Rambo: Last Blood (2019)

24. Februar 2020 at 18:23

 

 

© Lionsgate/Quelle: IMDb

 

 

 

Als die Enkeltochter seiner Haushälterin von einem üblen Mädchenhändlerring in Mexiko entführt wird, da nimmt John Rambo die Sache selbst in die Hand. Eine erste Begegnung verläuft zwar nicht so wie geplant, doch Rambo verlegt daraufhin den Kriegsschauplatz auf ihm vertrautes Terrain.

 

First Blood, Last Blood. Erneut durchbrochen wurde ein Kreis, der eigentlich schon längst geschlossen war, weil John Rambo (2008) genau das würdevolle Ende für seinen traumatisierten und geplagten Protagonisten findet, welches ihm zusteht. Doch scheinbar kann man ihn nicht ruhen lassen und muss ihn aus dem verdienten Ruhestand zurück beordern. Bloß: wofür eigentlich? Selbst, wenn ich die Logiklöcher, die Stereotypen, die Klischees, die Misogynie und die teilweise reaktionäre Denkweise ausblende, dann bleibt ein erschreckend mittelmäßiger bis unterdurchschnittlicher und vor allem langweiliger Rachethriller von der Stange. Last Blood gibt sich generisch wie austauschbar, versucht sich allenfalls halbherzig wie unmotiviert an der Erforschung Rambos malträtierter Psyche und bleibt doch immerzu lediglich Mittel zum Zweck.

 

Regisseur Adrian Grunberg (Get the Gringo, 2012) vermag kaum mehr als einen x-beliebigen DTV-Actioner auf die Leinwand zu bringen, zäh wie uninspiriert und gleichermaßen lieb -und lustlos inszeniert. Inhaltlich ist das alles furchtbar dünn, voller Klischees und schwarz/weißer Figurenzeichnung, ausgestattet mit Dialogen auf dem Niveau eine Soap Opera. Okay, könnte ich sogar mit leben, wenn Last Blood wenigstens spannend wäre. Pustekuchen. Grunberg bietet mehr oder weniger 75 Minuten reichlich Redundanz, narrativen Leerlauf und teils quälende Langeweile, nur um im Finale gnadenlos zu eskalieren und die Grenze zum Splatter zu überschreiten. Der Weg dahin jedoch gestaltet sich ausgesprochen zäh. Als Abschied ist Last Blood mehr als unbefriedigend, wirkt er doch seinem Anlass gegenüber unangemessen klein in seinem überaus beliebigem Szenario. Ein wenig mehr Originalität und etwas mehr Epik sowie Würde wären da vielleicht ganz schön gewesen. Was bleibt ist ein dünner, fadenscheiniger und vor allem belangloser Rachethriller, einem Rambo nicht würdig.

 

3 von 10 gebrochenen Schlüsselbeinen

 

 

Tonari no Totoro (1988)

16. Februar 2020 at 21:26

 

 

© Studio Ghibli/Quelle: IMDb

 

 

 

Um mehr bei ihrer kranken Mutter sein zu können, ziehen die Schwestern Satsuki und Mei zusammen mit ihren Vater Tatsuo in ein neues Haus nahe des Krankenhauses. Die ländliche Umgebung wird schnell zu einem Abenteuerspielplatz, welchen vor allem die kleine Mei zu erkunden beginnt, und welcher sie zumindest vorübergehend ihre Sorgen und Ängste vergessen lässt.

 

Tonari no Totoro ist ein Film, den ich leider erst viel zu spät für mich entdecken durfte und nur zu gern einmal in meiner Kindheit hätte sehen wollen. Dieses noch recht frühe Werk aus dem Hause Studio Ghibli zeugt bereits von der stark ausgeprägten stilistischen wie inszenatorischen Sicherheit seines Regisseurs Hayao Miyazaki. Der langsam voran getriebene und vergleichsweise ereignisarme Plot entfaltet sich mit Bedacht, erzählt Totoro doch ohnehin spürbar mehr in Bildern als durch ausformulierter Handlung. Und doch gelingt es Miyazaki, seinen unbändigen Gestaltungswillen seinen beiden Protagonistinnen Satsuki und Mei geschickt unterzuordnen, sind es doch gerade diese beiden, aus deren kindlich-naivem Blickwinkel die Welt hier wahrgenommen wird.

