Venom (2018)

17. März 2019 at 18:04

 

 

© Sony Pictures Releasing/Quelle: IMDb

 

 

 

Look around at the world. What do you see? A planet on the brink of collapse. Human beings are disposable. But man and symbiote combined, this is a new race, a new species… a higher lifeform.“

 

 

 

Auf der Suche nach einer neuen Story kommt der Enthüllungs-Journalist Eddie Brock den fragwürdigen Machenschaften von Carlton Drake und dessen Life Foundation auf die Spur. Bei dem Versuch stichhaltige Beweise zu finden um Drake das Handwerk legen zu können, wird Brock mit einem außerirdischen Symbionten namens Venom infiziert. Drake jedoch setzt um jeden Preis alles daran, Venom wieder unter Kontrolle zu bekommen, und schon bald sieht sich Brock einer ganzen Heerschar von Verfolgern ausgesetzt, denen Venom nur liebend gern den Gar ausmachen möchte.

 

Eye, lungs, pancreas… so many snacks, so little time. Venom von Regisseur Ruben Fleischer (Zombieland, 30 Minutes or Less, Gangster Squad) wirkt in der Ära des MCU mit seinen Mega-Blockbustern seltsam deplatziert und irgendwie aus der Zeit gefallen. Er erinnert mich an eine Zeit, als noch nicht fünf bis acht Superheldenfilme im Jahr ins Kino kamen, alles etwas kleiner gehalten war und man sich als geneigter Fan nach Filmen wie The Phantom (1996), Spawn (1997) oder Blade (1998) – ungeachtet ihrer filmischen Qualitäten oder gar deren Mangel – die Finger leckte. So ist Fleischers Film dann auch von eher schlichtem Gemüt und begreift sich als launiges Spaßprodukt losgelöst vom erzählerischen Ballast irgendeinem ausschweifendem Universum gerecht werden zu müssen. Ganz bewusst genügsam reicht dann auch die infantil naive Prämisse von Venom, wenn sich eben außerirdische Parasiten mit Menschen symbiotisch verbinden und ihre Konflikte in CGI-Gewitter austragen.

 

Die Action ist dann auch ganz passabel geraten, visuell jedoch ist das alles mal okay, oft aber eher weniger gut gelungen, und besonders im überquellenden, unübersichtlichen und viel zu hastigen wie hektischen Finale verkommt alles wie so oft zu einem matschigen Brei ohne nennenswerte Differenzierung. Leider macht Venom immer mal wieder hoffnungsvoll blutige Versprechungen, welche jedoch dank des PG-13-Rating nicht eingelöst werden können. Den größten Reiz macht für mich letztlich dann auch die herrlich überdrehte Performance von Tom Hardy aus, der – einmal mit dem fiesen Parasiten infiziert – mit sichtlich viel Spaß buchstäblich alles gibt, und viel Unterhaltung aus dem Zusammenspiel zwischen Eddie Brock und Venom zu ziehen vermag. Leider bietet der Rest des zumindest auf dem Papier tollen Cast rund um Michelle Williams und Riz Ahmed kaum mehr als Dienst nach Vorschrift und kann den zugegeben schablonenhaften Figuren kaum Leben einhauchen. Unterm Strich braucht Venom etwas zu viel Zeit, um so richtig in die Gänge zu kommen, liefert viel standardisierte CGI-Action und traut sich zu wenig sein Potential voll auszuschöpfen, dennoch wurde ich über weite Strecken zumindest unterhalten. Auch, wenn da deutlich mehr drin war.

 

6 von 10 abgebissenen Köpfen

 

 

Triple Frontier (2019)

16. März 2019 at 11:43

 

 

© Netflix/Quelle: IMDb

 

 

 

You cannot go back to your normal life after tonight.“

 

 

 

Der ehemalige US-Elite-Soldat Santiago „Pope“ Garcia verdient sein Geld inzwischen als Berater und Söldner für südamerikanische Regierungen im Kampf gegen die Drogenkartelle. Als er durch eine Informantin den genauen Standort des tief im Dschungel gelegenen Verstecks des Drogenbarons Gabriel Martin Lorea erfährt, wendet er sich an vier seiner ehemaligen Kameraden mit dem Plan, das gesicherte Anwesen zu überfallen, um das dort gehortete Bargeld in Höhe von etwa 75 Millionen Dollar außer Landes zu schaffen.

