The Car (1977)

30. Dezember 2018 at 19:13

 

 

© Universal Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Yeah… yeah, ten years of giving out traffic tickets, and all this in one day!“

 

 

 

Die Zeit scheint regelrecht still zu stehen in dem winzigen Wüstenort namens Santa Ynez, doch als dort plötzlich ein ominöser schwarzer Lincoln Continental auftaucht und anfängt wahllos Leute zu überfahren und tödlich zu verletzen, haben die Kleinstadt-Cops rund um Sheriff Everett alle Hände voll zu tun. Der Killer muss unbedingt gefasst werden, bevor er weiter mordet, doch das Auto ist trotz aller nur erdenklichen Bemühungen einfach nicht zu finden.

 

Mit The Car hat Regisseur Elliot Silverstein nach Western wie Cat Ballou (1965) und A Man Called Horse (1970) ein waschechtes B-Movie abgeliefert. Genre pur, wenn The Car als Tierhorror ohne Tier, dafür aber mit einem mysteriösen Auto als Killer daherkommt. Den Mechaniken und erzählerischen Mechanismen des Tierhorrors bedient sich Silverstein dennoch und konfrontiert das kleine Wüstenkaff Santa Ynez mit dem unerklärlichen Grauen in Gestalt eines unheimlichen schwarzen Lincoln. Es ist die Ungewissheit, mit welcher der Terror Hand in Hand geht, wenn buchstäblich niemand im Ort sicher sein kann und einfach jeder potentielles Opfer ist, wenn die nächste Attacke jeder Zeit erfolgen kann, und wenn vor allem der Übeltäter trotz zahlreicher Straßensperren und anderen Maßnahmen einfach nicht gefasst werden kann.

 

Kleine übernatürliche Mysterien wie nicht vorhandene Türgriffe runden das Ganze dann hübsch ab und auch, wenn The Car letzten Endes eine Erklärung für all das schuldig bleibt und sich diesbezüglich allenfalls in Andeutungen ergeht (Stichwort: geweihter Boden), so ist der Film von Silverstein angesichts seiner deutlichen B-Movie-Herkunft in seiner Gänze überraschend ambitioniert und das Drehbuch legt vor allem auch deutlich Wert auf glaubwürdige wie verhältnismäßig komplexe Figurenkonstellationen. Letztlich ist The Car handwerklich überdurchschnittlich gelungenes Genrekino der besseren Art, bietet hübsch handgemachte Effekte, eine durchgehend starke Kamera, wird abgerundet durch einen guten Score und kann als Sahnehäubchen mit einem tollen Cast rund um allen voran natürlich James Brolin (der mich hier auffallend oft an Christian Bale erinnert hat) glänzen. Zudem ist The Car vielleicht auch gerade wegen seiner inszenatorischen Schlichtheit überraschend gut gealtert. Silverstein erreicht mit seinem Film zwar nicht die Qualitäten des leicht ähnlich gelagerten Duel von Spielberg, sehenswert jedoch ist er allemal.

 

7 von 10 unheilvollen Staubwolken am Horizont

 

 

Into the Night (1985)

23. Dezember 2018 at 19:58

 

 

© Universal Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Let me ask you something. Maybe you can help me. What’s wrong with my life? Why is my wife sleeping with someone else? Why can’t I sleep?“

 

 

 

Ed Okin leidet schon seit geraumer Zeit unter Schlaflosigkeit und muss zu allem Überfluss auch noch herausfinden, dass seine Frau ihn betrügt. Getrieben von seiner Schlaflosigkeit fährt er nachts ziellos durch Los Angeles als ihm eine fremde Frau namens Diana plötzlich ins Auto springt, weil sie sich auf der Flucht vor einem iranischen Killerkommando befindet. Ed fährt los ohne zu wissen, was genau eigentlich los ist, und es beginnt ein wilder Trip durch die Stadt.

 

Ganz ähnlich wie Miracle Mile drei Jahre später ist auch Into the Night ein Film über Los Angeles als Stadt selbst und Regisseur John Landis (Blues Brothers, American Werewolf, Trading Places) liefert eine filmische Liebeserklärung an die Stadt der Engel, wenn er sie quasi als dritten Hauptdarsteller neben Jeff Goldblum und Michelle Pfeifer inszeniert. Allein der Einstieg in den Film gestaltet sich als lose Collage aus Impressionen eines nächtlichen Los Angeles, eine Art Streifzug durch die Nacht wie ihn auch unser schlafloser Protagonist erleben soll, ist Ed Okin – noch unwissentlich und unterbewusst – doch auf der Suche nach einem anderen Leben wie auch gleichermaßen auf der Flucht vor seinem eigenen Leben, welches in einer einengenden Sackgasse steckt. Doch in dem Moment, in welchem Diana so dramatisch in sein Leben tritt, da bietet sich ihm eine Möglichkeit, eine Chance, ein Wagnis, auf welches es sich einzulassen gilt. Insofern bietet Into the Night nicht nur rund zwei Stunden Eskapismus für den Zuschauer, sondern gerade auch für seinen Protagonisten.

