A Quiet Place (2018)

24. Februar 2019 at 16:06

 

 

© Paramount Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

Who are we if we can’t protect them?“

 

 

 

Lee und Evelyn Abbott leben mit ihren Kindern Regan und Marcus in einer Art postapokalyptischen Welt, in der jedes Geräusch todbringende Monster anlocken kann. Mühsam hat sich die Familie an diese neuen Lebensbedingungen angepasst, doch die erneute Schwangerschaft von Evelyn stellt alle vor neue Herausforderungen.

 

Stille. Für manchen heutzutage vielleicht nur noch schwer auszuhalten. Für die nun mehr zweite Regiearbeit des Schauspielers John Krasinski ist das die grundlegende Prämisse. Eine Welt, in der jedes Geräusch deinen Tod bedeuten kann, die verlangt auch höchste Konzentration. A Quiet Place hält sich nicht lange mit Erklärungen auf, wirft den Zuschauer vollkommen unvermittelt ins Geschehen, erläutert die Gesetzmäßigkeiten seiner Welt erst nach und nach und verlagert die allumfassende Apokalypse auf das Intimste reduziert im Schoß der Familie. So sind die Abbotts angesichts größter Schrecken und Einschränkungen trotzdem geradezu verzweifelt darum bemüht durch gemeinsame Rituale wie das Abendessen zumindest einen letzten Hauch von Normalität in einer aus den Fugen geratenen Welt zu bewahren.

 

Das world building funktioniert wirklich gut und Krasinski versteht es hervorragend mit relativ wenigen Mitteln eine dichte und packende Atmosphäre zu erschaffen. Allein die ersten etwa zehn Minuten empfand ich als herausragend und auch lange danach liefert A Quiet Place immer wieder extrem fesselnde und spannende Momente sowie mitreißend arrangierte Sequenzen, von denen andere Regisseure nur träumen können. Visuell liefert der Film ein solides Endzeit-Szenario, aber auf der akustischen Ebene gelingt so manche interessante Idee im Spiel mit laut und leise, wenn zum Beispiel jedes Geräusch in den Ohren förmlich zu explodieren scheint. Leider finden sich aber auch diverse schwerwiegende Logiklöcher im Drehbuch und man muss sich schon mehr oder weniger bedingungslos auf die Prämisse einlassen, um in das Setting eintauchen zu können.

 

Auch ist es schade, dass Krasinski seine Idee lange relativ konsequent umsetzt, etwa zur Hälfte jedoch das Tempo anzieht und die Schlagzahl erhöht, und besonders im letzten Drittel Spannung und Atmosphäre zu Gunsten von plumpen Schockeffekten und Action opfert. So zeigt der Film im Schlussakt seine Kreaturen viel zu exponiert, die lange als diffuse und allgegenwärtige Bedrohung deutlich besser funktionieren, und wird buchstäblich zu laut. Auch der Score von Marco Beltrami (Logan, The Drop, Snowpiercer) ist sehr aufdringlich und wirkt nicht selten kontraproduktiv in puncto Atmosphäre und Spannung. Letztlich wirkt A Quiet Place ein bisschen wie eine überlange Folge Twilight Zone. Krasinski hat eine wirklich gute und erfrischende Idee, vermag deren Potential allerdings nicht immer voll auszuschöpfen und setzt gegen Ende für meinen Geschmack zu sehr auf Tempo und Action. Nichtsdestotrotz bietet der Film ein paar geradezu meisterhaft inszenierte Spannungsmomente, muss sich aber auch den Vorwurf der teils gravierenden Logiklöcher gefallen lassen.

 

6,5 von 10 Mal auf leisen Sohlen kein Geräusch machen

 

 

Looper

5. September 2016 at 21:47

 

 

© TriStar Pictures

 

 

 

“ Loopers are well paid, they lead a good life… „

 

 

 

Im Jahr 2044 sind Zeitreisen noch nicht erfunden, 2074 aber werden sie es sein. Ihr Gebrauch steht unter höchsten Strafen, dennoch nutzt eine große Verbrecherorganisation diese Technik, um unliebsame Personen nach 2044 zu schicken, wo sie dann von Looper genannten Auftragskillern ermordet und beseitigt zu werden. Um unnötige Zeugen zu vermeiden, muss jeder Looper irgendwann sein älteres Ich umbringen, den Loop schließen, wie es genannt wird, um dann aussteigen und den Rest seines Lebens als reicher Mann verbringen zu können. Doch das scheinbar perfekte System gerät ins Wanken, als der Looper Joe Simmons von seinem älteren Ich überlistet wird und dieses nun anstatt tot zu sein im Kansas des Jahres 2044 auf Rache aus ist.

