Operation Red Sea (Hong hai xing dong, 2018)

26. Februar 2019 at 19:51

 

 

© Bona Film Group/Emperor Motion Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Die Sea Dragons, eine Eliteeinheit der chinesischen Marine, haben eben erst erfolgreich einen Einsatz gegen somalische Piraten beendet, da bricht in einem nordafrikanischen Staat ein blutiger Putsch aus. Darum werden sie entsandt, um dort lebende Chinesen zu evakuieren. Während des Einsatzes stellt sich heraus, dass eine Terrororganisation auf eine Lieferung radioaktiven Materials wartet, und so müssen die Sea Dragons nicht nur ihre Landsleute in Sicherheit bringen, sondern auch gleich eine noch viel größere Gefahr ausschalten.

 

Regisseur Dante Lam entpuppt sich mit seinem Film Operation Red Sea (Hong hai xing dong) als eine Art chinesischer Michael Bay und liefert einen über zwei Stunden langen lupenreinen Propaganda-Film getarnt als kompromisslos brachialer Kriegsactioner. Ein Militär-Porno der Extraklasse mit Kopfschüssen in Zeitlupe als Moneyshot. Von der ersten Minute an brennt hier die Luft und Lam entfesselt eine kaum vorstellbare Materialschlacht, dreht im Vergleich zu diversen US-Pendants aber auch gewaltig an der Gewaltschraube. Da werden munter Körperteile abgerissen und Körper von Kugeln durchlöchert oder gar gleich ganz zerfetzt. Technisch und handwerklich ist das Spitzenklasse, inhaltlich zweifellos ausgesprochen fragwürdig und grenzwertig.

 

Wobei das permanente Dauerspektakel schnell erste Ermüdungserscheinungen offenbart, oftmals für Desorientierung und Chaos sorgt und letztlich sogar in Langeweile abgleitet. Eine richtige Story sucht man vergeblich und das wenige an Plot dient nur dazu, dass sich Operation Red Sea von Actionsequenz zu Actionsequenz hangelt und seine Botschaft von der militärischen Übermacht Chinas verbreiten kann. Dass Dante Lam Action kann, das hat er schon mehrfach durchaus eindrucksvoll unter Beweis stellen können, und wer Pathos, Kitsch, die moralische Fragwürdigkeit, den Patriotismus, die Kriegsgeilheit und die dauerhafte Selbstbeweihräucherung der Chinesen auszublenden vermag, der bekommt ein beinahe schon größenwahnsinniges Actionspektakel geboten. Ich für meinen Teil kann die Action jedoch nicht losgelöst von ihrem Kontext betrachten und so geriet Operation Red Sea zu einem sehr unangenehmen Seherlebnis für mich.

 

3 von 10 winzigen China-Flaggen in den Händen befreiter Geiseln

 

 

A Quiet Place (2018)

24. Februar 2019 at 16:06

 

 

© Paramount Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Who are we if we can’t protect them?“

 

 

 

Lee und Evelyn Abbott leben mit ihren Kindern Regan und Marcus in einer Art postapokalyptischen Welt, in der jedes Geräusch todbringende Monster anlocken kann. Mühsam hat sich die Familie an diese neuen Lebensbedingungen angepasst, doch die erneute Schwangerschaft von Evelyn stellt alle vor neue Herausforderungen.

 

Stille. Für manchen heutzutage vielleicht nur noch schwer auszuhalten. Für die nun mehr zweite Regiearbeit des Schauspielers John Krasinski ist das die grundlegende Prämisse. Eine Welt, in der jedes Geräusch deinen Tod bedeuten kann, die verlangt auch höchste Konzentration. A Quiet Place hält sich nicht lange mit Erklärungen auf, wirft den Zuschauer vollkommen unvermittelt ins Geschehen, erläutert die Gesetzmäßigkeiten seiner Welt erst nach und nach und verlagert die allumfassende Apokalypse auf das Intimste reduziert im Schoß der Familie. So sind die Abbotts angesichts größter Schrecken und Einschränkungen trotzdem geradezu verzweifelt darum bemüht durch gemeinsame Rituale wie das Abendessen zumindest einen letzten Hauch von Normalität in einer aus den Fugen geratenen Welt zu bewahren.

