A Most Violent Year

30. November 2015 at 21:39

 

 

 

A Most Violent Year (2014)
A Most Violent Year poster Rating: 7.0/10 (37,086 votes)
Director: J.C. Chandor
Writer: J.C. Chandor
Stars: Oscar Isaac, Elyes Gabel, Jessica Chastain, Lorna Pruce
Runtime: 125 min
Rated: R
Genre: Action, Crime, Drama
Released: 30 Jan 2015
Plot: In New York City 1981, an ambitious immigrant fights to protect his business and family during the most dangerous year in the city's history.

 

 

 

„The result is never in question for me. Just what path do you take to get there, and there is always one that is most right.“

 

 

 

New York, Winter 1981. Abel Morales ist ein ehrgeiziger und aufstrebender Unternehmer mit hohen Zielen. Doch seiner Heizölspedition wird durch Übergriffe auf seine Tanklaster immer wieder zugesetzt. Fahrer werden verletzt, Lieferungen gestohlen und die Summe der Schäden wird größer und größer, doch Morales kann nur vermuten, wer dahinter steckt, hat aber keine Beweise. Seine Fahrer zu bewaffnen lehnt er ab und auch das Drängen seiner Frau, ihren Vater, einen bekannten Gangsterboss, einzuschalten, kann er nicht gutheißen. Jedoch häufen sich die Angriffe auf seine Firma und die finanzielle Schlinge um seinen Hals wird enger und enger…

 

A Most Violent Year ist nach Margin Call und All Is Lost erst der dritte Film des Regisseurs J.C. Chandor, der mit seinen Werken zusammen mit dem Kanadier Denis Villeneuve zweifellos zu den wohl spannendsten und interessantesten Filmemachern der neueren Zeit zählt. Ein Mann, der uns sicherlich noch öfter über den Weg laufen wird. Für seinen neuesten Film also hat er den erbarmungslosen Winter 1981 als Hintergrund gewählt, um seine Geschichte zu erzählen, ein Jahr, in dem die Kriminalitätsrate in New York so hoch war wie niemals zuvor oder danach. Entsprechend trostlos und düster fallen die Bilder aus, mit denen die Geschichte des aufstrebenden Unternehmers Abel Morales unterfüttert wird, die Geschichte eines Mannes, der in einem korrupten Geschäft versucht, ehrlich und aufrichtig zu bleiben, ein anständiger Mann mit Prinzipien und Idealen, der trotz aller Widerstände nicht bereit ist nachzugeben und schwere Entscheidungen treffen muss, ein Mann, der noch an die Moral appelliert, wo schon längst keine mehr vorhanden ist. Es wäre leicht für ihn nachzugeben, auch weil seine Frau Anna die Tochter eines bekannten Gangsterbosses ist, doch auch deren angebotene Hilfe durch ihre Familie weist er zurück. Morales hält an seinem Weg unbeirrt fest und ist in dem felsenfesten Glauben, nur dieser eine könne der richtige sein. Zwar wirkt er ein bisschen wie eine Mischung aus Tony Montana und Michael Corleone und vereint unbändigen Tatendrang und würdevolle Eleganz, doch mangelt es ihm gänzlich an der kriminellen Energie der beiden, dieser Ausweg kommt für ihn nie in Frage.

 

 

 

„When it feels scary to jump, that is exactly when you jump, otherwise you end up staying in the same place your whole life, and that I can’t do.“

 

 

 

J.C. Chandor erzählt seine zeitlose Geschichte über diesen integeren Einwanderer in Amerika mit einer ähnlichen Eleganz wie Oscar Isaac seinen Abel Morales anlegt, ruhig und unaufgeregt, er hat als Regisseur verinnerlicht, das langsames Erzählen nicht gleichbedeutend mit langweilig sein muss. Ein leiser, aber gewaltiger Thriller, dessen Spannungskurve sich subtil, aber konstant und unterschwellig bedrohlich immer weiter zuspitzt und letztlich in eine starke Verfolgungsjagd mündet, gleichzeitig physischer wie moralischer Höhepunkt des Films. Man stellt sich unwillkürlich immer wieder die Frage, wann Morales nachgeben wird, wann er von seinen ihm so wichtigen Prinzipien ablassen muss. Nicht, ob, sondern nur wann, denn mit jeder weiteren Wendung verschärft sich seine Lage zusehends.  Eine schwelende Ruhe gibt hier meist den Grundton und man spürt permanent den inneren Konflikt von Morales, dem Oscar Issac unfassbar authentisch Ausdruck zu verleihen vermag, man sieht es ihm an, wie alles an ihm nagt, diese klaffende Schlucht zwischen seinen moralischen Ansprüchen und der harten Realität auf den Straßen, die täglich seine Fahrer heimsucht und schließlich auch seine eigene Familie in Gefahr bringt. Technisch und handwerklich ist A Most Violent Year nahezu brilliant, was J.C. Chandor in Marging Call und All Is Lost teilweise bereits andeutete, das kommt hier voll zum Tragen. Jede Szene ist bis ins kleinste Detail regelrecht komponiert, alles greift wie ein Mosaik ineinander, die Dialoge sind grandios, Oscar Issac und Jessica Chastain als seine Frau Anna liefern fantastische Leistungen, selbst die Musik von Alex Ebert passt perfekt zu den kühlen und trostlosen Bildern eines schmutzigen New York. Ein New York nicht unähnlich dem, welches Martin Scorsese bereits 1976 in Taxi Driver heraufbeschwor, wenn auch vielleicht nicht ganz so verkommen und düster. Und ähnlich wie in Andrew Dominiks Killing Them Softly zeigt J.C. Chandor dann auch die marode und heruntergekommene Umgebung sinnbildlich für den moralischen Werteverfall, das Abbild dieses korrupten und schmutzigen Molochs überträgt sich auch auf seine Figuren. In beiden Filmen wird der Versuch der Erfüllung des amerikanischen Traumes durch Gewalt thematisiert, doch A Most Violent Year fällt dann doch nicht so pessimistisch aus wie Killing Them Softly, denn da ist ja immer noch der moralisch aufrechte Abel Morales, der nicht bereit ist, von seinen Prinzipien und Wertevorstellungen abzurücken. Doch wird ihm das auch bis zum Schluss gelingen? Auch dann noch, wenn der Druck immer größer und schließlich kaum noch zu ertragen ist? Genau das ist die Frage, die A Most Violent Year so unglaublich spannend macht.

 

Der dritte Film des Regisseurs J.C. Chandor ist ein ruhig erzählter, aber dafür umso fesselnder Thriller, der ein eher ungewöhnliches, aber nicht weniger spannendes Milieu abbildet und sich mit der moralischen Standhaftigkeit seiner Hauptfigur beschäftigt. Ein bis ins kleinste Detail hervorragend inszenierter Film mit grandiosen Dialogen und fantastischen schauspielerischen Leistungen, einerseits rau und spröde, andererseits ausgesprochen elegant und packend bis zur letzten Szene. Eine durchweg starke Kombination aus Stil und Inhalt. Von J.C. Chandor dürften wir wohl noch so einiges hören (und hoffentlich auch sehen) und nach der starken Leistung von Oscar Isaac als Abel Morales bin ich nun noch mehr auf den anstehenden Star Wars-Film gespannt, als ich es ohnehin schon bin. Wobei…. geht das überhaupt? Ich bin mir nicht sicher…

 

8,5 von 10 entführten Tanklastern