Close Range (2015)

30. Oktober 2018 at 12:48

 

 

© Daro Film Distribution/VVS Films/XLrator Media/Quelle: IMDb

 

 

 

Als die Nichte des Ex-Elitesoldaten Colton MacReady aufgrund dubioser Machenschaften ihres Stiefvaters von einem mexikanischen Drogenkartell entführt wird, da macht er sich im Alleingang auf, sie zu befreien. Zwar gelingt ihm sein Vorhaben, doch bei seiner Flucht mit ihr befindet sich eher zufällig ein USB-Stick in seinem Besitz, welchen das Kartell unter allen Umständen zurück haben will.

 

Isaac Florentine und Scott Adkins, das unschlagbare Dream-Team der kinetisch getriebenen B-Movies, die ungekrönten Könige des DTV-Actioners. Kaum jemand versteht Action derart gekonnt in Szene zu setzen und wird nicht selten als einer der aktuell wichtigsten Regisseure in seinem Genre genannt, denn er hat ein unfassbares Gespür für Raum, Bewegung, Tempo, Dynamik und Kinetik. Adkins passt mit seinen Fähigkeiten und seinen sehr ökonomischen wie geradlinig präzisen Bewegungsabläufen dazu wie Arsch auf Eimer. Meine Theorie: in den 80er Jahren wäre Adkins ein Megastar in den Videotheken gewesen und Florentine sein glorreicher Wegbereiter.

 

Zugegeben, das magische Duo hat schon bessere Filme hervorgebracht und Close Range wirkt ein wenig wie eine Lockerungsübung für spätere Großtaten, aber er bietet vor allem auch angenehme rund 80 Minuten schön auf die Mütze ohne Leerlauf oder unnötigen Ballast. Close Range ist knochentrocken, präzise, auf den Punkt genau, hat kein Gramm Fett zu viel auf den Rippen, ist straightes Genre-Kino, schnörkellos und ohne Umschweife zur Sache kommend. Der Film täuscht ein wenig mit seinem Western-artigen Score sowie der typischen Titelsequenz und auch wenn Close Range im letzten Drittel zu einem bleihaltigen Belagerungsszenario inklusive Duell wie einst Rio Bravo mutiert, so spielt er allenfalls mit diesen Stilelementen anstatt sich an ihnen abzuarbeiten.

 

Sicherlich lassen sich auch diverse inhaltliche Schwächen kaum leugnen, vom USB-Stick mal ganz zu schweigen, und es mangelt vielleicht auch an einem adäquaten Gegenspieler für Adkins, aber als Happen für zwischendurch ist Close Range dennoch schmackhaft. Wie oft bei Florentine sind die Choreografien auch hier eher weniger virtuos als vielmehr zweckgerichtet, bodenständig und nicht übermäßig spektakulär, deswegen aber auch ungemein effektiv. Letztlich ist Close Range ein solides B-Movie, welches in seinen besten Momenten immer wieder die Genialität sowohl von Isaac Florentine hinter, als auch Scott Adkins vor der Kamera ausstellt.

 

6 von 10 knackigen Fights in staubiger Hitze

 

 

The Night Comes for Us (2018)

27. Oktober 2018 at 20:35

 

 

© Netflix/Quelle: IMDb

 

 

 

Ito ist Teil eines Spezialeinheit der Triaden, doch als er ein kleines Mädchen nicht töten kann und statt dessen mit ihm die Flucht zu alten Freunden antritt, da hetzt ihm sein Boss ein Killerkommando nach dem anderen auf den Hals. Ein langer wie blutiger Kampf ums Überleben entbrennt.