 

Das world building funktioniert wirklich gut und Krasinski versteht es hervorragend mit relativ wenigen Mitteln eine dichte und packende Atmosphäre zu erschaffen. Allein die ersten etwa zehn Minuten empfand ich als herausragend und auch lange danach liefert A Quiet Place immer wieder extrem fesselnde und spannende Momente sowie mitreißend arrangierte Sequenzen, von denen andere Regisseure nur träumen können. Visuell liefert der Film ein solides Endzeit-Szenario, aber auf der akustischen Ebene gelingt so manche interessante Idee im Spiel mit laut und leise, wenn zum Beispiel jedes Geräusch in den Ohren förmlich zu explodieren scheint. Leider finden sich aber auch diverse schwerwiegende Logiklöcher im Drehbuch und man muss sich schon mehr oder weniger bedingungslos auf die Prämisse einlassen, um in das Setting eintauchen zu können.

 

Auch ist es schade, dass Krasinski seine Idee lange relativ konsequent umsetzt, etwa zur Hälfte jedoch das Tempo anzieht und die Schlagzahl erhöht, und besonders im letzten Drittel Spannung und Atmosphäre zu Gunsten von plumpen Schockeffekten und Action opfert. So zeigt der Film im Schlussakt seine Kreaturen viel zu exponiert, die lange als diffuse und allgegenwärtige Bedrohung deutlich besser funktionieren, und wird buchstäblich zu laut. Auch der Score von Marco Beltrami (Logan, The Drop, Snowpiercer) ist sehr aufdringlich und wirkt nicht selten kontraproduktiv in puncto Atmosphäre und Spannung. Letztlich wirkt A Quiet Place ein bisschen wie eine überlange Folge Twilight Zone. Krasinski hat eine wirklich gute und erfrischende Idee, vermag deren Potential allerdings nicht immer voll auszuschöpfen und setzt gegen Ende für meinen Geschmack zu sehr auf Tempo und Action. Nichtsdestotrotz bietet der Film ein paar geradezu meisterhaft inszenierte Spannungsmomente, muss sich aber auch den Vorwurf der teils gravierenden Logiklöcher gefallen lassen.

 

6,5 von 10 Mal auf leisen Sohlen kein Geräusch machen

 

 

The Mummy (2017)

23. Februar 2019 at 14:29

 

 

© Universal Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Welcome to a new world of gods and monsters.“

 

 

 

Durch einen Luftangriff im kriegsgeschüttelten Irak wird eine uralte ägyptische Grabstätte freigelegt. Zusammen mit dem leicht zweifelhaften Abenteurer Nick Morton und dessen Partner Chris Vail untersucht die Archäologin Jenny Halsey den Fund, der nach England gebracht werden soll. Doch keiner von ihnen ahnt, dass sie dabei die Pharaotochter Ahmanet befreit haben, die einen Pakt mit dem ägyptischen Gott des Todes eingegangen ist, nun nach grenzenloser Macht strebt und das Böse selbst in die Welt holen will.

 

Das also ist der Auftakt für das von Universal geplante Dark Universe, welches zumindest auf dem Papier ja durchaus Potential gehabt hätte. Doch die nach People Like Us (2012) erst zweite Regiearbeit des eher für seine Drehbücher bekannten Alex Kurtzman macht überdeutlich, warum dieses ehrgeizige Projekt zumindest in dieser Form zum Scheitern verurteilt war. The Mummy ist weder bei Grusel oder Horror zu verorten, sondern zeigt sich vielmehr als glattgebügeltes Fantasy-Action-Spektakel ohne Ecken und Kanten. Spannung oder Dramatik sucht man hier vergeblich und bekommt stattdessen kaum mehr als knappe zwei Stunden auf Hochglanz polierte Langeweile geboten. Kurtzman inszeniert seinen Film zwar handwerklich kompetent, aber auch seelenlos, leblos und ohne Liebe zum Genre.

