Sleepless – Eine tödliche Nacht

28. August 2017 at 12:00

 

 

© Open Road Films

 

 

 

Der korrupte Cop Vincent Downs begeht einen folgenschweren Fehler, als er zusammen mit seinem Partner Sean den falschen Drogentransport überfällt und ausraubt. Die 25 Kilo Kokain gehören dem Casinobesitzer Stanley Rubino, der einen Deal mit dem Gangsterboss Rob Novak hat und die Drogen dringend so bald wie möglich zurück haben muss. Um Downs unter Druck setzen zu können, lässt Rubino dessen Sohn Thomas entführen und so entbrennt für alle Beteiligten ein Rennen um die Zeit.

 

Der in der Schweiz geborene und in Deutschland aufgewachsene Regisseur Baran bo Odar konnte 2014 mit dem deutschen Hacker-Thriller Who Am I durchaus Beachtung finden und zog so die Aufmerksamkeit Hollywoods auf sich: nicht nur soll Who Am I nun für den amerikanischen Markt adaptiert werden, ihm wurde auch die Regie für Sleepless angeboten, ein Remake des französischen Thrillers Nuit blanche von Frédéric Jardin. Inszenatorisch geht Odar für sein Remake nun jedoch andere Wege als Jardin in seinem beinahe schon klaustrophobisch aufgebauten Thriller, der mit einem ausgeprägten Gespür für die dynamische Nutzung seiner verschachtelten Räumlichkeiten glänzt, und rückt lieber die dominantere Action in den Fokus. So ist Sleepless innerhalb strenger Genrekonventionen solide und routiniert umgesetzt, kann aber leider auch kaum mehr zeigen, als man es nicht schon an anderen Stellen besser gesehen hätte, kommt nie über mehr als bloßen Durchschnitt hinaus und kann seinem Genre keine neuen Aspekte abringen oder gar hinzufügen. Die inhaltliche Ebene bleibt überschaubar, der Plot ist flach und Wendungen der Story lassen sich für das geübte Auge schon recht früh erahnen und das abschließende Finale wirkt doch ein wenig überkonstruiert, aber zumindest visuell ist Sleepless durchaus ansprechend. Sein Handwerk jedenfalls versteht Odar, auch wenn ihm eine stilisierte Hochglanzoptik deutlich wichtiger ist als der Inhalt. Die Filme von Michael Mann scheinen in seinem Schaffen ein recht deutlicher Bezugspunkt zu sein und gelegentlich musste ich bei Sleepless zum Bespiel an Collateral denken (und das nicht nur wegen Jamie Foxx). Statt auf wackelige Kamerabilder setzt Odar auf die klassisch schnörkellose Ästhetik des 80er Action/Thriller-Kinos und verpflanzt diese in die Moderne, und vor allem die zeitlich stark komprimierte Hetzjagd durch die Nacht in den Neon glitzernden Straßen von Las Vegas erinnert an Collateral, in Bezug auf die begrenzte Räumlichkeit auch an Snake Eyes von Brian De Palma.

 

Abschließend bleibt die Erkenntnis, dass Sleepless zwar routiniert und solide inszeniert ist, aber auch nichts zu bieten hat, was man nicht schon kennen würde. Odar ruht sich sehr auf etablierten und bewährten Motiven und Klischees aus und lässt seine filmischen Vorbilder deutlich erkennen, ohne jedoch eine eigene Note hinzufügen zu können. Klassischer Fall von: kann man gucken, muss man aber nicht. Alles andere als ein Rohrkrepierer, aber auch kaum mehr als bloßes Mittelmaß in seinem Genre.

 

6 von 10 versteckten Drogenpäckchen