 

Der Gott des Gemetzels. Brechende Knochen, berstende Gelenke, reißende Bänder, durchtrennte Arterien, abgehackte Körperteile, gespaltene Schädel: der neue Film des indonesischen Regisseurs Timo Tjahjanto (Headshot, Killers) bietet wirklich die ganze Palette grafischer Gewalt und garniert das ganze mit unzähligen Litern Blut. Einen solch unfassbar hohen Grad der Gewalt erlebt man wirklich nicht oft und nicht selten kippt das in derben Splatter, so dass The Raid und Headshot sich dagegen wie ein Kindergeburtstag mit Fingerfarben anfühlen. Story? Egal, braucht man nicht, ist zu vernachlässigen, mehr als nur dünn, passt auf einen Bierdeckel und dient ohnehin nur dazu, um eine große wie komplexe Actionsequenz an die nächste zu reihen. Wer jetzt denkt, das würde sich abnutzen und vielleicht schnell langweilen, der unterschätzt die bizarre Kreativität und den garstigen Einfallsreichtum der Macher von The Night Comes for Us, wenn sie einfach jeden gegen jeden aufeinander los lassen und wirklich die Grenzen des Machbaren ausloten. Und alle sind wieder mit an Bord: Iko Uwais natürlich, hier aber nicht in der tragenden Rolle, Joe Taslim, die fantastische Julie Estelle, Sunny Pang und mein heimlicher Liebling Zack Lee. Auf der ästhetischen Ebene erreicht das alles zwar nie die Größe der The Raid-Filme und sogar Headshot hatte virtuosere Kampfsequenzen, da setzt The Night Comes for Us lieber nur noch auf den effektiven wie brachialen Minimalismus purer körperlicher Zerstörung. Und das knallhart und ohne Unterlass.

 

7,5 von 10 Billardkugeln, die Gesichter zertrümmern

 

 

Pacific Rim: Uprising (2018)

27. Oktober 2018 at 15:07

 

 

© Universal Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Zehn Jahre nach dem die Invasion der Kaiju abgewendet werden konnte sind die Auswirkungen immer noch zu spüren, doch das Jaeger-Programm steht kurz vor dem aus und soll durch Drohnen ersetzt werden. Als die Menschheit erneut plötzlich angegriffen wird, sind es wieder die Jaeger-Piloten rund um Jake Pentecost, Sohn des legendären Stacker Pentecost, welche die Bedrohung abwehren müssen.

 

Ich bin ein großer Fan von Pacific Rim (2013), denn das Herzensprojekt von Regisseur Guillermo Del Toro hat deutlich mehr zu bieten als einfach nur Spektakel getreu dem Motto „riesige Roboter schlagen noch größere Monster zu Klump“. Die Film gewordene Kindheitsfantasie des Mexikaners hat nämlich etwas zu bieten, dass vielen ähnlichen Blockbustern abgeht: Herz und Seele. Dazu entwirft Del Toro eine ganze Welt voller teils winziger, aber deswegen nicht weniger wichtiger Details rund um die Kaiju, die Jaeger und die Drifts. All das lässt die Fortsetzung Pacific Rim: Uprising schmerzlich vermissen, wenn Del Toro nur noch als Produzent mit an Bord ist und stattdessen Steven S. DeKnight Regie führt, der bisher mit kaum mehr als einer handvoll Folgen für Serien wie Angel, Smallville oder Daredevil aufzufallen vermochte. Gemeinsam mit Drehbuchautor T.S. Nowlin (Maze Runner) verabschiedet sich DeKnight von vielen Elementen des Vorgängers und interessiert sich kaum noch für dessen etablierte Mythologie.

 

Uprising ist eine in beinahe allen Belangen gescheiterte Fortsetzung, seelenlos, lieblos, blutleer. Von der überbordenden Fantasie eines Del Toro ist hier nichts mehr zu spüren. Keine Magie, kein Zauber mehr, sondern nur noch Figuren vom Reißbrett der Autoren-Hölle, unpassender Humor und eine durchsichtige, vollkommen vorhersehbare und uninspirierte Geschichte irgendwo im erzählerischen Niemandsland zwischen Transformers und Power Rangers, welche dem geneigten Zuschauer zu allem Überfluss die Kaiju viel zu lange vorenthält. Nicht einmal das CGI weiß zu überzeugen, sondern scheint vielmehr seit 2013 Rückschritte gemacht zu haben, und auch auf der darstellerischen Ebene ist da nicht viel zu holen. John Boyega als Filmsohn von Idris Elba macht da noch die beste Figur, kämpft aber auch massiv mit einem selten platten Abziehbild von Charakter, Rinko Kikuchi ist nur kurz zu sehen und Scott Eastwood ist… naja, hübsch anzusehen. Überraschend war da noch die charmante Performance von Cailee Spaeny als junges Technik-Genie Amara Namani und immerhin durften Burn Gorman und Charlie Day als Hermann Gottlieb und Newton Geiszler nochmals auftauchen. Letztlich ist Uprising eine traurige Angelegenheit, welche nur noch selten an den Charme und Reiz von Pacific Rim erinnert und in der Fantasie und Einfallsreichtum höchstens noch kurz aufblitzen.

