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Meine zehn liebsten Verfolgungsjagden in Filmen

5. Juni 2015 at 23:38

 

 

Die Idee dieser Liste entstand durch die bloße Lust am Fachsimpeln mit einem sehr guten Freund, der einer gut inszenierten Verfolgungsjagd ebenso wenig widerstehen kann wie ich, und die Filmgeschichte hat da ja so manchen Glanzpunkt zu bieten. Da es aber in dieser Liste eher weniger um die Filme selbst und mehr um einzelne Szenen in diesen Filmen geht, wird es erstmalig auch kleine Begleittexte geben, um ein wenig ins Detail gehen zu können. Viel Spaß also mit meinen zehn liebsten Verfolgungsjagden in Filmen…. und  wie immer dürft ihr euch gern genötigt fühlen eure Ideen und Gedanken beizusteuern.

 

 

 

10.

Drive (2011)
Drive poster Rating: 7.8/10 (358,780 votes)
Director: Nicolas Winding Refn
Writer: Hossein Amini (screenplay), James Sallis (book)
Stars: Ryan Gosling, Carey Mulligan, Bryan Cranston, Albert Brooks
Runtime: 100 min
Rated: R
Genre: Crime, Drama
Released: 16 Sep 2011
Plot: A mysterious Hollywood stuntman, mechanic and getaway driver lands himself in trouble when he helps out his neighbor.

 

Ryan Gosling als namenloser Fluchtwagenfahrer in den nächtlichen Straßen von L.A. Die Eröffnungsszene mündet in eine der vielleicht unspektakulärsten Verfolgungsjagden, die ich je gesehen habe, aber gerade deswegen ist sie so interessant. Sehr ruhig und gekonnt inszeniert vermittelt sie einen Hauch von Realismus, denn hier wird überlegt gefahren und nicht das Gaspedal einfach durchgetreten. Mehr Katz – und Mausspiel als Muskelspielerei.

 

 

 

9.

Bad Boys II (2003)
Bad Boys II poster Rating: 6.5/10 (158838 votes)
Director: Michael Bay
Writer: George Gallo (characters), Marianne Wibberley (story), Cormac Wibberley (story), Ron Shelton (story), Ron Shelton (screenplay), Jerry Stahl (screenplay)
Stars: Martin Lawrence, Will Smith, Jordi Mollà, Gabrielle Union
Runtime: 147 min
Rated: R
Genre: Action, Comedy, Crime
Released: 18 Jul 2003
Plot: Two loose-cannon narcotics cops investigate the flow of Ecstacy into Florida.

 

Klassischer Michael Bay-Größenwahn, wenn hier sogar ein Motorboot Amok läuft, Autos von Transportern herabregnen und Will Smith und Martin Lawrence inmitten der Action im Ferrari 550 Maranello über Miamis Straßen rasen, immer mit einem coolen Spruch auf den Lippen.

 

 

 

8.

Fast Five (2011)
Fast Five poster Rating: 7.3/10 (246734 votes)
Director: Justin Lin
Writer: Chris Morgan, Gary Scott Thompson (characters)
Stars: Vin Diesel, Paul Walker, Jordana Brewster, Tyrese Gibson
Runtime: 131 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Crime, Thriller
Released: 29 Apr 2011
Plot: Dominic Toretto and his crew of street racers plan a massive heist to buy their freedom while in the sights of a powerful Brazilian drug lord and a dangerous federal agent.

 

Das Finale des fünften Teils der Reihe (übrigens der erste, der mich zu begeistern wusste, weil er einfach Spaß macht und Autos Autos sein lässt) ist dann noch mal eine ganze Ecke durchgeknallter als die Ideen des Michael Bay für Bad Boys II. Einen Tresor hinter Autos quer durch Rio de Janeiro zu schleifen, das muss einem erstmal einfallen. Eine Art benzingetränktes und logikfreies, aber unfassbar unterhaltsames Ocean´s Eleven.

 

 

 

7.

