Sicario: Day of the Soldado (2018)

11. August 2018 at 14:34

 

 

© Colombia Pictures/Lionsgate/Quelle: IMDb

 

 

 

Als sich Selbstmordattentäter in einem Supermarkt in die Luft sprengen, da trifft das nicht nur mitten in das amerikanische Herz und schafft neue Ängste, sondern ruft auch den Agenten Matt Graver und dessen kolumbianischen Kettenhund Alejandro Gillick auf den Plan, denn scheinbar sind die Terroristen dank der Hilfe mexikanischer Drogenkartelle über die Grenze in die USA gelangt. Das Ziel ist nun, einen verheerenden Krieg der Kartelle untereinander anzuzetteln, damit diese sich gegenseitig ausschalten und folglich leichter zu bekämpfen sind. Alle Mittel sind in diesem schmutzigen Kampf erlaubt.

 

Nach Denis Villeneuve darf nun der Italiener Stefano Sollima auf dem Regiestuhl Platz nehmen und wer seine Arbeiten wie Suburra und Gomorrha kennt, den wird die dezente Neuausrichtung in Sicario: Day of the Soldado kaum überraschen. Ungeschönte und von hartem Realismus geprägte Studien krimineller Milieus und korrupter Machenschaften sind scheinbar seine Spezialität und diesen Weg schlägt er dann auch mit seinem ersten US-Film ein. So ist Day of the Soldado grimmiger, rauer, dreckiger, härter und insgesamt noch desillusionierender, pessimistischer und deprimierender geraten als damals Sicario. Zumal die Abwesenheit von Emily Blunt als idealistische FBI-Agentin Kate Macer dem Zuschauer nun auch den letzten moralischen Ankerpunkt nimmt und damit auch den leichten Hauch von Hoffnung zwischen all der Gewalt und Skrupellosigkeit verblassen lässt. Was bleibt, das sind Matt Graver und Alejandro Gillick, losgelöst von jeglichen moralischen Instanzen im aussichtslosen und zermürbenden Kampf gegen Drogen und nun auch Terrorismus, wenn sie sich besonders rücksichtslosen Methoden bedienen und auch vor Kindesentführungen nicht mehr zurückgeschreckt wird.

 

Zwar erreicht Day of the Soldado nie die enorme Dringlichkeit und Intensität seines Vorgängers, kann sich als harter Thriller jedoch durchaus sehen lassen. Sollima setzt mehr auf Gewalt und Eskalation, verteilt diese aber über die gesamte Laufzeit von rund 120 Minuten in Form von immer wieder aufblitzenden Nadelstichen. Visuell ist sein Film weniger von der stilisierten Bildsprache eines Roger Deakins dominiert wie noch Sicario, sondern vielmehr von stark ungeschönt realistischen Bildern, die zwar gekonnt das schmutzige Treiben unterstreichen, aber auch weniger erinnerungswürdig sind. Sollima wirft einen noch zynischeren Blick auf den Kampf der Geheimdienste gegen die Drogenkartelle, wenn inzwischen nahezu alles erlaubt ist und Grenzen schlicht und ergreifend nicht mehr existent sind. Wachsende Gewalt als das Ergebnis wachsender Hilflosigkeit.

 

Die Interessenlage dahinter ist so komplex, dass sie auch für Insider kaum noch zu durchschauen ist, und ständig ändern sich Pläne, Pakte und Fronten in diesem Wechselspiel unterschiedlichster Interessen. Besonders zynisch: wenn sich herausstellt, dass die Selbstmordattentäter von Kansas gar nicht mit Hilfe von Schleusern über die Grenze kamen, sondern sogar amerikanische Staatsbürger waren, dann wird das mehr oder weniger als Nebensatz abgetan und geht im bereits angezettelten Krieg beinahe unter. Überhaupt verliert das Motiv des Terrorismus mit zunehmender Laufzeit immer mehr an Bedeutung, wenn sich nach und nach noch reichlich andere Motivationen verschiedenster Parteien abzeichnen. Day of the Soldado endet recht offen und gibt sich relativ klar als eine Art Brückenfilm zu erkennen, der die Weichen stellt für den Abschluss der geplanten Trilogie, dennoch würde ich nicht sagen, dass der Film dadurch weniger sehenswert ist. Im Endeffekt zieht Sollima weiterhin sein Ding inhaltlich wie stilistisch durch und als eine weitere Facette der von Sicario etablierten Welt passt das gut.

 

7 von 10 gut geplanten Entführungen