Super Dark Times (2017)

4. Januar 2018 at 13:25

 

 

© The Orchard

 

 

 

Zach und Josh sind zwei ganz normale Teenager, die sich in den 90er Jahren in irgendeiner amerikanischen Kleinstadt mit ihren BMX-Rädern, Videospielen, verschlüsselten Pornos und allerhand anderem Unfug die Zeit vertreiben. Eines Tages jedoch kommt es zu einem äußerst tragischen Unfall, der ihr Leben für immer verändern und ihre Freundschaft auf eine harte Probe stellen wird.

 

Es ist ein Unfall, eine Unachtsamkeit, welche den Erwachsenen kaum zu erklären sein wird. Panik wallt auf. Fehlentscheidungen werden getroffen, die alles nur schlimmer machen. Ein Schweigegelübde beschlossen, welches alle schnell überfordern wird. Lügen gebraucht, welche sich nur schwerlich aufrechterhalten lassen. Am Anfang steht ein schrecklicher Unfall, am Ende bleibt nur Wut und Verzweiflung, dazwischen liegen Angst, Misstrauen und Paranoia. Das Erwachsenwerden, welches Regisseur Kevin Phillips seinen Protagonisten mit seinem Spielfilmdebüt in Aussicht stellt, ist wahrlich kein angenehmes, seine Vision eines Coming of Age-Dramas alles andere als freundlich. Die Spirale der Eskalation in Super Dark Times ist – erst einmal richtig in Gang gesetzt – gnadenlos, kann nur in einem furchtbaren Schlusspunkt ihr Ende finden und nimmt in ihrem Verlauf immer mehr Horrorelemente an ohne ins Übernatürliche abzugleiten. Was als Abbild der Pubertät beginnt, das verfällt schon bald in eine bittere Tragödie und nimmt letzten Endes einen Umweg hin zu blankem Entsetzen.

 

Diese Jugend, vielleicht Anfang/Mitte der 90er Jahre, welche der Film leicht nostalgisch aufarbeitet, die war auch meine Jugend: die Fahrräder, die ersten Heimcomputer, Spielkonsolen, die Langeweile, das ungelenke Auftreten, der merkwürdige Musikgeschmack, das draußen Rumhängen, die dummen Ideen, das waren auch wir. Das Zeitkolorit ist gut getroffen und übertreibt es nicht mit Referenzen und Anspielungen. Phillips nimmt sich Zeit, um Zach und Josh einzuführen und wir lernen sie als typische Teenager kennen, welche in einer Mischung aus orientierungslosem Maulheldentum und schlecht überspielter Unbeholfenheit zwar von sexuellen Abenteuern fantasieren, sich bei ihren scheinbar endlosen Gesprächen über Comics aber doch noch viel wohler fühlen, eklige Essenswetten versuchen durchzustehen um sich untereinander zu beweisen und auf jede Menge dumme Ideen kommen. Die jugendlichen und unverbrauchten Darsteller Owen Campbell und Charlie Tahan sind eine der ganz großen Stärken von Super Dark Times und agieren überwiegend auf einem sehr hohen schauspielerischen Level, so dass sämtliche Charaktere ausgesprochen authentisch wirken und dem Szenario ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit geben. Kevin Phillips beweist ein unglaublich feines Gespür für diesen oftmals so verwirrenden Lebensabschnitt, in welchem sich seine Protagonisten befinden und beleuchtet die Irrungen und Wirrungen der Pubertät äußerst präzise. Tempo und Timing sind nahezu perfekt ausbalanciert und hervorragend auf das Drama zugeschnitten, welches Super Dark Times letztlich ist: mit fortschreitender Handlung wird auch die Atmosphäre immer dichter und düsterer, nur um sich im aufwühlenden Finale eruptiv zu entladen.

 

Nicht ganz unähnlich und doch Grund verschieden zu Stand By Me ist es die Konfrontation mit einer Leiche, welche die Freundschaft von Zach und Josh zu zerreißen beginnt und sie dazu zwingt, viel schneller erwachsen zu werden, als es ihnen lieb ist, als es gesund ist für sie. Es kommt, wie es kommen muss: das Geheimnis ist zu groß, der Druck auf die Jungs noch größer. Misstrauen entsteht, Paranoia breitet sich aus. Die Freundschaften zerbrechen und aus Opfern werden Täter, der furchtbare Unfall wird andere Tragödien nach sich ziehen. Am Ende haben alle verloren – und zwar sehr viel mehr als nur ihre Unschuld.

 

8 von 10 zutiefst einschneidenden Erlebnissen