Pumpkinhead

23. September 2016 at 17:29

 

 

© UA/MGM

 

 

 

„I’m afraid raising the dead ain’t within my power.“

 

 

 

Ed Harley ist ein fürsorglicher und liebender Vater, der sich so gut er kann durch sein hartes Leben schlägt. Als sein kleiner Sohn Billy bei einem tragischen Unfall ums Leben kommt, den betrunkene Jugendliche nicht nur verursacht haben, sondern auch vertuschen wollen, weiß er vor Schmerz und Trauer weder ein noch aus. In seiner Verzweiflung wendet er sich an eine alte Hexe tief im Wald, die zwar Billy nicht wieder zum Leben erwecken, wohl aber den Durst nach Rache und Wiedergutmachung stillen kann, indem sie eine uralte Kreatur heraufbeschwört, der fortan als Ed´s Instrument der Vergeltung dienen soll. Doch alles hat seinen Preis und dieser ist besonders hoch.

 

In nächster Zeit möchte ich mich immer mal wieder auch sehr kleinen Genrefilmen widmen, denn auch diese wollen geliebt werden. Und man kann durchaus so manche vergessene Perle in den Untiefen dieser Gefilde entdecken, die es verdient, wieder zu Tage gefördert zu werden. In diesem Kontext gibt es ein Zitat des deutschen Regisseurs Dominik Graf, welches ich sehr schön und bezeichnend finde: „… erscheinen immer wieder unentdeckte Perlen im endlos öden Sand der offiziell gefeierten Filmgeschichte, und diese Perlen funkeln dann heimlich und vielversprechend im Dunkeln, nachts, wenn das rastlose und destruktive Getriebe der Branche mal für ein paar Minuten schläft.“ Und Pumpkinhead ist zweifellos eine solche Perle und eine Seltenheit innerhalb seines Genre. Er ist sicherlich kein „guter“ Film (was auch immer das eigentlich genau bedeuten soll), kein Teil irgendeines Kanons, kein Klassiker, aber er ist auf seine eigenwillige und ganz besondere Art ein sehr faszinierender und irgendwie auch schöner Film, der unbedingt gewürdigt gehört. Es handelt sich um das Regiedebüt der Special Effects-Legende Stan Winston, der unter anderem für seine essentiellen wie prägenden Effektarbeiten in Filmen wie Terminator, Aliens oder Predator, deren Fortsetzungen und noch vielen, vielen anderen große Bekanntheit erringen konnte. Zweifellos ein Meister seines Fachs, der hier nun erstmalig für ihn eher fremdes Terrain betritt und innerhalb des Genres Horror wirklich sehr gute Arbeit leistet und einen Film erschafft, der mehr zu leisten vermag als viele andere Vertreter dieses Jahrzehnts. Mit relativ wenig Mitteln erschafft er eine erstaunlich dichte und düstere, geradezu bedrückende, manchmal morbide Atmosphäre und versieht seine im Grunde zutiefst tragische Geschichte mit zahlreichen surrealen und entrückten, ja, geradezu märchenhaften Elementen und verzichtet auf jeglichen überflüssigen Firlefanz. In seiner Erzählweise ist Winstons Film geradezu altmodisch geraten, auf das nötigste verschlankt und vermischt seine moralischen Untertöne mit traditioneller Folklore und klassischen Horrormythen. Pumpkinhead ist mit einer Laufzeit von 83 Minuten durchaus überschaubar geraten, doch das kommt dem Film sehr zu gute, ensteht so doch ein wunderbar geschwungener und ausgewogener Handlungsbogen nahezu ohne Leerlauf oder Lücken und das Erzähltempo ist vom noch eher langsam vorgetragenen Anfang bis zum rasanten wie tragischen Finale nahezu perfekt. Grundzüge der Story erinnern durchaus auch an die moralischen Keulen, die so gern in unzähligen Episoden  der Tales from the Crypt-Reihe geschwungen wurden, aber dankenswerter Weise verzichtet Winston letztlich auf deren meist drastisches Gerechtigkeitsempfinden. Rache ist hier keine Wiedergutmachung, sie beinhaltet nur Schmerz und Leid. Zudem gelingt es ihm in sehr kurzer Zeit mit nur wenigen Szenen die Grundlage für eine emotionale Durchschlagskraft zu entwickeln und eine nicht zu unterschätzende Dramatik und Ernsthaftigkeit aufzubauen, die in solcher Form im 80er Horrorfilm nur sehr selten zu finden sind. Das ist eindeutig auch Lance Henriksens Verdienst, der hier so gut spielt wie selten sonst, ganz so, als wäre Pumpkinhead nicht einfach nur eine von vielen weiteren Durchgangsstationen seiner Karriere, welche die Miete zahlen und den Kühlschrank füllen. Den liebenden, von Trauer übermannten, verzweifelten, wütenden und auf Rache sinnenden Vater kauft man ihm zu jeder Zeit ab, genauso sehr jedoch seine später folgende Erkenntnis und Wandlung. Und dann ist da ja noch das Monster selber, der Pumpkinhead, bei dem Stan Winston höchst selbst Hand angelegt hat, ein tolles Design kreierte und dieses ausgesprochen effektiv einzusetzen versteht. Und als wäre das alles nicht genug, entwirft uns er hier mit wenigen Pinselstrichen ein mystisch entrücktes Setting, gleichzeitig Teil unserer Welt und dann auch wieder nicht, seltsam verklärt und irgendwie unbestimmt nostalgisch, in dessen Nebelwänden eine ganze, düstere Mythologie lauert, bei der es Pumpkinhead nicht für nötig erachtet, sie näher auszuformulieren und sie viel lieber nur andeutet. Zum Glück, kann man da nur sagen, entsteht so doch ein Mysterium rund um diese eigenartig fremde und doch vertraute Welt, wie man es wirklich nur selten finden kann.

 

Pumpkinhead ist einer dieser seltenen Genrefilme, der deutlich aus den für gewöhnlich Unmengen an Mittelmaß, die gerade die Welt des Horrorfilms bevölkern, und ein wahrer Glücksgriff. Sicher ist der Film bei weitem nicht perfekt, aber er holt alles aus sich heraus und weiß darüber hinaus mit einer tollen, ganz eigenen, drückenden und tristen Atmosphäre zu punkten. Geradezu märchenhaft erzählt Stan Winston seine düstere Anekdote über Rache, spendiert ihr den nötigen emotionalen Unterbau sowie ein tolles Monsterdesign und nimmt vor allem seine Figuren ernst. Ein sehr unterschätzter und oft übersehener Film, dem man zwar seine Zeit ansieht, der aber einfach ganz wunderbar ist und dringend mal eine entsprechend würdevolle Veröffentlichung verdient hätte. Mein Herz hat er jedenfalls im Sturm erobert.

 

8 von 10 entfesselten Rachegefühlen