Den of Thieves – Criminal Squad (2018)

31. August 2018 at 19:00

 

 

© STXfilms/Quelle: IMDb

 

 

 

You’re not the bad guys. We are.“

 

 

 

Nachdem eine Gruppe hervorragend organisierter wie ausgerüsteter Täter nach einer extrem bleihaltigen Schießerei einen leeren Geldtransporter erbeutet hat, übernimmt die Major Crimes-Abteilung rund um Big Nick O´Brien und seine Spezialeinheit den Fall. Schnell ist der Barkeeper Donnie als Teil des Gangsterteams ermittelt – aber statt ihn ganz regulär zu verhaften und zu vernehmen, entführen Nick und seine Leute ihn, um ihn nach ein wenig angedrohter Folter fortan als Informant zu verwenden. Langsam kommen sie der Crew von Ray Merrimen auf die Spur und der Konflikt spitzt sich zu.

 

Im Grunde stellt sich hier nur eine einzige Frage: wer hat die dicksten Eier? Letztlich ist Den of Thieves kaum mehr als ein rund zwei stündiger, breitbeiniger, verschwitzter und schmieriger Schwanzvergleich. Die pure, ungefilterte Männlichkeit zelebriert Regiedebütant Christian Gudegast, welcher bisher nur durch Drehbücher für Filme wie A Man Apart (Extreme Rage, 2003) und London Has Fallen (2016) auffiel. Echte Männer, toughe Kerle, wortkarg, aufgepumpt, voller Testosteron, große Fressen, dicke Waffen, harte Schläge: egal, was man sich auch nur vorstellen kann, Gudegast fährt die volle Macho-Parade auf und lässt kein Klischee und kein Stereotyp liegen und suhlt sich geradezu unverschämt genüsslich in all diesen ätzenden Posen und erbärmlichen Manierismen. Den of Thieves versteht sich in erster Linie als dreckiges, hartes, düsteres Heist-Movie und dieses räudige Stück Macho-Kino wäre nur allzu gern eine neue Version des Genre-Klassikers Heat, für mehr als den ähnlich kleingeistigen und ultra männlichen Sabotage (2014) von David Ayer reicht es aber kaum, denn letztlich bietet der Film einfach kaum mehr als immer wieder diese beinahe schon an Karikaturen erinnernden Schablonen.

 

Das ist besonders ärgerlich, wenn gerade die Actionszenen durchaus solide inszeniert sind und sich sehen lassen können, die Shootouts sitzen und auch der zentrale Coup nicht uninteressant ist und zumindest von einem gewissen Gespür für das Genre zeugt. Leider fällt Den of Thieves immer wieder in seine Macho-Gefilde zurück und sobald die rohen Figuren wieder im Fokus stehen, da verliert diese reißerische Mischung aus Action und Crime-Drama an Reiz und wird schnell ermüdend, langweilig und plump. Auch will kaum ernsthaft Spannung aufkommen, denn dafür ist der Plot viel zu vorhersehbar und uninspiriert, wenn Gudegast sich allzu offensichtlich bei seinen filmischen Vorbildern bedient. Zudem ist beinahe keine einzige Figur im Film auch nur ansatzweise sympathisch geraten und alle glänzen überwiegend durch Belanglosigkeit, so dass man im Finale mit niemandem mitfiebert. In Den of Thieves gibt es keine Konflikte, nur das systematische Abhaken willkürlicher Plotpoints, es gibt keine Figurenentwicklung, sondern nur eindimensionale Schablonen aus der Drehbuch-Hölle. Von allerhand Logiklöchern mal ganz abgesehen. Dann doch lieber The Town (2016) von Ben Affleck oder eben gleich den Genre-Primus aus dem Hause Michael Mann, an dem sich Den of Thieves mehr als nur offensichtlich orientiert.