 

Gute Science Fiction-Filme gab es in den letzten Jahren nur wenige und es scheinen auch immer weniger zu werden, denn die immer weiter fortschreitende Technik in Zeiten, in denen am Computer beinahe alles möglich ist, bringt auch eine gewisse Bequemlichkeit mit sich. Immer mehr Regisseure verfallen ganz offensichtlich dem Glauben, dass atemberaubende Spezialeffekte und eine beeindruckende Kulisse als absolut ausreichender Ersatz für gute Ideen, Drehbücher und Stories durchgehen. Das Erzählen von Geschichten, etwas, das gerade im Bereich der Science Fiction eigentlich vor Möglichkeiten geradezu überquillt, rückt zunehmend in den Hintergrund. Umso schöner ist es dann, wenn alle paar Jahre doch mal wieder ein Film das Licht der Leinwand erblickt, der uns vom Gegenteil überzeugt. Looper von Rian Johnson ist zweifellos ein solcher Film. Ganz ähnlich dem Film Monsters (2010) von Gareth Edwards erzählt auch Looper an einer der Science Fiction entstammenden Idee entlang ganz altmodisch einfach eine gute Geschichte, in der die Charaktere sowie deren Motivation und Entwicklung mehr im Vordergrund stehen als die Welt in der sie Leben. Überhaupt zeigt uns Looper eine Welt, die weit genug von unserem Erfahrungshorizont entfernt ist, um uns glaubhaft technische Neuerungen zu vermitteln, aber gleichzeitig auch noch nah genug an unserem alltäglichen Leben angesiedelt ist, damit wir uns heimisch fühlen können. Rian Johnson entwirft und designt in seinem Film eine durchweg sehr wohl durchdachte Welt, die weitestgehend auf allzu abgedrehte Spielereien verzichtet und dafür deutlich bodenständiger, dreckiger und düsterer daherkommt als man anfänglich vielleicht vermuten würde. Natürlich entbehrt auch Looper nicht einer gewissen Unlogik, was schlicht und ergreifend der Thematik Zeitreise an sich geschuldet ist, ein Phänomen, das hier schon öfter zur Sprache kam. Aber Rian Johnson umschifft dieses Problem, dessen er sich augenscheinlich sehr wohl bewusst ist, durchaus elegant, in dem er dem Zeitreiseaspekt zwar eine gewisse innere Logik gibt, all das aber keineswegs zum Mittelpunkt seines Filmes macht. Es hat schon beinahe was von einer Metaebene, wenn Bruce Willis in einer gemeinsamen Szene zusammen mit Joseph Gordon-Levitt quasi die Vierte Wand durchbricht und seinem jüngeren Ich erklärt:„I don’t want to talk about time travel because if we start talking about it then we’re going to be here all day talking about it, making diagrams with straws.“ Tatsächlich interessiert sich der Film für die technischen Aspekte seiner Prämisse so gut wie gar nicht, sie stehen einfach nicht zur Diskussion, weil das Element der Zeitreise hier ähnlich wie in The Terminator lediglich dazu dient, die Plotentwicklung anzustoßen, um sich dann vielmehr mit dessen Auswirkungen auf die Charaktere zu befassen. So gewinnt Looper auch einen nicht unbeträchtlichen Teil seines Reizes aus vielen kleinen Einzelheiten, welche sehr charmant aus dem gängigen Einheitsbrei allenfalls mittelmäßiger Science Fiction-Filme herausstechen und geschickt mit dem Plot verwoben sind. Ich mag einfach, wie der ältere Joe erklärt, warum er nicht genau weiß, was sein jüngeres Ich als nächstes tun wird, ich mag die Idee, wie über 30 Jahre hinweg kommuniziert wird, ich mag, wie sehr Joseph Gordon-Levitt sich in seinem Schauspiel an dem von Bruce Willis orientiert, ohne diesen bloß zu kopieren. Nicht alle Ideen und Einfälle in Looper funktionieren auch immer, so fasert beispielsweise die Handlung durch ihre Verlagerung in der zweiten Hälfte ein wenig aus, findet dann im Finale aber wieder zu sich. Oder der Versuch, Joseph Gordon-Levitt via Make-Up auch optisch noch näher an Bruce Willis heranzurücken, der nicht wirklich funktionieren will. Und wie bereits erwähnt, diverse Logikbrüche und Ungereimtheiten gibt es auch. Aber Rian Johnson hat einen Film gemacht, der sich traut auch mal zu experimentieren und andere Wege zu beschreiten. Dazu bringt er Mut auf, wagt viel und nicht alles gelingt auch, aber das imponiert mir deutlich mehr, als andere Filme, die dann auf Nummer sicher gehen und nicht gewillt sind, vertrautes Terrain zu verlassen. Schon sein Regiedebüt Brick (2005) wusste mir zu gefallen, der nachfolgende Brothers Bloom (2008) war auch ein guter Film und Looper nun seine bisher stärkste und eigenständigste Arbeit. Kein Wunder, dass ich sehr gespannt darauf bin, was Rian Johnson hinter der Kamera von Star Wars: Episode VIII erschaffen wird. Ihm und Gareth Edwards als Regisseur von Star Wars: Rogue One traue ich zumindest zu, dass sie ihre Selbstständigkeit bewahren können.