 

Und trifft Ed nun also auf Diana, dann entspinnt Landis eine bunte wie turbulente Odyssee durch die Nacht mit immer irgendwie leicht verschobenem Rhythmus, leicht neben der Spur wie Ed selbst auch, traumwandlerisch, und immerzu pendelnd zwischen Slapstick und Ernsthaftigkeit, aber auch nicht immer ganz sauber ausbalanciert. Alles beginnt am LAX (wo auch Collateral beginnt und Heat endet) und der geradezu irrwitzige Trip durch die Nacht führt das unfreiwillige Duo schließlich von der Marina Del Rey über Hollywood hin zu den Paramount Studios, weiter nach Beverly Hills und Century City und schließlich über den Pacific Coast-Highway zurück zum LAX, wo sich dann der erzählerische Kreis schließt. Dazu gesellen sich in Nebenrollen und Gastauftritten zahlreiche Freunde und Weggefährten von Landis wie Dan Aykrod, David Bowie, Jack Arnold, Lawrence Kasdan, David Cronenberg, Rick Baker, Don Siegel, Roger Vadim, Clu Gulager, Jim Henson, Richard Farnsworth und Jonathan Demme, ja sogar Landis selbst ist Teil des iranischen Killerkommandos.

 

Jeff Goldblum ist mit seinem etwas verschleppten, immer leicht entrückten und von seiner Übermüdung geprägten Schauspiel nahezu perfekt für die Rolle des Ed Okin und dennoch stiehlt die noch junge Michelle Pfeiffer in ihrer roten Lederjacke ihm in beinahe jeder Szene gnadenlos die Show. Into the Night bewegt sich irgendwo zwischen romantischer Komödie, liebevoller und hübsch inszenierter Hommage an den Film Noir und roher Gewalt, die nie wirklich humorvoll gebrochen wird, sondern immer auch hässlich bleibt. An dem Punkt jedoch wirkt Landis Film auf mich ein wenig orientierungslos, wenn er nicht so recht zu wissen scheint, wohin die Reise nun gehen soll. Dennoch ein wunderbarer Film über eine verrückte Reise durch ein schön bebildertes Los Angeles, der immer wieder mit herrlichen Ideen und Einfällen zu glänzen vermag und vollkommen zu Unrecht immer ein klein wenig in Vergessenheit gerät.

 

7,5 von 10 Fahrten im weißen Elvis-Cabrio

 

 

Molly´s Game (2018)

21. Dezember 2018 at 19:40

© STX Films/Quelle: IMDb

 

 

 

You know what makes you feel okay about losing? Winning.“

 

 

 

Molly Bloom hat als erfolgreiche Skifahrerin im Alter von 20 Jahren schon mehr erreicht als die meisten in ihrem ganzen Leben, als eine schwere Rückenverletzung ihrer Sportkarriere ein jähes Ende setzt. Ihr danach angestrebtes Jurastudium opfert sie später, weil sie über Umwege in die Welt des Underground-Pokers in Los Angeles eingeführt wird. Schnell erkennt sie ihr Talent in puncto Organisation und Ausrichtung solcher oft Tage andauernden Pokerspiele und dank ihrer neuerworbenen Kontakte bis in die höchsten Kreise aus Wirtschaft, Politik und Filmstars eröffnet sie schließlich ihre ganz eigene, enorm erfolgreiche Runde.

 

Aaron Sorkins (als Drehbuchautor unter anderem verantwortlich für Filme wie The Social Network, Moneyball oder Steve Jobs) Regiedebüt Molly´s Game ist die Verfilmung der gleichnamigen Biografie von Molly Bloom und eine Geschichte, derart absurd, wie sie nur das Leben selbst so schreiben kann. Die Ereignisse sind echt, nur die Namen der Beteiligten wurden geändert. Molly ist tough. Molly ist hoch intelligent, ein Multitalent, das Wissen in sich aufnimmt wie ein trockener Schwamm Wasser. Molly ist zielstrebig und ebenso hartnäckig wie ehrgeizig. Aber vor allem: sie weiß sehr genau, was sie will, und wie es erreichen kann.

