Gallipoli (1981)

12. Februar 2018 at 15:28

 

 

© Roadshow Film Distributors

 

 

 

„It’s not our bloody war. It’s an English war. It’s got nothing to do with us.“

 

 

 

Australien, 1915. Aus unterschiedlichen Gründen wollen die beiden Freunde Archie Hamilton und Frank Dunne in die australische Armee eintreten, um im Ersten Weltkrieg auf der türkischen Halbinsel Gallipoli gegen die Türken zu kämpfen. Und das, obwohl sie nicht einmal genau wissen, warum oder wofür dort Krieg herrscht. Nach einer langen und beschwerlichen Reise erreichen sie schließlich Perth, wo sie sich endlich einschreiben können. Von dort aus geht nach Ägypten in ein Ausbildungslager der australischen Armee und dann schließlich nach Gallipoli, wo die beiden Freunde schnell feststellen müssen, was Krieg wirklich bedeutet.

 

Mit Gallipoli kann ich nun einen weiteren Film des australischen Regisseurs Peter Weir von meiner Liste streichen und erneut hat mich Weir nicht enttäuscht. Es sollte sein letzter rein australischer Film sein, denn danach wurde Hollywood auf ihn aufmerksam und auch für den noch jungen Mel Gibson sollte dieser Film der Sprung in die Traumfabrik bedeuten – Mad Max ließ bereits aufhorchen, doch Gallipoli bewies, dass er mehr konnte. Weir erzählt die abenteuerliche Geschichte der Freundschaft zweier junger Männer vor dem Hintergrund eines wohl eher in Vergessenheit geratenen Stückes australischer Geschichte: die Schlacht um Gallipoli im Ersten Weltkrieg, in welcher australische und britische Truppen gemeinsam gegen die mit Deutschland verbündeten Türken. Dennoch sehe ich Gallipoli in erster Linie nicht oder nur sehr bedingt als klassischen Kriegsfilm, steht doch lange die Freundschaft sowie die abenteuerliche wie oftmals beschwerliche Reise von Archie und Jack von Queensland aus quer durch die Wüste nach Perth, von dort nach Ägypten und letztlich zur türkischen Halbinsel im Mittelpunkt und das eigentliche Kriegsgeschehen rückt tatsächlich erst sehr spät in den Mittelpunkt. Dazu bedient sich Weir bei vielen Themen klassischer Kriegsdramen – wie etwa den scheinbar ewig währenden Hurra-Patriotismus junger Männer, das bedenkenlose Verheizen unzähliger Soldaten durch ihre Vorgesetzten oder die beinahe schon rassistische Herabwürdigung und Missachtung fremder Kulturen – reißt diese allerdings immer nur gekonnt an ohne sie je zum Leitmotiv zu erheben. Historisch mag das alles vielleicht nicht korrekt sein, dennoch überzeugt Weir mit der von ihm gewohnten leicht schrägen Art der Inszenierung und findet einige wirklich sehr schöne Bilder und Motive, wo man sie kaum vermuten würde. Am Ende bleibt kaum mehr als eine Medaille und eine Taschenuhr im türkischen Staub und zwei junge Leben, denen eine perspektivenreiche Zukunft in einem Krieg genommen wurde, welcher nicht einmal ihr Krieg war.

 

8 von 10 in Kairo gekaufte Esel