 

Looper ist sicherlich weit davon entfernt, ein perfekter Film zu sein, aber er ist schon ein sehr guter, der gekonnt und selbstbewusst in einem Genre zu bestehen weiß, welches schon eine ganze Weile eben solche Qualitäten nur allzu oft vermissen lässt. Nicht alles, was Rian Johnson in seinem Film ausprobiert, funktioniert auch, aber immerhin hat er den Mut dazu, neues zu wagen, neue Ansätze und Ideen auszutesten. Das zumindest gehört zweifellos respektiert. Und überwiegend liegt er ja richtig, mit dem was er tut, und erschafft ein düsteres Werk, einen Science Fiction-Thriller im Gewand des Neo-Noir mit leichten Anleihen beim Western, eingebettet in einem toll ausgearbeiteten Setting, welches im Vorbeigehen sogar noch komplexe moralische Fragen zwar nicht verhandelt, zumindest aber streift. Allgemein, aber auch gerade innerhalb seines Genre würde ich mir gerne mehr solcher Filme wünschen, die sich trauen, auch mal Dinge anders zu machen und aus engen Vorgaben auszubrechen. Trotz offenkundiger Mängel, die ich dann problemlos verzeihen könnte.

 

7,5 von 10 geschlossenen Loops

 

 

 

Sicario

9. Februar 2016 at 20:19

 

 

© Lionsgate

 

 

 

„Nothing will make sense to your American ears, and you will doubt everything that we do, but in the end you will understand.“

 

 

 

Nachdem die junge FBI-Agentin Kate Macer bei einer Drogenrazzia in Arizona eher zufällig dutzende Leichen entdeckt, allesamt fein säuberlich in Plastik verpackt und in den Wänden des Hauses versteckt, ruft das eine behördenübergreifend agierende Taskforce auf den Plan, die den mexikanischen Drogenkartellen den Kampf angesagt hat. Der etwas undurchsichtige Geheimdienstler Matt Graver leitet diese Operation und will Kate als Verbindungsglied zum FBI unbedingt mit dabei haben. Als diese sein Angebot annimmt hat sie noch keine Vorstellung davon, worauf sie sich mit Graver und dessen externen Berater Alejandro eingelassen hat…

 

