Star Wars: Episode IX – The Rise of Skywalker (2019)

5. Januar 2020 at 19:02

 

 

© Walt Disney Studios Motion Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

I know what I have to do, but I don’t know if I have the strength to do it.“

 

 

 

Das ist er also, der Abschluss der Prequel-Trilogie und vermeintlichen Skywalker-Saga zugleich. Ob es einen solchen brauchte, das muss jeder für sich beantworten, ich für meinen Teil halte die Skywalker-Saga mit der Schlacht um Endor für beendet. Und keine Frage: das anzutretende Erbe war schwer wie groß, die Produktionsgeschichte turbulent und die Fangemeinde speziell. Inklusive mir. Viel kommt zusammen: große Erwartungen, falsche Entscheidungen, kindische Grabenkämpfe und eine übersättigende Veröffentlichungspolitik, alles kulminierend in The Rise of Skywalker.

 

J.J. Abrams mag vielleicht kein sonderlich guter Regisseur sein, ein schlechterer Drehbuchautor und vor allem Geschichtenerzähler ist er in jedem Fall und Episode IX ist der endgültige Beweis dafür. Ich habe schon wirklich sehr, sehr lange kein derart faules Drehbuch erleben müssen, bei dem man sich als Zuschauer buchstäblich für dumm verkauft fühlt. Vollkommen überladen und viel zu schnell hetzt die dünne Narrative unübersichtlich von Plotpoint zu Plotpoint wie eine einzige gigantische Schnitzeljagd und das flache Storytelling besteht aus kaum mehr als Unmengen an fadenscheiniger Exposition. Bereits der Auftakt wischt allerhand beiseite, damit Abrams sein Setup wiederherstellen kann und Entscheidungen von Episode VIII egalisiert werden können. Mit Hammer und Meißel statt Skalpell, wohlgemerkt.

 

Deus Ex Machina – Der Film. Die billigen Kniffe und das haarsträubend zurecht gebogene Drehbuch bedürfen augenscheinlich nicht einmal lausig hingerotzten Nebensätzen als Erklärung, nichts wird erläutert, noch so krude Wendungen werden kommentarlos stehen gehenlassen. So einiges hätte ich ja noch durchgehen lassen, denn manche Idee ist gar nicht so verkehrt, wenn irgendwann mal Bezug dazu genommen worden wäre, doch Abrams etabliert Dinge aus dem Nichts wie es gerade passt. Er jongliert hier munter mit immerzu bloßen Behauptungen, mehr aber auch nicht. Dazu hat nichts mehr eine Fallhöhe oder Bedeutung, geschweige denn emotionales Gewicht, wenn augenscheinlich radikale Wendungen im nächsten Atemzug wieder revidiert werden können oder Jedi-Kräfte gleich den Tod überwinden.

 

Figurenentwicklung ist Mangelware und einzig Adam Drivers Kylo Ren trägt einen maßgeblichen Konflikt in sich aus. So ist auch seine fragile Beziehung zu Rey noch die größte Stärke des Filmes. Die Szenen mit den beiden sind noch das klare Highlight. Auch hätte ich mir ein paar ruhige Momente und Stille gewünscht, doch so kann sich The Rise of Skywalker kaum entfalten und darf nicht zu Atem kommen. Man spürt deutlich, dass die Macher im Hintergrund lediglich von Film zu Film dachten und es nie eine übergreifende Vision für die gesamte Trilogie gab. Selbst die Prequel-Trilogie mit all ihren teils schweren Fehlern muss sich diesen Vorwurf nicht gefallen lassen. Rückblickend empfinde ich dann auch Episode VIII als den stärksten Beitrag zur neuen Trilogie. Sicher, auch dieser scheitert in sich, aber wenigstens hat Rian Johnson es versucht, Strukturen aufzubrechen und neue Wege zu erkunden. Abrams hingegen dreht sich immerzu im Kreis. Altbewährtes scheint dieser Tage gefragter als neue Ideen. Schade, denn das Star Wars-Universum bietet gefühlt unendlich Möglichkeiten für spannende Geschichten.