 

4 von 10 langweiligen und beliebigen Kaiju

 

 

Dagon (2001)

20. Oktober 2018 at 14:55

 

 

© Filmax International/Lions Gate Entertainment/Quelle: IMDb

 

 

 

No one leave Imboca. People come, but no one leave.“

 

 

 

Ein plötzlich aufziehendes Unwetter beendet den Segelurlaub von Paul und seiner Freundin Barbara vor der spanischen Küste und zwingt die beiden, in einem verlassen anmutenden Fischerdorf Hilfe zu suchen. Von Barbara getrennt, sieht sich Paul schon bald unheimlichen Kreaturen ausgesetzt, die ihm scheinbar nach dem Leben trachten und ein düsteres Geheimnis bergen.

 

Als 2001 Dagon auf die Videotheken losgelassen wurde, da war es bereits eine Weile ruhig um die Horrorikonen Brian Yuzna und Stuart Gordon (Re-Animator, From Beyond, Society), die sich zu der Zeit in Spanien mit der Fantastic Factory ihr eigenes Filmstudio fürs Low Budget-Genrekino aufgebaut haben. H.P. Lovecraft war schon immer mal mehr, mal weniger Teil ihres Schaffens, doch mit Dagon kamen sie so nah an den Kern wie kaum jemand anderes, wenn sie hier hauptsächlich dessen Novelle The Shadow Over Innsmouth mit Elementen aus Dagon vermischen. Nicht selten wird Dagon für die selbst zu seiner Zeit schlechten digitalen Effekte kritisiert und das auch vollkommen zu Recht, allerdings beschränken sich diese auf nur wenige Minuten zu Beginn und zum Ende hin und es wird im gleichen Atemzug auch gern übersehen, dass die schön schmoddrigen praktischen Effekte dafür – oder vielleicht deswegen – umso besser wirken. Davon ab bezieht der Film seinen Reiz viel lieber überwiegend aus der verwinkelten, unübersichtlichen und geradezu alptraumhaften Architektur des kleinen Fischerdorfes Imboca mit all seinen verwitterten und engen Gassen.

 

All das strahlt eine enorme wie unheimliche Authentizität aus und gestaltet die lang andauernde Flucht von Paul nur noch intensiver. Die Art, wie dieser ausufernde Teil der Geschichte erzählt wird, ist umwerfend. Paul wird endlos verfolgt von fremdartigen Wesen und hat nirgendwo die Möglichkeit ein sicheres Versteck zu finden, geschweige denn zu entkommen. Dazu verleiht ihm das Drehbuch eine spürbare Menschlichkeit, wie man sie in solchen Genre-Filmen eher selten finden kann: verletzt er sich, dann humpelt er auch für den Rest des Filmes, Türen lassen sich nicht so einfach auftreten, seine Brille will immer wieder zu Recht gerückt werden und ein Auto kann auch nicht ohne weiteres kurz geschlossen werden. Das mögen nur Details am Rande sein, aber sie tragen sehr zur eigenwilligen, seltsam unwirklichen und dichten Atmosphäre bei, welche Dagon letztlich ausmacht. Auch ist es ein hübscher Kniff, dass Paul sich als Amerikaner in Spanien aufgrund seiner Sprachbarriere nicht verständlich machen kann und so die unheilvolle Konfrontation eines Einzelnen mit einer fremdartigen Überzahl zusätzlich hervorgehoben wird. Dagon ist in seiner Gänze sicherlich alles andere als perfekt, aber in seinen Details immer wieder so sehr gelungen, dass ich ihm seine Fehler nur zu gern nachsehe, wenn Yuzna und Gordon das verfallene Fischerdorf Imboca in solch faszinierender Fremdartigkeit als märchenhaften Horror inszenieren.

 

7 von 10 glitschigen Fischhänden