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T-Force (1994)

30. April 2020 at 20:11

 

 

© PM Entertainment/Quelle: IMDb

 

 

 

Has the sweet taste of blood found its way to your lips?“

 

 

 

Die erste vollständig kybernetische Einsatztruppe der Welt soll Geiseln aus der Hand brutaler Terroristen befreien, doch der Auftrag endet in einem furchtbaren Blutbad. Das T-Force-Programm soll nun eingestellt und die Cyborgs vernichtet werden, doch die künstlichen Wesen wenden sich gegen ihren Schöpfer, entkommen und eliminieren alles, was sie als Bedrohung für ihre Existenz einstufen.

 

PM Entertainment. Die Gründer, Produzenten und Viel-Dreher Richard Pepin und Joseph Merhi haben vor allem in den 90ern einen nicht unbeträchtlichen Teil dazu beigetragen, den Direct-to-Video-Markt konstant mit neuem Material zu versorgen. Solch illustre Titel wie Cyber Tracker, Dark Breed, Final Impact, Beyond Justice, Hologram Man, Maximum Force, Out for Blood oder Firepower und noch viele andere stammen aus ihrer Schmiede. Zudem finden sich vor der Kamera oft und gern Wiederholungstäter wie Don Wilson, Wings Hauser, Cynthia Rothrock, Jeff Fahey, Lorenzo Lamas, Gary Daniels, Olivier Gruner oder eben Jack Scalia ein.

 

Gerade dessen Debüt bei PM Entertainment in Form von T-Force ist eines ihrer vielleicht besten Werke geworden. Warum noch Die Hard, Terminator, Robocop und Universal Soldier anschauen, wenn T-Force alle in sich komprimiert auf knapp 100 Minuten Laufzeit vereint? Pepin klaut sich dreist wie wild durch das Genrekino der 80er bis frühen 90er und bedient sich an vielerlei Stellen, doch wirklich böse kann man T-Force irgendwie auch wieder nicht sein. Denn Pepin weiß, was ein guter B-Actioner Mitte der 90er braucht: massenhaft blutige Shootouts, einen immens hohen Bodycount, fette Explosionen und reichlich dumme Sprüche. Die Action lässt es ordentlich krachen und allein die ersten 20 Minuten gehen gleich in die Vollen und holzen ordentlich was weg. Dazu gibt es im Mittelteil eine mega weirde Sexszene zu bestaunen, welche ich in solcher Form weder davor noch danach jemals wieder zu sehen bekam. Wahnsinn.

 

Pepin weiß sehr genau, was er tut und welche Knöpfchen er zu drücken hat. T-Force ist ein hübsch gradliniger, schnörkelloser und vor allem kurzweiliger B-Movie-Actioner, der gleich voll einsteigt, keinen Leerlauf bietet und mit einem gut aufgelegten Jack Scalia Punkte sammeln kann. An allen Ecken und Enden kracht es ordentlich, ständig explodiert irgendwas und die Action ist für damalige Verhältnisse und ein solches Budget hochwertig und druckvoll. Das man sich hier sowohl inhaltlich wie auch inszenatorisch an zahlreichen Klassikern des Genre schamlos bedient: geschenkt. Dafür macht T-Force zu viel Spaß.

 

6,5 von 10 Mal Geiseln aus dem Fenster werfen

 

 

Extraction (2020)

26. April 2020 at 12:03

 

 

© Netflix/Quelle: IMDb

 

 

Der Ex-Soldat Tyler Rake arbeitet freiberuflich als Söldner und ist auf die Befreiung entführter Personen spezialisiert. Sein neuester Job führt ihn nach Bangladesch, wo ein Drogenboss den Sohn seines Konkurrenten entführt hat. Die Zeit drängt und so machen sich Rake und sein Team daran, den Jungen zu befreien, doch der Rückzug gestaltet sich problematisch.

 

Ähnlich wie Chad Stahelski (John Wick) und David Leitch (Atomic Blonde) war Regisseur Sam Hargrave ebenfalls ursprünglich Stunt-Koordinator und wechselte erst später hinter die Kamera. Sein Debütfilm Extraction beruht auf der Comicvorlage Ciudad aus der Feder von Joe Russo und Anthony Russo sowie dem Zeichner Ande Parks, verlegt das Setting aber von der namensgebenden Stadt in Paraguay in die Hauptstadt von Bangladesch und bietet so ein zumindest einigermaßen unverbrauchtes Setting. Als geradliniger und schnörkelloser Actionreißer funktioniert Extraction wirklich gut, doch leider dehnt das Drehbuch von Joe Russo die Story mit unnötigen Abstechern und Abzweigungen immer weiter bis auf annähernd zwei Stunden Laufzeit aus, wo weniger vielleicht besser gewesen wäre. Etwas weniger Leerlauf im Mittelteil hätten dem Film eventuell ganz gut getan. Überhaupt findet Extraction immer dann zu seinen großen Stärken, wenn es an allen Ecken und Enden ordentlich kracht.

