The Green Knight (2021)

4. März 2022 at 21:30

 

© A 24

 

 

Red is the color of lust, but green is what lust leaves behind, in heart, in womb. Green is what is left when ardor fades, when passion dies, when we die, too.

 

Die Erzählungen rund um König Arthus und seine Ritter der Tafelrunde sind aus der Popkultur kaum noch wegzudenken und werden seit Jahrhunderten in unterschiedlichen Medien und Formen immer wieder adaptiert, umgedeutet und neu erzählt. Nun ist es der Regisseur David Lowery (A Ghost Story, The Old Man and the Gun, Pete´s Dragon), welcher sich dem mittelalterlichen Gedicht Sir Gawain and the Green Knight annimmt, um daraus eine recht eigenwillige Interpretation zu erschaffen. Eine klassische Ritterheldensaga sollte man hier jedenfalls nicht erwarten. Inhaltlich allzu eindeutig wird dieser betörend elegante und elegische Bilderreigen nämlich nicht, erzählt Lowery´s Film doch vielmehr von einer geradezu mystischen wie gleichermaßen rätselhaften Reise in entschleunigtem Tempo.

 

The Green Knight ist auch wirklich wundervoll anzusehen und voller traumhaft schönen Bildkompositionen im Minutentakt. Die Kamera von Andrew Droz Palermo (A Ghost Story, You´re Next) gleitet regelrecht durch die Szenerien und lässt Gaiwans Erlebnisse und Begegnungen nicht selten ins surreal Überhöhte kippen. Und wo die inhaltliche Ebene auf den ersten Blick nicht allzu viel anzubieten scheint, da konnte mich die audiovisuelle Ebene restlos begeistern. Grundsätzlich finde ich es meistens interessanter zu ergründen, was ein Film in mir persönlich auslöst und mit mir macht, als mir die Frage zu stellen, welche Botschaft mir der Regisseur vermitteln wollte. Und The Green Knight hat ziemlich viel in mir ausgelöst. Diffus und wenig konkret, aber stark im Nachgang. Was mir Lowery mit seinem Film letzten Endes sagen wollte? Ich habe keine Ahnung. Hat das mein Seherlebnis getrübt? Nein, denn Atmosphäre und Stimmung haben mich von Beginn an in ihren Bann gezogen und bis zum Schluss nicht mehr losgelassen.

 

8/10

 

 

The Gate (1987)

9. Mai 2021 at 13:24

 

© Alliance Entertainment/New Century Entertainment/Vista Organization

 

Alles beginnt mit einem Albtraum, geboren aus den unterbewussten Ängsten eines Kindes. Ängste, welche wir alle in irgendeiner Form und Gestalt kennen und erlebt haben. Das macht The Gate von Regisseur Tibor Takács so faszinierend für mich: sein erstaunliches Gespür für die mitunter diffusen Gefühlswelten eines Kindes, sein aufrichtiges Interesse an all den kleinen, potentiell traumatischen Erlebnissen einer Kindheit. Vieles davon geht auf den Drehbuchautor Michael Nankin zurück. Der eigentliche Horror ist hier eher der des Erwachsenwerdens mit all seinen Hürden und Tücken, quasi ein Coming of Age-Drama verpackt in einen seichten Gruselfilm mit Abenteuer-Flair.

 

Gleichzeitig aber ist The Gate auch eine Liebeserklärung an die kindliche Fähigkeit zur puren Imagination und an die Macht der Phantasie. Zweifellos stellt das Drehbuch seine ganz eigene Kinderlogik auf: wie hier Probleme angegangen und gelöst werden, das lässt keinen rationalen Zugang zu, ergibt keinen Sinn und wirkt zuweilen eher albern. Doch kann man das aus der heutigen Perspektive heraus überwinden und hinter sich lassen, dann kann The Gate ziemlich viel Spaß machen. Takács und Nankin lassen sich zwar verhältnismäßig viel Zeit mit dem Aufbau und die Handlung wirkt recht lange für ihre knapp 90 Minuten Laufzeit eher wenig zielführend, dafür jedoch dreht das letzte Drittel dann umso mehr auf und wirft alles in die Waagschale.