 

4,5 von 10 vollgepissten Hosen

 

 

Killing Ground (2016)

28. August 2018 at 17:16

 

 

© IFC Midnight/Quelle: IMDb

 

 

 

Das junge Paar Ian und Samantha beschließt die Tage zwischen Weihnachten und Silvester an einem einsamen Strand in der australischen Wildnis zu verbringen. Dort angekommen müssen sie jedoch feststellen, dass bereits ein anderes Zelt dort steht und scheinbar noch jemand die gleiche Idee hatte. Anfangs ist es ihnen noch recht, dass sie die anderen Camper nicht zu Gesicht bekommen, doch irgendwann kommt ihnen das merkwürdig vor und als Samantha beschließt, im Innern des Zeltes nach dem Rechten zu sehen, ahnen sie noch nicht, was auf sie zu kommen wird.

 

Ozploitation again. Manchmal beschleicht mich das Gefühl, dass die Australier mit so manchen ihrer heimischen Filmproduktionen Touristen mit aller Kraft fernhalten wollen. Gefräßige Riesen-Krokodile, angriffslustige Wildschweine und immer wieder Bewohner des Outbacks selbst, die nicht erst seit Wolf Creek von Greg McLean Jagd auf unbedarfte Touristen machen. Wähnt man sich zu Beginn im Regiedebüt von Damien Power – von dem auch das Drehbuch stammt – noch in einem gewöhnlichen wie formelhaften Backwood-Slasher, wird doch schnell deutlich, dass Killing Ground durchaus auch andere Wege zu beschreiten versucht. Power lässt sich Zeit um das Setting und die Figuren nachhaltig zu etablieren und lange deutet kaum mehr als das verlassene Nachbarzelt am Strand auf das hin, was da noch kommen mag. Normalität ist seine Waffe, wenn Power größtenteils auf für das Genre sonst eher typische inszenatorische Spielereien verzichtet, die Kamera beinahe schon dokumentarisch nüchtern immerzu ganz dicht und ungefiltert an den Figuren dran ist und eine unterschwellige Dringlichkeit vermittelt. Da sind keine huschenden Schatten, keine Schreckmomente und keine anschwellende Musik, das Grauen bricht unvermittelt, plötzlich und eindrücklich über den Figuren herein und verlangt dem Zuschauer durchaus einiges ab.

 

Zwar überlässt Power viel der Fantasie des Zuschauers, an den Nerven zerrt das Geschehen dennoch (oder genau deswegen), und er gibt sich auch keinem Gore hin, ist aber dennoch konsequent in der bildlichen Darstellung und nutzt auch hier den zuvor bereits etablierten grimmig-realistischen Ton. Zudem montiert Killing Ground recht geschickt zwei aufeinander zulaufende Handlungsstränge, deren smartes Spiel miteinander stark zur Steigerung der Spannung beiträgt. Auch erliegt Power nie der Versuchung, seine Antagonisten zu erklären oder Motive für ihre Handlungen zu finden, sondern lässt den Zuschauer vollkommen allein mit deren Taten. Und umgekehrt sind auch die Protagonisten angenehm menschlich ausgearbeitet und bleiben nachvollziehbar, denn übermenschlichen Heroismus gestattet Power ihnen nicht, im Gegenteil, sie dürfen sogar feige sein und wenig glanzvolle Entscheidungen treffen. Alles in allem macht Damien Power mit seinem Debüt Killing Ground im Kleinen so einiges anders als manch anderer Vertreter des Backwood-Slashers und kann sich dadurch ein wenig aus der Masse des Genres abheben und eine eigene Handschrift entwickeln. Sollte man sich vielleicht merken, den Mann.

 

6,5 von 10 Bierdosen voller Einschusslöchern

 

 

Mission: Impossible – Fallout (2018)

27. August 2018 at 16:51

 

 

© Paramount Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

The end you’ve always feared is coming. And the blood will be on your hands. The fallout of all your good intentions.“

 

 

 

In Belfast nehmen Ethan Hunt und sein Team nach der Wiedereinsetzung des IMF einen neuen Auftrag an: aus den Überresten des vor zwei Jahren zerschlagenen Syndikats ist eine Terrorgruppe namens Die Apostel hervorgegangen. Scheinbar planen sie, waffenfähiges Plutonium zu erwerben, um damit drei Atombomben zu bauen. Ihr Ziel: drei verheerende Anschläge, um die gesamte Weltordnung zu destabilisieren. Doch das ist nur der Auftakt zu einer atemlosen Hatz rund um die Welt voller neuen Verbündeten und alten wie neuen Freunden und Feinden.