 

For whom the bell tolls… das markante Riff von Metallica gibt gleich die Marschroute vor, doch Regisseur J.C. Chandler bewahrt sich immer noch auch das menschliche Drama in seinen Figuren, welches seine bisherigen Werke Margin Call (2011), All Is Lost (2013) und A Most Violent Year (2014) ebenfalls auszuzeichnen wusste. Statt einen weiteren mit Adrenalin und Testosteron gesättigten Söldner-Actioner der Marke Expendables und Konsorten abzuliefern, da interessiert sich Triple Frontier zwar nicht nur, aber eben auch für die Figuren hinter dem Spektakel, jede auf ihre Art gebrochen, überfordert mit den Anforderungen des Lebens als Zivilist, welches sie ihrer speziellen Fähigkeiten beraubt. Es braucht nur wenige kleine Momente zu Beginn und im weiteren Verlauf, um diese Schieflage im Innern der Männer ausreichend zu skizzieren, und eine Rückkehr in alte, gelernte und antrainierte Verhaltensmuster soll es richten.

 

Ein Trugschluss, wie Chandor uns bildgewaltig wissen lässt, doch dafür nimmt er sich Zeit und besinnt sich auf seine Stärken. Die Actionszenen sind eher rar gesät, aber dafür klug platziert und mehr auf Präzision ausgelegt als auf Krawall. Doch geht es mal zur Sache, dann ist die Action dringlich wie bodenständig und die Kamera immer nah dran am Geschehen ohne dabei in Hektik zu verfallen. Letztlich sehe ich Triple Frontier dann auch weniger als Actionfilm, sondern eher als Drama mit Thriller-Anstrich, Survival-Elementen und Heist-Motiven, wenn Chandor über das Spektakel hinaus auch eine Bestandsaufnahme einer Gesellschaft liefert, die für ihre Kinder des Krieges keine Verwendung mehr hat. Im Grunde ist es kein Wunder, dass die Männer schließlich tun, was sie tun, so ganz ohne Rückhalt außerhalb ihrer Profession. Sie können nichts anderes, haben nie etwas anderes gelernt, sind im zivilen Leben aber weitestgehend nutzlos und zum Scheitern verurteilt, haben sie doch nie dessen Regeln verinnerlichen können.

 

8 von 10 Mal zig Millionen Dollar und ein Muli verlieren

 

 

The Equalizer 2 (2018)

5. März 2019 at 12:49

 

 

© Sony Pictures Releasing/Quelle: IMDb

 

 

 

Gentlemen, I am going to kill you all, and my only disappointment is that I only get to do it once.“

 

 

 

Als seine alte Freundin Susan Plummer bei Ermittlungen in Belgien ermordet wird, ruft das Robert McCall auf den Plan, der nicht so recht an die Version eines missglückten Überfalls glauben mag. Also nimmt er die Spur auf und stößt schnell auf Unstimmigkeiten, die etwas größeres vermuten lassen.

 

Robert McCall ist zurück und dieses Mal ist seine Mission von persönlicher Natur. Was ein wenig verwundert, ist The Equalizer 2 unter der erneuten Regie von Antoine Fuqua doch die erste Fortsetzung überhaupt in der langen Karriere von Denzel Washington. Doch obwohl die Figur nun bereits etabliert ist und nicht erst noch aufgebaut werden muss, tappt der zweite Teil in die gleichen Fallen, die mich schon beim Vorgänger gestört haben, und gibt sich insgesamt sehr träge in seiner Inszenierung abseits der Action. So braucht The Equalizer 2 beinahe das gesamte erste Drittel seiner Laufzeit von rund 120 Minuten, bis die eigentliche Handlung Fahrt aufnimmt, und dazwischen gibt es zahlreiche Subplots und vor allem erzählerischen Leerlauf. McCall kümmert sich um einen Überlebenden des Holocaust und den Garten seiner muslimischen Nachbarin, er befreit entführte Kinder in der Türkei und bringt einen anderen Nachbarn zurück auf den richtigen Weg, rächt ein ihm fremdes Mädchen, und klärt darüber hinaus nicht nur den Mord an einer alten Freundin auf, sondern zieht auch gleich die Schuldigen noch zur Rechenschaft.

