Shortcut Vol. III: Die Braut des Prinzen

19. April 2017 at 20:59

 

 

  © 20th Century Fox

 

 

 

„Hello. My name is Inigo Montoya. You killed my father. Prepare to die.“

 

 

 

Die Braut des Prinzen von Regisseur Rob Reiner hätte mir theoretisch seit meiner Kindheit bekannt sein müssen/sollen/können, fällt er doch in vielerlei Hinsicht in meine filmische Sozialisation. Aber es sollte nie dazu kommen und als ich nun eher zufällig auf den Film stieß und Menschen, deren Meinungen ich schätze, sich mehr als nur positiv äußerten, dachte ich mir: Zeit, das mal nachzuholen. Also wurde der Film gekauft, wanderte eines Tages bei einem Filmabend in den Player und wurde nach zehn Minuten wieder ausgemacht. Nicht der richtige Zeitpunkt, falscher Abend, falsche Stimmung. Dann folgte der zweite Versuch, allein, daheim, früher Nachmittag an einem Sonntag. Und was soll ich sagen? So ganz warm geworden bin ich mit Die Braut des Prinzen nicht, auch wenn viele seiner Zutaten mir auf dem Papier durchaus zusagen. Zunächst muss ich erwähnen, dass ich es sehr mag, wenn sich ein Film auch inhaltlich mit dem eigentlichen Kern eines jeden Filmes auseinander setzt: dem Erzählen einer Geschichte. Big Fish von Tim Burton oder The Fall von Tarsem Singh machen das zum Beispiel ganz wunderbar und auch Rob Reiner wählt hier einen ganz ähnlichen Ansatz für seine Verfilmung des Romanes von William Goldman. Die Braut des Prinzen funktioniert im Prinzip als parodistische Hommage an Märchen, gespickt mit Elementen alter Mantel-und-Degen-Filme und allerhand fantastischen Einlagen unterschiedlichster Couleur. Grundsätzlich eine verlockende Mischung, doch irgendwie fand ich nicht so wirklich einen Zugang in diese sehr eigene Welt voller maskierter Piraten, fechtender Räuber, finsteren Prinzen und hinterhältigen Intrigen. Phasenweise wurde ich angesichts nicht zu leugnender Wellen aus Kitsch, Pathos und doch zu albernen Humor immer wieder aus dem Film geworfen, auch wenn mir vieles gefiel. Allein die von Mandy Patinkin verkörperte Figur des meisterhaften und auf Rache sinnenden Fechters Inigo Montoya macht einfach Freude und seine eigenartige Freundschaft zu dem freundlichen wie höflichen Schläger Fezzik, den der Wrestler André the Giant geradezu sanftmütig spielt, machen schon Spaß. Auch Cary Elwes – der sechs Jahre später als Robin Hood in Mel Brooks famoser Komödie Man in Tights erneut seine Fechtkünste beweisen durfte – als Hauptfigur Westley macht eine gute Figur zwischen Slapstick und Anmut. Aber ebenso viele Figuren funktionieren nur bedingt bis gar nicht, viele Witze sind dann doch zu albern und oftmals ist Die Braut des Prinzen geradezu unerträglich kitschig. Letztlich aber liegt mein Problem mit dem Film vermutlich an anderer Stelle, denn es mangelt mir wohl einfach an der romantischen Verklärung vergangener Tage. Der Film ist eben kein Relikt meiner Kindheit, ich habe ihn eben nicht in jungen Jahren gesehen und schätzen gelernt. Würde ich heute im Alter von 36 zum ersten Mal die Goonies sehen…. möglicherweise könnte ich nicht allzu viel damit anfangen. Und da würden mir sicherlich noch andere Beispiele einfallen, bei denen der Kontext in Bezug auf mein Alter eine wichtige Rolle spielt. Vielleicht sogar Star Wars oder Indiana Jones. Vielleicht Stand By Me. Alles Filme, welche ich auf ihre Art liebe und in meiner Kindheit habe lieben lernen. Die Braut des Prinzen hat also durchaus seine Momente, aber unterm Strich stört mich dann aber doch zuviel, um in die Lobgesänge so vieler Altersgenossen einzuschwenken. Kurzweilig und zuweilen unterhaltsam allemal, aber zumindest mir fehlt die persönliche, romantisch verklärte Verbindung aus meiner Kindheit und ich habe den Film einfach viel zu spät gesehen, um ihn so richtig mögen zu können. Aber allein diese Erkenntnis ist auch schon viel wert in meinen Augen.

 

6 von 10 RVAGs (Ratten von außergewöhnlicher Größe)