 

The Mummy will ein möglichst breites Spektrum abdecken, verliert dadurch jedoch seinen narrativen Fokus und findet zwischen Düsternis und Klamauk nie wirklich zu sich selbst. Will man dann noch unbedingt das Dark Universe mit der Brechstange voran treiben, indem alles andere als subtile Verweise – ein Vampirschädel hier, eine Hand mit Schwimmhäuten da – lieblos aufeinander stapelt werden und natürlich auch Dr. Jekyll in diese Richtung zielt, rückt die eigentliche Rahmenhandlung rund um das titelgebende Monster plötzlich in den Hintergrund. Die vom Drehbuch propagierte Gefahr seitens Ahmanet bleibt letztlich diffus und kommt nicht nur wegen der holprigen Erzählstruktur nie wirklich zum Tragen, sondern auch, weil der teils deplatzierte Humor immerzu sämtliche Anstrengung in Richtung Ernsthaftigkeit unterläuft und manchmal sogar in unfreiwilliger Komik mündet. Rückblickend ist es wirklich kein Wunder, dass das von Universal angestrebte Dark Universe gleich wieder in sich kollabieren musste, wenn bereits der Auftaktfilm derart viel Potential vollkommen ungenutzt und geradezu achtlos liegen lässt.

 

4 von 10 tauchenden Kreuzritter-Zombies

 

 

Hotel Artemis (2018)

15. Februar 2019 at 16:35

 

 

© Global Road Entertainment/Quelle: IMDb

 

 

 

No water in LA, but it’s raining assholes in here.“

 

 

 

In nicht allzu ferner Zukunft ist das Hotel Artemis eine Art Rückzugsort für verwundete Gangster: wer zahlendes Mitglied ist, der wird ohne lästige Fragen von der Schwester und ihrem Pfleger aufgenommen und zusammengeflickt. Als in einer besonders hektischen Nacht auf den Straßen ein Aufruhr wütet, gleich mehrere Männer und Frauen mit unterschiedlichsten Interessen im Hotel aufeinander treffen und sich auch noch der mächtige Gangsterboss Wolf King ankündigt, da bekommt die Schwester alle Hände voll zu tun.

 

Nach seiner Beteiligung an den Drehbüchern von Filmen wie Iron Man 3 (2013) und Mission: Impossible – Rogue Nation (2015) lag es wohl nahe, dass Drew Pearce für sein Regiedebüt Hotel Artemis auch gleich das Skript verfasste. Und man kann auch durchaus anerkennen, dass hier einiges richtig gemacht wird. Der Auftakt ist stimmungsvoll, das Setting interessant, es blitzen immer mal wieder gute Ideen auf und der Cast ist spannend zusammengesetzt. Pearce entwirft zwar keine sonderlich originelle Version eines futuristischen Noir-Thrillers, aber zumindest eine handwerklich gelungene, über weite Strecken durchaus unterhaltsame und toll ausgestattete. Deutlich stärker auf seine Figuren fokussiert als die Trailer vielleicht vermuten lassen würden, tappt Hotel Artemis nicht in die John Wick-Falle, begrenzt die Action auf ein absolutes Minimum und gibt erst in den letzten Minuten so richtig Gas. Wer hier also ein Actionfeuerwerk erwartet, der ist sicherlich falsch beraten und sollte sich vielleicht lieber an anderer Stelle umsehen.

 

Leider krankt Hotel Artemis oftmals an einem schwachen Drehbuch, welches eine allenfalls mäßig spannende und sehr generische Story entspinnt und vor allem sehr schablonenhafte und flache Figuren aufeinander treffen lässt. Allein Jodie Foster bekommt ein paar schemenhafte Umrisse und einen Hauch von Tiefe spendiert, ist aber auch gnadenlos unterfordert. Zwar ist die Interessenlage aller Beteiligten vielschichtig und insgesamt explosiv, aber auch sehr vorhersehbar in ihrer Eskalation. Zudem sind die Dialoge oft einen Hauch zu cool und wirken immer mal wieder arg bemüht und zu sehr gewollt. Insofern schafft Hotel Artemis unterm Strich eigentlich eine interessante wie spannende Ausgangslage, nutzt deren Potential im weiteren Verlauf jedoch nicht richtig aus und gibt dem auf dem Papier toll zusammengestellten Cast kaum Möglichkeiten an die Hand, um mehr daraus zu machen. Das ist schade, denn Idee, Setting, Look und Atmosphäre sind stark und lassen auf mehr hoffen, was Pearce letztlich nicht einzulösen vermag. Dennoch für seine angenehm kurze Laufzeit von rund 90 Minuten kurzweilig und unterhaltsam, auch wenn da noch deutlich Luft nach oben gewesen wäre. An einem ganz normalen Mittwoch aber kann man den durchaus gucken.

 

6,5 von 10 neuen Lebern aus dem 3D-Drucker