 

Das Drehbuch sorgt allerdings auch zuvor bereits für so manchen hübschen Einfall und in der Kombination mit den Effekten von Randall William Cook entsteht eine spannende Mischung. Cook verpasst gerade auch dem Creature Design durch seine kreative Herangehensweise eine erfrischend eigenwillige Qualität jenseits schnöder Authentizität. Dazu vermag der junge Stephen Dorff als Glen vor allem auch im Zusammenspiel mit dem ebenfalls ziemlich tollen Louis Tripp mehr als nur überzeugen. Überhaupt wirken die Beziehungen der Kinder untereinander aufrichtig glaubwürdig und auch die von Christa Denton gespielte Schwester von Glen fügt sich da harmonisch ein.

 

The Gate gehört vielleicht nicht zur Speerspitze des 80er-Teenie-Horrors (wobei ich den gar nicht so sehr in dem Genre sehe), macht in der zweiten Reihe aber eine überaus gute Figur und irgendwo zwischen Filmen wie Phantasm, House, IT oder einer etwas naiveren Version von Poltergeist vor allem Spaß.

 

7 von 10 Mal unfreiwillig dämonische Kräfte entfesseln

 

 

Hausu (1977)

9. Mai 2021 at 0:11

 

©Toho

 

 

Mag man den Ausführungen von Regisseur Nobuhiko Ôbayashi Glauben schenken, dann beruht die Idee zu Hausu auf einem Gespräch mit seiner elfjährigen Tochter über deren Ängste. Spukhäuser gibt es ebenso zahllose in der Geschichte des Kinos wie Teenager, welche abseits der schützenden Familie in Gefahr geraten. Und doch ist Hausu so viel mehr als bloß eine weitere Variation bekannter Genre-Mechanismen. Es hilft zu verstehen, woher Ôbayashi ursprünglich kommt, nämlich aus der Werbung. So erklärt sich dann auch sein durch und durch unkonventioneller Anspruch an die Inszenierung und seine offenbar unbändige Lust an filmischen Experimenten. Hausu versucht, die Möglichkeiten seines Mediums nicht einfach nur auszuloten oder auszudehnen, sondern lieber gleich zu zerstören. Buchstäblich.

 

Ôbayashi arbeitet sich direkt und unmittelbar an der Substanz des Mediums selbst ab, wenn Hausu nie auch nur versucht, seine Spezialeffekte zu kaschieren, und diese viel lieber ganz bewusst ausstellt und als Möglichkeit begreift, das filmische Bild in seine Bestandteile zu zerlegen. Hierfür nutzt er eine breite Palette der verschiedensten Tricktechniken und nichts davon wird als stumpfe Prothese genutzt um Illusionen zu erzeugen, sondern ganz gezielt als absichtliche Dekonstruktion. Inhaltlich macht Hausu das kaum anders und schert sich auch wenig um erzählerische Konventionen. Allein die Namen der Freundinnen sprechen da für sich, wenn jede von ihnen ganz bewusst nach einfachsten Charakterzügen oder Lastern benannt ist. Kung Fu, Fantasy, Prof, Mac, Melody und Sweet.

 

Hausu erhebt eben zu keiner Sekunde Anspruch auf Authentizität, sondern sieht sich ganz klar als Kunstprodukt und pendelt dabei immerzu zwischen groteskem Horror, schrägem Coming of Age und japanischen Mythen. Mit Hausu ist Ôbayashi seiner Zeit wahrlich voraus und bietet ein regelrechtes Füllhorn an audiovisuellen Ideen, eine mitunter geradezu sinnliche Erfahrung und visionäres Filmemachen.