 

Sie sind es, die das Tempo vorgeben, sie sind es, die den Rhythmus bestimmen, und sie sind es, die die Regeln etablieren, denn es ist auch oder vielmehr gerade ihr unverstellter Blick voller Unschuld auf eine Welt, die sie erst noch zu verstehen lernen und entdecken wollen. Beschwingt und leichtfüßig zeugt Totoro von der Magie des Alltäglichen und verneigt sich gleichermaßen ebenso vor der Kraft der Fantasie wie vor der Schönheit der Natur. Voller Demut, Charme, Herz, Seele und jeder Menge liebevoller Details sowie authentischen Beobachtungen schildert Miyazaki gefühlvoll und mit unglaublich viel Fingerspitzengefühl die kindliche Erlebniswelt seiner Figuren. Eine zauberhafte Ode an die Natur, an die Fantasie und vor allem an den unschuldigen Blick von Kindern auf die Welt um sie herum.

 

8,5 von 10 gesammelten Eicheln

 

 

Uncut Gems (2019)

2. Februar 2020 at 17:01

 

 

© A24/Netflix/Quelle: IMDb

 

 

 

Made a crazy risk. You gamble and it’s – about to pay off.“

 

 

 

Howard Ratner ist Juwelier im New Yorker Diamond District und steht konstant unter Strom. Hier ein Deal, dort eine Wette, immer auf der Suche dem großen Geld und überall in der Stadt Schulden. Ein ganz großes Geschäft soll ihn auf einen Schlag sanieren, doch als die Dinge plötzlich anfangen schief zu laufen, da verliert Howard zunehmend die Kontrolle über sein Leben.

 

Die beiden Brüder Josh und Benny Safdie bleiben mit Uncut Gems ihrem bisherigen Stil der Inszenierung treu, wenn ihr neuester Film ähnlich wie sein Vorgänger Good Time (2017) immerzu in Bewegung bleibt und keinen Stillstand bietet, rasant getaktet keine Ruhepause gönnt und eine enorme Dringlichkeit aufzubauen vermag. Erneut entfesseln sie eine geradezu rauschhafte Spirale immerwährender Eskalation und erneut endet alles mit einem Knall. Eine gnadenlose Kette falscher Entscheidungen wird in Gang gesetzt, wenn jede weitere Entscheidung, jede neue Idee von Howard Ratner bloß noch schlechter und risikoreicher ist als die davor. Der notorische Zocker ist regelrecht triebgesteuert und wettet bloß noch um des Wetten willens. Gewinn und Verlust, Sieg und Niederlage, die Wechselwirkung aus beidem, dieser fiebrige Rausch, das ist es, was ihn antreibt. Dabei hält er sich für einen Big Player, ist aber eigentlich eher bemitleidenswert, verkackt er doch immerzu seine Deals, übernimmt sich immer wieder und kann nicht einmal sein Familienleben zusammenhalten.

 

Auf der inszenatorischen Ebene ist Uncut Gems geradezu meisterhaft geraten und ist das eindrucksvoll virtuose Ergebnis einer perfekten Symbiose aus Schnitt, Kamera, Score, Sounddesign, Regie und Schauspiel. Wie alle Puzzleteile hier nahtlos fließend ineinander greifen, das ist wahrlich formvollendet. Die tänzelnd flirrende Kamera von Darius Khondji (Seven, Too Old to Die Young, The Beach), der fiebrig pulsierende Score abermals aus der Feder des Experimental-Elektrokünstlers Oneohtrix Point Never (Daniel Lopatin), die grandiose schauspielerische Leistung von Adam Sandler (The Meyerowitz Stories, Punch Drunk Love, Anger Management), all das fügt sich perfekt zusammen, nimmt den Zuschauer von Beginn an gefangen und versetzt ihn in hektisch atemlose Anspannung. Das mag manchmal anstrengend sein, stellenweise vielleicht sogar überfordern, aber es kann auch ungemein lohnenswert sein, sich all dem auszusetzen. Bereits Good Time war grandioses Kino und hatte alle Zutaten, welche nun Uncut Gems ähnlich großartig machen. Von den Safdie-Brüdern werden wir noch viel hören.

 

8,5 von 10 mit Diamanten besetzte Furbys aus Gold