Lucy

29. April 2015 at 13:07

 

 

 

Lucy (2014)
Lucy poster Rating: 6.4/10 (229,422 votes)
Director: Luc Besson
Writer: Luc Besson
Stars: Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Min-sik Choi, Amr Waked
Runtime: 89 min
Rated: R
Genre: Action, Sci-Fi, Thriller
Released: 25 Jul 2014
Plot: A woman, accidentally caught in a dark deal, turns the tables on her captors and transforms into a merciless warrior evolved beyond human logic.

 

 

 

„We humans are more concerned with having than with being.”

 

 

 

Die amerikanische Studentin Lucy gerät in Taipeh durch eine zwielichtige Bekanntschaft in einen Drogendeal der koreanischen Mafia. Als die Dinge eskalieren wird Lucy kurzerhand als unfreiwilliger Drogenkurier missbraucht und soll ein in ihrem Bauchraum  eingesetztes Paket der neuartigen Droge CPH4 über die Grenze bringen. Alles läuft fürchterlich schief und letztlich wird die Droge in Lucy freigesetzt und gelangt in ihre Blutbahn, was ihr ungeahnte Möglichkeiten eröffnet….

 

Luc Besson war mal ein richtiger guter Regisseur, der es hervorragend verstand Action mit Anspruch zu verschmelzen und ungewöhnliche Geschichten zu erzählen. Filme wie Leon – Der Profi, Nikita, Im Rausch der Tiefe oder sogar noch Das 5.Element waren allesamt unterhaltsam, immer ein klein wenig anders und intelligent inszeniert. Irgendwann hat er sich dann mehr auf das Produzieren von Filmen und schreiben von Drehbüchern verlegt und auch seine immer weniger werdenden Regiearbeiten ließen die Qualität früherer Werke vermissen. An Lucy will er zehn Jahre gearbeitet haben, es scheint ihm also eine Herzensangelegenheit zu sein, dennoch gelingt es ihm auch dieses Mal nicht an vergangene Qualitäten anzuknüpfen.

 

Lucy sieht sich selbst als eine Art Gedankenexperiment, ein klassisches „Was wäre wenn… „- Spiel basierend auf der Idee, dass der Mensch nur zehn Prozent seiner Hirnkapazität nutzt. Dass diese These wissenschaftlich längst überholt und in der Form nicht mehr haltbar ist, wäre nur halb so schlimm und durchaus zu verschmerzen, wenn der Film tatsächlich etwas aus dieser Prämisse machen würde. Tut er nur leider nicht. Er entpuppt sich viel mehr als actionreiche Variation des Films Ohne Limit von Neil Burger mit Bradley Cooper in der Hauptrolle, der sich dem Thema aber deutlich versierter und eleganter annimmt. Zudem wildert Besson stark in seiner eigenen Vergangenheit, vermischt Elemente aus Nikita mit Versatzstücken aus Das 5. Element, garniert das Ganze zum Ende hin mit einem ordentlichen Schuss Transcendence von Wally Pfister und verquirlt alles zu einer wilden und bunten Mischung aus pseudowissenschaftlichen Erkenntnissen, esoterischer Philosophie, ein wenig Action und ein wenig Spannung. Leider bleibt all das aber doch sehr oberflächlich und es herrscht das eigenartige Gefühl vor, dass Besson zwar eine Idee hat, dass da eine Geschichte ist, die er erzählen möchte, er aber nicht so richtig weiß wie. Statt sich auf die im Grunde sehr gute und interessante Ausgangslage des Films zu konzentrieren verliert sich Besson immer wieder in Actionsequenzen und Verfolgungsjagden. Beginnt Lucy noch durchaus vielversprechend und hat viel Potential, wird dieses im weiteren Verlauf kaum genutzt und die Erzählstruktur fasert immer weiter aus, Elemente der Story werden der Inszenierung geopfert und der Film wird parallel zu Lucy´s zunehmender Hirnkapazität immer schwächer. Dann schafft Besson es noch mit Scarlett Johansson, Morgan Freeman und Min-sik Choi gleich drei herausragende Schauspieler völlig unter Wert zu verkaufen.

 

Letztlich verhebt sich Besson an seinem eigenen Anspruch, denn Lucy wäre zweifellos ein hübsch anzusehender Actionreißer mit Science Fiction – Elementen, ausgesprochen kurzweilig und gelungen inszeniert, würde man doch auf den pseudowissenschaftlichen und philosophischen Überbau verzichten und die Geschichte geradliniger umsetzen. So bleibt Lucy letztlich ein Blender, der mit seiner gefälligen Optik vergeblich versucht darüber hinwegzutäuschen, dass seine dünne und löchrige Story einfach nicht viel zu erzählen hat. Reduziert auf seine Actionelemente durchaus passabel, als großes Ganzes aber will der Film mehr als er bedienen kann.

 

5 von 10 Prozent genutzter Hirnkapazität