The French Connection (1971)
The French Connection poster Rating: 7.8/10 (71190 votes)
Director: William Friedkin
Writer: Ernest Tidyman (screenplay), Robin Moore (based on the book by)
Stars: Gene Hackman, Fernando Rey, Roy Scheider, Tony Lo Bianco
Runtime: 104 min
Rated: R
Genre: Action, Crime, Drama
Released: 9 Oct 1971
Plot: A pair of NYC cops in the Narcotics Bureau stumble onto a drug smuggling job with a French connection.

 

Einer der großen Klassiker, wenn es um Verfolgungsjagden geht. Hauptsächlich legendär wegen der Bedingungen unter denen gedreht wurde, die ganze Szene wurde in langsamen Einstellungen in einem Rutsch gefilmt, mit Regisseur William Friedkin und dessen geschulterter Kamera auf dem Rücksitz. Heute undenkbar, wurden damals noch nicht einmal die Straßen für die Dreharbeiten unter den Schienen der New Yorker Hochbahn abgesperrt.

 

 

 

6.

Terminator 2: Judgment Day (1991)
Terminator 2: Judgment Day poster Rating: 8.5/10 (628378 votes)
Director: James Cameron
Writer: James Cameron, William Wisher Jr.
Stars: Arnold Schwarzenegger, Linda Hamilton, Edward Furlong, Robert Patrick
Runtime: 137 min
Rated: R
Genre: Action, Sci-Fi
Released: 3 Jul 1991
Plot: A cyborg, identical to the one who failed to kill Sarah Connor, must now protect her young son, John Connor, from a more advanced cyborg, made out of liquid metal.

 

James Camerons fulminant inszenierte Verfolgungsjagd setzte damals Maßstäbe. Das Duell zwischen dem T-1000 am Steuer eines gigantischen Trucks und Arnies T-800 auf einem Motorrad, beide durch einen trockenen Kanal in L.A. dem jungen John Connor nachjagend, ist spektakulär und gerade auch wegen der Größenunterschiede der verschiedenen Fahrzeuge ausgesprochen klug umgesetzt. Zweifellos ein Meilenstein des modernen Actionkinos.

 

 

 

5.

To Live and Die in L.A. (1985)
To Live and Die in L.A. poster Rating: 7.2/10 (18615 votes)
Director: William Friedkin
Writer: Gerald Petievich (novel), William Friedkin (screenplay), Gerald Petievich (screenplay)
Stars: William Petersen, Willem Dafoe, John Pankow, Debra Feuer
Runtime: 116 min
Rated: R
Genre: Action, Crime, Drama
Released: 1 Nov 1985
Plot: A fearless Secret Service agent will stop at nothing to bring down the counterfeiter who killed his partner.

 

Schon wieder William Friedkin, schon wieder eine mehr als nur spektakuläre Verfolgungsjagd, diesmal durch den Moloch L.A. Die Umsetzung von Geschwindigkeit für die Leinwand liegt ihm einfach im Blut. Der wilde Rausch durch die Rush Hour von L.A. ist atemberaubend präzise inszeniert, spannend und voller faszinierender Kameraeinstellungen und waghalsiger Stunts inklusive einer trügerischen Verschnaufpause und anschließender Hatz durch den Gegenverkehr.

 

 

 

4.

Mad Max: Fury Road (2015)
Mad Max: Fury Road poster Rating: N/A/10 (N/A votes)
Director: George Miller
Writer: George Miller, Brendan McCarthy, Nick Lathouris
Stars: Tom Hardy, Charlize Theron, Nicholas Hoult, Rosie Huntington-Whiteley
Runtime: 120 min
Rated: R
Genre: Action, Adventure, Thriller
Released: 15 May 2015
Plot: In a stark desert landscape where humanity is broken, two rebels just might be able to restore order: Max, a man of action and of few words, and Furiosa, a woman of action who is looking to make it back to her childhood homeland.

