Auf kurze Distanz (2016)

30. Dezember 2017 at 19:46

 

 

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Der junge Polizist Klaus Roth wird für einen Undercover-Einsatz rekrutiert und soll verdeckt in Berlin gegen eine serbische Großfamilie ermitteln, die das Wettgeschäft mit manipulierten Spielen jeglicher Art fest im Griff hat. Um nach und nach immer weiter vordringen zu können, sucht Roth die Freundschaft zu Luca Moravac, einem Neffen des Familienoberhauptes Aco Goric. Roth macht schnell Fortschritte, doch als türkische Konkurrenz das Geschäft bedroht, überschlagen sich die Ereignisse.

 

Immer wieder stolpere ich über den Satz „Deutschland kann eben kein Genrekino“. Und jedes Mal denke ich mir: aber das stimmt doch gar nicht. Beweise dafür, dass es nicht stimmt, die gibt es doch genügend: ob nun das Kino von Roland Klick in den 70ern und 80ern mit Filmen wie Deadlock (1970), Supermarkt (1974) oder Whitestar (1983). Oder die Filme von Dominik Graf, der mit Die Katze (1988) oder Die Sieger (1994) denkwürdige Momente des deutschen Genrekinos schuf und zu den wenigen Regisseuren gehört, denen Tatorte gelingen, die man auch wirklich schauen kann. Oder Filme wie Der Fan (1982) von Eckhart Schmidt und Blutiger Freitag (1972) von Rolf Olsen – allesamt absolut lohnenswerte Beiträge zum deutschen Genrekino. Und auch aktuell ist das Genre hierzulande vertreten: Der Nachtmahr (2015), Who Am I (2014), Victoria (2015), Wir sind die Flut (2016), Berlin Syndrome (2107) oder eben Auf kurze Distanz.

 

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Das Undercover-Drama von Phillip Kadelbach erzählt uns sicherlich keine neue Geschichte, wenn sich der junge Polizist Klaus Roth nach und nach in die serbische Wettmafia einschleicht. Aber der Film erzählt sie in einem angenehm kleinen Rahmen und bleibt dabei trotzdem packend und spannend. Ein überzeugend authentisches Setting ist das, in welchem sich Roth dort bewegt, und nie wird es reißerisch ausgeschlachtet, sondern vielmehr zurückhaltend in Szene gesetzt. Die Figuren im Film verhalten sich realistisch und glaubwürdig, auf Schwarz/Weiß-Malerei wird zu Gunsten moralischer Grauzonen verzichtet und auch die zwischenmenschlichen Töne kommen nicht kurz. Manchmal fühlte ich mich an Eastern Promises von David Cronenberg erinnert und gerade die Familienszenen – eine Taufe beispielsweise innerhalb dieser serbischen Großfamilie – wissen auch zu begeistern, wirken sie eben authentisch. Auch der moralische Konflikt, den Roth im Laufe seiner Undercover-Tätigkeit entwickelt, ist nachvollziehbar und überzeugend dargestellt. Überhaupt ist die schauspielerische Klasse in Auf kurze Distanz erstaunlich hoch und vor allem Tom Schilling und Edin Hasanovic stechen da heraus.

 

Somit ist Auf kurze Distanz von Phillip Kadelbach ein rundherum gelungener Beitrag zum deutschen Genrekino, welcher angenehm wohltuend aus dem sonst eher matschigen Krimi-Einerlei hierzulande hervorsticht und definitiv eine Empfehlung wert ist. Eine Fernsehproduktion, die große Teile der Konkurrenz mühelos hinter sich lässt, indem sie auf ein authentisches Setting, glaubhafte Figuren und eine zwar im kleinen Rahmen aufgezogene, deswegen aber kaum weniger spannende Story setzt, die gegen Ende noch den einen oder anderen hübschen kleinen Schlenker präsentieren kann.

 

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