 

5 von 10 mal von den Toten zurückkehren

 

 

Marriage Story (2019)

12. Dezember 2019 at 1:00

 

 

© Netflix/Quelle:IMDb

 

 

 

Getting divorced with a kid is one of the hardest things to do. It’s like a death without a body.“

 

 

 

Theaterregisseur Charlie und Schauspielerin Nicole stehen am Ende ihrer Ehe. Eine ruhige und einvernehmliche Scheidung soll es gerade auch wegen des gemeinsamen Sohnes Henry werden, doch spätestens mit dem Einschalten ihrer Anwälte wird tief im Dreck gewühlt und schnell liegen die Nerven aller Beteiligten blank.

 

I don’t know how to start… Wenn diese Worte fallen, dann erwarten den Zuschauer kaum weniger als die schauspielerisch vielleicht stärksten und intensivsten fünf Minuten in diesem Jahr. Was Adam Driver (Paterson, Silence) und Scarlett Johansson (Lost in Translation, Her) in dem folgenden Streit an emotionaler Bandbreite und aufrichtiger Glaubwürdigkeit abrufen, das ist außer Konkurrenz, so sehr spielen sich die beiden die Seele aus dem Leib. So liebevoll der Film von Regisseur Noah Baumbach (Greenberg, Frances Ha, The Meyerowitz Stories) auch mit einer aufrichtig rührenden Montage-Sequenz beginnen mag, so schnell wird deutlich, dass wir uns in einem aufwühlenden wie schmerzhaften Trennungsprozess befinden.

 

Gefühlt irgendwo zwischen Woody Allen und Kramer vs. Kramer (1979) angesiedelt, verzichtet Marriage Story jedoch überwiegend auf ätzenden Zynismus und setzt spürbar mehr auf seine vielschichtigen wie glaubwürdigen Figuren. Baumbach nähert sich mit einem feinen Gespür für seine Figuren deren Konflikt, nimmt ihre Bedürfnisse und Probleme angemessen ernst und vermag im Gegenzug immer mal wieder überraschend witzige Pointen zu platzieren. Überhaupt ist das Drehbuch unglaublich gut geschrieben und steckt voller Authentizität, präzisen Beobachtungen sowie fantastischen Dialogen, die den Darstellern viel mit an die Hand geben und zugleich noch Raum zur Entfaltung lassen. Und so niederschmetternd manche Szene auch anmuten mag, wird auch deutlich, welch zartes Band Nicole und Charlie immer noch verbindet. Kleine Momente der Zärtlichkeit blitzen immer mal wieder zwischen all den hässlichen Grausamkeiten und Demütigungen auf.

 

Schauspielerisch ist Marriage Story für mich trotz teils enormer Konkurrenz mit das Beste in diesem Jahr. Driver und Johansson sind das emotionale Kernstück des Filmes und spielen derart intensiv, dass ich den beiden ihre Figuren, deren Gefühle und den Konflikt vollkommen abkaufe. Doch auch Nebenrollen wie Laura Dern (Jurassic Park, Blue Velvet), Ray Liotta (Goodfellas, Cop Land), Alan Alda und Julie Hagerty wissen auf der ganzen Linie zu überzeugen. Noah Baumbach schreibt und inszeniert mit Marriage Story einen ungemein einfühlsamen, aufwühlenden, feinsinnigen und aufrichtigen Film über die Gefühle, Ängste und Bedürfnisse zweier Menschen, ohne sich in klischeehaften Allgemeinplätzen zu verlieren. Eine kleine Besonderheit in der heutigen Kinolandschaft.

 

8,5 von 10 schmutzigen Tricks vor Gericht

 

 

Star Wars: Episode VIII – The Last Jedi

17. Dezember 2017 at 15:31

 

 

© Walt Disney Studios Motion Pictures

 

 

 

„Let the past die. Kill it, if you have to. That’s the only way to become what you are meant to be.“

 

 

 

Eine Inhaltsangabe entfällt an dieser Stelle und mein Text bleibt selbstverständlich vollkommen frei von Spoilern und ist inhaltlich eher vage gehalten, will ich doch niemanden sein Kinoerlebnis schmälern. Ihr könnt also ganz beruhigt meine Gedanken zum neuesten Beitrag im Star Wars-Universum lesen ohne Angst haben zu müssen, etwaige Plotpoints zu erfahren.