 

Im Grunde eine einzige zweistündige Verfolgungsjagd quer durch ein postapokalyptisches Ödland, voller Benzin, Blei und Blut. Zwei Stunden Wahnsinn mit grandiosen Kameraeinstellungen, faszinierenden Bildern und irrwitzigen Ideen, die so garantiert noch nicht auf der Leinwand bewundert werden durften. Ein Stück weit eine Art Rückbesinnung auf herkömmliche Spezialeffekte, handgemacht, mit echten Fahrzeugen, echten Kulissen und echten Stuntleuten, nahezu gänzlich ohne computergenerierte Augenwischerei. Erfrischend altmodisch.

 

 

 

3.

GoldenEye (1995)
GoldenEye poster Rating: 7.2/10 (177999 votes)
Director: Martin Campbell
Writer: Ian Fleming (characters), Michael France (story), Jeffrey Caine (screenplay), Bruce Feirstein (screenplay)
Stars: Pierce Brosnan, Sean Bean, Izabella Scorupco, Famke Janssen
Runtime: 130 min
Rated: PG-13
Genre: Action, Adventure, Thriller
Released: 17 Nov 1995
Plot: James Bond teams up with the lone survivor of a destroyed Russian research center to stop the hijacking of a nuclear space weapon by a fellow agent believed to be dead.

 

Pierce Brosnans Einstand als James Bond. Wie er mit einem gestohlenen, russischen Panzer durch St. Petersburg brettert, das hat echt was. Die Aufnahmen für die Verfolgungsjagd dauerten ganze vier Wochen und es wurde extra eine 1:1 Kulisse ganzer Stadtteile von St. Petersburg in den Pinewood Studios nach gebaut, nur um sie dann vollständig mit dem Panzer zerstören zu können. Nicht nur spektakulär, sondern stellenweise sogar richtig witzig und augenzwinkernd charmant wie Brosnan selbst.

 

 

 

2.

Bullitt (1968)
Bullitt poster Rating: 7.5/10 (41642 votes)
Director: Peter Yates
Writer: Alan Trustman (screenplay), Harry Kleiner (screenplay), Robert L. Fish (novel)
Stars: Steve McQueen, Jacqueline Bisset, Robert Vaughn, Don Gordon
Runtime: 114 min
Rated: PG
Genre: Action, Crime, Mystery
Released: 17 Oct 1968
Plot: An all guts, no glory San Francisco cop becomes determined to find the underworld kingpin that killed the witness in his protection.

 

Bullitt mit Steve McQueen in der Hauptrolle ist bis heute eine DER Referenzen in puncto Verfolgungsjagd. Die knapp zehnminütige Sequenz kommt ohne Musik aus und nur das Dröhnen der Motoren ist zu hören, gesprochen wird auch nicht. Keine Ablenkung, keine Spezialeffekte. Drei Wochen dauerten die Dreharbeiten in San Francisco und bekanntermaßen ließ Steve McQueen es sich nicht nehmen, den 1968 Ford Mustang selbst zu fahren, zu sehr liebte er die Geschwindigkeit. Die Mutter der modernen Verfolgungsjagd und Wegbereiter für unzählige folgende Actionfilme.

 

 

 

1.

Ronin (1998)
Ronin poster Rating: 7.3/10 (135134 votes)
Director: John Frankenheimer
Writer: J.D. Zeik (story), J.D. Zeik (screenplay), David Mamet (screenplay)
Stars: Robert De Niro, Jean Reno, Natascha McElhone, Stellan Skarsgård
Runtime: 122 min
Rated: R
Genre: Action, Adventure, Crime
Released: 25 Sep 1998
Plot: A freelancing former US intelligence agent tries to track down a mysterious package that is wanted by both the Irish and the Russians.

