Illang: The Wolf Brigade (2018)

4. November 2018 at 19:03

© Netflix/Quelle: IMDb

 

 

 

In einem fiktiven Korea in naher Zukunft steht die Wiedervereinigung kurz bevor, doch der Polizeiapparat hat alle Hände voll zu tun mir einer radikalen Terrororganisation namens Die Sekte. Um dieser beizukommen wird eine neue Polizeieinheit gegründet und mit speziellen Kompetenzen ausgestattet. Nach einem schrecklichen Massaker an unschuldigen Schulkindern gerät diese Spezialeinheit jedoch verstärkt unter Druck und findet sich in einem politischen Machtkampf mit der Staatssicherheit wieder.

 

Schade, schade da wurde doch viel Potential liegen gelassen. Regisseur Kim Jee-woon (A Tale of Two Sisters, Bittersweet Life, I Saw the Devil) versucht sich hier an einer Realverfilmung des legendären Animes Jin-Roh aus der Feder von Mamoru Oshii. Grundsätzlich ist die zeitliche wie örtliche Verlagerung des Settings von einem fiktiven Japan der 50er Jahre hin zu einem ebenso fiktiven Korea in naher Zukunft kurz vor der Wiedervereinigung zunächst mal interessant, aber Kim Jee-woon nutzt das bei weitem nicht in dem Maße, wie es möglich gewesen wäre. Illang gelingt es über weite Strecken nicht, sich von seiner Vorlage zu lösen, ist phasenweise sehr schwerfällig und behäbig erzählt und vermag erst im Mittelteil ein wenig Tempo und Eigenständigkeit zu entwickeln. Schlimmer noch: vor allem zu Beginn ist der Film Jin-Roh geradezu sklavisch ergeben und betreibt schlimmsten Fan-Service, wenn ganze Szenen 1:1 übernommen und übertragen werden.

 

Dazu erlaubt sich der Film, bestimmte Aspekte des eigentlich ja spannenden und hoch politischen Katz-und-Maus-Spiels zwischen Spezialeinheit, Geheimdienst und Polizeikräfte deutlich früher zu offenbaren, welche in der Vorlage länger verborgen bleiben und die Handlung so etwas undurchsichtiger gestalten. Im Finale dann löst sich Kim Jee-woon vollkommen von Jin-Roh und schlägt eigene Wege ein, indem er das eigentlich bittere Ende der Vorlage nicht nur in ein Happy End umdeutet, sondern gleich auch noch einen finalen Endkampf inszeniert, der grundlegende Aussagen des Animes unterläuft. Illang ist zwar zweifellos und in jeglicher Hinsicht handwerklich absolut kompetent in Szene gesetzt, vermag aber ebenso wenig die Qualitäten seiner Vorlage zu erreichen wie sich weit genug davon zu lösen, um einen gewissen Grad der erzählerischen Eigenständigkeit erlangen.

 

5,5 von 10 Rotkäppchen als Anschlagshelfer