 

Bereits nach Episode VII mit all ihrem Fanservice wuchs in mir die Erkenntnis, dass es Episode VIII sein würde, die nun wirklich liefern, die Komfortzone aus Zitaten, Anspielungen und Querverweisen verlassen und neue Wege beschreiten müsse. Und zumindest in Teilen tut Regisseur Rian Johnson das tatsächlich. Sein Film ist nämlich keineswegs eine handlungsorientierte Kopie von Episode V geworden wie man es vielleicht hätte befürchten können, sondern steht erzählerisch durchaus auch auf eigenen Beinen. Referenzen und Rückbezüge gibt es zwar immer noch reichlich, allerdings fallen diese nun meist eher visuell aus, wenn einzelne Szenen und Bilder an The Empire Strikes Back erinnern, und finden sich eben nicht mehr auf der rein erzählerischen Ebene wieder. Es wird zwar weiterhin auch fleißig in die Referenzkiste gegriffen, aber sich längst nicht mehr so blind und hörig der Nostalgie ergeben wie zuvor. Johnson bedient sich zahlreicher bekannter Bilder und Motive, formt diese jedoch um, variiert sie und verschiebt sie innerhalb der Chronologie. Das ist tatsächlich ein guter Schritt in die richtige Richtung hin zu etwas mehr Eigenständigkeit im Franchise, wenn Johnson nun neue Pfade der Handlung betritt und auch mal Risiken eingeht, ein Aufbruch zu neuen Ufern allerdings ist es keineswegs. Es ist auch ein Wagnis, wenn Entscheidungen sowohl innerhalb der Handlung als auch innerhalb so mancher Figurenentwicklung getroffen werden, die nicht nur zu überraschen wissen, sondern vermutlich auch nicht jedem gefallen werden und vielleicht einigen Fans vor den Kopf stoßen könnten. Das ist mutig und erfrischend und wird hoffentlich dafür sorgen, dass nun in Episode IX alte Karten neu gemischt und verteilt werden können. Und dass das alles visuell ganz hervorragend in Szene gesetzt ist, das versteht sich ja mehr oder weniger von selbst und kann und darf bei einem solchen Film wie Episode VIII und seinem Budget erwartet werden. Tatsächlich bietet The Last Jedi ein paar der bisher schönsten Bilder innerhalb des Star Wars-Universums und so manche Szene ist einfach wunderschön anzusehen.

 

Also alles gut? Nicht ganz, denn The Last Jedi bringt durchaus auch Probleme mit sich, über die man stolpern kann. Zunächst hat der Film trotz denkbar simpler Story keine allzu gute Erzählstruktur, wenn die holprige Narrative ständig zwischen drei verschiedenen Handlungssträngen hin und her springt. Tempo und Timing stimmen hier eher selten und nahezu immer, wenn eine Plotline beginnt in Schwung zu kommen, dann wechselt der Film zur nächsten. Das soll Spannung generieren, wirkt aber oftmals eher frustrierend und führt zu einem merkwürdig hektischen wie wirren Seherlebnis, zerrissen zwischen seinen Handlungssträngen. Wenn dann auch noch einer dieser Stränge für die eigentliche Geschichte in Episode VIII nahezu vollkommen irrelevant ist, keinerlei Auswirkung auf die Haupthandlung hat und genau so wie er ist komplett entfernt werden und ohne erzählerischen Verlust gestrichen werden könnte, dann ist der Film mit seinen 152 Minuten Laufzeit eindeutig zu lang geraten und kann zuweilen etwas ermüdend wirken. Ein weiteres Problem war für mich der seltsam deplatzierte Humor: scheinbar hat die Marvel-Keule Einzug gehalten ins Star Wars-Universum. Viele Witze wollten für mich so gar nicht zünden und die Grenzen hin zum Slapstick werden noch deutlicher überschritten als noch in Episode VII. Allein BB-8 setzt nochmals gehörig einen drauf. Ich muss es tatsächlich sagen: The Last Jedi hatte durchaus auch Momente, in denen ich mich fremd geschämt habe. Das bricht gehörig mit der sonst eher episch angelegten Atmosphäre und erschwert mir immer mal wieder das Eintauchen in das von mir so geliebte Universum. Schlimmer noch: nahezu immer, wenn etwas ernsthaftes oder dramatisches im Film passiert, dann wird meist ein Witz hinterher geschoben und die Schwere des Moments gleich wieder torpediert. Da überkommt mich das ungute Gefühl, dass das alles nicht mehr sonderlich ernst genommen wird.