 

Die Action selbst kann sich nämlich wirklich mehr als sehen lassen und Hargrave versteht sein Handwerk zweifellos: Kämpfe sind stark auf Wirkung ausgelegt, kommen wuchtig und druckvoll daher und sind meist ungeschönt in Szene gesetzt. Auch die teils ausufernden Shootouts bieten reichlich Highlights. Selbst die im modernen Actionfilm inzwischen scheinbar unverzichtbare minutenlange Plansequenz im Mittelteil darf nicht fehlen und stellt sicherlich einen der Höhepunkte. Die Kamera von Newton Thomas Sigel (Drive, Bohemian Rhapsody) ist immer ganz nah dran am Geschehen, läuft aber zugleich nie Gefahr den Fokus zu verlieren und vermag den Kampfszenen Tempo und Dringlichkeit zu verleihen ohne das der Überblick verloren geht. Dazu ist das Sounddesign ziemlich knackig geraten und unterstützt die ohnehin schon drückende, treibende Action nur noch mehr.

 

In Extraction schwingt ein leiser Nachklang von John Wick, The Raid und Man on Fire mit. All das ist zweifellos nicht neu, aber zumindest über weite Strecken solide bis stark umgesetzt und durchaus packend inszeniert. Am Ende findet sich sogar eine kleine, aber hübsche filmische Klammer, wenn wir die Hauptfigur so verlassen, wie wir sie mehr oder weniger auch kennengelernt haben. Nur die allerletzte Szene, die hätte ich nicht mehr gebraucht.

 

7 von 10 zweckentfremdeten Rechen

 

 

Sei donne per l´assassino (Blutige Seide, 1964)

21. April 2020 at 17:30

 

 

© Emmepi Cinematografica/Unidis/Quelle: IMDb

 

 

 

In der Modeagentur der Contessa Christiana wird das junge Model Isabella brutal ermordet. Während die Polizei nicht weiter kommt, findet ihre Freundin Nicole ihr Tagebuch und muss kurz darauf ebenfalls sterben. Inspektor Silvestri treibt die Nachforschungen voran, tritt aber auf der Stelle, und der Mörder ist noch lange nicht fertig.

 

Blutige Seide. Film als Traum, Kino der Blicke. Bereits der faszinierend ausgestaltete Vorspann von Mario Bavas früher Giallo-Blaupause Sei donna per l´assassino kündet von einem seiner Grundthemen, wenn er den Gegensatz zwischen Schönheit und Leblosigkeit ganz bewusst ausstellt. Sein Film ist allerdings kein Murder Mystery, kein Whodunit, keine Hetzjagd nach einem Serienkiller, denn Bava interessiert sich für die inhaltlich narrative Ebene herzlich wenig bis gar nicht. Auch einen klassischen Spannungsbogen gibt es nicht, dafür aber eine permanent unterschwellige Anspannung. Sein Fokus liegt ganz klar auf der formal gestalterischen Ebene und durch die beinahe schon traumartige Inszenierung spielt Logik angesichts der Motive eine untergeordnete Rolle.

 

Sei donna per l´assassino ist ein gewaltiges Zeugnis vom unbändigen Willen seines Regisseurs zu unbändiger Stilistik und ganz bewusst ausgestellter Künstlichkeit sowie von dessen ausgeprägtem Gespür für visuelle Tableaus. Nichts ist dem Zufall überlassen, jedes noch so klein anmutende Detail ganz bewusst platziert und die Bilder von Kameramann Ubaldo Terzano und Bava selbst sind streng komponiert in ihrem Aufbau und doch immerzu im Fluss. Durch diese ausgesprochen stilsichere und nicht selten sexuell aufgeladene Kombination aus Licht und Farben, aus den virtuosen Bildkompositionen, den starken Perspektiven, den prachtvoll ausgestatteten Sets und dem wundervoll sinnlichen Score aus der Feder von Carlo Rustichelli entsteht ein geradezu rauschhaftes Erlebnis.

