Logan – Revisited

21. Juli 2017 at 12:02

 

 

© 20th Century Fox

 

 

 

Dreimal habe ich Logan – The Wolverine im Frühjahr im Kino gesehen und auch danach sollte mich der Film nicht loslassen, kehrten meine Gedanken doch immer wieder zu ihm zurück. Nun steht er bei mir im Regal und wieder sehe ich ihn in sehr kurzer Zeit sehr oft. Und er wird eher noch größer für mich anstatt kleiner zu werden in seiner Faszination. Da schlummert etwas grundlegend Universelles in diesen rund 137 Minuten, dem ich mich einfach nicht entziehen kann. Etwas Erhabenes, das über die gewöhnlichen filmischen Grenzen hinausgeht. Ich kann es nicht genau fassen oder gar Worte dafür finden, aber es ist da. Was ich weiß ist, dass mich Logan nach wie vor berührt. Und zwar auf eine Art und Weise, wie ich es bisher selten erlebt habe. Ich weiß, dieser Film wird für mich bleiben, er wird Bestand haben. Nicht oft habe ich ein solches Gefühl, aber hin und wieder kommt das vor. Was neu ist für mich, das ist der Umstand, dass es mit Logan und mir so schnell ging. Meine Faszination war und ist nach wie vor ungebrochen und ich will nicht nur den Film, sondern auch meine Gedanken dazu in die Welt hinaus tragen. Dieses großartige Meisterwerk, welches er nämlich ist. Logan ist so unendlich mehr als einfach nur eine weitere x-beliebige Comicverfilmung voller Superhelden, denn er ist vielmehr ein Film über Menschen. Menschen mit besonderen Fähigkeiten, ja, gebrochen, desillusioniert, traumatisiert und am Ende ihrer Kräfte, ja, aber letzten Endes sind es Menschen. Logan bedient viele Motive, ist zum Teil Roadmovie, zum Teil Western, aber immer vor allem Drama. Ein zwischenmenschliches Drama rund um Vergänglichkeit, Angst und Verlust. Dinge, die wir alle nur zu gut kennen. Es ist ein ehrlicher Film, der den Mut aufbringt, zu den grundlegenden Dingen zu stehen. Das macht ihn irgendwie unbequem, aber eben auch wunderschön. Logan hat viele tolle Momente zu bieten, aber meine Lieblingsszene ist wohl das gemeinsame Abendessen auf der Farm der Munsons. Eine ganz wundervolle Szene, in der mit Leichtigkeit zugleich der Verlust von und das Verlangen nach Normalität zusammengebracht werden. Der Wunsch nach der Ruhe und dem Frieden eines normalen Lebens konfrontiert mit dem Wissen darum, dieses niemals haben zu können. Dennoch wird hier ein kurzes Durchatmen ermöglicht. Überhaupt sind es überwiegend die ruhigen Momente, dich mich am ehesten faszinieren an Logan, wohnt ihnen doch meist eine ganz eigene Dramatik inne. Es ist ein Film voller Widersprüche – altmodisch und doch modern zugleich inszeniert, gewalttätig und trotzdem zärtlich, voller Action aber auch immer dramatisch, spannend und dennoch voller Melancholie. Vielleicht ist es das, was mich so ungemein fasziniert und einfach nicht loslassen will, diese Widersprüchlichkeit. Letztlich liegt vielleicht genau dort die Schönheit von Logan, in seiner Zerrissenheit. Eine konkrete Antwort darauf habe ich nicht, aber dieses unbändige Gefühl der Zuneigung zu jeder Sekunde dieses Filmes, das ist da und wird vermutlich auch bleiben. Hugh Jackman bringt es im Making Of ganz wundervoll auf den Punkt: letztlich ist Logan für das Genre der Superheldenfilme genau das, was Clint Eastwoods The Unforgiven einst für den Western war: der ultimative Abgesang auf den Heldenmythos.