Hellraiser III: Hell on Earth (1992)

11. Juli 2018 at 18:49

 

 

© Miramax Films/Quelle: IMDb

 

 

There is no good. There is no evil. There is only flesh.“

 

 

 

Als der schmierige Clubbesitzer JP in den Besitz der Säule der Seelen gelangt, da ahnt er noch nicht, dass er sich damit das Grauen persönlich in Gestalt von Pinhead in seinen Club The Broiler Room holt. Tatsächlich gelingt es diesem schnell, seine Rückkehr in die Welt der Lebenden vorzubereiten und schon bald kann er sein blutiges Treiben unter der Menschheit beginnen. Kann die nun folgende Invasion der Höllenkreaturen noch aufgehalten werden?

 

Die finale Szene von Hellbound kündigte es bereits an: die Ankunft im Horror-Mainstream. Und genau das sollte der dritte Teil Hellraiser: Hell on Earth letztlich auch einlösen. Waren Hellraiser und Hellbound in ihrer grimmigen Ernsthaftigkeit, mit ihren düsteren Themen und dem Verzicht auf Humor noch eine ausgesprochene Ausnahmeerscheinung ihrer Zeit innerhalb ihres Genre, da ist der dritte Teil nun genau dort angekommen, wo man Pinhead bereits zuvor irrtümlicher Weise eingeordnet hatte. Sprüche klopfend untergräbt dieser nun nahezu im Alleingang seine ehemals so sehr beeindruckende, geradezu mystische Erscheinung. Plötzlich ist er nicht mehr an die Regeln seiner Welt gebunden und kann ungehindert sein blutiges Werk auf der Erde betreiben, beinahe schon wie ein Freddy Krueger-Abziehbild. Aber warum!? Hier setzt sich der Film eigenständig über die bisher etablierte Mythologie hinweg, ignoriert mehr oder weniger seine Vorgänger und verzettelt sich in einer nun wirklich völlig falschen Ecke. Von den neuen Zenobiten ganz zu schweigen, verkommen diese zu kaum mehr als Actionfiguren ohne nennenswerte Wirkung.

 

Vergessen sind Barkers unheimlichen Ausflüge in uns fremde Welten voller Schmerz und Lust ebenso wie die sich regelrecht einbrennende Bildsprache und der mythologische Unterbau. In Hell on Earth gibt es keinen Schmerz mehr, sondern nur noch einen zotigen Splattereffekt nach dem anderen, zusammengehalten von einem mehr als kruden Plot. Zugegeben, die Effektarbeit ist auch hier noch ansehnlich, aber viel mehr hat der Film nicht mehr zu bieten. Bloß weil mit Anthony Hickox (Waxwork, 1988) jemand hinter der Kamera agierte, der zwar nicht unbedingt visionär, so aber doch wenigstens routiniert war, funktioniert Hell on Earth zumindest noch als Popcorn-Horror halbwegs gut. Die Fallhöhe ist riesig, der Aufprall schmerzhaft und schon bald sollte der Abstieg in die DTV-Hölle beginnen.

 

4 von 10 neuen Zenobiten ohne Biss

 

 

Waxwork

5. August 2017 at 14:59

 

 

© Vestron Pictures

 

 

 

„Would you like a closer look?“

 

 

 

Als in ihrer Nachbarschaft urplötzlich und wie aus dem Nichts ein unheimliches Wachsfigurenkabinett seine Pforten öffnet, weckt das die Neugier der Teenager Mark, Tony, Sarah, China, Gemma und James. Nachdem sie vom unheimlichen Besitzer zu einer mitternächtlichen Privatführung eingeladen werden, wird die Gruppe getrennt. Da Tony und China auch in den nächsten Tagen nicht wieder auftauchen, macht sich Mark daran, ihr mysteriöses Verschwinden aufzuklären.

 

Mit Waxwork von Regisseur Anthony Hickox begebe ich mich erneut auf eine Reise in meine Kindheit, in eine Zeit Ende der 80er bis Anfang/Mitte der 90er, in der ich unendlich viele Filme beinahe jeglicher Art aus der Videothek oder dem TV aufgenommen und angesehen habe. Um so erstaunter war ich, als mir neulich Waxwork in die Hände fiel und ich feststellen musste, den Film nicht zu kennen, obwohl so ziemlich alles an ihm genau in mein Beuteschema fällt. Nun gut, die Chronistenehre will besänftigt werden, also musste der Film zügig nachgeholt werden. Und ich habe das zu keiner Sekunde bereut und wurde rund 95 Minuten lang wunderbar unterhalten. Tatsächlich war ich sehr überrascht, wie gut Waxwork heute für mich gerade auch ohne verklärte Kindheitserinnerung funktioniert. Anthony Hickox – der Sohn von Douglas Hickox, dem britischen Regisseur von Filmen wie Sitting Target mit Oliver Reed und Ian McShane, Theater of Blood mit Vincent Price und Diana Rigg oder Brannigan mit John Wayne und Richard Attenborough – inszeniert Waxwork beinahe schon episodisch, wenn zahlreiche klassische Horrorfiguren ihre Auftritte spendiert bekommen. So geben sich eine Mumie, ein Werwolf, Vampire, Zombies, der Marquis De Sade und noch viele schräge Gestalten mehr die Klinke in die Hand und es entfaltet sich nach und nach eine phantastische Reise durch allerlei Subgenre des Horrorkinos. Hickox garniert dann sein höchst unterhaltsames Gemisch mit einem angenehm komödiantischem Einschlag, der aber niemals übertrieben daherkommt oder gar albern wirkt, und punktuell eingestreuten, überraschend blutigen Einlagen, die auch heute noch überzeugen können und besser gealtert sind als bei so manch anderem Genrevertreter dieser Zeit. Gerade der Storyabschnitt rund um die Vampire kann mit einigen wirklich hübschen Blutfontänen aufwarten. Dazu gesellt sich ein feiner Cast rund um Genregrößen wie Zach Galligan (richtig – Billy Peltzer aus den Gremlins-Filmen), Dana Ashbrook (Sundown, Return of the Living Dead II, Twin Peaks), David Warner (Das Omen, Tron, Freibeuter des Todes, Time Bandits und noch vieles mehr), John Rhys-Davies (der muss wohl kaum noch kommentiert werden) und dem großartigen Patrick Macnee (The Howling und vor allem natürlich bekannt als John Steed in Mit Schirm, Charme und Melone), die allesamt sichtlich Spaß bei den Dreharbeiten hatten.

 

Letztlich ist Waxwork wirklich ein kleiner Geheimtipp, welchen ich hiermit jedem Genrefan unbedingt und ganz ausdrücklich ans Herz legen möchte. Ein phantastischer wie unterhaltsamer Trip durch jede Menge Subgenre des Horrorkinos mit einer herrlich absurden Prämisse, welcher dazu noch überraschend gut gealtert ist. Waxwork will inhaltlich ganz bewusst nicht allzu ernst genommen werden, geht in seiner Inszenierung der Spezialeffekte aber überwiegend ernsthaft ans Werk. Um das ganze abzukürzen: anschauen!

 

7,5 von 10 Schüsseln rohes Fleisch zum Abendessen