In the Shadow of the Moon (2019)

9. Oktober 2019 at 18:26

 

 

© Netflix/Quelle: IMDb

 

 

 

Der Polizist Thomas Lockhart ist Teil der Ermittlungen an einer obskuren Mordserie, welche 1988 Philadelphia erschüttert, jedoch ebenso abrupt endet wie sie begonnen hat. Genau neun Jahre später ist Lockhart inzwischen Detective, als Morde begangen werden, die denen von 1988 verblüffend ähneln.

 

In the Shadow of the Moon von Regisseur Jim Mickle (Stake Land, We Are What We Are, Cold in July) ist einer dieser kleinen bis mittelgroßen Filme, welche es heutzutage kaum noch ins Kino schaffen. Früher wäre er vielleicht direkt in den Videotheken gelandet, heute darf Netflix diese Funktion erfüllen. Doch auch, wenn In the Shadow of the Moon für die große Leinwand etwas zu klein zu sein scheint, so macht ihn das noch lange nicht zu einem schlechten Film. So liefert Mickle einen letztlich soliden Sci-Fi/Mystery/Cime-Thriller mit starkem Beginn, der zur Hälfte allerdings etwas abflacht und an Schwung verliert, nur um in seinem vielleicht etwas plump geratenem Schlusspunkt mehr zu erklären als es eigentlich nötig wäre.

 

Der Zeitreise-Plot verläuft vielleicht nicht immer ganz logisch und konsequent, bleibt aber trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit immerhin stimmungsvoll. Visuell ist das alles durchaus sehenswert und besonders das Design der unterschiedlichen Zeitabschnitte weiß zu überzeugen. Das erzählerische Tempo zieht nur punktuell an und In the Shadow of the Moon ist über weite Strecken eher ein ruhiger Film. Auf der darstellerischen Ebene macht Boyd Holbrook (Narcos, Logan, Predator: Upgrade) seine Sache gut als über die Jahrzehnte hinweg immer manischer werdender Cop, der geradezu besessen ist von dieser mysteriösen Mordserie, immerzu im Zwiespalt zwischen Familie und Job. Michael C. Hall (Dexter, Six Feet Under) hingegen wirkt seltsam verschenkt, wenn mit seiner Figur relativ wenig angestellt wird. So bleibt unterm Strich ein Film mit interessanter Grundidee und starkem Beginn, der jedoch zu wenig daraus macht, und dem zum Ende hin ein wenig die Luft ausgeht.

 

6 von 10 rätselhaften Wunden im Nacken

 

 

Overlord (2018)

12. November 2018 at 16:05

 

 

© Paramount Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

A thousand year Reich needs thousand year soldiers.“

 

 

 

Eine kleine Gruppe Soldaten soll im 2. Weltkrieg in einem von Deutschen besetzten Dorf in Frankreich einen Funkturm ausschalten, damit die Landung in der Normandie beginnen kann. Das Unternehmen droht bereits zu Beginn zu scheitern, als das Flugzeug der Fallschirmspringer über dem Zielort abgeschossen wird und nur noch eine handvoll Soldaten überleben. Und schlimmer noch: in dem Dorf angekommen müssen sie schon bald erkennen, was dort grausiges wirklich vor sich geht.

 

Mit einer eindringlichen Eröffnungssequenz wirft sich Julius Avery mit seiner zweiten Regiearbeit Overlord direkt und ohne Umschweife ins (Schlacht)Getümmel, ohne jedoch gleich zu Beginn all sein Pulver zu verschießen. Was nämlich noch als geradliniger Kriegsfilm zu beginnen scheint, dass soll schon bald andere Genrepfade betreten. Sadistische SS-Offiziere, größenwahnsinnige Nazi-Wissenschaftler, grausame Experimente und unmenschliche Kreaturen: Overlord bietet so ziemlich alles, was ein guter Exploitation-Reißer brauchen könnte und Avery erschafft daraus einen herrlich reinrassigen, kantigen und schmuddeligen Genre-Film mit äußerst ansehnlichem Budget, verzichtet im Gegenzug jedoch dankenswerter Weise auf ätzend ausgestellte, augenzwinkernde Ironie. Stattdessen nimmt sich Overlord angenehm ernst, tappt eben gerade nicht in die Funsplatter-Falle und kommt wie eine vom Spaß befreite Verfilmung der Videospiel-Reihe Wolfenstein daher.

 

Sicherlich vermag Avery mit seinem Film auf der inhaltlichen Ebene nichts grundlegend Neues zu erfinden oder könnte gar intellektuell fordern, doch das will er auch gar nicht, wenn er sich viel lieber seiner straighten B-Movie Herkunft vollkommen bewusst ist und sich gerade daran ergötzt. Overlord ist geradlinig wie kompromisslos und effektiv inszeniertes Genre-Kino, das eine dichte Atmosphäre zu erschaffen vermag und es ausgesprochen gut versteht, mit seinen Effekten zu haushalten, statt den Protagonisten Monsterwelle um Monsterwelle entgegen zu schleudern. Hier gilt Qualität statt Quantität, wodurch sich Overlord auch nie der Lächerlichkeit preisgibt. Einen solch pulpigen Film dieser Tage mal wieder auf der großen Kinoleinwand erleben zu können, mit toller Ausstattung und einem wahrlich famosen Sounddesign, welches den Saal geradezu beben lässt, und der sich dazu noch so erfrischend ernst nimmt und auf Ironie verzichtet, das hat mein Genre-Herz über alle Maßen erfreut. Am liebsten wäre ich beim Abspann aufgesprungen und hätte applaudiert.

 

8 von 10 Flammenwerfern