirty Harry erzählt Don Siegel seine Geschichte eines missglückten Banküberfalls, weniger ernst oder gar unangenehm ist die Situation der Beteiligten dadurch jedoch nicht. Erzählerisch ist Charley Varrick zwar durchaus dem Film Noir zugetan, inszenatorisch und visuell dagegen so gut wie gar nicht. Filmemacher wie Quentin Tarantino oder die Coen-Brüder jedenfalls oder Paul Thomas Anderson zumindest für Inherent Vice dürften Charley Varrick vermutlich mehr als einmal gesehen haben, nimmt dieser doch 1973 schon so manches Element ihrer Filme vorweg. Eine Schande, dass Don Siegel auf Druck des Studios den ursprünglichen, zweifellos absolut großartigen Titel The Last of the Independents ändern musste.

 

8 von 10 Flaschen Whiskey gegen Zahnschmerzen