Polar (2019)

29. Januar 2019 at 19:37

 

 

© Netflix/Quelle: IMDb

 

 

 

Der in die Jahre gekommene und enorm renommierte Profi-Killer Duncan ´Black Kaiser´ Vizla arbeitet für eine mächtige Organisation, deren oberste Maxime es ist, ihre Mitarbeiter mit dem 50. Lebensjahr in den Ruhestand zu schicken. Seine Pension soll sich auf über 8 Millionen Dollar belaufen, doch sein Arbeitgeber ist nicht gewillt diese Summe auszuzahlen und setzt gleich ein ganzes Team von Killern auf Vizla an um diesen endgültig auszuschalten.

 

Wenn man sich mal diverse Reaktionen anschaut, dann scheint der Film von Regisseur Jonas Åkerlund (Spun, Horsemen, Small Apartments, Rammstein: Paris) im wahrsten Sinne des Wortes zu polarisieren. Die Verfilmung der Comicreihe von Victor Santos ist zugegebenermaßen ein durchaus zweischneidiges Schwert geworden – buchstäblich, ist sie tonal doch sehr zerrissen, irgendwie weder Fisch noch Fleisch und nicht selten Opfer ihrer oftmals gegensätzlichen Inszenierung. Einerseits zelebriert Polar laut und grell comichaft überzogene Gewaltauswüchse in bester Exploitation-Manier und gibt sich als überdrehtes Stück Genrekino, bevölkert von schrägen und kaputten Gestalten jenseits der Realität, andererseits versucht Åkerlund aber auch ein Drama voller verbissener Ernsthaftigkeit rund um einen seiner Arbeit überdrüssigen Profi-Killer kurz vorm wohlverdienten Ruhestand zu erzählen.

 

Hier funktioniert eindeutig die Balance nicht, wenn Polar zu sehr beides sein will, menschliches Drama und reißerische Genre-Replik jenseits des guten Geschmacks. So lässt es der Film vor allem an Stringenz und Homogenität vermissen, springt die Handlung doch immerzu zwischen diesen beiden Ebenen hin und her und verkommt zu kaum mehr als einer lauwarmen Variation altbekannter Motive und Genre-Muster im grell blendenden Gewand, bei der sogar der finale Twist ins Leere läuft. Auch ist es merkwürdig, dass der düstere wie schroffe, farblich entsättigte und reduzierte Stil der Comics von Victor Santos ignoriert wurde und zu Gunsten eines grell bunten Bonbon-Looks weichen musste. Mads Mikkelsen macht seine Sache zwar durchaus gut als Profi-Killer ohne Profession, der versucht im normalen Leben Fuß zu fassen und doch irgendwie immer daneben liegt, weil er einfach nicht weiß, was normale Menschen tun oder sagen, ist mit der Rolle des Duncan Vizla aber auch gnadenlos unterfordert. Selbst ein ausgestochenes Auge verkommt da zu kaum mehr als einer Aufhübschung vermeintlicher Coolness-Klischees. Zumindest unterhaltsam ist das Ganze unterm Strich dann aber schon und spätestens ab der Hälfte gewinnen auch die reißerischen Exploitation-Elemente deutlich die Überhand, aber gerade die tonale Zerrissenheit von Polar kann schon zum Dorn im Auge werden.

 

5 von 10 unfreiwillig erschossenen Hunden