 

Ronin kann nicht nur mit einem wirklich beeindruckenden Cast aufwarten, sondern auch mit einer der effektivsten und gleichzeitig zumindest halbwegs realistisch anmutenden Verfolgungsjagd der Filmgeschichte. Im Nachhinein sieht man hier deutlich den Einfluss, den John Frankenheimers Film auf die Bourne-Trilogie hatte. Ronin ist allerdings wesentlich eleganter inszeniert, so dass der Zuschauer niemals den Überblick bei all der Hektik verliert, aber dennoch den Rausch der Geschwindigkeit spüren kann. Erst an der Cote d’Azur entlang durch eine bildschöne Szenerie endet diese grandios umgesetzte Verfolgungsjagd schließlich in den engen und verwinkelten Gassen von Nizza. Atemberaubend, beeindruckend und schweißtreibend, dabei aber wunderschön anzusehen.

 

 

 

The Blob

2. Juni 2015 at 19:32

 

 

 

The Blob (1958)
The Blob poster Rating: 6.4/10 (14560 votes)
Director: Irvin S. Yeaworth Jr., Russell S. Doughten Jr.
Writer: Theodore Simonson (screenplay), Kay Linaker (screenplay), Irvine H. Millgate (original idea)
Stars: Steve McQueen, Aneta Corsaut, Earl Rowe, Olin Howland
Runtime: 86 min
Rated: NOT RATED
Genre: Horror, Sci-Fi, Thriller
Released: 12 Sep 1958
Plot: An alien lifeform consumes everything in its path as it grows and grows.

 

 

 

„Would you believe me if I told you there was something inside of that rock we found tonight? Something that could wipe out this whole town?“

 

 

 

Eigentlich sollte es ein ganz romantischer Abend werden, im Auto und unter sternenklaren Himmel. Die beiden verliebten Teenager Steve und Jane genießen die Nacht und beobachten einen Meteoritenschauer, doch was sie für eine Sternschnuppe halten, die über einem nahegelegenen Waldstück niedergeht, ist ein außerirdischer Invasor, eine todbringende, gallertartige Masse und scheinbar unzerstörbar, die alles und jeden bei Kontakt absorbiert und dadurch größer und größer wird…

 

Mit dieser Rezension will ich gleichzeitig eine weitere neue Rubrik hier einführen: die Klassiker. Gut, ich gebe zu, einer der ganz großen Klassiker ist Blob – Schrecken ohne Namen (so der deutsche Titel) sicher nicht, aber irgendwie ist es trotzdem einer, stellvertretend für all die vielen typischen B-Movies der 50er Jahre, billig und schnell produziert um die Massen zu begeistern, meist dem Science Fiction-Genre zugeordnet und gern auch mal mit mehr oder weniger subtilen politischen Metaphern aufgeladen. Definitiv ein Bereich der Filmwelt, dem ich große Sympathien entgegen bringe. Damals sowohl von den Zuschauern als auch von der Kritik verrissen, erlangte der Film jedoch relativ schnell seine Fans und hat bis heute in gewissen Kreisen Kultstatus. Vermutlich hat auch Steve McQueen mit dazu beigetragen, der hier kurioserweise noch unter Steven McQueen zu Beginn des Films geführt wird. The Blob war seine erste tragende Hauptrolle und wenige Jahre später sollte er zum absoluten Superstar avancieren. Ironischerweise ist McQueen eine fast schon klassische Fehlbesetzung, spielt er doch im zarten Alter von 28 Jahren einen Teenager, was der Handlung einen gewissen Grad an Unglaubwürdigkeit verleiht, gleichzeitig aber auch einen Teil dieses naiv-trashigen Charmes ausmacht, den der Film verströmt. Natürlich ist der Blob selbst, ein riesiger, roter, glibbriger Wackelpudding, der eine typische amerikanische Kleinstadt terrorisiert, wahrlich nur bedingt dazu geeignet, Angst und Schrecken zu verbreiten, aber viele Szenen des Films laden einfach zum Schmunzeln ein und sind sehr charmant und liebevoll umgesetzt. Zudem ist The Blob eine dieser zahlreichen und wunderbaren Stilblüten der McCarthy-Ära, jener Phase in Amerika, in der hinter jedem Busch eine kommunistische Bedrohung vermutet wurde. Zu dieser Zeit gab es sehr viele solche Filme wie etwa Invasion of the Body Snatchers oder The Thing from Another World, vornehmlich Science Fiction aufgeladen mit ziemlich offensichtlichen politischen Metaphern, und was eignet sich besser zur Versinnbildlichung kommunistischer Gefahren als ein Invasor aus dem All, im Falle des Blobs auch noch eine rote, stetig wachsende und alles verschlingende Masse, die sich überall ausbreitet?

