Planet der Affen: Survival (War for the Planet of the Apes)

15. August 2017 at 12:48

 

 

© 20th Century Fox

 

 

 

„I did not start this war. I offered you peace. I showed you mercy. But now you’re here. To finish us off…“

 

 

 

Zwei Jahre nach dem Verrat durch Koba befinden sich Caesar und sein Stamm immer noch im Krieg mit den Menschen. Als durch einen weiteren Verrat der Rückzugsort der Affen tief im Wald von Colonel McCullough und dessen Soldaten angegriffen wird und Caesar einen tragischen persönlichen Verlust erleiden muss, wird auch ihm klar, dass seine Vision einer friedlichen Ko-Existenz endgültig gescheitert ist. So macht er sich zusammen mit seinen Vertrauten Maurice, Rocket und Luca auf den Weg, um die Basis der Menschen zu finden und den Colonel ein letztes Mal persönlich zu konfrontieren.

 

Was 2011 mit Planet der Affen: Prevolution (Rise of the Planet of the Apes) begann, das findet nun sechs Jahre später mit Planet der Affen: Survival (War for the Planet of the Apes) seinen würdigen Abschluss und knüpft zugleich ganz zart eine Verbindung zum Originalfilm von 1968. Wer hätte gedacht, dass sich die Prequel-Trilogie mit zum besten entwickelt, was das moderne Blockbusterkino zu bieten hat? Denn letztlich zeigen die Filme, wie Kino mit großem Budget im Zeitalter von Franchise-Filmen, stetiger Reboots, Remakes und Pre- und Sequels eben auch funktionieren kann. Caesar ist älter geworden, sein Fell ergraut langsam und sein Glaube an eine friedliche Ko-Existenz zwischen Affen und Menschen ist einer stetig wachsenden Kriegsmüdigkeit gewichen. Sein stoisches wie unermüdliches Bestreben nach Frieden muss sich auch wegen persönlicher Verluste nun egoistischen Zielen unterordnen und auch Koba findet noch immer Widerhall in seinen Gedanken. Ein grandioser Dreiakter der Figurenentwicklung ist das, welchen die gesamte Trilogie etabliert und an dem auch Andy Serkis großen Anteil hat. Natürlich stammen die Protagonisten auf Seite der Affen aus dem Computer, doch man muss nur Caesar in die Augen schauen um Leid, Schmerz, Wut und Trauer in ihnen zu erkennen. Noch mehr als in den Filmen zuvor erzählt Regisseur Matt Reeves Survival als Gleichnis voller biblischer Motive: so ist das, was für die Menschheit die Apokalypse bedeutet für die Affen nicht weniger als ihr Exodus. Sie suchen nicht den Krieg gegen die Menschen, sondern vielmehr eine neue Heimat um in Ruhe und Frieden leben zu können. Caesar verhandelt für sein Volk, der Colonel bestraft mit Zwangsarbeit und Nahrungsentzug und lässt Affen kreuzigen und wird schlussendlich von einer Plage heimgesucht. Aber nicht alle narrativen Konstrukte entspringen biblischer Motive, auch diverse klassische Hollywood-Filme werden als visuelle und erzählerische Referenzpunkte angesteuert: egal, ob Die Brücke am Kwai, Wege zum Ruhm, Gesprengte Ketten, Schindlers Liste oder Apocalypse Now. Auch wenn dieser kleine Verweis durchaus auch etwas weniger plakativ hätte ausfallen können, (ich sag nur: Ape-ocalypse Now), channelt doch Woody Harrelson als McCullough seinen inneren Marlon Brando und wandelt auf den Spuren eines dem Wahnsinn anheim gefallenen Colonel Kurtz. Holocaust und Vietnamkrieg sind ganz offensichtlich thematisch angeschnitten und schwere Brocken, aber obwohl Bildsprache und Metaphern eher weniger subtil ausfallen, verhebt sich Matt Reeves damit keineswegs und lädt den auch so schon düsteren Handlungsbogen nur noch weiter mit Leid und Elend auf. Dazu passt auch ganz hervorragend, dass Survival sehr ruhig erzählt ist und größere Actionsequenzen eher punktuell, dafür aber umso effektiver eingesetzt werden. Über weite Strecken ist der erzählerische Ton noch düsterer als in Revolution, und sogar die Gags des Comic relief-artigen Sidekicks Bad Ape wirken eher weniger lächerlich und deplatziert, sondern vielmehr wie kleine Entlastungen bei all der Ernsthaftigkeit. Survival sieht sich eher als Drama mit Actionelementen statt als Kriegsactioner, nur kurz vor der Ziellinie wird er einen Hauch zu aufgesetzt melodramatisch, doch das kann ich problemlos verzeihen, sind doch die voran gehenden 130 Minuten einfach zu gelungen.

 

Survival ist zwar nicht der stärkste Film der Trilogie, wohl aber der zweitstärkste und ein würdiger Abschluss der Reihe. Besonders angenehm finde ich, dass Caesars Geschichte nicht nur über drei Filme hinweg hervorragend entwickelt, sondern dass sie tatsächlich auch auserzählt wird. Matt Reeves zweiter Film zur Reihe nach Revolution ist der wohl düsterste und bedrückendste Teil, der zudem erstaunlich zurückhaltend erzählt wird. Am Ende wird zwar etwas zu dick aufgetragen und Survival hat auch kleinere Momente des Leerlaufs und hätte durchaus 15 bis 20 Minuten kürzer ausfallen können, ist aber insgesamt ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie man ein Blockbuster-Budget eben auch verwenden kann.

 

8,5 von 10 Häufchen Affenkot