Straight Outta Compton

17. September 2015 at 12:42

 

 

 

Straight Outta Compton (2015)
Straight Outta Compton poster Rating: 8.3/10 (28,885 votes)
Director: F. Gary Gray
Writer: Jonathan Herman (screenplay), Andrea Berloff (screenplay), S. Leigh Savidge (story), Alan Wenkus (story), Andrea Berloff (story)
Stars: O'Shea Jackson Jr., Corey Hawkins, Jason Mitchell, Neil Brown Jr.
Runtime: 147 min
Rated: R
Genre: Biography, Drama, Music
Released: 14 Aug 2015
Plot: The group NWA emerges from the mean streets of Compton in Los Angeles, California, in the mid-1980s and revolutionizes Hip Hop culture with their music and tales about life in the hood.

 

 

 

„They want N.W.A, let’s give em N.W.A.”

 

 

 

Straight Outta Compton erzählt die Geschichte rund um die Gründung, den Aufstieg und den Fall der Rap-Gruppe Niggaz Wit Attitude (N.W.A.). 1986 formieren sich die fünf Freunde Andre „Dr.Dre“ Young, O´Shea „Ice Cube“ Jackson, Eric „Eazy-E“ Wright, Lorenzo „MC Ren“ Patterson und Antoine „DJ Yella“ Carraby zu N.W.A., gründen in Eigenregie ihr kleines Label Ruthless Records und nehmen mit Boyz-n-the-Hood ihre erste Single auf, die sich sehr erfolgreich verkauft. Dadurch wird der Manager Jerry Heller auf die Band aufmerksam, erkennt ihr Potential und es gelingt ihm, sie unter Vertrag zu nehmen. In Folge dessen produzieren N.W.A. dann 1987 ihr Album Straight Outta Compton, damals ein riesiger Erfolg, heute ein Klassiker und Meilenstein eines ganzen Musikgenres, und gehen auf Tournee. Doch Streit, Zwist und Neid lassen nicht lange auf sich warten und der plötzliche Erfolg sowie das ausschweifende Leben auf Tour überfordern die jungen Musiker zusehends…

 

Mit Biopics ist das so eine Sache, zeichnen sie sich doch selten durch Dynamik in der Erzählung aus, denn in der Regel ist die Geschichte dahinter bekannt und kann kaum mit Überraschungen aufwarten. Also muss ein Biopic andere Wege finden, das Publikum zu begeistern. Walk the Line (2005) mit Joaquin Phoenix und Reese Witherspoon beispielsweise glänzte durch hervorragendes Schauspiel und vor allem durch den eindrucksvollen Umstand, dass die beiden Hauptdarsteller im Film alle Songs selber singen. Straight Outta Compton funktioniert dann am besten, wenn er sich als präzises Abbild einer ganz bestimmten Phase zwischen den späten 80ern und frühen 90ern in Los Angeles in Stellung bringt, diesen Zeitgeist ausgesprochen gelungen einfängt und dann auch auf der Leinwand umzusetzen weiß. So ist dann auch die erste Hälfte des Films sehr stimmungsvoll und erzählerisch ausladend geraten und der Regisseur F. Gary Gray nimmt sich die nötige Zeit, um die Wurzeln des Films zu entwickeln. Ob Herkunft, Lebenswelt oder Motivation aller Beteiligten im Allgemeinen und der fünf Mitglieder von N.W.A. im Besonderen, die Strukturen der Figuren und ihre Beziehungen untereinander werden behutsam und glaubwürdig aufgebaut. Sind die Figuren und ihre Hintergründe aber erst einmal etabliert, kann die zweite Hälfte des Films dieses Niveau nicht mehr ganz halten. Zuspitzungen, Auslassungen und eine grundlegende Straffung des Plots führen zu unvermittelten Entwicklungssprüngen, welche mitunter verwirrend wirken können. Das führt dann dazu, dass die zweite Filmhälfte nicht mehr so stringent daherkommt wie zuvor noch die erste, und sich Straight Outta Compton plötzlich seltsam zerfasert anfühlt. MC Ren und DJ Yella rücken dann auch ein wenig in den Hintergrund und der Film konzentriert sich deutlich stärker auf das Beziehungsdreieck um Dr.Dre, Ice Cube und Eazy-E, was nicht unbedingt allen Beteiligten gerecht wird, aber der Tatsache geschuldet ist, dass Dre und Ice auch die ausführenden Produzenten des Films sind und sich folglich in einem etwas schmeichelhaften Licht präsentieren. Die Balance zwischen beschönigend und ungeschminkt wird in diesem Film längst nicht immer gehalten, auch weil seitens des 1995 an AIDS (der hohe Preis des ausschweifenden Lebens auf Tour) verstorbenem Eazy-E relativ wenig Input bezüglich der „wahren“ Ereignisse vorhanden ist. Das soll jetzt nicht bedeuten, Straight Outta Compton würde Unwahrheiten verbreiten, aber Dr. Dre und Ice Cube kommen deutlich wohlwollender weg als andere Beteiligte.

 

Am Ende ist Straight Outta Compton ein rundum gelungenes, manchmal regelrecht packendes Biopic geworden, dass den Zeitgeist seines Ursprungs gelungen wiederzugeben versteht. Es wirkt allerdings seltsam zerrissen, irgendwie vielschichtig und eindimensional zugleich, und könnte die zweite Filmhälfte das erzählerische Niveau der ersten halten, dann hätten wir es hier wohl bereits jetzt mit einem modernen Klassiker des Genres zu tun. So aber ist es „nur“ ein unterhaltsames und trotz seiner Laufzeit von 147 Minuten überraschend kurzweiliges Kinovergnügen. Immer vorausgesetzt, man hat einen Bezug zur thematisierten Musik und scheut sich nicht vor dem einen oder anderen Klischee.

 

7 von 10 vibrierenden Lautsprecherboxen