 

8 von 10 abgebissenen Fingern

 

 

Star Wars: Episode IX – The Rise of Skywalker (2019)

5. Januar 2020 at 19:02

 

 

© Walt Disney Studios Motion Pictures/Quelle: IMDb

 

 

 

I know what I have to do, but I don’t know if I have the strength to do it.“

 

 

 

Das ist er also, der Abschluss der Prequel-Trilogie und vermeintlichen Skywalker-Saga zugleich. Ob es einen solchen brauchte, das muss jeder für sich beantworten, ich für meinen Teil halte die Skywalker-Saga mit der Schlacht um Endor für beendet. Und keine Frage: das anzutretende Erbe war schwer wie groß, die Produktionsgeschichte turbulent und die Fangemeinde speziell. Inklusive mir. Viel kommt zusammen: große Erwartungen, falsche Entscheidungen, kindische Grabenkämpfe und eine übersättigende Veröffentlichungspolitik, alles kulminierend in The Rise of Skywalker.

 

J.J. Abrams mag vielleicht kein sonderlich guter Regisseur sein, ein schlechterer Drehbuchautor und vor allem Geschichtenerzähler ist er in jedem Fall und Episode IX ist der endgültige Beweis dafür. Ich habe schon wirklich sehr, sehr lange kein derart faules Drehbuch erleben müssen, bei dem man sich als Zuschauer buchstäblich für dumm verkauft fühlt. Vollkommen überladen und viel zu schnell hetzt die dünne Narrative unübersichtlich von Plotpoint zu Plotpoint wie eine einzige gigantische Schnitzeljagd und das flache Storytelling besteht aus kaum mehr als Unmengen an fadenscheiniger Exposition. Bereits der Auftakt wischt allerhand beiseite, damit Abrams sein Setup wiederherstellen kann und Entscheidungen von Episode VIII egalisiert werden können. Mit Hammer und Meißel statt Skalpell, wohlgemerkt.

 

Deus Ex Machina – Der Film. Die billigen Kniffe und das haarsträubend zurecht gebogene Drehbuch bedürfen augenscheinlich nicht einmal lausig hingerotzten Nebensätzen als Erklärung, nichts wird erläutert, noch so krude Wendungen werden kommentarlos stehen gehenlassen. So einiges hätte ich ja noch durchgehen lassen, denn manche Idee ist gar nicht so verkehrt, wenn irgendwann mal Bezug dazu genommen worden wäre, doch Abrams etabliert Dinge aus dem Nichts wie es gerade passt. Er jongliert hier munter mit immerzu bloßen Behauptungen, mehr aber auch nicht. Dazu hat nichts mehr eine Fallhöhe oder Bedeutung, geschweige denn emotionales Gewicht, wenn augenscheinlich radikale Wendungen im nächsten Atemzug wieder revidiert werden können oder Jedi-Kräfte gleich den Tod überwinden.

 

Figurenentwicklung ist Mangelware und einzig Adam Drivers Kylo Ren trägt einen maßgeblichen Konflikt in sich aus. So ist auch seine fragile Beziehung zu Rey noch die größte Stärke des Filmes. Die Szenen mit den beiden sind noch das klare Highlight. Auch hätte ich mir ein paar ruhige Momente und Stille gewünscht, doch so kann sich The Rise of Skywalker kaum entfalten und darf nicht zu Atem kommen. Man spürt deutlich, dass die Macher im Hintergrund lediglich von Film zu Film dachten und es nie eine übergreifende Vision für die gesamte Trilogie gab. Selbst die Prequel-Trilogie mit all ihren teils schweren Fehlern muss sich diesen Vorwurf nicht gefallen lassen. Rückblickend empfinde ich dann auch Episode VIII als den stärksten Beitrag zur neuen Trilogie. Sicher, auch dieser scheitert in sich, aber wenigstens hat Rian Johnson es versucht, Strukturen aufzubrechen und neue Wege zu erkunden. Abrams hingegen dreht sich immerzu im Kreis. Altbewährtes scheint dieser Tage gefragter als neue Ideen. Schade, denn das Star Wars-Universum bietet gefühlt unendlich Möglichkeiten für spannende Geschichten.

 

5 von 10 mal von den Toten zurückkehren