Laissez bronzer les cadavres (Leichen unter brennender Sonne, 2017)

9. Februar 2019 at 18:30

 

 

© Anonymes Films/Tobina Film/Quelle: IMDb

 

 

 

In einer abseits gelegenen Burgruine auf Korsika treffen die Künstlerin Luce und ihr Liebhaber Bernier auf drei Gangster, die gerade einen Goldtransporter überfallen haben. Als auch noch zwei Motorradpolizisten dazu kommen, da entlädt sich dieses explosive Gemisch in einer die ganze Nacht andauernden Schießerei.

 

Auch die nach Amer (2009) und L’Étrange Couleur des larmes de ton corps (2013) nun mehr dritte Regiearbeit des belgisch-französischen Duos Hélène Cattet und Bruno Forzani versteht sich als Hommage an das europäische Genrekino der 60er und 70er Jahre, widmet sich nun allerdings weniger dem Giallo und wendet sich lieber dem Poliziottesco und dem Italowestern zu. Im direkten Vergleich zeigt sich Laissez bronzer les cadavres jedoch deutlich weniger düster und mysteriös, hat dafür aber im Gegenzug eine zumindest rudimentäre Story vorzuweisen. Die ohnehin schon knappe Handlung der Romanvorlage von Jean-Patrick Manchette und Jean-Pierre Bastid wird von Cattet und Forzani nur noch weiter auf ein absolutes Minimum herunter gebrochen, denn abermals liegt ihr Hauptaugenmerk deutlich stärker auf den audiovisuellen Aspekten als auf den inhaltlichen.

 

Und hier toben sich die beiden erneut hemmungslos aus, finden zu einer formvollendeten Bildsprache, zelebrieren meisterhaft den bildlichen Exzess und erschaffen eine geradezu rauschhafte Sinnlichkeit. Ausufernd spielen sie mit Farben, kunstvoller Ausleuchtung, Großaufnahmen von Gesichtern, Augen und Mündern, scharfen Zooms sowie cleveren Überblendungen, wechselnden Perspektiven und überbetonten Geräuschen, so dass sich eine beinahe schon erregende Atmosphäre aufbaut. Die inhaltlich sehr flache und formelhafte Story wird von Cattet und Forzani dennoch staubtrocken und pointiert in Szene gesetzt und das überaus filmisch denkende Regieduo entfaltet ein betörendes, eher assoziativ erzähltes und virtuos orchestriertes Konstrukt aus Blei, Blut und Sex, bei dem vor allem Zeit von großer Bedeutung und fester Bestandteil der narrativen Struktur ist.

 

Auch die Figuren sind weniger menschlich begreifbare Wesen als vielmehr lose Rückverweise auf bestimmte filmische Archetypen und so gerät Laissez bronzer les cadavres zu einem sehr speziellen Erlebnis, welches sicherlich nicht Jedermanns Geschmack treffen wird, mich aber vorzüglich unterhalten konnte. Explosives, rauschhaftes, hemmungsloses, wildes, fiebriges und surreal überhöhtes Genrekino, welches wenig über Worte, dafür aber viel über seine Bildsprache erzählt. Style over substance im tobenden Kugelhagel.

 

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