Ich kann gar nicht oft genug betonen, was für ein begnadeter Regisseur der Frankokanadier Denis Villeneuve doch ist. Seine Filme Polytechnique, Incendies, Enemy und Prisoners sind allesamt grandiose Werke, spannend, düster und oft nur schwer zu verdauen. Sein neuester Film Sicario bildet da absolut keine Ausnahme, so pessimistisch und gnadenlos wie es hier zur Sache geht. Nach einem Amoklauf an einer Hochschule, Jahre und Generationen überdauernden Kriegsverbrechen, seltsamen Doppelgängern und entführten Kindern thematisiert Villeneuve nun also den aufreibenden und frustrierenden Kampf amerikanischer Behörden gegen die mexikanischen Drogenkartelle, denen auf legalem Wege kaum beizukommen ist und die immer einen Schritt voraus zu sein scheinen. So ist Sicario entsprechend seiner Thematik auch ein zutiefst ambivalenter Film geworden, der Grauzonen auslotet und nicht nur jegliche moralischen Grenzen verschwimmen lässt, sondern sie mit zunehmender Laufzeit einfach auflöst. Indem Villeneuve die FBI-Agentin Kate Macer zum erzählerischen Dreh – und Angelpunkt in seinem desillusionierenden Abgesang auf Recht und Unrecht macht, gelingt es ihm auf einfache, aber ungemein effektive Art und Weise, den Zuschauer sofort und unmittelbar mit einzubeziehen. Ist sie anfangs noch fest verankert in dem Glauben, richtig zu handeln und gewillt, die Drahtzieher, die Hintermänner der Kartelle, zu erwischen, ebenso moralisch integer wie idealistisch und nicht minder ahnungslos wie der Zuschauer selbst angesichts der sich überschlagenden Ereignisse, so stellen die folgenden Erlebnisse ihre moralischen Vorstellungen nicht nur mehr und mehr in Frage, sondern auch gleich völlig auf den Kopf. Sie ist die Eintrittskarte für den Zuschauer in diese verkommene, grausame und kaum vorstellbare Welt voller Gewalt. Sie fungiert als moralischer Kompass in einer Welt ohne Moral, wodurch zunehmend ihre Hilf – und Nutzlosigkeit demonstriert wird. Mehr als eine Randfigur in dieser Operation wird Kate nicht werden, ein Spielball höherer Behörden als der ihren, leicht zu manipulieren aufgrund ihrer reflexartigen Rechtschaffenheit und genau deswegen überaus nützlich ohne es zu wissen. So ahnungslos wie sie ist, so verunsichert, ängstlich und machtlos, repräsentiert sie den Zuschauer selbst und wird zur Projektionsfläche für unsere eigenen Empfindungen. Zudem wirkt sie überaus menschlich und authentisch gerade weil sie eben überfordert ist mit den Ereignissen und ihren inneren Konflikt nicht ohne weiteres gelöst bekommt, wenn die bittere Erkenntnis auf sie wartet, dass sie Teil von etwas geworden ist, dessen Methoden sich kaum bis gar nicht von denen der Drogenkartelle unterscheiden.

 

 

 

„You should move to a small town, somewhere the rule of law still exists. You will not survive here. You are not a wolf, and this is a land of wolves now.“

 

 

 

