Army of the Dead (2021)

3. Juni 2021 at 0:05

 

 

© Netflix

 

 

Viva Las Vegas. Wagner und Elvis. Die Dekonstruktion einer im Grunde schon lange toten Stadt, eines Mythos, der Traum vom schnellen Geld, im grellen Neonlicht verrottend. Zack Snyder polarisiert, keine Frage. Zwischen Liebe und Hass scheint es da wenig Spielraum zu geben. Ich für meinen Teil mag einige seiner Filme, einen liebe ich und mit anderen wiederum kann ich wenig bis gar nichts anfangen. Snyder versteht sich selbst als eindeutig visuellen Filmemacher, der lieber über die Kraft der Bilder mit dem Zuschauer kommuniziert. Das gilt natürlich auch für Army of the Dead, für welchen er nicht nur das Drehbuch selbst verfasst hat, sondern sich gleich auch noch als Kameramann betätigt hat. Fluch und Segen zugleich, wenn man so will.

 

Zweifellos hat Army of the Dead seine Schwächen, wenn die Laufzeit zu lang ist, das Drehbuch sich in Nebensächlichkeiten verliert und Dinge aufmacht, die dann einfach keine Rolle mehr spielen, Figuren oberflächliche Schablonen sind oder die von Snyder bewusst gewählten, sehr schmalen Schärfebereiche in der Bildkomposition wenigstens irritieren. Von so manchem digitalen Effekt mal ganz abgesehen. Und Snyders Interpretation des modernen Zombie-Mythos hat ja schon bei seinem Regiedebüt Dawn of the Dead nicht unbedingt jedem Puristen gepasst. So verwundert es auch kaum, dass so mancher für die in Army of the Dead gezeigte Evolution der Zombies hin zu einer Art Klassensystem wenig Begeisterung aufbringen kann.

 

Und obwohl ich all die Probleme und Mängel sehe, welche Army of the Dead mit sich bringt, hatte ich trotzdem meinen Spaß mit dem Film. Ich mochte trotz der Oberflächlichkeit die Chemie zwischen den Figuren, mochte den Humor, den Soundtrack, die zahlreichen Zitate aus vielen Bereichen der Popkultur. Alles ist hier Popcorn, grell, bunt, laut. Trotz der Laufzeit konnte mich der Film durchgängig unterhalten. Und das ist weit mehr, als ich anhand des Trailers geglaubt hätte. Irgendwie schafft es der Film, sich gleichzeitig nicht ernst und doch bierernst zu nehmen. Seltsam faszinierend. Am Ende ist es mit Army of the Dead ein bisschen wie bei einer Fahrt mit der Achterbahn: wenn die Sicherheitsbügel erst einmal eingerastet sind, dann kann man es nur noch über sich ergehen lassen. Der eine kotzt dabei, der andere hat Spaß.

 

6,5 von 10 nicht tödlichen Fallen