 

Nicht nur ist Molly´s Game wie eigentlich alle Drehbücher von Aaron Sorkin stark dialoglastig gehalten und extrem pointiert geschrieben, die Dialoge sind sogar trotz des tollen Cast rund um Jessica Chastain, Idris Elba und Kevin Costner das eigentliche Glanzstück und absolutes Highlight. Sorkin erzählt seinen Film enorm temporeich, manchmal beinahe schon zu temporeich, und ähnelt mit Molly als Off-Erzählerin und den smarten, eloquenten und scharfsinnigen Stakkato-Dialogen Werken wie Wolf of Wall Street oder The Big Short, ohne jedoch jemals deren Klasse zu erreichen. Molly´s Game gibt über seine volle Laufzeit von rund 140 Minuten Vollgas ohne Unterlass, glänzt sowohl mit seinem guten Erzähltempo als auch dem gelungenem Pacing, vermag nie zu langweilen und ist beinahe durchgängig hochgradig unterhaltsam. Nur gegen Ende geht Sorkin überraschender Weise ein wenig die Luft aus und Molly´s Game gleitet unnötig in deplatzierten Kitsch ab. Eine unglaubliche Geschichte, spannend verfilmt, witzig und temporeich erzählt und von großem Unterhaltungswert, aber in keinem Moment auf dem Niveau eines Wolf of Wall Street. Dennoch: klare Empfehlung und absolut sehenswert.

 

7 von 10 Pokerchips mit eigenem Emblem

 

 

Squirm (1976)

18. Dezember 2018 at 19:30

 

 

© American International Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

You gonna be da‘ worm face!“

 

 

 

Ein schwerer Gewittersturm bringt im beschaulichen Südstaaten-Kaff Fly Creek einen Hochspannungsmast zu Fall, der dann das matschige Sumpfland dauerhaft unter Starkstrom setzt. Das hat zum Ergebnis, dass die hiesigen Blutwürmer fortan durchdrehen und beginnen, Menschen zu attackieren. Ausgerechnet der Städter Mick versucht nun mit der Hilfe seiner einheimischen Freundin Geri dem schleimigen Treiben auf den Grund zu gehen.

 

Squirm ist vielleicht eines der absurdesten Creature Features, aber auch eines der schönsten, denn trotz seiner zweifellos bescheuerten Prämisse orientiert sich der Film von Regisseur Jeff Lieberman (Blue Sunshine, Just Before Dawn) in seiner narrativen Struktur sehr nah am erzählerischen Korsett des Tierhorrors und bedient sich einer zwar langsamen, aber stetig zunehmenden Spirale der Eskalation, welche sich dann im letzten Drittel vollends Bahn bricht. Lieberman lässt sich zwar recht viel Zeit für Stimmung, Figuren und das herrliche Südstaaten-Hinterland-Setting, doch das kommt Squirm nur zu Gute, wenn der Film seine absurde Grundidee angenehm ernst und ohne lästig ironisches Augenzwinkern verkauft. Überhaupt ist Squirm überraschend clever geschrieben, wenn sich zumindest die beiden Hauptfiguren nie absichtlich dumm stellen müssen, bloß um die Story auf Biegen und Brechen voran zu treiben.

 

Mick und Geri sind erstaunlich nachvollziehbare und glaubwürdige Figuren frei von den sonst so typischen Klischees und nicht selten unterläuft das Drehbuch geschickt die Erwartungshaltung des Zuschauers, wenn vermeintlich etablierte Genre-Mechanismen unterwandert oder gar gleich einfach unterlassen werden. Dazu wartet Squirm mit für seine Zeit gelungenen Effekten aus der Ideenschmiede eines noch jungen Rick Baker (American Werewolf, Videodrome) auf und schneidet die wenigen Ekel-Szenen geschickt immer wieder mit Mikrokosmos-artigen Close Ups der Würmer gegen. So gerät Squirm auf eine unterschwellige Art und Weise unangenehm statt explizit zu sein und kriecht buchstäblich unter die Haut, ohne allzu viel zeigen zu müssen. Lieberman erschafft hier clever aufgebautes wie gleichermaßen herrlich absurdes Außenseiter-Kino, dem man zwar sein Alter durchaus anzusehen vermag, das aber auch immer noch zu unterhalten weiß und mein Genre-Herz wild schlagen lässt.

 

7 von 10 Würmern im Milchshake