Child 44

27. Oktober 2015 at 14:17

 

 

 

Child 44 (2015)
Child 44 poster Rating: 6.4/10 (25,661 votes)
Director: Daniel Espinosa
Writer: Richard Price (screenplay), Tom Rob Smith (novel)
Stars: Xavier Atkins, Mark Lewis Jones, Tom Hardy, Joel Kinnaman
Runtime: 137 min
Rated: R
Genre: Drama, Thriller
Released: 17 Apr 2015
Plot: A disgraced member of the military police investigates a series of nasty child murders during the Stalin-era Soviet Union.

 

 

 

„Do you know what people get around here when they demand the truth? Do you? They get terror.“

 

 

 

Moskau, 1953. Als gefeierter Kriegsheld und absolut überzeugt von seinen politischen Idealen, konnte sich Leo Demidow eine ansehnliche Karriere als Geheimdienstoffizier aufbauen. Doch als die grausam zugerichtet Leiche des kleinen Sohnes eines seiner engsten Kollegen aufgefunden und der offensichtliche Mord an dem Kind kurzerhand als tragischer Unfall deklariert wird, gerät Leos Welt nach und nach ins Wanken. Nachdem ein weiterer Mord geschieht und Leo bewusst Befehle ignoriert, wird er zusammen mit seiner Ehefrau ins weit abgelegene Exil degradiert. Der einst so parteitreue Offizier will jedoch nicht aufgeben und die Verbrechen aufklären, doch im Paradies geschehen keine Morde…

 

Child 44 ist nach Safe House erst der zweite, größere Spielfilm des schwedischen Regisseurs Daniel Espinosa und die Verfilmung des gleichnamigen Romanes von Tom Rob Smith, der nur der Auftakt einer ganzen Trilogie um Leo Demidow ist. Die Geschichte selbst bietet genug Material für einen packenden Thriller rund um die Jagd auf einen Kindermörder in einem Staat, in dem es per Definition keine Mörder gibt und das auch nur in Erwägung zu ziehen bereits an Hochverrat grenzt, das Setting ist düster und dafür geradezu prädestiniert und die Besetzung mit Tom Hardy, Gary Oldman, Vincent Cassel, Jason Clarke und Noomi Rapace verspricht schauspielerisches Talent der Extraklasse. Auf dem Papier also ganz hervorragende Rahmenbedingungen, die Espinosa für seinen Film hat. Am Ende der 137 Minuten Laufzeit konnte ich mich jedoch nur noch fragen: wie konnte man so wenig aus so viel Potential machen? Die Zutaten sind da, aber sie werden nicht sinnvoll genutzt. Espinosa gelingt es zu keiner Sekunde, ein kohärentes Gesamtbild zu erschaffen. Child 44 will zuviel auf einmal und das am besten gleichzeitig, ist unentschlossen und wankelmütig, mal Thriller, mal Drama, mal Spionagestory, mal Gesellschaftskritik, aber nichts davon wirklich und tanzt auf zu vielen Hochzeiten. Zwar wirkt der Film stilistisch überzeugend und weitestgehend authentisch und es gelingt Espinosa meist zumindest atmosphärisch beständig zu bleiben, alles ist schön düster und grimmig, dreckige Bilder erzeugen ein ständiges Gefühl der Verunsicherung und des politischen Drucks auf alle Beteiligten, aber über die Schwächen des zerfaserten Drehbuches kann das nicht hinweg täuschen und so verliert sich die Handlung immer wieder in winzige Einzelfragmente, wirkt wirr und scheint phasenweise keinen wirklichen Sinn zu ergeben. Zumal auch die schauspielerischen Leistungen durchgängig allenfalls mäßig ausfallen und selbst Tom Hardy seltsam lustlos wirkt. Gary Oldman hat zu wenig Screentime, um seiner Figur irgendeine Form von Tiefe zu verleihen und Vincent Cassel und Jason Clarke werden gleich lieber komplett verheizt, indem keiner von ihnen mehr als zwei oder drei kurze Szenen im Film hat. Die wenigen Actionszenen, die Child 44 zu bieten hat, und die sich zum Ende hin sprunghaft häufen, sind meist sehr hektisch und unübersichtlich umgesetzt, ein Problem, das Espinosa auch schon bei Safe House hatte, übersichtliche Abläufe und Choreografien scheinen ihm nicht zu liegen. Gerät dann schlussendlich die Auflösung der Story und somit die Enthüllung und Präsentation des Killers so belang – und lieblos wie hier, dann ist man letztlich ganz weit entfernt von den anfangs noch so hervorragenden und vielversprechenden Rahmenbedingungen.

 

Child 44 entpuppt sich als zäh und wirr erzählt und weiß nicht sich richtig zu positionieren. Das Drehbuch will zuviel auf einmal und gerät dadurch konfus und wirkt in seiner Erzählung sehr bruchstückhaft. Es schlummert viel Potential in diesem Projekt, das leider nie auch nur ansatzweise abgerufen werden kann. Espinosa inszeniert zwar atmosphärisch durchaus gelungen, aber auch sehr klischeebeladen und bleibt letztlich weit hinter den Möglichkeiten dieses Films zurück. So wirkt Child 44 eher wie ein klassischer Direct-To-DVD Release und nicht wie ein Kinofilm. Das Ergebnis ist wirklich schade, denn hier war deutlich mehr drin. Verschenkte Möglichkeiten hinter jeder Ecke.

 

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