 

The Blob ist kein herausragender Film, aber stellvertretend für all die zahllosen B-Movies der 50er Jahre und mit einem gewissen Kultstatus versehen durchaus ein geeigneter Kandidat für die Rubrik Klassiker. Kein unsterblicher, aber ein sehr charmanter, der durchaus Spaß zu machen weiß.

 

7 von 10 panischen Fluchten aus dem Kino

 

 

 

 

 

 

Zitat des Tages

29. Mai 2015 at 0:07

 

 

 

„More tears are shed over answered prayers than unanswered ones.”

 

 

 

 

The Purge: Anarchy

25. Mai 2015 at 16:16

 

 

 

The Purge: Anarchy (2014)
The Purge: Anarchy poster Rating: 6.5/10 (63283 votes)
Director: James DeMonaco
Writer: James DeMonaco, James DeMonaco (characters)
Stars: Frank Grillo, Carmen Ejogo, Zach Gilford, Kiele Sanchez
Runtime: 103 min
Rated: R
Genre: Action, Horror, Thriller
Released: 18 Jul 2014
Plot: Three groups of people are trying to survive Purge Night, when their stories intertwine and are left stranded in The Purge trying to survive the chaos and violence that occurs.

 

 

 

„We can’t have heroes… oh no sir… no heroes. I hope you feel cleansed. Blessed be America, a nation reborn.“

 

 

 

Dank des Vorgängers The Purge ist die Story zwar mehr oder weniger bekannt, ich gehe aber trotzdem nochmal kurz darauf ein. Amerika im Jahr 2023. Die neue Regierung, auch bekannt als Die Neuen Gründungsväter, hat aufgrund von hohen Kriminalitätsraten, überfüllten Gefängnissen und wachsender Armut die sogenannte Purge-Night eingeführt. Einmal im Jahr ist für zwölf Stunden alles erlaubt, kein Verbrechen wird bestraft werden und sämtliche Polizeikräfte sind ebenso wenig im Dienst wie die Feuerwehr und auch die Krankenhäuser sind geschlossen. Mord, Raub, Vergewaltigung, völlig egal, der Täter bleibt straffrei und das System scheint zu funktionieren, denn außerhalb der Purge-Night ist jegliches Verbrechen nahezu gänzlich verschwunden und kaum jemand lebt noch unter der Armutsgrenze. In einer dieser Purge-Nights kreuzen sich die Wege einer Kellnerin und deren Tochter mit einem jungen Paar mit Autopanne und der geheimnisvolle Sergeant ist auch auf den Straßen unterwegs….

 

Wie schon bei dem ein Jahr zuvor erschienenen The Purge ist die Ausgangssituation bei The Purge: Anarchy genau die gleiche. Die Grundidee beider Filme hat durchaus Potential und ist reizvoll, sofern man nicht allzu genau hinsieht und anfängt, die Dinge auf Logik hin abzuklopfen, denn dann stürzt alles in sich zusammen wie ein Kartenhaus auf wackeligem Boden. The Purge hatte das grundlegende Problem, dass ein gutes und vielversprechendes Konzept zu schwach und zahm umgesetzt wurde, statt die provokante Prämisse konsequent auszuleuchten, präsentierte Autor und Regisseur James DeMonaco nach einem durchaus brauchbarem Auftakt dann doch nur einen allenfalls mäßigen und nach den üblichen Mustern des Genres gestrickten Home-Invasion-Thriller, der zudem mit nicht unerheblichen handwerklichen Mängeln zu kämpfen hatte.