 

Nach Rogue Nation steht für Fallout erneut Christopher McQuarrie nicht nur hinter der Kamera, sondern ist auch wieder für das Drehbuch verantwortlich. Ein Novum der bisher sechs Filme umfassenden Reihe rund um den IMF-Agenten Ethan Hunt, wurde zuvor doch immer für jeden neuen Teil auch ein anderer Regisseur besetzt. Dass McQuarrie Action eindrucksvoll inszenieren kann, das steht vor allem nach Rogue Nation außer Frage, und auch Fallout vermag rasante wie atemberaubende Sequenzen zu erschaffen. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich mich im Kino nach den ersten etwa zwanzig Minuten bei dem Gedanken ertappte, das hier könnte in die Hose gehen. Zu merkwürdig ungelenk und irgendwie holprig fühlt sich der Einstieg in den Film an und zu viel Exposition wird mir da auf geballtem Raum präsentiert, doch brennt erst einmal die Zündschnur, dann nimmt Fallout mächtig Fahrt auf und spätestens nach der Hälfte der rund 145 Minuten Laufzeit wurde ich komplett mitgerissen von dem irrwitzigen Tempo und geradezu zu in den Kinosessel gepresst, wenn zunehmend die Schlagzahl erhöht wird und in einem nur denkbar größtmöglichen Spektakel alle Fäden zusammenlaufen.

 

Aber McQuarrie inszeniert seinen Film auch abseits fulminanter Action ungemein smart und was er darüber hinaus noch ergründet, das vermag durchaus zu überraschen, wenn nun auch ruhige, nachdenkliche und emotionale Momente zum Vorschein kommen dürfen ohne gleich unter der Last des Spektakels erdrückt zu werden. Allein der Einstieg in Fallout gestaltet sich eher ungewöhnlich für die Reihe, wenn eben kein spektakuläres Stück Action den Beginn markiert, sondern ein wiederkehrender Albtraum aus den Untiefen von Hunts Gedankenwelt. Seine Figuren sind ihm wichtig, das unterstreicht McQuarrie immer wieder, und sie erhalten Raum, um sich zumindest ein wenig entfalten zu können. Oft sind es Kleinigkeiten, welche noch den einen oder anderen Pinselstrich in puncto Charakterzeichnung hinzufügen können, um so ein stimmigeres Gesamtbild zu erschaffen. Gleich die erste größere Actionsequenz in einer Herrentoilette ist nicht nur wuchtig wie druckvoll umgesetzt, sondern charakterisiert gleich auch sowohl Ethan Hunt als auch dessen CIA-Kollegen August Walker eben wie zuvor im Film erwähnt als Skalpell und Hammer. Ihre Herangehensweisen könnten unterschiedlicher kaum ausfallen, McQuarrie umreißt so geschickt ihre Persönlichkeiten und darüber hinaus bekommen sie auch noch ihre Grenzen aufgezeigt. Solche Details sind es, welche Fallout auch immer wieder auszeichnen, und dazu geht der Film einen angenehmen Schritt zurück zu den Wurzeln der Reihe und bietet auch wieder eine zumindest etwas mehr verzwickte Spionage-Story voller doppelter Böden, Täuschung, List, Lug und Trug als die letzten Filme.

 

Sicherlich ist auch hier nicht alles perfekt, wenn sich der Einstieg etwas holprig anfühlt, manchmal zu viel Exposition dargeboten wird, so mancher Moment sehr nach Deus ex machina schreit, Hunt sich nie wirklich die Hände schmutzig machen muss oder vielmehr darf und so manche Scharade allzu offensichtlich ist, aber wenn sich Fallout seinen Kernkompetenzen widmet, das Tempo immer weiter anzieht und eine spektakulärere Actionsequenz an die andere reiht, dann wird das zunehmend rauschhaftes Kino in seiner besten Form und Eskapismus pur. Ja, Fallout legt seinen Schwerpunkt deutlich auf seine Schauwerte, aber die sind State of the Art und machen den sechsten Teil der Reihe zum wohl besten Blockbuster-Actionfilm des Jahres.

