Tonari no Totoro (1988)

16. Februar 2020 at 21:26

 

 

© Studio Ghibli/Quelle: IMDb

 

 

 

Um mehr bei ihrer kranken Mutter sein zu können, ziehen die Schwestern Satsuki und Mei zusammen mit ihren Vater Tatsuo in ein neues Haus nahe des Krankenhauses. Die ländliche Umgebung wird schnell zu einem Abenteuerspielplatz, welchen vor allem die kleine Mei zu erkunden beginnt, und welcher sie zumindest vorübergehend ihre Sorgen und Ängste vergessen lässt.

 

Tonari no Totoro ist ein Film, den ich leider erst viel zu spät für mich entdecken durfte und nur zu gern einmal in meiner Kindheit hätte sehen wollen. Dieses noch recht frühe Werk aus dem Hause Studio Ghibli zeugt bereits von der stark ausgeprägten stilistischen wie inszenatorischen Sicherheit seines Regisseurs Hayao Miyazaki. Der langsam voran getriebene und vergleichsweise ereignisarme Plot entfaltet sich mit Bedacht, erzählt Totoro doch ohnehin spürbar mehr in Bildern als durch ausformulierter Handlung. Und doch gelingt es Miyazaki, seinen unbändigen Gestaltungswillen seinen beiden Protagonistinnen Satsuki und Mei geschickt unterzuordnen, sind es doch gerade diese beiden, aus deren kindlich-naivem Blickwinkel die Welt hier wahrgenommen wird.

 

Sie sind es, die das Tempo vorgeben, sie sind es, die den Rhythmus bestimmen, und sie sind es, die die Regeln etablieren, denn es ist auch oder vielmehr gerade ihr unverstellter Blick voller Unschuld auf eine Welt, die sie erst noch zu verstehen lernen und entdecken wollen. Beschwingt und leichtfüßig zeugt Totoro von der Magie des Alltäglichen und verneigt sich gleichermaßen ebenso vor der Kraft der Fantasie wie vor der Schönheit der Natur. Voller Demut, Charme, Herz, Seele und jeder Menge liebevoller Details sowie authentischen Beobachtungen schildert Miyazaki gefühlvoll und mit unglaublich viel Fingerspitzengefühl die kindliche Erlebniswelt seiner Figuren. Eine zauberhafte Ode an die Natur, an die Fantasie und vor allem an den unschuldigen Blick von Kindern auf die Welt um sie herum.

 

8,5 von 10 gesammelten Eicheln

 

 

Uncut Gems (2019)

2. Februar 2020 at 17:01

 

 

© A24/Netflix/Quelle: IMDb

 

 

 

Made a crazy risk. You gamble and it’s – about to pay off.“

 

 

 

Howard Ratner ist Juwelier im New Yorker Diamond District und steht konstant unter Strom. Hier ein Deal, dort eine Wette, immer auf der Suche dem großen Geld und überall in der Stadt Schulden. Ein ganz großes Geschäft soll ihn auf einen Schlag sanieren, doch als die Dinge plötzlich anfangen schief zu laufen, da verliert Howard zunehmend die Kontrolle über sein Leben.

 

Die beiden Brüder Josh und Benny Safdie bleiben mit Uncut Gems ihrem bisherigen Stil der Inszenierung treu, wenn ihr neuester Film ähnlich wie sein Vorgänger Good Time (2017) immerzu in Bewegung bleibt und keinen Stillstand bietet, rasant getaktet keine Ruhepause gönnt und eine enorme Dringlichkeit aufzubauen vermag. Erneut entfesseln sie eine geradezu rauschhafte Spirale immerwährender Eskalation und erneut endet alles mit einem Knall. Eine gnadenlose Kette falscher Entscheidungen wird in Gang gesetzt, wenn jede weitere Entscheidung, jede neue Idee von Howard Ratner bloß noch schlechter und risikoreicher ist als die davor. Der notorische Zocker ist regelrecht triebgesteuert und wettet bloß noch um des Wetten willens. Gewinn und Verlust, Sieg und Niederlage, die Wechselwirkung aus beidem, dieser fiebrige Rausch, das ist es, was ihn antreibt. Dabei hält er sich für einen Big Player, ist aber eigentlich eher bemitleidenswert, verkackt er doch immerzu seine Deals, übernimmt sich immer wieder und kann nicht einmal sein Familienleben zusammenhalten.

 

Auf der inszenatorischen Ebene ist Uncut Gems geradezu meisterhaft geraten und ist das eindrucksvoll virtuose Ergebnis einer perfekten Symbiose aus Schnitt, Kamera, Score, Sounddesign, Regie und Schauspiel. Wie alle Puzzleteile hier nahtlos fließend ineinander greifen, das ist wahrlich formvollendet. Die tänzelnd flirrende Kamera von Darius Khondji (Seven, Too Old to Die Young, The Beach), der fiebrig pulsierende Score abermals aus der Feder des Experimental-Elektrokünstlers Oneohtrix Point Never (Daniel Lopatin), die grandiose schauspielerische Leistung von Adam Sandler (The Meyerowitz Stories, Punch Drunk Love, Anger Management), all das fügt sich perfekt zusammen, nimmt den Zuschauer von Beginn an gefangen und versetzt ihn in hektisch atemlose Anspannung. Das mag manchmal anstrengend sein, stellenweise vielleicht sogar überfordern, aber es kann auch ungemein lohnenswert sein, sich all dem auszusetzen. Bereits Good Time war grandioses Kino und hatte alle Zutaten, welche nun Uncut Gems ähnlich großartig machen. Von den Safdie-Brüdern werden wir noch viel hören.

 

8,5 von 10 mit Diamanten besetzte Furbys aus Gold