 

Allerdings verliert sich McCall dabei für meinen Geschmack etwas zu oft in pseudo-philosophischen Kalendersprüchen und kruder Glückskeks-Moral. Sein Vorgehen jedoch ist auch hier immer kontrolliert, überlegt und geprägt von Präzision und Effizienz, doch wo seine speziellen Fähigkeiten im Vorgänger noch die Hauptattraktion waren und Fuqua immer wieder kurze, aber kraftvolle Actionszenen kreieren konnte, da wird dieses Element nun nicht nur sparsamer eingesetzt, sondern visuell auch weniger betont. Im stürmischen, an klassische Western angelehnten Finale dreht Fuqua in puncto Action zwar nochmals ordentlich auf, doch die Hinleitung dorthin ist in vielerlei Hinsicht arg bemüht: allein die aufdringliche Symbolik eines aufziehenden Unwetters ist ebenso vorhersehbar wie die Handlung selbst und deren Wendungen. Spannung kommt so nur sehr selten auf und auch sein ehemaliges Team ist bis auf den von Pedro Pascal verkörperten Dave York vollkommen konturlos, blass und austauschbar und dadurch wenig bedrohlich. Letztlich macht The Equalizer 2 die gleichen Fehler wie schon der erste Teil, bietet zu viel erzählerischen Leerlauf, statt sich auf seine Kernkompetenzen zu konzentrieren, bleibt allerdings auch bei seinen Stärken in jeglicher Hinsicht hinter seinem Vorgänger zurück.

 

5 von 10 zur Waffe umfunktionierten Kreditkarten

 

 

Bird Box (2018)

3. März 2019 at 16:39

 

 

© Netflix/Quelle: IMDb

 

 

 

Make the end of the world great again!“

 

 

 

Ein rätselhaftes Phänomen greift blitzschnell und weltweit um sich: Menschen geraten plötzlich und scheinbar grundlos in Panik und tun alles, um sich so schnell wie möglich selbst umzubringen. Die werdende Mutter Malorie kann dem zusammen mit einer handvoll anderer so gerade noch entgehen und gemeinsam verschanzt man sich in einem Haus. Schnell wird klar, dass sich geisterhafte Wesen draußen aufhalten, deren bloßer Anblick die Menschen Selbstmord begehen lässt. Die einzige Lösung scheint also zu sein, sich zumindest im Freien permanent die Augen zu verbinden.

 

Überleben ist nicht LEBEN. Die konzeptuellen Parallelen zu A Quiet Place lassen sich kaum leugnen, ist doch die postapokalyptische Prämisse in Bird Box zumindest ähnlich gelagert, mit dem Unterschied jedoch, dass es John Krasinski gelingt mehr aus dem limitierten Setting herauszuholen als es nun die dänische Regisseurin Susanne Bier (The Night Manager) vermag. Zwar beginnt der in Rückblenden erzählte Bird Box interessant und durchaus auch stimmungsvoll, wenn die Anfangsphase dieser Apokalypse in starken Bildern eingefangen wird, flacht nach diesem eindrücklichen Einstieg narrativ jedoch schnell ab und ergeht sich zu sehr in allseits bekannten und ausgelutschten Genrestrukturen. Im Mittelteil geht viel Tempo verloren, es schleichen sich eigentlich unnötige Längen ein und der Erzählfluss gestaltet sich mitunter geradezu zäh, wenn sich zu lange und zu oft alles innerhalb des Hauses und somit auch innerhalb der zusammengewürfelten Gruppe abspielt, die Figuren an sich überwiegend jedoch kaum mehr als klischeehafte wie eindimensionale Abziehbilder sind.

 

Richtig Spannung kommt hier nur sehr selten auf. Die kurze Autofahrt zum Supermarkt sorgt da zumindest für einen Hauch von Abwechslung und mit der Figur des Gary blitzt für kurze Zeit sogar eine richtig gute Idee im Drehbuch von Eric Heisserer (Arrival, Lights Out, Hours) auf, doch auch hier wird einfach zu wenig daraus gemacht. Das ist dann letzten Endes auch das größte Problem von Bird Box: das Potential ist nämlich durchaus vorhanden, nur ausgeschöpft wird dieses nie, man bleibt nahezu immer hinter seinen Möglichkeiten zurück und lässt alles in einem doch arg enttäuschenden Finale enden, dem man mit etwas mehr Mut einen zumindest halbwegs passablen kleinen Kniff hätte abringen können. So pendelt Bird Box irgendwo zwischen A Quiet Place, The Happening (2008) von Shyamalan und Blindness (2008) von Meirelles, beraubt sich selbst seines Potentials und hätte durchaus etwas kompakter inszeniert sein können. Schade.

 

4,5 von 10 Mal das Rauschen des Windes in den Bäumen vernehmen