 

8 von 10 Peilsendern im Hals

 

 

Ghostland (2018)

25. August 2018 at 11:31

 

 

© 5656 Films/Mars Films/Logical Pictures/Inferno Pictures/Radar Films/Quelle: IMDb

 

 

 

Irgendwo in einer ländlichen Einöde bezieht Colleen gerade mit ihren zwei pubertierenden Töchtern Beth und Vera das alte Haus ihrer verstorbenen Tante, als sie von zwei Fremden brutal überfallen werden und nur durch den Löwenmut der Mutter überleben. Doch dieses einschneidende Ereignis hinterlässt tiefe Spuren bei den drei Frauen und führt 16 Jahre später zu einem Wiedersehen unter merkwürdigen Umständen.

 

Ein Film wie Martyrs kann auch zu einem schweren Päckchen werden, wenn der Regisseur fortan immerzu daran gemessen wird. Ist Pascal Laugier nun also One-Hit-Wonder oder doch die Hoffnung des Horrorfilms? Vor zehn Jahren jedenfalls drehte er Martyrs und erschuf damit quasi aus dem Nichts heraus einen modernen Klassiker des Genres, ein extremes wie radikales, brachiales und wegweisendes Monstrum von Film, an dem sich auch heute noch alles, was auch nur ansatzweise in Richtung Terrorkino schielt, messen lassen muss. Und auch sein nunmehr vierter Film Ghostland muss sich diesen Vergleich gefallen lassen, welchen Laugier irgendwo zwischen H.P. Lovecraft und Stephen King, zwischen Home Invasion und Haunted House, zwischen surrealem Albtraum und kompromissloser Härte ansiedelt. Zudem verzichtet er hier auf das Spiel mit psychologischen Feinheiten und moralischen Ambivalenzen, gibt sich viel lieber voll und ganz dem Terror hin und inszeniert ein selbstbewusst strukturiertes Katz-und-Maus-Spiel in begrenztem Setting.

 

Das alles mag nicht sonderlich innovativ oder gar Genre-Neuland sein und bedient sich auch immer wieder abgegriffener Klischees, aber wenn Laugier seinen Terror erst einmal richtig entfesselt, dann auf einem schweißtreibendem Level, denn er weiß sehr genau, was er da tut und welche Knöpfe er drücken muss. In seinen besten und stärksten Momenten ist Ghostland hart, intensiv, ausweglos und im besten Sinne Terrorkino pur, das auch deswegen funktioniert, weil es so unbestimmt und gleichermaßen zielgerichtet daher kommt. Leider kann der Film dieses Niveau nicht immer aufrecht halten und gerade im Mittelteil geht ein wenig das Tempo verloren und die Inszenierung verlässt sich etwas zu sehr auf diverse altbekannte Klischees und belanglose Jump-Scares. Doch dafür dreht Laugier dann nach einem nicht uninteressanten Twist im letzten Drittel nochmal so richtig auf und fährt all sein inszenatorisches Können auf. Zwar hält er sich in puncto grafischer Gewalt eher zurück, doch sollte man den Härtegrad von Ghostland trotz der Freigabe ab 16 Jahren keineswegs unterschätzen: so kraftvoll, vehement und mitunter schwer zu ertragen wie hier die Gewalt über die Protagonisten herein bricht, das sieht man nicht oft in den eher dem Mainstream zugewandten Ausläufern des Horror-Genres, welche oftmals das Kino fluten. Die wirklich schockierenden Abgründe von Martyrs mag Ghostland zwar zu keinem Moment erreichen, sehenswertes Genrekino aber ist das allemal.

 

7 von 10 furchterregenden Spielzimmern