Independence Day: Resurgence

23. November 2016 at 12:43

 

 

© 20th Century Fox

 

 

 

„That’s… definitely bigger than the last one.“

 

 

 

Zwanzig Jahre sind vergangen seit dem verheerenden Angriff der Aliens auf die Erde. Die damaligen Ereignisse einten die Menschheit in Frieden und Eintracht, bewaffnete Konflikte gab es seither keine mehr und die Technologie der Außerirdischen konnte zu immensem Fortschritt genutzt werden. Doch ausgerechnet am zwanzigsten Jahrestag der erfolgreich abgewehrten Invasion kommt es zu einem erneuten Angriff, der um ein vielfaches größer ausfällt und nach der Zerstörung großer Teile von Europa und Asien durch die Aliens scheint die Lage aussichtslos zu sein.

 

Das diesen Text einleitende Zitat trifft nicht nur den Nagel auf den Kopf, es hämmert ihn auch gleich tief ins Holz. Independence Day: Resurgence ist ein Paradebeispiel dafür, dass eines der größten Probleme Hollywoods der Mangel an neuen Ideen ist. So verfährt Roland Emmerich dann auch zwanzig Jahre nach seinem ersten Teil ganz klar nach der Devise bigger is better und macht genau das, was er am besten kann, nämlich unterkomplexes und nur auf Überwältigung ausgelegtes Event-Kino, liefert dabei aber lediglich den lauen Aufguss eines ohnehin schon lauen Filmes. Sicher, mit sechzehn, damals im Kino, da war Independence Day auch für mich das wohl Höchste der Gefühle, heute jedoch bin ich weniger leicht zu beeindrucken, habe viel mehr gesehen und weiß, was für eine Gurke das auch schon 1996 war, so voller Kitsch, Pathos und Patriotismus, nicht unähnlich Filmen wie Armageddon oder Pearl Harbor. Ich glaube nicht, dass es überhaupt einer Fortsetzung bedurft hätte und schon gar nicht einer zwanzig Jahre danach, viel zu spät und mit einem Publikum, welches den ersten Film zum Teil vielleicht gar nicht mehr kennt. Zudem handelt es sich bei Independence Day: Resurgence streng genommen nicht einmal um eine Fortsetzung, erzählt Emmerich doch im Grunde genau die gleiche Geschichte wie 1996 und variiert kaum mehr als Teile des Personals und allenfalls winzige Elemente der Story. Würde man nicht allzu genau hinsehen, sein Film würde auch problemlos als Remake durchgehen. Independence Day hatte zu seiner Zeit immerhin spektakulär neue Effekte zu bieten, verpackt in eine Zerstörungsorgie, die damals ihres Gleichen suchte und mein sechzehnjähriges Ich zu beeindrucken wusste, doch Resurgence hingegen ist letzten Endes nur noch eine weitere von vielen, beliebigen wie lieblosen CGI-Orgien und verliert dadurch genau jenes Alleinstellungsmerkmal, dass der alte Film noch für sich beanspruchen konnte. Eines muss man Emmerich jedoch lassen: Fernab vom bemühten Ernst einiger anderer Blockbuster zielt er nicht auf die realen Ängste des Publikums vor Terror, Überfremdung und Naturkatastrophen ab, sondern vielmehr auf eine kindliche Schaulust und versucht zumindest das Kino wieder zu einer Jahrmarktsattraktion zu machen. Dass dann letztlich der Funke nicht überspringen will, das liegt auch am modernen Event-Kino und dessen sensationswütigem Publikum, dessen Ansprüchen Independence Day: Resurgence gnadenlos hinterher hinkt. Was sich vor zwanzig Jahren noch für lange Zeit ins kollektive Gedächtnis der Popkultur brannte, das ist heute gleich wieder vergessen. Zu altmodisch ist der Film in seiner Inszenierung geraten und zu sehr orientiert sich Emmerich manchmal geradezu sklavisch an der Struktur des ersten Teils, um heute noch großartig punkten zu können. Immerhin ist es eine nette Idee Jeff Goldblum, Bill Pullman, Judd Hirsch, Brent Spiner und John Storey wieder mit ins Boot zu holen und so nicht nur erzählerisch an die Ereignisse von 1996 anzuknüpfen, dafür können aber vor allem Liam Hemsworth und Jessie T. Usher kaum glänzen, und unterm Strich nimmt die alte Besetzung der neuen ganz eindeutig die Butter vom Brot. Auch gefällt mir die Idee, die auf der Erde zurückgebliebene Alien-Technologie für den menschlichen Fortschritt zu nutzen, doch gebraucht Emmerich das Potential dahinter selten gehaltvoll und meist nur für den nächsten digitalen Effekt. Überhaupt werden viel zu oft Ideen aufgeworfen und Ansätze verfolgt, nur um dann genauso schnell wieder in der Versenkung zu verschwinden. Es passiert zwar viel, aber kaum etwas davon hat auch wirklich Bedeutung oder würde gar die Story weiter entwickeln.

 

Independence Day: Resurgence tut nicht weh und weiß auch nicht zu verärgern, ist im Grunde nicht einmal ein besonders schlechter Film und hat auch die eine oder andere nette Idee zu bieten, aber er ist vor allem in seiner geradezu absoluten Belanglosigkeit einfach nur schrecklich egal, und das ist das Schlimmste, was ein Film überhaupt nur sein kann: egal. Das macht ihn letztlich überflüssig und verzichtbar, auch wenn Roland Emmerich schon schwächere Filme abgeliefert hat. Resurgence kommt mindestens fünfzehn Jahre zu spät und kann einer Generation, die Independence Day vermutlich gar nicht mehr kennt, nichts bieten, was andere aktuelle Blockbuster nicht auch leisten können und geht somit im Mittelmaß der sommerlichen Flut der Effekt-Spektakel unter.

 

5 von 10 außerirdischen Raumschiffen mit einem Durchmesser von 3.000 Meilen