 

Als letzte Nacht der Abspann über die Kinoleinwand lief, da war ich schon irgendwie ein klein wenig enttäuscht. Selten hat mich ein Film aus dem Star Wars-Universum so zwiegespalten und auch ratlos zurück gelassen. Keine Frage, Rian Johnson findet durchaus wirklich herausragende Bilder, Szenen und Ideen, vieles ist in seiner Inszenierung  mutig und toll, anderes aber eben leider auch sehr schwach bis irritierend und ausgesprochen merkwürdig. Die Erzählstruktur ist reichlich sprunghaft und mitunter etwas wirr und hektisch geraten und den Humor empfinde ich überwiegend leider als deplatziert und unpassend. Sicherlich ist Episode VIII kein schlechter Film, aber er hat durchaus Probleme, welche zumindest mein Sehvergnügen auch schmälern. Trotz mutiger Entscheidungen seitens der Handlung und zum Teil der Figurenentwicklung finde ich Episode VII rückblickend minimal besser, wird sich dort zwar erzählerisch viel auf Episode IV rückbezogen, die Erzählstruktur an sich aber ist weniger holperig und einfach etwas runder in Rhythmus, Tempo und Timing. Zweifellos ein Schritt in die richtige Richtung, aber noch nicht die dringend erforderliche Erneuerung.

 

7 von 10 der letzten Jedi

 

 

 

 

Midnight Special

10. Januar 2017 at 23:07

 

 

© Warner Bros. Pictures

 

 

 

„Sometimes we are asked to do things that are beyond us.“

 

 

 

Roy Meyer ist mit seinem achtjährigen Sohn Alton auf der Flucht. Vor der Polizei und dem FBI, weil diese glauben, Alton wäre entführt worden, und vor einer religiösen Sekte, die Alton als eine Art Messiahs betrachtet und unbedingt zurück will. Unterstützt wird er dabei von seinem langjährigen Freund, dem State Trooper Lucas. Ihr Ziel ist ein ganz bestimmter Ort zu einem ganz bestimmten Zeitpunkt, nur das genaue Warum, das ist unklar. Sicher ist dagegen, das Alton über geheimnisvolle Fähigkeiten verfügt, welche die Sektisten für ihre Zwecke nutzen wollen und die Regierung als potentielle Waffe. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt für die drei.

 