 

The Purge: Anarchy geht nun einen Schritt weiter und projiziert seine gesellschaftskritische Botschaft in einem deutlich größeren Radius, weg von einer einzigen Familie, die in der Purge-Night in ihrem Haus von einer marodierenden Bande terrorisiert wird hin zu den Straßen von L.A. ein Jahr später in eben dieser Nacht mit zahlreichen umherstreifenden Gruppierungen jeglicher Art, die nur eines im Sinn haben, nämlich all das hemmungslos auszuleben, was die moderne Gesellschaft mit ihrem Rechtssystem sonst nicht zulässt: Anarchie auf ganzer Linie. The Purge: Anarchy lehnt sich also stilistisch deutlich weniger bis gar nicht mehr am klassischen Home-Invasion-Thriller a la Panic Room, The Last House on the Left oder Straw Dogs an, sondern zitiert vielmehr Filme wie Die Klapperschlange oder Assault-Anschlag bei Nacht von John Carpenter sowie The Wanderers von Philip Kaufman, Filme also, die den Terror auf offene und verlassene Straßen ausdehnen, auf unbekanntes Terrain, der Heimvorteil für die Opfer ist dahin.

 

Leider krankt The Purge: Anarchy an ähnlichen Problemen wie sein Vorgänger, die Umsetzung und Inszenierung sind zwar etwas besser geraten, aber das Potential der Grundidee wird immer noch nicht annähernd ausgeschöpft. Die Charaktere sind extrem stereotyp aufgebaut und kommen direkt vom Reißbrett, sie sind flach, eindimensional und voller Klischees und ermöglichen wenig bis gar keine Identifikation, es wird dem Zuschauer kein Grund geboten an ihrem Schicksal zu antizipieren, sie bleiben einfach belanglos und egal. Schauspielerisch hat der Film auch nicht viel zu bieten, nur Frank Grillo als der mysteriöse Sergeant sticht ein wenig hervor, ist aber dennoch auch nur ein Klischee auf zwei Beinen. Würde aber Grillo nicht schon Brock Rumlow/Crossbones im Marvel-Universum spielen, er gäbe einen wunderbaren Punisher ab. The Purge: Anarchy ist immer noch zu zahm inszeniert, der Härtegrad hat zwar im Vergleich zum Vorgänger ein wenig angezogen, erreicht aber bei weitem noch nicht das Level, das die Story eigentlich verdient hätte. Auch ist der Film schmutziger und gemeiner, aber auch hier ist noch deutlich Luft nach oben. Als besonders unangenehm fällt der massive Gebrauch von CGI-Blut und Blutspritzern auf, das raubt viel an Atmosphäre, handgemachte Spezialeffekte hätten auch im Kontext des Films sehr viel mehr Sinn ergeben.

 

Letztlich sind sowohl die Ausarbeitung der Story, die Inszenierung und die Zeichnung der Charakter einfach viel zu schwach, um einen wirklich guten Film aus The Purge: Anarchy zu machen, obwohl die Grundidee durchaus interessant ist und Potential hat. Außerdem will der Film Hypersatire und relevante Gesellschaftskritik sein, Amerika wohl möglich einen Spiegel vorhalten, doch dafür kommen seine Kernaussagen viel zu flach und stumpf und vor allem mit dem Holzhammer dosiert daher, über die Schlagwort-Problematiken Kriminalitätsrate, Arbeitslosigkeit, Armut und Waffenbesitz kommt das Drehbuch zu keiner Sekunde hinaus und sämtliche aufkeimenden kritischen Ansätze verpuffen in der plumpen und ungelenken Umsetzung. Dennoch ist eine Steigerung im Vergleich zum Vorgänger erkennbar und vielleicht wird ein dritter Teil noch mehr in die richtige Richtung gehen können, aber es ist auch zu befürchten, dass man jetzt aufgrund der gegebenen Erfolgsformel niedrige Produktionskosten und starke Einspielergebnisse einfach nur ein weiteres billig produziertes und zahlreiche Ableger nach sich ziehendes The Purge-Franchise aufziehen wird.

 

5 von 10 Schüssen in einer gesetzlosen Nacht