Villeneuve findet zusammen mit seinem Kameramann Roger Deakins dann auch nahezu perfekte und unglaublich ausdrucksstarke Bilder für Sicario. Deakins, der nicht nur auch schon Prisoners hervorragend einzufangen wusste, sondern auch der Stamm-Kameramann der Coen-Brüder ist und folglich beim fulminanten No Country for Old Men bereits ein vergleichbar düsteres Setting in Staub und Hitze auf die Leinwand bringen konnte, leistet wirklich ganz hervorragende Arbeit. Lange Einstellungen dominieren den Film, die Enge und Weite zugleich vermitteln, und manchmal quälend langsam daherkommen, dann aber auch wieder sehr dynamisch und regelrecht explosiv ausfallen können, wenn das Erzähltempo es erfordert. Insgesamt ist Sicario einfach grandios inszeniert mit seinen ständig wechselnden Perspektiven und Blickwinkeln und allein die Tunnelsequenz ist ihr Geld schon wert, erinnert diese doch in ihrer unsäglichen Spannung sehr an das Finale im grandiosen Zero Dark Thirty von Kathryn Bigelow. Zudem bietet Sicario mit einer Fahrt in einem schwerbewaffneten Konvoi über die mexikanische Grenze rein nach Juarez und wieder zurück eine der spannendsten und vibrierendsten Szenen seit sehr langer Zeit. Solcherlei Szenen sind herausragende Spitzen in den 121 Minuten, die der Film dauert, aber Sicario ist von der ersten bis zur letzten Minute und sogar in seinen augenscheinlich ruhigen Momenten enorm spannend und intensiv geraten und lässt den Zuschauer ebenso wie seine Protagonistin beinahe nie wirklich zur Ruhe und zum Durchatmen kommen. Der Score des Isländers Jóhann Jóhannsson, der wie Roger Deakins ebenfalls schon bei Prisoners mit an Bord war, fügt sich dann dazu nahtlos in diese spannungsgeladene Inszenierung ein. Verstörend, bedrohlich und unterschwellig brodelnd unterstreicht er die richtigen Stellen und stellt sicher, dass einem die Schwere der Handlung in Sicario auch jederzeit bewusst ist. Den Rest erledigt dann die fantastische Besetzung rund um Emily Blunt, die ihre Kate Macer wirklich ganz hervorragend anlegt und sowohl ihren anfänglichen Idealismus wie auch ihre später immer deutlicher zum Tragen kommende Verunsicherung und letztlich ihre betäubende Machtlosigkeit in jeder Szene spürbar macht ohne dabei aufgesetzt zu wirken. Ihr wohnt eine faszinierende Natürlichkeit inne und man kauft ihr diese Rolle vollkommen ab, so authentisch gestaltet sie die junge FBI-Agentin als genau die passive Schlüsselfigur, die sie letztlich auch ist in diesem rätselhaften und kaum zu durchschauendem Konstrukt aus Zuständigkeiten, Kompetenzen und Politik. Und eben jene Rätselhaftigkeit wiederum verkörpern dann Josh Brolin als Matt Graver und Benicio Del Toro sogar noch mehr als der lange Zeit überhaupt nicht wirklich einzuordnende und geheimnisvolle Alejandro. Brolin füllt seinen Matt Graver so sehr mit ätzendem Zynismus, das er wahrlich nicht besonders sympathisch wirkt. Das bereits vor geraumer Zeit völlig desillusionierte Produkt eben jenes aussichtslosen Krieges, der dort im amerikanisch /mexikanischen Grenzland geführt wird, das verbitterte Gegenstück zur idealistischen Kate und vielleicht ein kleiner Ausblick auf ihre Zukunft. Alejandro dagegen ist noch einmal eine ganz andere Liga, mysteriös, wortkarg und die wohl am wenigsten durchschaubare Figur in Sicario, deren eigentliche Motivation sich erst zum Ende hin offenbart. Benicio Del Toro erweist sich als die perfekte Besetzung für den abgebrühten, kaltschnäuzigen und eiskalten Alejandro.

 

Mit Sicario ist Denis Villeneuve ein weiterer herausragender Film gelungen und der Regisseur unterstreicht auch hier mühelos, dass er zweifellos zu den momentan absolut besten seines Fachs zählt. Film um Film dreht er ein kleines Meisterwerk nach dem anderen. Er zeichnet in seinem jüngsten Werk ein sehr realistisches, schonungsloses und ausgesprochen pessimistisches Bild eines Krieges, bei dem es keine Sieger wird geben können. Um dies zu unterstreichen, findet er immer wieder extrem brachiale, zynische und erbarmungslose Motive, und gestaltet Sicario unglaublich desillusionierend. Es ist vielleicht nicht sein bester Film, denn das ist für mich aufgrund seiner emotionalen Wucht, Tragweite und Dringlichkeit immer noch Incendies, aber Sicario ist dennoch verdammt starkes Spannungskino der Extraklasse und ohne jeden Zweifel auch einer der besten Filme im letzten Jahr, der sich mühelos in die Top 3 meiner Lieblingsfilme 2015 hätte schieben können, hätte ich es doch nur früher geschafft ihn anzuschauen.

 

9 von 10 einbetonierten Leichen