It Follows

9. Januar 2016 at 18:04

 

 

© RadiUs-TWC/Dimension Films

 

 

 

„It could look like someone you know or it could be a stranger in a crowd. Whatever helps it get close to you.“

 

 

 

Die 19jährige Jay hat ein Date mit dem zwei Jahre älteren Hugh. Kino, danach Essen, alles ganz normal. Selbst als sie sich langsam näher kommen und schließlich Sex in seinem Auto haben, scheint noch alles in Ordnung. Bis Hugh Jay mit Chloroform betäubt und in ein stillgelegtes Fabrikgebäude verschleppt. Als Jay wieder zu sich kommt, ist sie an einen Stuhl gefesselt und Hugh tischt ihr eine bizarre Geschichte auf: er habe sie beim Sex mit etwas angesteckt, einem Fluch oder Dämon oder was auch immer, etwas, das sie von nun an immerzu verfolgen würde. Langsam, aber zielstrebig. Es könne die Gestalt jeder x-beliebigen Person annehmen und erst ruhen, wenn Jay tot wäre. Ihr einziger Ausweg scheint zu sein, dieses Etwas an wen anderes durch Sex weiterzugeben. Zunächst glaubt Jay kein Wort dieser abstrusen Geschichte, doch sie wird sehr schnell eines besseren belehrt…

 

It Follows ist nach The Myth of the American Sleepover der erst zweite Film von Regisseur David Robert Mitchell, weiß aber sehr wohl frischen Wind in das inzwischen doch recht stagnierende Genre des Horrorfilms zu bringen und bedient gekonnt und effektiv tiefsitzende Urängste in uns. Mitchell verknüpft eine Coming-of-Age-Story mit verschiedenen Elementen unterschiedlichster Herkunft aus dem Bereich Horror, konzentriert sich aber überwiegend auf das klassische Kino eines John Carpenter. Suspense und Atmosphäre stehen hier ganz eindeutig im Vordergrund, blutige Einlagen und plumpe Schockmomente sucht man vergeblich. Dadurch gerät It Follows allerdings nur noch unheimlicher, denn diese diffuse Bedrohung durch dieses ES ist spürbar allgegenwärtig, und schnell regiert nur noch nackte Paranoia, sowohl bei den Teenagern auf der Leinwand als auch beim Zuschauer selbst. Keine Szene ist sicher, alles und jeder verkommt zu einer potenziellen Bedrohung und man beginnt, ständig den Hintergrund nach dem namenlosen Schrecken abzusuchen, ohne zu wissen, wie er überhaupt aussehen könnte. Mitchell gestaltet seinen Film atmosphärisch ungemein dicht und das Erzähltempo ist ganz bewusst ausgesprochen langsam, It Follows nimmt sich viel Zeit, um seine Geschichte vor uns auszubreiten. Und ähnlich wie bei Carpenter nimmt die Kamera oft eine sehr beobachtende Funktion ein, bildet ab, ist aber ebenso immer mittendrin im Geschehen und niemals einfach nur außen vor. Gesellt sich noch der nervenaufreibende und sehr pointiert eingesetzte Klangteppich aus quälenden Synthesizern von Rich Vreeland ( auch bekannt als Musiker unter dem Namen Disasterpeace) dazu, dann ist das Grauen perfekt. Zudem präsentiert uns It Follows etwas, das man im Horrorgenre sonst meist vergeblich sucht: ganz normale Teenager als Protagonisten, geradezu aus dem Leben gegriffen mit all ihren Sorgen und Ängsten, angenehm glaubhaft und frei von den üblichen Klischees. Diese werden auch allen voran vor allem von Maika Monroe und Keir Gilchrest sehr überzeugend gespielt. Gerade Maika Monroe versteht es hervorragend, der Angst und dem Grauen ihrer Figur Jay Ausdruck zu verleihen, sie gestaltet ihr Schauspiel subtil und zurückhaltend, aber auch erstaunlich intensiv und einnehmend.

 

David Robert Mitchell ist mit It Follows eine erstaunlich kluge Parabel auf das Erwachsenwerden gelungen, die mit diversen Deutungsebenen aufwarten kann. Natürlich ist der Plot oberflächlich betrachtet auch als eher wenig subtile Metapher für sexuell übertragbare Krankheiten zu lesen, aber vielleicht auch als eine für den Verlust von Kindheit, Unschuld und Unbeschwertheit, ein düsterer Ausblick auf das Leben als Erwachsener. Die 8 Mile Road (der Film spielt in Detroit) als Sinnbild für das Älterwerden, als Demarkationslinie zwischen Kindheit und Erwachsensein. Ähnlich wie The Babadook zwar keineswegs das Meisterwerk und der Retter des modernen Horrorfilms, zudem die Kritiker ihn machen, aber die ungewöhnliche Story, die beklemmende Atmosphäre aus Angst und Paranoia, der bohrende und fräsende Soundtrack und eine wirklich gelungene Kameraarbeit machen It Follows zu einem überraschend erfrischendem Film, der einem verstaubten Genre durchaus neue Facetten abringen kann. Für den Liebhaber des gepflegten subtilen und psychologischen Horrorfilms zweifellos einen Blick wert.

 

7 von 10 Autofahrten durch Detroit