Zwei Männer und ein kleiner Junge sitzen in einem verbarrikadierten Motelzimmer, während die Nachrichten im Fernseher über die Suche nach dem vermeintlich entführten Alton berichten. Doch Alton wurde nicht entführt, ganz im Gegenteil, sind seine beiden Begleiter doch vielmehr seine Beschützer. Mit genau jener Szene beginnt Midnight Special von Regisseur Jeff Nichols, welcher mit seinem jüngsten Werk nach Take Shelter und Mud nun bereits den dritten Film in Folge abliefert, der mir zu gefallen weiß. Ich muss zwar ehrlicher Weise zugeben, dass mir noch nicht so ganz klar ist, was mir der Film nun letztlich sagen will, aber deswegen mochte ich ihn noch lange nicht weniger. Schon ganz zu anfangs mit seiner aller ersten Szene hat mich Midnight Special mit seiner faszinierenden wie rätselhaften Atmosphäre gleich in seinen Bann gezogen, offenbart der Film doch von der ersten Sekunde an ein Mysterium, welches gelöst werden möchte, dessen Lösung aber deswegen keineswegs im Vordergrund steht und vielmehr dazu dient, Stimmungen aufzufangen. Die Bilder sind wie gewohnt bei Nichols ausufernd und schwelgerisch und der erzählerische Aufbau langsam, so dass schnell eine Art Sog entsteht, der einen nicht mehr loslassen will. Gesellt sich noch der geradezu hypnotische Soundtrack dazu, dann ist die erzielte Wirkung erst einmal kongenial. Lange Zeit will man den Blick gar nicht mehr abwenden von all diesen vollendeten Bildern, den Impressionen und kleinen Stilleben, die Nichols da auf die Leinwand zaubert. In Midnight Special steckt eine weitaus größere Geschichte, als es auf den ersten Blick scheint, nur wird diese dem Zuschauer erst nach und nach, Stückchen für Stückchen offenbart, über Dialoge näher gebracht und nur dann bewusst zum Thema gemacht, wenn es absolut von Nöten ist. Und dennoch bleiben Dinge unerwähnt, im Dunkeln, unausgesprochen, was für mich einen besonderen Reiz des Filmes ausmacht, kann ich mir so doch noch genug selbst ausmalen, um meine Fantasie über den Film hinaus zu beschäftigen. Im Kern behandelt der Film natürlich das Thema Liebe, bedingungslose Liebe sogar, es geht um Familie, Vertrauen, Verantwortung, aber auch um Verlust, Außenseitertum und das Loslassen, wenn es nötig ist. Dennoch bleibt bei mir das seltsame Gefühl zurück, dass sich unter der Oberfläche von Midnight Special noch etwas größeres verbirgt, das ich bisher nicht habe entdecken können, dass dort etwas schlummert, was die offensichtlich verhandelten Themen nochmals übersteigt. Vielleicht irre ich mich auch, möglicherweise sogar, weil ich es mir wünschen würde, da wäre noch mehr, aber so oder so, es wird sicherlich noch mehr als eine Zweitsichtung brauchen, um diesen visuell und erzählerisch wunderschönen Film vollends in mich aufnehmen zu können. Jeff Nichols jedenfalls ist ein enorm talentierter und fähiger Regisseur, dessen Bilder oftmals mehr erzählen als ganze Dialoge und von klarer Einfachheit wie schlichter Eleganz sind, und dessen Filme bisher auch immer von seiner ganz klaren Handschrift geprägt sind. Ein wenig entrückt und in gewissen Zügen geradezu märchenhaft, aber gleichzeitig auch immer sehr in unserer Welt verhaftet. Letztlich mutet es in Midnight Special beinahe ironisch an, dass einerseits die religiöse Sekte Alton als ihren Erlöser betrachtet und andererseits der staatliche Apparat eine Waffe in ihm sieht, während seine Eltern nicht mehr wollen als ihn glücklich zu machen. Ironisch, vor allem aber auch berührend, ist das gerade deswegen, weil dieser sehnliche Wunsch nicht im gemeinsamen Glück enden kann, sondern eher darin, jenen Wunsch begraben zu müssen.

 

Mit Midnight Special ist Jeff Nichols erneut und nun zum dritten Mal in Folge nach Take Shelter und Mud ein ausgesprochen gelungener Film geglückt, ein schöner Film, empathisch, aber nicht kitschig, spannend, aber nicht reißerisch. Gewohnt langsam entfaltet Nichols seine Geschichte und schält sie Stück für Stück aus der Dunkelheit. Nie gibt er uns mehr Preis, als wir in dem Moment unbedingt wissen müssen, offenbart ein geradezu mystisches Rätsel, welches es zu entschlüsseln gilt und überlässt uns trotzdem am Ende alles selbst. Schwelgerische und wunderschöne Bilder und Motive dominieren Midnight Special, der Score ist geradezu hypnotisch mit all dem verwoben und der starke Cast rund um den nicht nur hier grandiosen Michael Shannon, Joel Edgerton, Adam Driver und Kirsten Dunst rundet dieses träumerisch anmutende und seltsam entrückte Road Movie ab. Einzig für den immer tollen und sehenswerten, von mir sehr geschätzten Sam Shepard hätte ich mir mehr screen time gewünscht. Naja, man kann nicht alles haben. Trotz meiner immer noch anhaltenden Ratlosigkeit und dem Gefühl, nur die Spitze des Eisberges erfahren zu haben, ein toller und empfehlenswerter Film.

 

7,5 von 10 Superman-Comics, gelesen bei dem Licht einer Taschenlampe unter der Bettdecke