 

Lichtsetzung, Farbgebung, Bildgestaltung, Kamera, alles aus einem Guss, alles visuell brillant, und durch das gekonnte Spiel mit Licht und Schatten überträgt Bava letztlich sogar die Schwarz/Weiß-Ästhetik in den Farbfilm. Und selbst wenn er gelegentlich für kurze Momente in den Gothic Horror abdriftet, so findet er immer wieder zu seiner eigentlichen Stilistik zurück. Wie Bava den vergleichsweise schlichten Plot als Vehikel nutzt um seine inszenatorischen Stärken auszuspielen, das ist schon beeindruckend. Hat sein Vorgängerfilm La ragazza che sapeva troppo (1962) das Genre des Giallo quasi begründet, so ist es zweifellos Sei donna per l´assassino, der es nicht nur auf ein völlig neues Level hob, sondern zugleich ein meisterhaftes Muster für kommende Filmemacher abgab und darüber hinaus sogar als eine Art Proto-Slasher angesehen werden kann.

 

8 von 10 blutrote Schaufensterpuppen

 

 

Pit and the Pendulum (1961)

14. April 2020 at 19:09

 

 

© American International Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Weil dem jungen Briten Francis Barnard der plötzliche Tod seiner Schwester Elizabeth ausgesprochen merkwürdig erscheint, reist er zu ihrem Ehemann nach Spanien um Genaueres zu erfahren. Im Schloss des Don Nicholas Medina allerdings angekommen, werden seine Bedenken allenfalls halbgar beiseite gewischt. Doch als er beginnt Nachforschungen anzustellen, da kommt er einer schrecklichen wie grausamen Familiengeschichte auf die Spur.

 

Die Idee von Roger Corman, das Drehbuch zu Pit and the Pendulum in die Hände des Schriftstellers Richard Matheson zu geben, sollte sich als Geniestreich entpuppen. Denn dem Autor von Romanen wie I Am Legend oder The Shrinking Man gelingt mit seinem Skript wahrlich meisterhaftes: Obwohl er sich an der zugrunde liegenden Kurzgeschichte nur vage orientiert und diese maximal lose adaptiert, so trifft er doch den Kern des Schaffens von Edgar Allen Poe wie kaum ein anderer. Corman ist ein Meister der Vorbereitung, der seine Produktionen en Detail im Vorfeld durchplant, und vermag auch ohne großes Budget Pit and the Pendulum ausgesprochen effektiv zu gestalten, wenn er spürbar mehr auf eindringliche Stimmung setzt als auf plumpe Schockmomente. Es gelingt ihm, die europäische Gothic Horror-Ästhetik in das amerikanische Kino zu übertragen und verleiht dem ganzen so eine seltsam entrückte, zuweilen regelrecht psychedelische Atmosphäre. Bereits der farbenfroh mäandernde Vorspann kündet ebenso davon, wie es die visuell verzerrten und subjektiv gefärbten Rückblenden im Film selbst immer wieder unterstreichen.

 

Liebe, Verrat, Wahnsinn. Subtil und doch suggestiv in Bildsprache und Inszenierung leiten Corman und Matheson den Betrachter geschickt durch ein narratives Labyrinth voller Wendungen und Trugschlüssen. Sorgfältig aufgebaut, im letzten Akt eskalierend und mit einer hübsch fiesen letzten Szene garniert. Man mag ahnen, dass etwas nicht stimmt, doch man kann es nicht genau benennen. Sicherlich vermag das alles in Anbetracht des Alters von Pit and the Pendelum heutzutage kaum zu überraschen, sauber ausgeführt ist das dennoch. Das gilt dann auch für die Topografie des Schlosses von Don Medina, welche sich dem Zuschauer gemeinsam mit der Figur des Barnard Stück für Stück erschließt, sich nach und nach öffnet, größer und immer verwinkelter wird wie die eigentliche Geschichte dieser uralten Mauern selbst auch. Dazu dann noch das ausgesprochen theaterhafte, exaltierte Spiel von Vincent Price, der seine Texte vielmehr zu rezitieren als mit Leben zu füllen scheint, und ein entrücktes Spiel mit der Übertreibung darbietet.

 

Roger Corman kann hier seine Stärken gut ausspielen und versteht es obendrein, Leute wie beispielsweise Matheson mit ins Boot zu holen, die ihr Fach besser verstehen als er, und erschafft so eine Poe-Verfilmung, die ihm auf der narrativen Ebene kaum gerecht werden kann, und sich doch mehr nach Poe anfühlt als viele andere.

 

7 von 10 grausige Foltermethoden im Keller des Don Medina